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21. April 2010, 11:55 Uhr

Regieren wie am Fließband

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine Reihe von Beschlüssen auf den Weg gebracht. Die wichtigsten Entscheidungen: eine Nullrunde für Rentner, die Billigung der Jobcenter-Reform und die Verlängerung der Kurzarbeit-Förderung.

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Fleißige Minister: Das Bundeskabinett hat am Mittwoch unter anderem die Jobcenter-Reform und die Verlängerung der Kurzarbeit-Förderung beschlossen© Steffen Kugler/DDP

Auf die gut 20 Millionen Rentner wartet in diesem Jahr eine Nullrunde. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch in Berlin, die derzeit gültigen Rentenwerte unverändert zu lassen. Grund ist die schwache Entwicklung der Löhne in der Wirtschaftskrise.

Eine eigentlich fällige Rentenkürzung wird allein durch die neue Rentenschutzklausel verhindert. Zuletzt mussten die Rentner zwischen 2004 und 2006 drei Nullrunden in Folge hinnehmen. Im vergangenen Jahr gab es - mitten in der Wirtschaftskrise - mit plus 3,4 Prozent im Osten und 2,4 Prozent im Westen die höchste Rentensteigerung seit mehr als zehn Jahren.

Ferner brachten die Kabinettsmitglieder die Reform der Jobcenter und die verlängerte Förderung der Kurzarbeit auf den Weg. Bei der Kurzarbeit soll die Sonderförderung über das Jahresende 2010 hinaus bis zum März 2012 verlängert werden. Arbeitgeber können sich damit die Sozialabgaben auf das Kurzarbeitergeld vom siebten Monat an weiter voll erstatten lassen.

Verfassungsgerichtsurteil wird umgesetzt

Mit der Neuorganisation der Jobcenter wird dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts Rechnung getragen, das die Zusammenarbeit von Kommunen und Arbeitsagenturen in den Jobcentern als verfassungswidrige Mischverwaltung beanstandet hatte. Mit der Reform soll auch die Zahl der Optionskommunen, die sich in Eigenregie um die Hartz-IV-Bezieher kümmern, von bislang 69 auf 110 aufgestockt werden.

Nach den von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgelegten Eckpunkten sollen sich die Jobcenter und Optionskommunen künftig verstärkt um junge Arbeitslose, alleinerziehende Mütter und ältere Arbeitssuchende kümmern. Arbeitslose unter 25 Jahren sollen innerhalb von sechs Wochen verpflichtend in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden. Für jedes Jobcenter ist eine Frauen-Beauftragte vorgesehen.

Förderung von Studenten mit neuen Stipendien

Den Weg frei machten die Minister auch für einen höheren Hinzuverdienst für Kinder aus Hartz-IV-Haushalten: Sie können von dem Geld aus Ferienjobs künftig bis zu 1200 Euro im Jahr behalten. Bisher wurde es zum größten Teil mit dem Arbeitslosengeld II verrechnet.

Das Kabinett billigte den Angaben zufolge auch eine Anhebung der Bafög-Zahlungen an Studenten auf höchstens 670 Euro monatlich. Besonders begabte Studenten sollen zudem durch ein neues nationales Stipendienprogramm gefördert werden.

Auch die Solarförderung war Thema. Die Regierung will der Solarindustrie 100 Millionen Euro Sonderfördermittel bereitstellen. Sie sollen hauptsächlich der Forschung zugute kommen und durch Mittel der Industrie ergänzt werden.

DPA/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 32)
 
rockyciano (22.04.2010, 09:13 Uhr)
@Onzapintada
Sie liegen vollkommen richtig mit Ihrer Einschätzung.Benennen wir doch mal die einzelnen Gruppen,die unsere Gesellschaft kontrollieren möchten.
-Banken
-Unternehmer.......Gewinnmaximierung durch Ausbeutung der Arbeitnehmer
-Medien.......kommen ihrer Aufklärungs-
und Informationspflicht nicht mehr nach,
der Journalistische Kodex wird kaum
noch beachtet
- Militär...........soll auf Wunsch von zu Guttenbergs die 2. Macht im Staate werden,was jedoch mit allen Mitteln verhindert werden muß
-Politik ...............schafft für sich und die o.g. Gruppen die Rahmenbedingungen
und notwendigen Gesetzesvorlagen.

