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3. März 2008, 19:28 Uhr

Die Fesselspiele der Genossen

Die SPD zögert und zaudert: Wie soll sie es nur halten mit den Lockungen der Lafontaine-Linken? Die zur Schau getragenen Geschlossenheit ist eine Farce. Kurt Becks SPD hat sich selbst in Fesseln gelegt - und gibt sich bei ihrem ungelenken Befreiungsversuch der Lächerlichkeit preis. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Auch wenn er bei der SPD-Präsidiumssitzung nicht selbst anwesend war, stand die Veranstaltung im Schatten des Vorsitzenden Kurt Beck© Frank May/DPA

War was in der SPD? Unmut, Unruhe, Streit, Chaos gar? Eigentlich nicht. Nur eine verzerrte Wahrnehmung, sagt die SPD jetzt. Nicht sie habe ein Drunter und Drüber um ihren Parteichef und seine schnell wechselnden Positionen verursacht. Nein, schuld daran sind eigentlich CDU und FDP. Wenn die tanzten, wie die SPD ihnen aufspielt, hätte das SPD-Durcheinander nie stattgefunden. In Hessen etwa gibt die FDP den bösen Buben, der partout nicht will wie die SPD pfeift. Und in Hamburg poussieren die Grünen mit den Schwarzen, was den Roten den Weg in eine Große Koalition verbaut.

Was blieb denn da SPD-Chef Kurt Beck anderes übrig, als mit einem Ukas für klare Kante zu sorgen? Die schlimmen Finger sind auf jeden Fall CDU und FDP. So hat der Parteirat jetzt als das wichtigste Gremium zwischen den Parteitagen praktisch einstimmig entschieden. Schuld sind nicht wir, wir doch nicht!

Und alles wird als paletti erklärt bei der SPD. Ein schöner Akt der Selbsttäuschung. Die Zweifel am Vorsitzenden werden sich weiter in die Partei hineinfressen wie ein Geschwür, mag sie sich um Geschlossenheit bis zum geht nicht mehr bemühen. Ein Wortbruch ist ein Wortbruch ist ein Wortbruch. Diese Wahrheit lässt sich selbst durch noch so einstimmig gefasste Beschlüsse nicht aus der Welt und damit der Erinnerung der Wähler bugsieren. Heute so bei Kurt Beck, morgen aber anders. Glaubwürdig wird man so nicht. Eine Woche Chaos-Diskussion genügte, um vorzuführen, wie gering Becks Autorität ist. Wie Linke und Rechte in der Kursfrage in verschiedene Richtungen streben. Dass die Herren Steinmeier und Steinbrück mit der Dame Nahles nicht können. Missmut über dieses Parteimanagement wird bleiben.

"Wie halten wir es mit der Linkspartei?"

Vielleicht ließe sich die bedauernswerte Situation der SPD noch mit viel Geduld überwinden, wenn wirklich alle Genossen in die gleiche Richtung strebten. Aber selbst dann bleibt der SPD immer noch ein Ding der Unmöglichkeit: Weshalb soll in den Ländern erlaubt sein, was im Bund weiter strikt verboten bleibt? Das lässt sich nach den Regeln der Logik nicht erklären. Das ist wie freiwillige Wehrpflicht. Das ist eindeutig als willkürliche ordre de mufti zu identifizieren.

Unterm Strich dieser abrupt als beendet erklärten Diskussion der Frage "Wie halten wir es mit der Linkspartei?" steht die strategisch fatale Selbstfesselung auf Bundesebene. Sie ist unvermeidbar allein dadurch geworden, dass die SPD die programmatische Diskussion mit den politischen Positionen der Linkspartei sowie ihre Attraktivität für viele Wähler bisher ausgeklammert hat. Die Behauptung, die Linkspartei habe keine politischen Positionen, wegen ihrer Mitgliederstruktur sei verantwortliche Regierungsarbeit mit ihr im Bund nicht möglich, ist vordemokratisch. Wieso soll es - nur ein Beispiel - nicht erlaubt sein, gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zu sein?

