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23. April 2009, 06:59 Uhr

Schwan schürt Angst vor Unruhen

Erst DGB-Chef Michael Sommer, jetzt auch die SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl: Gesine Schwan warnt angesichts der dramatischen Wirtschaftskrise vor Unruhen in der Bevölkerung. Die Lage könne "explosiv" werden, wenn keine Hoffnung auf Besserung eintrete. Und die ist laut Wirtschaftsexperten vorerst nicht zu erwarten.

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Streiks, Unruhen, Randale: Nach DGB-Chef Sommer hat auch Gesine Schwan, SPD-Kandidatin für die Wahl des Bundespräsidenten, angesichts der Wirtschaftskrise vor Unruhen gewarnt© Mario Vedder/DDP

Angesichts der tiefsten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren wächst die Sorge vor sozialen Konflikten in Deutschland. "Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte", sagte die SPD-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, dem "Münchener Merkur". Dann würden "abfedernde Maßnahmen" wie das Kurzarbeitergeld auslaufen. "Wenn sich dann kein Hoffnungsschimmer auftut, dass sich die Lage verbessert, dann kann die Stimmung explosiv werden", sagte Schwan. Schließlich gebe es seit Jahren in Deutschland ein Unbehagen über die wachsende soziale Kluft.

Zuvor hatte DGB-Chef Michael Sommer gewarnt, wenn es angesichts der Krise zu Massenentlassungen kommen sollte, wäre dies eine Kampfansage an die Belegschaften und die Gewerkschaften: "Dann kann ich soziale Unruhen auch in Deutschland nicht mehr ausschließen."

Am Donnerstag vormittag legen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Berlin ihre Frühjahrsprognose für die Konjunkturentwicklung vor. Es wird damit gerechnet, dass ein Wirtschaftseinbruch von 6,0 Prozent vorausgesagt wird. Dies wäre der stärkste Rückgang seit der Weltwirtschaftskrise vor fast 80 Jahren.

Damit einher geht Medienberichten zufolge ein Verlust von mehr als einer Million Arbeitsplätzen in diesem Jahr. Die Arbeitslosigkeit werde im Herbst die Vier-Millionen-Marke überschreiten. Auch im nächsten Jahr ist noch keine deutliche Besserung zu erwarten, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vorab berichtete. Vielmehr rechneten die Institute mit einer schleppenden Erholung und einem niedrigen Wachstum in den kommenden Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt werde im Jahr 2013 noch nicht wieder das Niveau von 2008 erreicht haben.

Am Mittwoch hatten in Berlin Spitzenvertreter von Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften die schwierige Lage beraten. Die Bundesregierung wehrte Forderungen der Gewerkschaften nach einem dritten Konjunkturpaket ab. Die bisherigen Maßnahmen mit einem Volumen von 80 Milliarden Euro müssten erst einmal wirken.

Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz, der an den Beratungen im Kanzleramt teilgenommen hatte, sagte dem "Mannheimer Morgen": "Jetzt müssen wir erst mal die beiden anderen, vor allem das zweite (Konjunkturpaket), wirken lassen." Franz, der auch Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist, betonte, dass die in der Krise gesunkenen Energie- und Nahrungsmittelpreise mit einem Volumen von rund 30 Milliarden Euro im Jahr fast wie ein drittes Paket wirken würden.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sprach von der "schlimmsten Depression" seit der Weltwirtschaftskrise. Trotz aller negativen Vorzeichen gingen im Gegensatz zu den USA von Deutschland aber noch positive Impulse aus. "Das ist ein Konjunkturprogramm für die Welt, was wir hier machen", sagte er mit Blick auf die starken Importe des Exportweltmeisters.

Die Bundesregierung wird ihre Prognose in der kommenden Woche der Wirtschaftsleistung anpassen. Finanzminister Peer Steinbrück bezeichnete eine "fünf vor dem Komma" angesichts der aktuellen Wirtschaftsdaten als "nicht unwahrscheinlich". Die Bundesregierung ging in ihrer bisherigen Prognose noch von minus 2,25 Prozent aus.

