. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. April 2009, 06:55 Uhr

Wo bitte geht's hier aus der Krise?

Deutschland steckt in der schlimmsten Rezession seit 1945 - doch die Politik ist uneins über die Auswege aus der Krise. Die SPD bringt wie die Gewerkschaften jetzt ein Konjunkturpaket III ins Spiel, die CDU warnt vor neuen Schulden. Einigkeit herrrscht in einem Punkt: Das Gerede über soziale Unruhen helfe niemandem. Nur einer gießt Öl ins Feuer.

Konjunktur, Krise, Unruhen, Konjunkturpaket, Wirtschaftskrise

Während die Experten über den richtigen Ausweg aus der Wirtschaftskrise streiten, gerät zunehmend die Sorge vor sozialen Unruhen ins Zentrum der Debatte© Daniel Roland/AP

Angesichts der düsteren Konjunkturprognosen der Wirtschaftsforscher haben Vertreter der Großen Koalition rasches Handeln gefordert. "In diesem Jahr ist eine Neuverschuldung des Bundes zwischen 80 und 90 Milliarden Euro inklusive der Sonderfonds für den Finanzmarkt und die Konjunkturpakete nicht unrealistisch", sagte der CDU-Politiker Steffen Kampeter der "Financial Times Deutschland" zufolge. Kampeter forderte einen Nachtragshaushalt: "An einem zweiten Nachtragshaushalt für den Bund in diesem Jahr geht kein Weg vorbei."

Vertreter der SPD-Linken und Gewerkschaften machen sich derweil für ein drittes Konjunkturpaket stark. "Wir brauchen dringend ein drittes Konjunkturpaket", sagte SPD-Vorstandsmitglied Ottmar Schreiner "Spiegel Online". "Die bisherigen Maßnahmen basieren auf Konjunkturprognosen, die offenkundig obsolet sind. Ich kann die Zurückhaltung der Bundesregierung nicht nachvollziehen."

Der Sprecher der Parteilinken, Björn Böhning, forderte ebenfalls neue Anstrengungen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Konjunkturpaket für den Dienstleistungssektor", sagte der SPD-Politiker laut der Online-Ausgabe des "Spiegels" und fügte hinzu: "Wir müssen jetzt massiv in den Pflege- und Gesundheitssektor investieren", forderte Böhning.

Die Gewerkschaften bekräftigten ihre Forderung, mit zusätzlichen Milliardeninvestitionen die Krise abzufedern. "Wir brauchen das Konjunkturpaket III, bevor die Deflation droht, denn unsere Vorschläge können zwei Millionen Arbeitsplätze sichern oder schaffen. Abwarten bremst den Abschwung nicht", sagte ver.di-Chef Frank Bsirske.

Einig sind sich Politiker und Arbeitgeber in ihren Warnungen vor Panikmache. Gerade in der gegenwärtigen Krise sei eine negative Stimmungsmache "äußerst schädlich", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt der Zeitung "Die Welt". Gesellschaftliche Verantwortungsträger sollten sich nicht "an wilden Spekulationen und wahltaktischen Manövern" beteiligen. Hundt verwies darauf, dass die Unternehmen derzeit alles dafür täten, das Beschäftigungsniveau in ihren Betrieben zu halten.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) rief zu Zurückhaltung auf. "Ich halte es für verantwortungslos, nachgerade für dumm, in einer solchen Situation eher noch einen Beitrag zur Verunsicherung zu leisten", sagte der Minister im ZDF. Er sehe mit Freude, "dass es in diesem Land ein hohes Maß an Besonnenheit gibt und ich würde mir dieses Maß an Besonnenheit auch wünschen bei jenen, die jetzt von sozialen Unruhen zu murmeln beginnen", sagte er an die Adresse von DGB-Chef Michael Sommer und der SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, Gesine Schwan.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht wegen der sozialen Sicherungssysteme keine Gefahr von Unruhen wegen der Wirtschaftskrise. "Es wird auch jetzt niemand in materielle Existenzbedrohung kommen", sagte Schäuble im Sender N24. Die Politik habe die Krise zwar nicht verhindern können, "aber wenn die Politik das tut, was sie kann, dann muss es nicht zu Unruhen kommen".

Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck kritisierte Schwan. "Es ist nicht gut, wenn wir davon reden, dass hier Unruhen ausbrechen könnten wie in Frankreich oder anderswo", sagte er der "Rheinischen Post". "Das untergräbt die Bemühungen der Bundesregierung, die ja gerade alles tut, um die tiefe Krise für die Menschen abzumildern."

Schwan rudert zurück

Schwan rief nach Kritik an ihren Aussagen zu möglichen sozialen Konflikten ebenfalls zur Besonnenheit auf. Es gelte aber auch, die Augen nicht vor dem Ernst der Lage zu verschließen. "Wir alle haben in der gegenwärtigen Krise die Verantwortung, weder zu dramatisieren oder Ängste zu schüren, noch die Realität auszublenden", sagte Schwan nach Angaben ihres Sprechers.

Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn zeigte Verständnis für die Warnungen von Schwan und Sommer vor sozialen Spannungen. "Es gibt ein tiefes Gefühl großer Ungerechtigkeit im Land. Daran ist diese Regierung nicht unschuldig", sagte Kuhn der "Passauer Neuen Presse". Die große Koalition solle sich stärker um Arbeitslose und Geringverdiener kümmern, damit soziale Verwerfungen nicht verschärft würden, forderte Kuhn.

Lafontaine ruft zu politischem Generalstreik auf

Der Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine, unterstellte der großen Koalition indirekt eine Stärkung der Rechtsextremisten, da sie nicht genug gegen die steigende Arbeitslosigkeit tue. Die Regierung schaue "ziemlich tatenlos" zu, sagte Lafontaine der "Leipziger Volkszeitung". Er forderte für den Fall einer weiteren Verschlechterung der Lage den politischen Generalstreik als Protestmaßnahme.

Nach Ansicht des Wirtschaftshistorikers Werner Abelshauser droht keine Radikalisierung der Gesellschaft. Gleichwohl gebe es Parallelen zu den 1930er Jahren, etwa das Zusammenschmelzen der Börsenkurse und den Zusammenbruch von Banken. Der damalige Konjunktureinbruch gilt als bisher größte wirtschaftliche Katastrophe der jüngeren Geschichte.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 41)
 
mijosch (26.04.2009, 17:16 Uhr)
Aus der Krise als Verlierer oder Gewinner herauskommen?
Gegen die weltweite Rezession und ihre Hunderte Milliarden Belastungen, die wir dem unverantwortlich leichtfertigen Leben auf Pump unserer amerikanischen Freunde zu verdanken haben und welche sie noch geschickt verpackt weiter verkauft haben, helfen keine Wahlkampf-Konjunkturpakete wie die Abwrackprämie. Denn diese bringen unserer lebenswichtigen Exportwirtschaft kaum neue Aufträge! Und all dies muss ja zurückbezahlt werden entweder durch höhere Steuern (von den paar „Dummen“ = Leistungsträgern, da die Hälfte der Erwerbstätigen ja schon keine mehr zahlen) und/oder Inflation. Wir kommen nur aus dieser ja weltweiten Krise wieder halbwegs heraus, wenn wir - wieder wie nach dem Krieg - erheblich besser werden wie die anderen Wettbewerbsländer. Deshalb Kompliment, dass der STERN in seinem aktuellen Editorial den Mut hat, zu wirklich wichtigen Existenzproblemen unserer Gesellschaft wie starker Bildungs- und Werteverlust Lösungen zu nennen. Neben dem Ostsoli könnte man leicht noch Hunderte von Milliarden dafür einsetzen z.B. durch Umwandlung des nach dem Gieskannenprinzip verteilten Kindergelds in Finanzierung von Ganztagskindergarten- und Ganztagsschulen zwecks Pflichtwiedererlernen der deutschen Sprache bzw Neuerlernen durch alle Einwanderer, die oft speziell wegen unserer großzügigen Sozialsysteme aus der Türkei o.a. ohne echten Integrationswillen kommen sowie Studiumsvollfinanzierung gegen gute Noten. Oder z.B. durch Halbierung unserer 16 viel zu vielen, z. T. nie lebensfähigen Bundesländern mit ihren Riesen-Ministerien/ Verwaltungen. Oder z.B. durch Bildung einer europäischen Verteidigungsarmee anstelle Dutzenden von gleichen Armeen nebeneinander in der EU (wofür eigentlich ? ).Denn nur durch konsequentes Lernen und Bildung/Weiterbildung ein Leben lang haben wir vielleicht noch eine kleine Chance, im globalen Wettbewerb zu bestehen und unsere kostengewaltigen, auf Pump finanzierten Sozialsysteme weiter bezahlen zu können. Vor allem: Sozialgeld nur noch gegen nachgewiesenes Lernen!
Dj_JEM (25.04.2009, 00:34 Uhr)
jaja, Das Zinssystem
Der Zins bringt uns in die nächste Katastrophe und keiner denkt daran, den Zins als Antrieb für den Geldkreislauf durch eine andere Umlaufsicherung zu ersetzen. Die Leminge lassen grüssen. Viele Grüsse übrigens an den nächsten Hitler
also_ne... (24.04.2009, 16:16 Uhr)
@ MisterBrezeldent
is kla, und dann gleich ab in die nächste Kriese, die uns dann total weg rafft!
Sternobyl (24.04.2009, 12:50 Uhr)
Das Konjunkturpaket Ultimo ...
... wäre, wenn wir in Deutschland aufhören würden, die ganze Wirtschaft auf Export anzulegen. Das Ausschalten der ausländischen Konkurrenz hat uns über die letzen Jahrzehnte einen Haufen stetig Verarmende gebracht, und viele derer, die noch in festangestellter Arbeit sind, haben seit nahezu 20 Jahren keine Reallohnsteigerungen gesehen.

