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11. November 2008, 08:44 Uhr

Beitragssätze könnten bald sinken

Die Rücklagen der Rentenversicherung werden laut dem neuen Rentenversicherungsbericht offenbar stetig größer. Zeitungsberichten zufolge bleiben die Beitragssätze deshalb bis zum Jahr 2011 stabil und könnten ab 2012 sogar sinken.

Rente, Beitragssatz, Rentenversicherung, Rentner

Der Anteil der Rentner, die wegen eines vorzeitigen Ruhestands zum Teil hohe Abschläge hinnehmen müssen, nimmt Medienberichten zufolge immer mehr zu© Gerit Borth/DDP

Das Finanzpolster der Rentenversicherung nimmt nach einem Zeitungsbericht stetig zu und könnte mittelfristig niedrigere Beitragssätze ermöglichen. Bis Ende dieses Jahres würden die Rücklagen mit 15,7 Milliarden Euro um 4,2 Milliarden Euro höher ausfallen als Ende 2007, berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" am Dienstag. Das seien 0,97 Monatsausgaben nach 0,72 Ende des Vorjahres. Die Zeitung berief sich auf den neuen Rentenversicherungsbericht 2008, der ihr vorliege. Bis 2012 könnte sich demnach das Finanzpolster auf 1,54 Monatsausgaben erhöhen. Sollte sich das bewahrheiten, könnte der Beitragssatz von gegenwärtig 19,9 Prozent auf 19,2 Prozent sinken. Bis 2011 bleibt der Satz der Zeitung zufolge stabil.

Die 20 Millionen Rentner können im Jahresdurchschnitt bis 2022 mit Steigerungen von 1,9 Prozent rechnen, berichtete das Blatt weiter. In die Berechnungen seien die neuen Wirtschaftsprognosen der Regierung ebenso einbezogen wie der künftige einheitliche Krankenkassenbeitrag und die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge. Die Bundeszuschüsse zur Rentenkasse würden von 56,4 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 60,9 Milliarden Euro in 2012 steigen. Die an Männer im Osten ausgezahlten Renten lagen danach zur Jahresmitte 2008 im Schnitt bei 1008,64 Euro gegenüber 959,88 Euro im Westen. Frauen im Osten erhielten 851,65 Euro gegenüber 655,03 Euro im Westen.

Ostdeutsche Ministerpräsidenten wiesen unterdessen nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" Forderungen nach einer schnellen Anpassung der Rentenberechnung von Ost und West zurück. So sagte Sachsen-Anhalts Regierungschef Wolfgang Böhmer, werde die Anpassung sofort vorgenommen, würden sich viele Menschen schlechter stellen als jetzt. Auch sein Kollege Erwin Sellering aus Mecklenburg-Vorpommern warnte, eine schnelle Änderung werde der Komplexität des Themas nicht gerecht. Bei der derzeitigen Berechnung der Renten werden Ost-Löhne aufgewertet.