DPA/Reuters/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 98)
 
Angel_of_Mercy (25.04.2009, 13:42 Uhr)
Nochmal gelesen
Zwischen "warnen und "schüren" besteht ein gewaltiger Unterschied. Somit ist die Überschrift zum Beispiel eine Verdrehung der Tatsachen und somit kein Journalismus sondern Propaganda.
Sorry Stern, Thema verfehlt, setzen, Note sechs.
pitiplatsch (25.04.2009, 07:34 Uhr)
Was heißt hier " schürt " die Angst ?
die Schwan sagt was Sache ist warum macht der Stern die Schwan so runter ?? Merkelt der Stern nicht was für eine abgehobene unfähige und verlogene Regierung wir unter Merkel haben ?? Die Angst ist real, und wenn die Stern Reporter auf die Strasse gehen würden und Leute befragen würden, würden die Reporter entsprechende Antworten erhalten. Natürlich nicht im korrupten Regierungsviertel in Berlin oder beim Obersten Mafiosi Zumwinkel, da nicht aber in den Viertel wo die Sklaven, alleinstehend Mütter wohnen, da wo Essensstände für arme Menschen stehen nicht in den Regierungspalästen wos Champagner zum saufen gibt, den wir Sklaven erarbeiten müssen, nicht in den Banken wo unser ehrlich erarbeitetes Geld verhurt versoffen und verzockt wird. Wenn der Stern ehrlich recherchiert würd er der Schwan recht geben und diesem aufgeblasenen Sprechblasenbidendem Hosenanzug der sich Kanzlerin nennt, den Marsch blasen und nicht hinterherschleimen.
Themistokles (24.04.2009, 18:36 Uhr)
@ Kiezzabel
Wusstest Du, dass Gewerkschaften staatsrechtlich zu den Lobbyisten gehören. Daher kann ich Dir hinsichtlich Deiner düsteren Beschreibung des Einflusses der Lobbyisten nicht wiedersprechen.
Aber ich denke wir sind der gleichen Meinung, dass wer mit Aufruhr und Terror droht, sich außerhalb der demokratischen Gepflogenheiten bewegt.
Aber noch eine andere Frage, fühlst Du Dich als Bürger wirklich von den Banken erpresst? Ich bin als Angestellter im Maschinenbaubereich auch nur ein kleines Rädchen aber ich fühle mich nicht erpresst. Von niemanden. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich eigenverantwortlich meine Entscheidungen treffe. Daher brauche ich keine Sündenböcke für meine Fehler.
Kiezzabel (24.04.2009, 16:36 Uhr)
@ Themistokles
ach komm ... die Banken und das was man gemeinhin als Wirtschaft bezeichnet erpresst die Bürger doch schon die ganze Zeit!
Und wenn irgendwas undemokratisch ist in diesem Land, dann sind es die Lobbyisten der Konzerne, die für jedem einzelnen Abgeordneten mit gruseligen Szenarien drohen, wenn die Gesetze nicht nach ihren Interessen ausgerichtet werden.
Themistokles (24.04.2009, 15:37 Uhr)
Biedermann und Brandstifter
Man kann die Aussage von Herrn Sommer auf die Drohung reduzieren, dass wenn man seine Forderungen nach noch mehr Geld nicht erfüllt, dieses als Kampfansage an die Gewerkschaften aufgefasst wird, die wiederum sozialen Unruhen zur Folge hätte.
Ihn treibt also nicht die Sorge um unsere Gesellschaft, sondern er droht vielmehr mit sozialen Unruhen, wie ein erpresserischer Brandstifter damit, Feuer zu legen, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden.
Wenn er dann noch den Zusammenhang mit den Unruhen der dreißiger Jahre herstellt, so kann man zu dem Eindruck kommen, dass er jeglichen demokratischen Boden verlassen hat.