Die Becks in der SPD, und das müssen jetzt bis zur Bundestagswahl alle brav sein, drücken sich um die Frage: Was machen wir wirklich, wenn dann eine Rot-Rot-Grüne-Mehrheit stünde?

Nach der Beschlusslage von heute müsste dann die Moral über die Machtperspektive siegen. Na, das wollen wir dann erst mal sehen. Könnte leicht sein, dass viele in der SPD nach der Zangengeburt ihres jüngsten Geschlossenheitsbeschlusses sehr, sehr hoffen, diese Entscheidung möge sich 2009 gar nicht erst stellen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Daft_Wully (04.03.2008, 23:49 Uhr)
Willkommen im Heute
@ manesse
blödsinn.
a: wenn du deiner flachen argumentation folgen würdest, fändest du in punkto griechenland ergebnisse die dir gar nicht passen würde.
b: über die nsdap-regierungsmitglieder nach ´45 redet auch niemand mehr, obwohl das imho ein viel wesentlicheres thema gewesen wäre. aber kollektives "äh-naja-aber" an der stelle scheint ja wohl ok gewesen zu sein.
zu dem stumpfsinn von dir:
ddr-kommunisten incl. lafo-linke: hab ich was verpasst? wen hab ich umgebracht? wer sind die ddr-kommunisten? ich bin 30, also zum Wendezeitpunkt war ich entspannte 11.
Du reitest ein Pferd was schon länger tot ist, aber an deinem Stammtisch bist du sicher voll der Held.
würde ich dich kennen, gäbs ein: "Flachpfeife" für dich...
vegefranz (04.03.2008, 08:44 Uhr)
@Beck-Fan
Dann aber doch mal die Fakten: Beck war sein lebtag Gewerkschaftsfunktionär. "Freigestellt" natürlich. Dann über das Gewerkschaftsticket in das Versorgungssystem der Berufspolitiker. Als Ministerpräsident tat er sich durch grosszügigen Umgang mit Steuergeldern hervor. Dutzende von Millionen wurden beispielsweise beim maroden FC Kaiserslautern versenkt. Meinen Sie, dieser Mann kann den Sinkflug unseres Landes stoppen?
universal1909 (04.03.2008, 07:32 Uhr)
Sermon...
... jede Woche äußert sich der Redakteur Hans Peter Schütz zur SPD und immer wieder der gleiche negative Sermon... welch eine Befriedigung für diesen Herrn muss das sein. Aber er wird den Trend rot-rot-grün nicht aufhalten können, wie dazumal rot-grün nicht aufgehalten werden konnte.
Und mußten dabei viele Mitbürger ihr Leben lassen? Im übrigen bin ich schon über das Niveau einiger Kommentar-Schreiber enttäuscht, die sich zur Person Beck äußern. Unter einem Pseudonym ist es ja auch sehr einfach, Zivilcourage ist anscheinend ein Fremdwort für sie.
stjohnspoint (03.03.2008, 23:52 Uhr)
Beck muss weck!!!
Um der Medien willen, lassen Politiker Luft aus ihrem Mund,
die besser ihrem biologischen Auspuff entweichen sollte.
Dazu gehört auch u.a. Herr Beck.
Herr Beck ist ein „Simpel“.
Aus für Beck.
manesse (03.03.2008, 23:21 Uhr)
@Daft_Wully
In Frankreich, Italien und Griechenland haben die Kommunisten ja auch keine Menschen umgebracht, das ist der Unterschied zu den DDR-Kommunisten der vormaligen SED, die sich bei den Lafo-Linken rumtreiben.
Daft_Wully (03.03.2008, 21:59 Uhr)
verlogene Bande