So lange die Nachfrage aus dem Ausland bestehen blieb, konnte man dieses System der Aushungerung der Mittel- und Unterschicht immer weitertreiben, sobald aber - wie derzeit - die Nachfrage aus dem Ausland zurück geht, bricht eine zu sehr auslandsnachfrageabhängige Wirtschaft in sich zusammen.

Diese guttenbergschen CDU/CSU-Mantras "sorgt dafür, dass es der Wirtschaft gut geht, und es wird dem Volk gut gehen" haben uns erst in diese prekäre Lage mit zu wenig Inlandsnachfrage gebracht.

Ein Fehler der schon vor rund 80 Jahren der Politik Brünings letztlich das Genick gebrochen hat.

Aber scheint's ist kein Fehler so gravierend, dass man ihn nicht mit Pauken und Trompeten wiederholen könnte. Die Konjunkturpakete 1, 2, 3 und folgende, sind nur unnötig teure Stützungen eines aus dem Ruder gelaufenen Wirtschaftssystems.

Natürlich ist mir klar, dass sich unsere Politiker vermutlich nicht aus eigener Kraft aus der Umklammerung der Nutznießer des jetzigen Systems befreien werden können. Aber ich hoffe auf Amerika, und dass sie all jenen auf die Zehen treten werden, die es der amerikanischen Wirtschaft so leicht gemacht haben, aus dem Ausland auf Pump zu leben, statt die Wohlstandserarbeitung im eigenen Land stattfinden zu lassen.