Hat er vergessen, dass diese Unruhen damals von antidemokratischen und antirepublikanischen Kräften von der extremen Rechten und Linken initiiert worden sind. Die Vermutung liegt nahe, dass er sich in der Tradition dieser Antidemokratischen Kräfte sieht und deren Zustände förmlich herbeisehnt.
Für mich ist er mit dieser Aussage eher ein Fall für den Staatsanwalt oder den Verfassungsschutz.
Und was soll man von einer Frau Schwan halten, die sich um das höchste Amt im Staate bewirbt und aus reinem Opportunismus diesem noch zur Seite springt.
Ist es wirklich nötigt, dass man nur wegen des Werbens um ein paar Stimmen der Linken den demokratischen Grundkonsens unserer Gesellschaft verlässt? Aber wie es scheint hat sie nötig.
Politix (24.04.2009, 09:47 Uhr)
@aeternitas
Danke, Danke, Danke! Für diese deutlichen Worte. Genau meine Meinung! Sparen für die Rente ist bei diesen Gehältern nicht möglich. Und wenn ich mir vorstelle, dass im Moment das Geld der Zukunft ausgegeben wird, wird mir ganz schlecht, was meine Zukunft in als Rentner in 25-30 Jahren betrifft.
.
Es wird wirklich Zeit auf die Barrikaden zu gehen!
.
Sehr interssant was W. Schäuble gestern bei Friedmann zu dem Thema zu sagen hatte!
Westerle.Merkwelle (23.04.2009, 19:27 Uhr)
Die Wahllügen von CDU/CSU, SPD und FDP
Seit Wochen will man uns einschläfern mit der Behauptung, dass die Wirtschaftskrise nicht so schlimm sei und bis zum Jahresende alles wieder so weiter gehen können wie früher. Leider fallen darauf die meisten Leute herein und geben ausgerechnet denjenigen im Herbst wieder ihre Stimme, die durch ihre neoliberale Politik der letzten Jahre die Wirtschaftskatastrophe zu verantworten haben.
Bis heute belügen uns die Politiker über das wahre Ausmaß der Katastrophe. Sie tun alles, um bis zur Bundestagswahl die Ursachen und Folgen zu vertuschen und schön zu reden.
Staatsbankrott droht in mehreren Ländern
Da hier auch EU Länder betroffen sind, könnte dies das Ende des Euro sein - mit unübersehbaren Folgen für unsere Ersparnisse!
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,7527184,00.html
Verbrennt der Staat unser Geld?
Während für Bildung, Gesundheit, Arbeitslose und Rentner kein Geld da ist, werden mehrere Billionen € bzw. $ für die Alimentierung von Banken bereitgestellt. Machen wir uns nichts vor: Das kann nur in einer Hyperinflation enden.
Die große Rechnung der Politiker kommt noch: Am Montag nach der Bundestagswahl. 08:00 Uhr!!
Schamlose Wahlversprechen und Wahlgeschenke
Die Politiker versuchen uns Wähler systematisch einzulullen. Zum Beispiel die Rentenerhöhung zum 1. Juli ist exakt auf den Wahltermin zugeschnitten. Es ist jetzt schon klar, dass diese Extrazahlung im nächsten Jahr zurückgeholt wird.
Wenn Schwan und Sommer jetzt Muffensausen wegen der Dreistigkeit ihrer Parteifreunde kriegen, ist das nur gerecht und bedeutet keineswegs, dass sie es besser machen würden.
aeternitas (23.04.2009, 19:13 Uhr)
Uns geht es gut???
Die Katastrophe ist HERBEIGESCHRIEBEN?
Liebe Freunde,
ist aus eurer Familie niemand in den letzten Wochen arbeitslos geworden? Geht einer von euren Freunden in letzter Zeit nicht mehr mit euch aus? Habt ihr alle unbefristete Arbeitsverträge oder seid ihr gar unkündbar? Also entweder gibt es irgendwo in Deutschland noch eine heile Welt oder manche schweben auf ihrer eigenen glücklichen rosa Wolke und machen sich die Welt schöner als sie ist. Fakt ist:
