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8. September 2008, 14:28 Uhr

Beck bleibt Ministerpräsident

Zumindest der Landesverband in Rheinland-Pfalz hält Kurt Beck die Treue. Jochen Hartloff, SPD-Fraktionschef im Mainzer Landtag, bestätigte, dass man in Rheinland-Pfalz "erfolgreich mit Kurt Beck weitermachen" wolle. Beck werde Ministerpräsident bleiben und sich auch zur Wiederwahl als Landesvorsitzender stellen.

Soll weiter die SPD in Rheinland-Pfalz anführen: Regierungschef Kurt Beck© AP/Herbert Knosowski

Beck ist weg, wo ist Beck? Das fragen sich viele nach dem überraschenden Rücktritt des SPD-Bundesvorsitzenden Kurt Beck. Der 59-Jährige ist zunächst spurlos verschwunden. Am Montagvormittag sickert durch: Der auf der Bundesbühne gescheiterte Politiker hat die Spitzen der SPD von Rheinland-Pfalz zum Krisengespräch in Mainz berufen. Dort, im Gästehaus der Landesregierung, geht es um seine politische Zukunft im Heimatland. Nach mehreren Stunden ist klar: Beck bleibt Ministerpräsident und SPD-Landeschef von Rheinland-Pfalz. Trotz aller Kränkungen in Berlin: Keineswegs gibt er entnervt auch diese Ämter auf.

Vor den Medien äußert sich Beck unmittelbar nach dem Krisentreffen nicht. "Würden Sie in so einer Situation heute etwas sagen?", fragt SPD-Generalsekretärin Heike Raab rhetorisch einen Journalisten. Kurz darauf wird ein Statement von Beck für den morgigen Dienstag in der Mainzer Staatskanzlei angekündigt.

Man musste Beck nicht zwingen

Nach Raabs Worten musste die Partei Beck nicht zwingen, in Rheinland-Pfalz weiterzumachen. Die SPD im Land stehe geschlossen hinter ihm. Ähnliche Signale hatte es schon zuvor gegeben: "An der Basis habe ich sehr oft den Wunsch gehört, dass Beck dem Land und der Landespartei nun wieder voll zur Verfügung stehen möge", sagte der Landesgruppensprecher der rheinland-pfälzischen SPD- Bundestagsabgeordneten, Gustav Herzog.

Wie "einige in der Bundes-SPD" Deutschlands dienstältesten Ministerpräsidenten behandelt hätten, sei unerträglich, fügt Herzog hinzu. Mit Blick auf die vielen negativen Schlagzeilen über Becks Agieren in Berlin sagt der Bundestagsabgeordnete: "In Rheinland-Pfalz ist ein Gegeneffekt zu spüren: die Erleichterung, dass wir nach dem Rücktritt nicht mehr dauernd die Angriffe gegen unseren Ministerpräsidenten zu ertragen haben."

Auch der rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Heinz Schmitt ist erfreut über Becks Rückkehr. "Kurt Beck wird die SPD in Rheinland-Pfalz wieder nach vorne bringen. Ich hoffe, dass er nun schnell wieder auf die Füße kommt", sagte Schmitt stern.de. In Berlin gescheitert sei Beck hauptsächlich an der "schwierigen und für die SPD schmerzhaften Debatte" um den Umgang mit der Linkspartei. Ob Steinmeier in der Auseinandersetzung mit Lafontaine und Co. ein glücklicheres Händchen hat, ist für Schmitt ungewiss. "Warten wir mal ab, ob Steinmeier dieses Problem tatsächlich so viel besser lösen kann", so Schmitt abschließend.

Spannung vor dem Landesparteitag

Spannend wird es in Rheinland-Pfalz auch am kommenden Samstag: Dann stellt sich Beck beim seit langem geplanten Landesparteitag in Mainz der Wiederwahl als SPD-Landesvorsitzender. 97,8 Prozent der Stimmen bekam er 2006 in Koblenz, ein Traumergebnis, das schwer zu toppen ist. Aber egal, ob nun ein paar Zehntel mehr oder weniger, heißt es in der rheinland-pfälzischen SPD, eine gute Zustimmung werde es sicherlich geben. Das werde sich auch in den Redebeiträgen und der Gesamtstimmung zeigen.

Ähnlich äußern sich selbst Mitglieder der CDU-Opposition im Land: Beck werde wohl "mit einem starken Ergebnis" wiedergewählt, sagt etwa der Trierer CDU-Bezirksvorsitzende Michael Billen.

Debatte um Nachfolge köchelt

Auch wenn Beck nun nicht nach Berlin entschwindet - selbst über eine Bundestagskandidatur war spekuliert worden - wird die Debatte über mögliche spätere Nachfolger des Ministerpräsidenten in Mainz weiter köcheln. Vor allem Innenstaatssekretär Roger Lewentz, Bildungsministerin Doris Ahnen, Wirtschaftsminister Hendrik Hering und SPD-Fraktionschef Jochen Hartloff sind schon seit langem im Gespräch. Allgemein erwartet wird in Parteikreisen, dass Beck dafür sorgt, dass dieser Personalwechsel dann nicht so chaotisch über die Bühne geht wie sein eigener jäher Sturz als Bundesvorsitzender.

