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Guttenberg legt nach - mit einem Buch

Nach dem XXL-Plagiat kam der XXL-Abschied, jetzt gab es den XXL-Auftritt, bald die XXL-Erklärung - für das XXL-Comeback? Karl-Theodor zu Guttenberg legt ein Buch vor. Titel: "Vorerst gescheitert".

Von Lutz Kinkel

Eigentlich war der Mann schon abgehakt. Just an diesem Montag, um 10.47 Uhr, verschickte die Deutsche Presseagentur eine Liste mit Themen für das Jahresende. Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, Ex-Wirtschaftsminister, Ex-Verteidigungsminister, Ex-Reservekanzler, steht auch darauf. Und zwar unter "weitere Beiträge Politik International". Dort findet sich die Zeile: "Skurrile Rücktritte von Guttenberg bis DSK". Geplant war offenbar eine Art Überblick, welche Politiker unter skandalösen Umständen 2011 in der Versenkung verschwunden sind.

Der adelige Konter kam praktisch sofort. Um 14.20 Uhr traf die Mail des Herder-Verlages auf den Rechnern der Hauptstadtjournalisten ein. Die Mail annoncierte ein neues Buch. Es heißt, Achtung, bitte genau lesen: "Vorerst gescheitert". Der Inhalt, nach Verlagsangaben: "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und KT liefern sich einen "Schlagabtausch" über die Plagiatsaffäre und deren Folgen. Weiter heißt es: "Zu Guttenberg spricht über seine Herkunft, seine Familie, über die Zeit als politischer Überflieger im Wirtschafts- sowie im Verteidigungsministerium, über seinen Umgang mit den eigenen Fehlern, über die Zeit nach dem Rücktritt – und über die Voraussetzungen für die Rückkehr eines immer noch enorm populären Politikers."

Kein Wort in Halifax

Nach der XXL-Affäre und dem XXL-Rücktritt nun also das XXL-Interview für das XXL-Comeback? Es passt zu "KT", dass er den großen Auftritt wählte. Seit Wochen wird in Berlin gemunkelt, er würde, vermutlich zur Jahreswende, einem größeren Medium ein längeres Interview geben. Nun ist gleich ein ganzes Buch daraus geworden, das rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft in den Regalen liegen wird. Das erklärt auch, weshalb sich Guttenberg bei seinem Auftritt am Wochenende im kanadischen Halifax so zugeknöpft gab und keine Journalistenfragen beantwortete. Jeder Satz aus seinem Mund hätte dem Werk ein Stück Exklusivität genommen und die Spannung gemindert. Auf die Inszenierung seiner Selbst versteht sich "KT" auch ohne Brille und Gel.

Dass sich Guttenberg den "Zeit"-Chefredaktredakteur Giovanni di Lorenzo als Interviewpartner ausgesucht hat, ist wenig überraschend. Di Lorenzo war einer der Letzten, der Guttenberg in der Plagiatsaffäre verteidigte. In der "Zeit" schrieb er noch am 24. Februar: "Karl-Theodor zu Guttenberg ist seinen Doktor jur. los. Das ist angemessen. Sein Amt soll er behalten. Und sich darin künftig allein an seiner Leistung messen lassen." Dafür kassierte di Lorenzo auch von seinen Lesern harsche Kommentare. Eine Woche später war ohnehin Schluss: "KT" musste gehen und das Verteidigunsministerium aufgeben. Allein die "Bild", Guttenbergs Hausblatt, weinte da noch dicke Tränen.

Den Kleingeistern die Leviten gelesen

Nach seinem Abschied zog sich Guttenberg vollständig aus der Politik zurück, kündigte eine "Auszeit" an und übersiedelte samt Frau und Töchtern nach Conneticut, USA. Sein Aufritt am Samstag, als er, wie man es von ihm gewohnt ist, den Kleingeistern in der deutschen Politik die Leviten las, ließ sich schon als Fingerzeig darauf werten, dass Guttenberg bereits genug von seiner "Auszeit" hat - und sich wieder darauf vorbereitet, in der Politik mitzumischen. Angeblich hält ihm sein Wahlkreis in Bayern die Kandidatur für die Bundestagswahl 2013 offen.

Voraussetzung seiner Rückkehr, darin waren sich indes alle Beobachter einig, wäre jedoch eine Erklärung, ein Wort der Reue, eine Entschuldigung an die Wissenschaftsgemeinde, die er wochenlang mit bizarren Erklärungen versuchte an der Nase herumzuführen. Das nun angekündigte Buch des Herder-Verlages könnte genau diesen Zweck erfüllen. Nebenbei, so heißt es, arbeite Guttenberg auf Geheiß seines Vaters Ennoch an einem zweiten Buch: einer neuen Doktorarbeit. Sie soll die Plagiatsaffäre endgültig vergessen machen und die Familienehre wieder herstellen.

Es geht fix, bei Herrn zu Guttenberg. Wie immer.

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