Nun zum Artikel.Für die jungen Arbeitslosen wird sich definitiv nichts verändern.Es gibt weder die nötigen Ausbildungsplätze noch Arbeitsplätze.Die werden wahrscheinlich in irgendwelche Beschäftigungsgesellschaften verschoben.
BAFÖG-Erhöhung von 13,- Euro.Unsere Studenten werden sich vor Freude verneigen.
Nullrunde für Rentner war zu erwarten.Reallöhne steigen seit Jahren nicht mehr an.........warum wohl????
Männliche Arbeitslose sollen zu Erzieher umgeschult werden(geht´s noch)

Hoffentlich hat sich unsere Regierungskaste nicht übernommen und fällt wegen Burn-Out für länger aus.
Skillet4 (22.04.2010, 03:53 Uhr)
So lange
High ? Tech und Luxusschlitten von hier in die Welt bzw. nach Ami ? Land exportiert werden, kann man sich den *inneren Frieden* noch leisten.
Danach werden andere Modelle (ich meine keine Autos, zumindest im herkömmlichen Sinn) eingeführt, keine Frage.
Ob das dann noch mit Fortschritt zu tun hat, ist eine andere.
Prologo (22.04.2010, 00:00 Uhr)
@onzipintada, Wenn das Sytem zerfallen ist,..

..und nicht mehr auf den Gleichgewichtspunkt zurück gebracht werden kann, dann fällt auch das Regime.

Das deshalb, weil das Land ohne Wirtschaftsmacht dann tod ist. Dann wird ein neues Regime gesucht.

MfG.
T.
Onzapintada (21.04.2010, 23:45 Uhr)
Schwer abzuschaetzen, wann
Die am komplexen, dynamischen System schraubenden Wichte ueberdrehen die Leistungserhoehungs- und Lohnkuerzungsschrauben frueher oder spaeter.

Gemaess der Chaostheorie kann ein System, wenn es sich einmal weit genug von seinem Gleichgewichtspunkt entfernt hat, danach nicht mehr in dieses Gleichgewicht zurueckgebracht werden.

Das heisst aber noch nicht, dass das Regime dann auch faellt. Nur das Land als ganzes wird sich dann als Wirtschaftsmacht verabschieden, gerade aufgrund der derzeitigen Ueberanstrengungen.
Prologo (21.04.2010, 23:21 Uhr)
@onzipintada, Sie irren sich nicht.
Man kann durch diese Technik mit einer kleinen Zahl von Menschen wahnsinnig viel Unheil schaffen.

Aber das Problem ist, das Kongleramat wird immer größer, und wird dadurch nicht mehr beherrschbar. Denn es gibt immerUunzufriedene in diesem Kartell, und die werden dafür sorgen, dass die Organisation zusammenfällt.

Es gibt nur eine Organisation, die über fast 100 Jahre das System beherrscht. Das ist die Maffia. Deren Mittel sind bekannt.

Das geht bei uns noch nicht, denn bei dem ersten toten Politiker wacht sogar der deutsche Michel auf.

MfG,
T.
Onzapintada (21.04.2010, 22:58 Uhr)
@Prologo: das Internet ist den Wichten sicher ein Dorn im Auge
und sie setzen alle Hebel zu seiner Kontrolle in Bewegung.

Das zentrale Problem der fortgeschrittenen Technik in einer Gesellschaft mit derartiger Vermoegens- und Machtkonzentration wie in Deutschland liegt aber doch darin, dass erstere es moeglich macht, mit einer sehr kleinen Anzahl von Personen die ganze Gesellschaft zu kontrollieren. Korrigieren Sie mich hier, wenn ich mich irre.

Es wird wohl viel davon abhaengen, wie gut im jeweiligen Land die jeweilige Seite, also z.B. Finanzoligarchie, Industrie, arbeitende Bevoelkerung, organisiert ist. Das ist der Hauptgrund, warum sich das Elend in Deutschland noch sehr lange hinziehen kann.
Prologo (21.04.2010, 22:33 Uhr)
@onzipintada, Ich glaube solange wird es nicht mehr dauern.
Die Wichte haben einen Faktor unterschätzt. Die Kommunikation durch die neue Technik!!

Deshalb sind sie ja wie der Teufel hinter den Daten der elektronischen Kommunikation her.

Früher dauerte es lange, bis jeder in Deutschland über die neuesten Sauerreien der Politiker und Banken erfuhr. Das geht jetzt viel zu schnell. Sie kommen ja schon nicht mehr hinterher, zu dementieren was einer vor drei Stunden gesagt hat.