Ironie der Geschichte: In der Industriellenvilla, in der die rheinland-pfälzischen SPD-Spitze am Montag zur Krisensitzung zusammengekommen ist, hatte es schon im Herbst 2007 ein SPD- Geheimtreffen gegeben. Damals setzte sich Beck gegen den damaligen Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) im Streit um Veränderungen an der Arbeitsmarktreform "Agenda 2010" durch. Ein knappes Jahr später dreht sich die Konstellation: Beck ist weg von der Bundesbühne - und Müntefering soll sein Nachfolger als Parteichef werden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
erichmonika (08.09.2008, 21:26 Uhr)
Das wurde aber Zeit
Das hätte sich Herr Beck doch ersparen können. Sich nach Berlin zu begeben war doch eine glatte Fehleinschätzung - auch seiner eigenen Fähigkeiten. Jetzt ist er wieder da wo er hin gehört - in Rheinland Pfalz. Dort hat er eine gute Politik gemacht und dort macht er die auch wieder weiter. Mit 58 hat er noch gut 9 Jahre bis zum Rentenalter (nach Müntefering) und Politik hält jung. Er sollte sich von den schlauen Medien keine Nachfolgediskussion aufschwatzen lassen.
albundy69 (08.09.2008, 17:41 Uhr)
Oskar hatte ......
...wenigstens soviel Anstand ganz zu gehen. Das scheibchenweise Abtreten ist wieder ein "typischer Beck". Wie will er als Landesvorsitzender denn in einer Vorstandssitzung auftreten. Als "lonly rider", als "motzende Kröte aus der Pfalz", oder als ...... . Wie will er als SPD-Kandidat in den Landtagswahlkampf ziehen, als "Gemobbter von Berlin", als "Ich-will-und-werde-es-nun-allen-zeigen" ? Jede handlung die Kurti jetzt macht wird nicht zuerst auf den Inhalt geprüft sondern auf den Aussagewert gegenüber "denen in Berlin" ! Darum sollten sich die RLPer zu schade sein. RLP muss weiter ein Teil Deutschlands bleiben und nicht ein Nachhutschlachtfeld von König Kurt gegen den bösen Jungen aus dem Sauerland. Beck hätte den "ganzen Oskar" machen sollen, Friedrich II zitieren sollen und seine dann fällige Rente von über 20.000 Euro p. Monat (strammer Sozialdemokrat) geniessen sollen. Jetzt wird er bloss noch verspottet, eine Selbsthilfegruppe mit seinem Landeskind und Co-Bartträger R. Scharping würde sich empfehlen.
utospatz (08.09.2008, 16:48 Uhr)
In der gesamten Spd der Neuzeit
war noch keiner da, der Rückgrat zu zeigen fähig war! Da hast du Schröder und all seine Genossen, selbst damals hatte die SPD schon Sommersprossen, dank Hartz hat das Volk Idioten dank Münte und Schröder genossen! Mein Gott die muss eine Schnecke haben, da kannt du GAZ-Prom- Gerds Konto begraben! Willst du ein Volk verarschen, sei es christlich oder sozial, ist es dem Fussvolk irgendwann egal! Soll ich mich christlich, missionarisch, oder sozial verarschen lassen?
Irgendwann ist auch für Parteipoloitische Arschlöcher deren Zug vorbei!
undueberhaupt (08.09.2008, 16:15 Uhr)
Samstags
Jetzt hat er wieder Zeit für den Betzenberg. Samstags beim 1. FC.
Sialan (08.09.2008, 15:48 Uhr)
@AchazIII.......
...in der Tat, die Weinköniginnen tun auch mit Leid, denn es gibt sicherlich angenehmere Dinge im Leben, als sich von einem Pavian küssen zu lassen.
terrax (08.09.2008, 15:37 Uhr)
Austreten
Ich würde an seiner Stelle aus dem S*-Laden austreten. Das was da gelaufen ist war unfähr und ich behaupte mal, daß die SPD-Spitze den Abgang von Beck schon lange geplant hatte und Herrn Müntefehring den Posten schon lange versprochen hat. Denn es geht ja niht mit rechten Dingen zu: Kaum kommt Münte und schwups is er wieder im Amt.
AchazIII. (08.09.2008, 15:30 Uhr)
Beck soll weiterhin Weinköniginnen küssen....
....derer gibt es in Rheinland-Pfalz viele. Diese Aufgabe bei diversen Weinfesten ist eine der wichtigsten in RP. Zwar tun mir die Damen dabei Leid, aber was soll´s.
Ein Provinzpolitiker gehört eben dort hin.
In Berlin hat sich der gelernte Elektriker immer schwer getan. Er dürfte auch Heimweh nach Konz und Koblenz-Weißentum gehabt haben.
UweBerlin (08.09.2008, 15:27 Uhr)
Beck
ist auf dem Platz des Ministerräsidenten viel besser.
Er hätte seine ganze Kraft lieber dafür aufwenden sollen.
Wäre ja noch schöner, wenn ihm die Spd da auch noch den Stuhl vor die Tür setzen wollte.
Beck ist eben sehr verheizt worden.
utospatz (08.09.2008, 15:25 Uhr)
Ich wünsche dem Kurt für die
Zukunft Alles Gute.!
Er hat Charakter bewiesen, den alle seine sogenannten Parteifreunde noch nie haben bewiesen! Geh die derzeitigen sozialdemokratischen Mitstreiter ich durch, wird mir übel, dann muss ich kotzen.!
Ich denke mal, er hat gesehn, die SPD in dießer Zusammensetzung wird kläglich untergehn! Nachdem das Volk dermaßen öffentlich rechtlich verdummt, alle Vernunft verstummt!
Dann Ade' du Demokratie, denn dann hast du Kapitalkommunismus a'la China durchsetzt mit Stasi durchsetzt mit kommunistischen Expolitikern der Ex-DDR zu tun! Dann kannst du nicht mehr schwenken von links nach rechts, denn diese Idioten werden dir verfaulte Kartoffeln einschenken! Weil eine satte Bevölkerung es so will!
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