In Frankreich, Italien, Griechenland und vielen weiteren EU-Staaten ist eine linke Parteienlandschaft ganz normal (weil natürlich) nur in der BRD befürchtet man mal wieder den Untergang des Abendlandes. Das ist nicht nur peinlich, es ist schon beängstigend. Die Linke will weder die Diktatur ausrufen, noch droht sie mit der Enteignung aller... Es ist zum kotzen, wie autistisch hier manche reagieren nur weil sich ein normales Parteienschema einstellt.
Jaja, Ex-SED blabla, aber könnte es evtl. sein, daß jede gesunde Demokratie auch eine gesunde Linke braucht? Und nein, die Linke ist nicht automatisch diskreditiert, auch wenn das viele so wöllten... Und nein II, ein Lafontaine diskreditiert nicht automatisch die Linke. und NEIN III, diese Tante mit ihren Mauerphantasien ist nicht die Linke ( auch wenn das viele gern hätten ) ...
Cholerik
Josh67 (03.03.2008, 21:50 Uhr)
Demokratie?
Welche Demokratie ist in Gefahr?
Haben wir noch eine?
Mein lieber, Du solltest Dich mal richtig informieren, statt hier die böse "Kommunisten-Parole" zu verbreiten, das haben die Edgar J. Hoovers schon in den 50er Jahren gemacht.
Mannebacher (03.03.2008, 21:47 Uhr)
Beck auf Taucherlehrgang
der Pfälzer Bub wir wohl gerade eine Taucherlehrgang im Haifischbecken seiner Partei machen. Vielleicht weint er sich gerade auch bei seinem Möchtegernfreund Lafontaine in seiner "Villa der sozialen Gerechtigkeit" aus. Die Welt ist schlecht. Genossen sind schlecht geworden. Früher genoß man die Gemeinheiten gemeinsam und heute? Pissy-Pussy-Freund Lafo residiert wie ein russischer Oligarch und darf sich linker schimpfen. Und das arme Kurtl dar noch nicht mal mit ihm Rotwein trinken oder über Gourmetrestaurants schwärmen, oder sich über das Rotlichtmilieu aufklären lassen.
Die Welt ist schlecht. Arbeitlosen unrasierten besorgt er Arbeit beim Radio, und jetz fällt man so über ihn her.
manesse (03.03.2008, 20:58 Uhr)
Komisch
Anlässlich des Todes von Annemarie Renger soll Beck - so hieß es im Radio - einen Nachruf veröffentlicht haben. Zur Führungs- und Richtungsdiskussion in der SPD äußert er sich hingegen nicht. Keine Stellungnahme dazu dringt an die Öffentlichkeit, nichts. Das ist ein sehr merkwürdiger Vorgang. Wie krank ist Beck wirklich? Handelt es sich -inzwischen - vielleicht doch nur um eine politische Krankheit?
stesocom (03.03.2008, 20:17 Uhr)
Wehret den Anfängen! DIE LINKE sind eine Gefahr für unsere Demokratie !!
Die SPD Genossen und die Genossen aus dem Spross der SED -- auch LINKE genannt -- werden bald zusammenfinden. Beck will Kanzler werden. Das geht aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur mit Unterstützung der PDS-WASD Kumpelei!
Beck ist ein Machtmensch. Er will die Macht. Er will Kanzler werden ! Da geht man gerne einmal einen Bund mit dem Teufel ein. Viele sagen, dass die LINKE keine Gefahr für unsere Demokratie darstellen würde. Doch jeder sollte sich einmal ihr Parteiprogramm anschauen. Es wird nicht nur Karl Marx zitiert , sondern es wird der Kapitalismus als Form eines nicht zu tolerierbaren Forums dargestellt. Was man immer darunter verstehen mag. Auch Äußerungen wieder eine STASI - Einrichtung zu errichten, scheut kaum mehr Menschen auf !! Wehret den Anfängen -- auch wenn sie von Links kommen !!!!
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