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25. November 2008, 13:54 Uhr

Steinbrück warnt vor Hysterie

Deutschland steckt in einer Rezession, das mag Peer Steinbrück nicht leugnen. Doch der Finanzminister warnte im Bundestag vor der Lust an schlechten Nachrichten und will deshalb auch an der Wachstumsprognose festhalten. Kanzlerin Merkel musste sich unterdessen von der CSU herbe Kritik für ihre unverantwortliche Schwarzmalerei anhören.

"Am oberen Ende des Korridors": Finanzminister Peer Steinbrück macht in Optimismus© Wolfgang Kumm/DPA

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat eingeräumt, dass sich Deutschland im Zuge der Weltwirtschaftskrise in einer Rezession befindet. "Ja, die Bundesrepublik Deutschland ist in einer Rezession." Es wäre unzutreffend, nur noch von einer Stagnation zu sprechen, sagte Steinbrück am Dienstag im Bundestag zum Auftakt der viertägigen Schlussdebatte über den Haushalt 2009. Niemand wisse, wie scharf die Rezession sein werde und wie lange sie dauern werde, sagte Steinbrück. Er warnte jedoch vor dem "Vergnügen des Erschauerns" und der Lust an schlechten Nachrichten sowie vor einem "Überbietungswettbewerb" für immer neue Konjunkturprogramme.

Von der optimistischen Wachstumsprognose der Bundesregierung von 0,2 Prozent für das kommende Jahr, will Steinbrück nicht abrücken. Es gebe einen Korridor für die mögliche Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von plus 0,2 bis minus 1,0 Prozent. Er halte es für legitim, dass die Regierung sich am oberen Ende dieses Korridors bewege.

Dagegen rechnet die Bundesbank dem Vernehmen nach mit einem Minus von 1,0 Prozent im nächsten Jahr. Dies wäre der stärkste Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung seit Gründung der Bundesrepublik. Auch die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht schwarz. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird ihrer Einschätzung nach 2009 real um 0,9 Prozent schrumpfen. Erst für 2010 rechnet die Organisation der Industrieländer damit, dass Deutschland auf den Wachstumspfad zurückkehrt, wobei sie ein BIP-Plus von 1,3 Prozent veranschlagt. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) senkte seine Wachstumsprognose für 2009 auf minus 0,5 Prozent.

Die deutschen Unternehmen stellen sich laut DIHK auf rückläufige Exporte ein und schieben Investitionen auf die lange Bank. Binnen weniger Wochen hätten sich viele Exporthoffnungen für wichtige Absatzregionen der deutschen Wirtschaft zerschlagen, teilte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben nach seiner Blitzumfrage unter 1200 Unternehmen mit. "Die konjunkturelle Abkühlung wird vor allem über die Eintrübung des außenwirtschaftlichen Umfeldes nach Deutschland getragen", sagte Wansleben.

DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier warnte jedoch vor allzuviel Pessimismus. "Der Ausblick für 2009 ist nicht so schlecht, wie es diese Revision glauben machen will", sagte er. Es bestünden gute Chancen, dass das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte anziehen könnte. Noch im Oktober war der DIHK für das kommende Jahr von einem Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen.

CSU attackiert Schwarzmalerin Merkel

Die CSU warf Bundeskanzlerin Angela Merkel unterdessen unverantwortliche Schwarzmalerei vor. Bei einem Besuch der CSU-Bundestagsabgeordneten im Kanzleramt zeigte sich Landesgruppenchef Peter Ramsauer sehr verärgert über Äußerungen von Merkel, die am Wochenende ein "Jahr schlechter Nachrichten" vorausgesagt hatte. Diese Art von "Apokalyptik" werde der Lage nicht gerecht, betonte Ramsauer am Dienstag in Berlin. Dies habe er der Kanzlerin deutlich gesagt. Die CSU wende sich mit aller Entschiedenheit dagegen, dass jetzt ein Wettbewerb im Schwarzsehen ausgerufen werde, wo jeder wisse, dass die Wirtschaft zu 50 Prozent von Psychologie bestimmt werde. Merkel habe daraufhin erklärt, ihre Äußerungen seien von den Medien überdramatisiert worden. Die Kanzlerin, aber auch Steinbrück und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hatten die Bürger am Wochenende auf harte Zeiten eingestimmt.