Das haben alle unterschätzt, außer Schäuble. Der weis um diese Gefahr.

MfG,
T.
Onzapintada (21.04.2010, 22:21 Uhr)
@Prologo: Leider ziemlich lange
Habe neulich im Internet einen interessanten Kommentar zum damit im Zusammenhang stehenden Hartz-4-Thema gelesen, von Andreas Heil:

?Eins lässt sich aber schon garantieren: Wenn versucht wird, mit dem ökonomischen Muster der Vorkrisenzeit zu operieren und die Zeche des großen Spiels im Kohlenkeller der Republik einzusammeln, fliegt der bel etage das ganze Ding sehr rasant um die Ohren und die Republik verabschiedet sich dann auch aus der Riege relevanter Staaten. Und in dem Fall wäre diesem Ergebnis auch keine Träne nachzuweinen und wir können froh sein, dass die Republik wenigstens nicht bis an die Zähne bewaffnet ist.?

Deshalb bauen die Wichte ja vor: Abbau der Grundrechte, Einsatz der Bundeswehr im Innern, um eben eine Revolution wie die franzoesische zu verhindern. Es koennte also eine Eiserne Ferse drohen, die sich noch relativ lange an der Macht halten kann, vielleicht ein paar Jahrzehnte, waehrend um sie herum alles verfaellt.

Aber immerhin, ein Ancien Régime mit Raketen waere noch schlimmer.
Prologo (21.04.2010, 22:13 Uhr)
@Onzipintada, 21,54, Danke für den Kommentar.

Leider muss ich Ihnen in allen Punkten recht geben.

Die Frage ist, wie lange läßt sich das Volk diese Ausbeutung noch gefallen? Ich glaube die Antwort kennen wir leider schon aus der Vergangenheit.

MfG,
T.
Onzapintada (21.04.2010, 21:54 Uhr)
Milchmädchen Merkel und Leyens Leistungsträger
Die liebenswuerdige Leiharbeitsministerin, Laiendarstellerin und Lakaiin der sich Leistungsträger nennenden Empfänger der Leistung des Volkes und der Volkswirtschaft, also der reichen Oberschicht, v.d. Leyen, und die liberale Laienregierung labern ihre Landsleute mit ihrem Gelalle von Leistungskürzung voll.

Die Lust der Leistungstraeger ist es, ihre lieben Landsleute fuer wenig Lohn fuer sich leisten zu lassen, damit sich die Leistungstraeger weiterhin lustvoll ihren Luxus leisten koennen.
Sie singen ein Loblied dem Leistungsprinzip der Lohnempfaenger in der legalisierten Leiharbeit.

Die Leistungstraeger lachen, denn die lieben Landsleute leiden leider lieber lange unter dem durch die Leistungstraeger legalisierten Leistungsdruck, verzichten auf Lebenschancen und Lebensglück und leisten sich sonst nichts - nicht einmal Widerstand leisten sie - so dass die Leistungstraeger und ihre Lobbyisten und Laien-Lakaien auch weiterhin den Leistungsdruck erhoehen und sich auch sonst allerhand leisten koennen.

Es erinnert an die Landesfürsten in deutschen Landen in der Zeit vor der Revolution von 1789, als Deutschland aus vielen kleinen Ländchen wie Luxemburg und Liechtenstein bestand, die als damalige landesfürstliche Leistungstraeger sich daran labten, wie die Luden ihre Landeskinder legionenweise an Londoner Lords zu verleihen, damit diese in Amerika ihr Licht länger leuchten lassen konnten.
Heute wuerde man dies einen auf die modernen Leistungserfordernisse der globalisierten Weltwirtschaft zugeschnittenen reformierten Arbeitsmarkt nennen. Die Landeskinder, die sich oft keinen Laib Brot leisten konnten, liessen sich darauf ein und sich verleihen.

Heute sehen wieder viele Landsleute im Verlassen des Landes ihre Lebenschance, um nicht laenger fuer die Eliten-Leistungstraeger laborieren zu muessen.

Milchmaedchen Merkel, die als lokale FDJ-Leaderin den Kapitalismus verstanden haben muss, ist dessen Lockungen erlegen, fuehrt uns in eine leidige Lage und haelt dies fuer einen lässlichen Lapsus, leider nicht linguae. Die Leistungstraeger legen es drauf an. Ganz legal.

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