Laut "Bild"-Zeitung nimmt der Anteil der Rentner, die wegen eines vorzeitigen Ruhestands zum Teil hohe Abschläge hinnehmen müssen, immer mehr zu. Inzwischen gelte das für mehr als jeden zweiten Neurentner, berichtete die Zeitung unter Berufung auf eine Statistik der Rentenversicherung. Im vergangenen Jahr hätten bereits 55,1 Prozent der Neurentner Abschläge auf ihr Altersgeld hinnehmen müssen nach noch 49,6 Prozent im Jahr 2006. Im Durchschnitt erhielten die Betroffenen ihre Rente 37,2 Monate vor dem eigentlichen Rentenalter. Ihre Renten würden um Durchschnitt um 100 Euro im Monat niedriger ausfallen. Dramatisch sehe es bei Frauen in Ostdeutschland aus. Fast vier Fünftel der Neurentnerinnen dort, 79 Prozent, müssten Abschläge hinnehmen.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
knilch_59 (11.11.2008, 15:15 Uhr)
Beitragssätze sinken - auf dem Weg in die Grundsicherung
Ost-Renten sind also höher als West-Renten – eiverbibschd. Ungerecht? Kann sein – aber andererseits hatten die „Wessis“ auch regelmäßig Gelegenheit sich darüber hinaus eine ergänzende Altersvorsorge zuzulegen, „Ossis“ nicht. Im Osten geringere Mieten stehen im Westen höhere Wohneigentumsquoten gegenüber usw. Gerechtigkeit? Keine Ahnung.
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Viel schlimmer ist das Rentenniveau. Die ausgezahlten Renten liegen im Schnitt nicht mehr weit über der Grundsicherung + Wohngeld. Jedes weitere Absenken des Rentenniveaus führt also nicht mehr zu einem niedrigeren Rentnereinkommen, sondern nur zu einer Umschichtung der Rentnereinkünfte aus dem Versicherungs- in den Steuertopf. Unser gesamtes Altersvorsorgemodell ist damit gefährdet: Warum soll ein 64-jähriger denn noch bis 67 arbeiten, wenn es sich nicht in seiner Rente auswirkt? Warum soll ein 58-jähriger keine Altersteilzeitvereinbarung unterschreiben, um mit 64 in rente zu gehen? Warum soll sich ein 55-jähriger noch anstrengen, anstatt auf das Angebot, mit 58 einen ATZ-Vertrag unterschreiben zu dürfen, zu warten?
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Gerade am unteren Ende der Gehaltsspanne sitzen die, die mit der Rente mit 67 die größten Probleme haben, „Gutverdiener können länger“ (arbeiten). Da wächst der nächste soziale Sprengstoff rasant heran. Auf der einen Sonnenseite Sesselpuper, die sich aussuchen können, ob sie mit 67 und 1.500 € oder 62 mit 1.350 € zu Hause bleiben und der immer größer werdende Rest.
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Es wird höchste Zeit für eine umfassende Rentenreform, und alle guten Nachrichten über sinkende Beitragssätze können darüber nicht hinwegtäuschen. Das System (!) ist nicht finanzierbar, nicht für 19, nicht für 20 und nicht für 25%
Gisella (11.11.2008, 11:49 Uhr)
Sethus Calvisius
bevor ich Ihren Beitrag überhaupt gelesen hatte-war mir klar, dass es nur zu einer Beitragskürzung kommen könnte, wenn die Konjunktur stabil bleibt. bleibt sie aber nicht-verdrängen wir etwa , was da über den grossen Teich angedüst kam, nämlich diese Finanzkrise??? wir sind doch noch gar nicht richtig drin-in der Misere. so, keine Hoffnungen machen, dass uns jemand etwas geben könnte-im Gegenteil.
SethusCalvisius (11.11.2008, 11:27 Uhr)
@cologne237
Gott sei Dank ist der Mentalität der Westler ja ganz anders. Wir sind ja hier im Westen immer bereit, Gesetzesänderungen zu akzeptieren, nach denen wir finanziell schlechter gestellt sind. :)
Zum Artikel selber:
Die gute finanzielle Situation der Rentenversicherung (genau wie die der Arbeitslosenversicherung) ist ja ein Resultat der derzeit (noch) guten Konjunktur. Daraus kann man ganz einfach schließen, dass bei abflauender Konjunktur (was ja zu erwarten ist) auch die Einzahlungen in die Rentenkassen wieder nachlassen. Insofern sind sinkende Beitragssätze genauso wahrscheinlich wie ein ausgeglichener Bundeshaushalt.
cologne237 (11.11.2008, 11:05 Uhr)
Arme Ostminister
Da fordert der Westen eine Anpassung und die Ostminister weisen diese unisono zurück. Diese Mentalität der Ostler ist nur noch zum kotzen. Dort wo es weniger gibt, schreien die. Wann wird denn die BBG Ost auf Westniveau angehoben? Viele beklagen sich über die Mauer in den Köpfen, fast 20 Jahre nach dem Mauerfall. So lange sich Ostminister auf die Verfassung berufen wenn es um eine Abschaffung der Ostförderung geht, aber keine Bedenken haben, diese Mittel entgegen dem vorgeschriebenen Verwendungszweck zu verschleudern, bleiben die für mich Abzockossis.
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