kaum jemand, der neu ins Arbeitsleben startet, hat einen unbefristeten Vertrag. Kaum jemand verdient noch genug, um für mehr als für sich selber zu sorgen, von sparen ganz zu schweigen! Durch die üblich gewordenen 6-Monatsverträge und die erwünschte Flexibilität wagen sich nur noch mutige junge Menschen an eine ernsthafte Familienplanung, ein Hausbau, für unsere Eltern teilweise noch "Standard" ist zum unerreichbaren Traum geworden, selbst wenn man Akademiker ist, da keiner weiß, wo er im nächsten Jahr arbeiten wird (Flexibilität sag ich da nur!). Die Reichen werden reicher, und im Golfclub interessiert es niemanden, dass die niederen Angestellten und Sklaven (auch bekannt als Leiharbeiter, die verpflanzt werden wie Schachfiguren auf dem Spielbrett) vielleicht durch ihr Missmanagement ins Unglück gestürzt werden. Als Familienvater siehst du deine Familie vielleicht nur noch am Wochenende, weil es als zumutbar erachtet wird, 5 Tage die Woche 400km weit weg von zuhause zu arbeiten für einen Stundenlohn, der einen zum Aufstocker macht!
Unübertroffen ist der Zynismus einiger hier. Die Arbeitslosen sind ja selber schuld, sie sind nicht qualifziert genug, arbeiten nicht hart genug blablabla. Sie können sich die Hände blutig arbeiten, wenn ihre Firma für immer zumacht, dann nimmt die keiner mehr, wenn sie Ü45 sind. Selbst als Akademiker hat man kaum noch eine Chance, da es viele verzweifelte Mitbewerber gibt, die für JEDEN PREIS arbeiten. Die Löhne gehen in den Keller, der Binnenmarkt ist am zusammenbrechen, was jeder, der auch nur ein bisschen Verstand hat, merken sollte. Wovon sollen denn die Leute einkaufen, wenn in der Mitte des Monats nur noch Geld für Nudeln mit Ketchup übrig ist??? Und hört mir bloß auf mit dem dummen Gewäsch über Alkohol, Tabak und Flachbildschirme! Viele arme Menschen wären froh, wenn sie ihren Kindern mal was neues zum anziehen kaufen könnten, oder auch mal sich im Bioladen einen Bund Möhren kaufen können, was jegliches Budget sprengt! Aber solange viele hier ihre Bildung aus dem NachmittagsTV haben und mit Zynismus und ausgefahrenen Ellenbogen durchs Leben gehen, sehe ich wirklich schwarz für Deutschland. Ich gebe dem innerdeutschen Frieden keine 2 Jahre mehr, wenn nicht ein Wunder geschieht und sich ENDLICH FÄHIGE LEUTE IN DER POLITIK DER SACHE ANNEHMEN. Man könnte den ganzen Tag weinen, wenn man sieht, von was für Versagern wir regiert werden. (s. auch www.nachdenkseiten.de für weitere Beispiele, sonst muss ich noch mehr schreiben... )
pitiplatsch (23.04.2009, 18:18 Uhr)
Was heißt hier
schürt die Angst ?? soll sie soviel Blech daherreden wie Horst der Bankenlobbyst ?? Sie sagt wenigstens was Sache ist während der Horst überall seine blöden Sprüche losslässt und die Leute verarschen will. In meinen Augen ist der Posten Bundespräsident so wichtig wie ein verfaultes Holz in der Uckermark.
herberger (23.04.2009, 16:03 Uhr)
die deutsche Jeanne d'Arc
Davon träumt die linke Mischpoke, Frau Schwan und Herr Sommer auf den Barrikaden, im Kampf um die soziale Gerechtigkeit. Alle sollen das Gleiche haben, nur ich ein bißchen mehr.
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