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14. Oktober 2008, 15:56 Uhr

"Das kann so nicht beschlossen werden"

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück konnte sie nicht umstimmen: Mehrere Bundesländer lehnen das 500 Milliarden Euro schwere Banken-Rettungspaket der Bundesregierung in seiner derzeitigen Form weiterhin ab. Knackpunkt ist die Doppelbelastung der Länder.

Lehnt eine Doppelbelastung der Länder durch den Rettungsplan ab: Bayerns Finanzminister Erwin Huber© Oliver Lang/DDP

Die Finanzminister der Länder haben weiter Vorbehalte gegen das 500 Milliarden Euro schwere Rettungspaket der Bundesregierung für den Finanzsektor. "Das kann in dieser Form nicht beschlossen werden", sagte der bayerische Ressortchef Erwin Huber (CSU) am Dienstag nach einem Treffen mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in Berlin. Sein niedersächsischer Kollege Hartmut Möllring (CDU) erklärte, es sei "einheitliche Linie", dass eine Doppelbelastung der Länder verhindert werden müsse.

Die Länder sind zwar im Grundsatz für den Rettungsplan, wehren sich aber dagegen, dass sie nicht nur 35 Prozent des Gesamtpakets schultern sollen, sondern zusätzlich auch die Lasten für ihre notleidenden Landesbanken. Obwohl es im Detail unterschiedliche Positionen gebe, sehe eine Mehrheit der 16 Länder in der Doppelbelastung den Knackpunkt, sagte Huber. Die offenen Fragen müssten vor der abschließenden Behandlung des Pakets in Bundesrat und Bundestag weiter verhandelt werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger verlangte ein Mitspracherecht der Länder. "Wer mithaftet, muss mitreden", betonte der CDU-Politiker in Stuttgart. Oettinger forderte insbesondere Änderungen bei dem Garantiefonds für die Banken. Dabei sei keine Mitbestimmung der Länder vorgesehen. "Das geht nicht."

Steinbrück räumte im Anschluss an das Gespräch ein, dass es in dieser Frage einen "Dissens" gebe. Er setze nun auf die Verhandlungen der Ministerpräsidenten am Donnerstagnachmittag. "Ich halte eine Lösung für zwingend erforderlich", sagte der Finanzminister. Man könne es sich nicht leisten, dass sich das Paket verzögere. Grundsätzlich seien sich Bund und Länder einig, das Paket diese Woche zu verabschieden.

"Die Länder werden an Bord sein"

SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte die Einwände der Länder angesichts des Ausmaßes der Krise "kleinkariert". Es dürfe nicht dazu kommen, dass durch Taktiererei im Bundesrat die Verabschiedung der Gesetzespläne verhindert werde, sagte er in Berlin. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) geht fest davon aus, dass sich die Länder trotz ihrer Bedenken am Rettungspaket beteiligen werden. "Die Länder werden an Bord sein, das sage ich heute zu", versicherte Kauder am Dienstag in Berlin. In dieser schwierigen Situation könne niemand aus dem Boot aussteigen.

Die Bundesregierung appellierte an die Länder, das Rettungspaket mitzutragen. Die Sicherstellung der Finanzmarktstabilität sei eine gesamtstaatliche Aufgabe, deshalb bestehe auch eine Gesamtverantwortung, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Darüber werde in dieser Woche noch intensiv mit den Ländern verhandelt. "Ich gehe davon aus, dass wir hier eine gemeinsame Lösung finden werden."

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Ministerpräsidenten der 16 Länder für Donnerstag zu einem Gespräch nach Berlin eingeladen. Am Freitag soll das Gesetz im Bundestag verabschiedet werden. Unmittelbar danach kommt der Bundesrat zu einer Sondersitzung zusammen, um das Rettungspaket zu billigen, so dass es möglichst noch in dieser Woche in Kraft treten kann. Das Konzept sieht eine Beteiligung der Länder in Höhe von 35 Prozent an den tatsächlich entstehenden Kosten vor.

AP/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
h.morun (14.10.2008, 22:34 Uhr)
Ob Bund oder Land
Der Steuerzahler ist es der die Zeche zahlt. Dann müssen wir also demnächst bis 75 arbeiten. Um den Ackermännern Ihre Milliardenverluste zu zahlen.
Gisella (14.10.2008, 17:59 Uhr)
@knilch
-habe ich doch schon letzte woche gesagt-weg mit den Regierungen der bundesländer-zuviele politiker für die wir alle bezahlen müssen. und die zu nichts mehr richtig fähig sind. Europa muss einen Aussenminister im wechsel stellen, der kann sich dann mit Nicht-Europa auseinandersetzten. u.s.w.u.s.f..
manesse (14.10.2008, 17:29 Uhr)
@knilch_59
Ausnahmsweise bin ich ganz Ihrer Meinung.
Wir sollten als zweite Kammer einen Senat haben wie in den USA. Es ist in den USA gutes Gesetz, dass die US-Gouverneure nicht in die Bundesangelegenheiten hineinregieren können. Wir haben bezüglich der Ministerpräsidenten und ihren Rechten im Bundesrat immer noch eine Lage wie nach dem Westfälischen Frieden von 1648. Es ist deshalb treffend, dass unsere Ministerpräsidenten in den Zeitungen meist Landesfürsten genannt werden.
knilch_59 (14.10.2008, 17:18 Uhr)
Im Nachhinein wäre die Krise jeden einzelnen Euro wert gewesen
Wenn es damit gelingen würde, alle Bundesländer ersatzlos abzuschaffen. Dieses permanente Fegefeuer der Eitelkeiten unserer mickrigen Provinzfürsten ist peinlich und hätte schon vor 30 Jahren beendet werden müssen! Mein Gott, könnte die Welt schöner sein, wenn solche Typen wie Beckstein, Koch, Ypsilanti, Rüttgers, Beck, und wie sie alle heißen, keinen steuerfinanzierten Laufsteg mehr hätten. Eine Regierung baut Mist! Aber es ist ein Trugschluss zu glauben, dass 17 Regierungen weniger als den 17-fachen Mist bauen!
manesse (14.10.2008, 17:17 Uhr)
Die größte Anmaßung
erlaubte sich Seehofer, als er sich für Hubers Position stark machte: Man bedenke, Seehofer sitzt noch im Bundeskabinett und beugt sich offensichtlich nicht mehr der Kabinettsdisziplin. Die Kanzlerin muss ihn entweder zur Ordnung rufen oder unverzüglich entlassen.
Und was die Landesbanken anbelangt: Bislang haben vor allem die Länder mit ihren Banken das deutsche Bankensystem in Bedrängnis gebracht. Die Verantwortung für diese Banken können die Länder nur loswerden, wenn sie sich von diesen Instituten trennen oder sie ganz in die Verantwortung des Bundes stellen. Ansonsten werden sich die Länder dem Bund zu beugen haben.
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