Reuters/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Corazito3333 (25.11.2008, 21:43 Uhr)
Angst essen Seele auf....
Die Rezession greift schon, Firmen streichen den Mitarbeitern das Weihnachtsgeld und es gibt weniger Urlaub.... so ne Rezession hat auch was gutes für manche. Man kann doch froh sein eine Arbeit zu haben!! Wenn sich die Wohnung nicht mehr leisten kann, dann halt auf Land ziehen in ein Appartment oder WG??? Wer nicht für die Rente vorgesorgt hat, selbst schuld, dann halt ab in die EX-DDR da gibts billigen Wohnraum. Und in Deutschland verhungert keiner, es gibt ja die Suppenküchen - da kann man sich dann anstellen!! Also die Angst weiter schüren und die Arbeitssklaven werden für noch weniger arbeiten und froh sein und was danach kommt.......... die Reichen, die Banker, die Politiker brauchen sich keine Sorgen zu machen!
walhalla (25.11.2008, 20:18 Uhr)
Eine Insel
mit zwei Bergen, ging einmal ein lustiges Lied.
Ja, so eine Insel hat der Karl gefunden. Da gibt es keine Bettler, denen der Geifer aus dem Maul läuft, wenn Sie um milde Gaben bitten.
Da wird gearbeitet, Tag und Nacht. Und wer es nicht tut, ach, das hatten wir ja schon mal, Arbeit macht frei.
Das die Verteiler von brauner Soße sich hier im Stern Forum herumtreiben, kann nur an der Kreativität der Jungen Union liegen,die hat auf ihren Seiten kaum Zuspruch.
Mal im Ernst, der Inselkarl hatte 40 Jahre Zeit, seine Politik zu machen, er hat´s versiebt, tschüß.
Halodri73 (25.11.2008, 18:39 Uhr)
@inselkarl
Tja, jede Gesellschaft hat den Mob den sie verdient!
Die arbeitslosen "Dipl.-Philologen", die hier posten, sind Gott sei Dank nicht die Mehrheit. Und werden es auch nicht sein. Ein Oskar L. hat keine Antworten, er stellt nur laute Fragen. Das merkt irgendwann auch der Wähler. Und wenn nicht, dann gehen wir eben pleite wie die DDR. Dann haben wir es aber auch nicht besser verdient.
Ich kauf grad Aktien, weltweit gestreut...ich find die Krise super!
:-))
Swiftmemex (25.11.2008, 18:21 Uhr)
Steinbrück ist cool
Dieses ewige Deppengeschwätz über Rezession und Blah, Blah, Blah ist langweilig. Den gleichen Schwachsinn gabs kurz noch genau umgekehrt. Da haben alle rumgenöckelt das wir einen Aufschwung hätten und fragten sich, wann der Aufschwung beim Bürger ankäme. Blödsinn.
Ein Land, das zwei Währungsreformen und zwei Weltkriege überstanden hat, hat besseres zu tun, als sich um ein paar fallende Aktien sorgen zu machen.
Dieses ewige Genörgele macht einen ja krank.
inselkarl (25.11.2008, 17:23 Uhr)
Die Lust an Katastrophen
Steinbrück, einer der wenigen kompetenten Politiker der grossen Koalition wird wahrscheinlich ebenso aus der zerbröselnden Partei SPD gemobbt werden wie sein Gesinnungsfreund Clement. Das Hurrageschrei und die Häme über den Austritt Clements, der in den Blogs vom linken Mob veranstaltet wird, erinnert an die Nazi- hetze eines Goebbels und den Tonfall Karl- Eduard Schnitzlers. Wahrlich scheint es mit der Festigkeit unserer 60jährigen Nachkriegsdemokratie nicht weit her zu sein, wenn sich derart viel Hass auf die Marktwirtschaft, unser funktionierendes Wirtschaftssystem und auf die nichtpopulistsichen Politiker ablädt. Von den Krisen der internationalen Finanzsyteme haben aber die hier hetzenden Prekarier und deren Sympathisanten überhaupt noch nichts abbekommen. Die können weiterhin zu fallenden Preisen bei Aldi einkaufen und für ihre warmen Wohnungen brauchen sie nicht 1 Cent dazubezahlen. Die angeblich Elenden in diesem Land, die zu Tausenden an den Suppenküchen Schlange stehen sind ein Wunschbild der verkommenen Möchtegrenrevoutionäre, die sich einen Oskar als Kanzler, einen Sodann als Präsidenten und eine Frau Wagenknecht als Innenmi nisterin wünschen. Diese perverse Lust an Katastrophen, die hoffentlich nicht eintreten werden haben Deutschland schon zweimal zum Paria der Weltgeschichte werden lassen.
tarpan8 (25.11.2008, 16:59 Uhr)
Angst fressen Seele auf
Ein verängstigtes und verunsichertes Volk ist nun mal viel einfacher zu bescheissen als ein selbstbewusstes.
Auch wenn Hr. Steinbrück vor zuviel Schwarzmalerei warnt, macht selbst das nicht gerade Mut. Mich erinnert das ganze ein wenig an die Terrorhysterie in den USA und/oder
an das Buch von N.Klein "Die Schockstrategie" wo von Katastrophen-Kapitalismus die Rede ist.
snort (25.11.2008, 16:49 Uhr)
@clibanarius
einfach alles :)
spass beiseite.
schönreden hilft auch nichts, diese trachtengruppe namens grosskoalition muss weg.
der bundestag zu 90% eingeschrumpft werden, lobbyismus unter höchste strafen gestellt werden schon der ansatz eines verdachtes zur u-haft berechtigen.
es muss frischer wind in die demokratur, das geht nicht ohne federlesens ab.
Clibanarius (25.11.2008, 16:36 Uhr)
Schlechte Nachrichten...?
Wie oft hat man schon gelesen und liest/las mehrmals die Woche:
-Merkel warnt...
-Schäuble warnt...
-Beckstein warnt...
-Steinrück warnt...
-Köhler warnt...
-Wulf warnt...
-BKA warnt...
-Glos warnt...
-Bundesregierung warnt...
-Gabriel warnt...
-Koalition warnt...
-Westerwelle warnt...
-Arbeitgeberverband warnt...
-CDU warnt...
-CSU warnt...
-SPD warnt...
-FDP warnt...
...warnt, warnt, warnt...
Diese ganze Warnungs-Inflation sind die eigentlichen schlechten Nachrichten, die überall in der Gesellschaft nur eine miese Stimmung erzeugen. Was von dem, wovor das Gesindel gewarnt hat (oder was bereits ein offenes Geheimnis war) ist den überhaupt eingetreten?
Sublucem (25.11.2008, 16:00 Uhr)
Wirtschaft lebt von Optimismus
Wer es negativ sehen möchte, der schaufelt sich von Anfang sein eigenes Grab gleich mit. So ganz Unrecht hat der Mann dann eben nicht ;)
laeppe (25.11.2008, 15:59 Uhr)
Hier werden sich noch einige wundern
Weiter so ? Geht nicht !
Reformen - noch sehe ich keine.
Technik fuer die Umwelt - das wäre
eine Chance aber nicht nur Solar und
Windkraft sondern Energie allgemein
wie LED ect. ect.
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