Exportweltmeister klingt zwar gut, aber damit sind wir zusammen mit China einer der Hauptbegünstiger der jetzigen Krise.
MisterBrezeldent (24.04.2009, 12:40 Uhr)
"Weg aus der Krise?"
Ganz einfach - halten Sie sich immer scharf links.
endbenutzer (24.04.2009, 12:09 Uhr)
Panikmache?
Zitat: "...Einig sind sich Politiker und Arbeitgeber in ihren Warnungen vor Panikmache. Gerade in der gegenwärtigen Krise sei eine negative Stimmungsmache "äußerst schädlich", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.."
.
Die Frage stellt sich, wer denn eigentlich immer Panik macht. Sind es nicht Leute wie Hundt, Rogowski oder Henkel, die immer neue Schreckensszenarien erfinden, sobald der kleine Arbeitnehmer mal etwas mehr Geld will? Wer redet denn ständig davon, dass der Standort Deutschland für Unternehmer nicht attraktiv ist? Wer droht denn ständig mit Personalabbau oder der Abwanderung ins Ausland? Ich finde gerade Leute wie dieser Herr Hundt sollte mal ganz schön die Klappe halten.
Westerle.Merkwelle (24.04.2009, 11:54 Uhr)
Wo war die SPD auf den Demos in Berlin und Frankfurt?
Die Demonstrationen zehntausender Menschen unter dem Motto "Wir zahlen nicht für Eure Krise" (28maerz.de)am 28.3.09 gegen die Ursachen und Auswirkungen der Finanzkrise fanden ohne die SPD statt.
Noch nicht einmal einzelne Parteimitglieder konnten sich aus ihrer Lethargie befreien und sich zur Teilnahme an diesem friedlichen Protest beteiligen. Ein trauriges Bild, das die SPD da abgegeben hat. Die Wähler werden es berücksichtigen und denken sich ihren Teil über das, wofür die SPD noch steht.
whismerh2 (24.04.2009, 11:46 Uhr)
@doshi
Wenn Du wenigstenst ein wenig Ahnung von der brisans der Lage hättest, würdest du nicht solche eher dümmlichen Bemerkungen abgeben. Sachliche Einschätzung Deinerseits vermisse ich gänzlich.
Außer sinnlosen Beleidigung, scheint der Rest warme Luft.
Normal geht mich das nichts an, aber zwischen dem post von nostradamus
und Dir liegen geistige Welten, wenn nicht sogar Milchstrassen.
p.s.
Vieleicht habe ich ja ein Rechtschreibefhler begangen, damit Du was zum kritisieren hast.
Weil auf das eigentliche Thema bist Du bis jetzt noch nicht eingeggangen,
sofern Du das überhaupt einschätzen kannst.
ambio (24.04.2009, 11:38 Uhr)
Wie erwartet...
haben die Sternadmins diesen Artikel von Ihrer Aufmacherseite entfernt.
Man was seid Ihr Moderatoren doch für Schleimer !!!!
Gisella (24.04.2009, 11:23 Uhr)
Wehe, wenn das Volk "erwacht"
und unserer Elite zeigt, dass sie nicht mehr in ihre 600ern mit Fahrer in Berlin und anderswo 10m um die Ecke zum Fressen fahren kann oder ein Bürgermeister im Ruhrgebiet aus seinem Schlitten ebenfalls mit Dienstfahrer aussteigt-aber ne Turnhalle mit Konjunkturgeldern nicht reparieren lassen will-wehe, wenn das Volk erwacht.
MEHR ZUM ARTIKEL
Rezession Schwan schürt Angst vor Unruhen

Erst DGB-Chef Michael Sommer, jetzt auch die SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl: Gesine Schwan warnt angesichts der dramatischen Wirtschaftskrise vor Unruhen in der Bevölkerung. Die Lage könne "explosiv" werden, wenn keine Hoffnung auf Besserung eintrete. Und die ist laut Wirtschaftsexperten vorerst nicht zu erwarten. mehr...

Krisengipfel im Kanzleramt Kein Ausgang, nirgends

Sie kamen ins Kanzleramt. Sie beratschlagten über mögliche Maßnahmen. Und sie verließen das Gespräch mit der Erkenntnis, dass die Krise tief und unkalkulierbar ist. Das bedeutet: Alle anschnallen, bitte. Vor allem in Süddeutschland. mehr...

Konjunkturprognosen Deutschland fällt in tiefste Rezession

Deutschlands führende Wirtschaftsinstitute und der IWF zeichnen mit ihren aktuellen Konjunkturprognosen ein noch düstereres Bild als bisher befürchtet: Deutschlands Wirtschaft soll so stark schrumpfen wie seit den 30er Jahren nicht mehr. Auch die Bundesregierung korrigiert ihre Schätzung jetzt nach unten. mehr...

Patient Deutschland Wo die Krise am härtesten zuschlägt

Die Wirtschaftskrise hat Deutschland voll erwischt: Traditionsunternehmen gehen pleite, Leiharbeiter werden reihenweise vor die Tür gesetzt und Banken verstaatlicht. Eine interaktive Deutschlandkarte führt durch ein Land im Krisenzustand. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe