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14. August 2008, 06:58 Uhr

"Linkspartei bald stärker als SPD"

Die Reaktion kam prompt: Kaum hatte Hessens SPD-Chefin Andrea Ypsilanti ihren zweiten Anlauf auf die Macht verkündet, meldete sich Noch-CDU-Ministerpräsident Roland Koch: "Wenn sie es falsch macht, wird es dazu führen, dass die Linkspartei stärker wird als die SPD."

Kämpfen verbissen um die Macht in Hessen: Roland Koch und Andrea Ypsilanti© Thomas Kienzle/AP

Nach der Ankündigung der SPD-Landeschefin in Hessen, Andrea Ypsilanti, einen zweiten Anlauf auf die Macht zu nehmen, ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch forderte ein Machtwort von der Bundes-SPD. "Die Frage ist, ob die SPD noch die Kraft hat, sich der politischen Geiselnahme von Frau Ypsilanti zu erwehren", sagte der amtierende Regierungschef der "Mitteldeutschen Zeitung" aus Halle. In jeder normal funktionierenden Partei müsste ein Machtwort der Bundesführung einen solchen "Spuk" beenden.

Die SPD könnte nach Einschätzung von Koch bundesweit hinter die Linke zurückfallen, wenn sie sich in seinem Bundesland mit der Partei einlässt. "Das aufkommende Fünf-Parteien-System zwingt die SPD, zur Linkspartei prinzipieller Stellung zu nehmen", sagte der CDU-Politiker der Zeitung weiter. Koch erklärte: "Wenn sie es falsch macht, wird es dazu führen, dass die Linkspartei stärker wird als die SPD." Er verwies auf eine Umfrage, nach der der Abstand zwischen SPD und Linkspartei nur noch sechs Prozent betrage. Der Ausgang in Hessen werde entscheidenden Einfluss auf die nationale Politik haben. "Und nach Hessen kann der SPD nicht mehr geglaubt werden, dass sie etwas anders machen würde als in Hessen."

Auch die Linkspartei, die Ypsilanti zur Macht verhelfen soll, ist sich offenbar noch nicht ganz klar darüber, wie sie mit den Sozialdemokraten umgehen will. Die Partei streitet offen über den Umgang mit der SPD in Hessen. Fraktionschef Willi van Ooyen sagte der "Frankfurter Rundschau", dass es inhaltliche Verabredungen mit SPD und Grünen "weit über den Tellerrand der Ypsilanti-Wahl hinaus" geben müsse. Er widersprach damit dem hessischen Bundestagsabgeordneten der Linken, Wolfgang Gehrcke. Dieser hatte gesagt, die SPD könne sich nur auf die Stimmen für die Wahl von Parteichefin Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin im Landtag verlassen und nicht mehr.

Van Ooyen sagte, auf einen Haushalt müsse man sich verständigen. Allerdings sei klar: "Wir werden nicht alles schlucken und unsere sechs Stimmen abliefern." Auch die Ministerliste eines rot-grünen Kabinetts müsse man am Ende billigen. Dabei sei es aber vernünftig, dass man darüber rede.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Klaus Ernst, begrüßte das Vorgehen der hessischen SPD. Der zweite Anlauf zur Regierungsbildung sei mutig, sagte er der "Frankfurter Rundschau". Damit habe Ypsilanti ihrer Partei die einzig mögliche Zukunft eröffnet. "Die müssen endlich mal - sofern sie überhaupt noch sozialdemokratische Positionen wollen - begreifen, dass das nur noch gemeinsam mit den Linken geht." Ypsilantis Vorgehen sei eine Annäherung an die Realität. "Die Umsetzung einer linken Politik in Hessen wird jedenfalls nicht an meiner Partei scheitern", wird Ernst zitiert.

Die hessische SPD-Spitze hatte Ypsilanti am Mittwochabend Rückendeckung für ein Bündnis mit der Linkspartei gegeben. Der Vorstand beschloss einen Zeitplan für einen Regierungswechsel. So soll der nächste Parteitag vom 13. September auf den 4. Oktober verschoben werden. In der Zeit bis dahin sollen die möglichen Optionen für einen Machtwechsel auf vier Regionalkonferenzen mit der Parteibasis besprochen werden.

Landeschefin Ypsilanti sprach von einem "ergebnisoffenen Prozess", der in Gang gesetzt werde. Den Wählern sei man den Politikwechsel schuldig. "Wir wollen die Klöße einen nach dem anderen schlucken, damit wir uns nicht verschlucken", sagte sie nach der Sitzung. In der Diskussion werde es auch um den Umgang mit der Linkspartei und eine mögliche Minderheitsregierung gehen. In diesem Zusammenhang soll der geschäftsführende Landesvorstand einen Kriterienkatalog erarbeiten, der als Grundlage für die Klärung weiterer offener Fragen im Umgang mit den Linken dienen soll.

Über die Ergebnisse der Beratungen soll nach ihren Worten der außerordentliche Parteitag Anfang Oktober entscheiden. Dann könne es ein Startsignal für Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und Gespräche mit den Linken geben. Auch jetzt sei man bereits mit Abgeordneten der Linken in Kontakt. Das sei aber in der parlamentarischen Arbeit normal.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
Eisenbaer (16.08.2008, 14:00 Uhr)
@scherbengericht
Blicken Sie mal nach Niedersachsen, in Hannover, da sitzt die Zukunft der CDU. Herr Koch ist doch allenfalls noch der "Herr Beck" der CDU.
nichtvergessen (15.08.2008, 12:35 Uhr)
UNFASSBAR
Es war ja bereits das wesentliche zusammengetragen und sehr deutlich gemacht, was die Mehrheit zur Person Koch und seinen Taten zu schreiben hat. UND DANN ???
Kommt Doch tatsaechlich jemand darauf die Frage zu stellen : WER SONST ???
Bei allem Respekt, dies ist mit Abstand die bloedeste aller Fragen die es zu diesem Thema zu stellen gibt.
JEDER wirklich jeder dahergelaufene Vollidiot stellt die bessere Wahl dar als der Luegenbaron.
Punkt Basta Fertig.
scherbengericht (15.08.2008, 11:19 Uhr)
Koch, wer sonst?
Die Kommentare sind ja teilweise erschreckend. Man kann ja Politiker ablehnen, aber was sich hier für ein schon perverser Haß gegen Koch Raum macht - unglaublich.
Mal ganz anders gedacht: Frau Bundeskanzlerin fällt - aus welchen Gründen auch immer - plötzlich aus. Wen hätte denn die CDU zur Nachfolge?? Rüttgers? Lachnummer. Oettinger? Oberlachnummer. Prof. Böhmer? Sehr nett, aber scheint müde zu werden. Saar-Müller, der die Linken noch links überholen will? Nö. Bleibt nix als Koch. Ich will hier nicht stänkern und sitz auch nicht in der Wiesbadener Staatskanzlei, aber den könnte ich mir als ordentlichen Kanzler vorstellen. So. Das wars.
Eisenbaer (15.08.2008, 10:39 Uhr)
CDU bald stärker ohne Koch?
ich denke mal, realistisch betrachtet könnte die CDU in Hessen ohne das Plappermäulchen Herrn Koch einfach ruhig ihre Regierungspolitik gestalten. Wenn ich den Mann nur sehe und reden höre: Diese Arroganz, dieser Zynismus; das will ein Staatsmann sein?

Arme hessische CDU, so etwas hat sie sich über die Jahre hinweg verdient.
cologne237 (15.08.2008, 00:20 Uhr)
Minderheitsregierung - Duldung?
>>Fraktionschef Willi van Ooyen sagte der "Frankfurter Rundschau", dass es inhaltliche Verabredungen mit SPD und Grünen "weit über den Tellerrand der Ypsilanti-Wahl hinaus" geben müsse.
utospatz (14.08.2008, 23:14 Uhr)
Eine Gesellschaft die keine mehr ist,
sollte das Maul halten, wenn Sie keine mehr ist!
pitiplatsch (14.08.2008, 20:25 Uhr)
Was soll der Krampf ?
dass sich die SPD selber demontiert daran ist nicht die Ypsilantie Schuld, daran ist die SPD selber Schuld. Wer Völkerrechtswidrige Kriege führt, den Arbeiter und Rentner in die Altersarmut treibt, die Rente auf 67 raufsetzt, sich selber bereichert und nur aufs Abzocken aus ist der gehört abgestraft. Was der brutalste Lügner Koch sagt ist so wichti ein ein toter Brocken Holz im sibirischen Wald. Also wie gesagt wer den Arbeiter und Rentner bewußt in die Armut treibt, wie die CSU SPD und CDU gehört schlicht a b g e w ä h l t. Punkt Basta Fertig.
Johann58 (14.08.2008, 19:44 Uhr)
@schurke
doch, doch da gab es schon ein paar die Richter Gnadenlos und Ole von Beust attakiert haben aber da hat sich eindeutig gezeigt, dass viele Deutsche auf dem rechten Auge blind sind und dass die Gefahr von Rechts nicht nur ignoriert sondern verharmlost wird. Gluecklicherweise sind die rechten Sprueche von Roland Koch in Hessen richtig interpretiert wordenund er hat ordentlich einen auf die Muetze bekommen.
Schurke (14.08.2008, 19:07 Uhr)
Hamburger Verhältnisse
Ich kann die Aufregeung über den Wunsch von Frau Ypsilanti Ministerpräsidentin zu werden, überhaupt nicht nachvollziehen. Als Olé van Beust seinerzeit mit der Schill-Partei paktierte, hat sich keiner das Maul zerrissen. Über den wahren Charakter des Richter Gnadenlos Gnadenlos und sein skandalöses Wirken redet in diesem unserem Lande niemand mehr. Offensichtlich hat der damalige Rechtsruck dem Christen Olé van Beust nicht geschadet. Dem Mutigen gehört die Welt. Nur zu Frau Ypsilanti und jagen Sie den brutalstmöglichen Demagogen aus der Staatskanzlei.
Johann58 (14.08.2008, 15:38 Uhr)
habe ich das richtig verstanden?
Koch moechte, dass die Parteispitze der SPD dafuer sorgt, dass er Ministerpraesident in Wiesbaden bleibt! Ja isses jetzt so weit, dass er um Aufnahme im Eichberg nachsucht? Wie krank und machtgeil ist den unser hessischer Oberluegenbold, dass im nichts anderes mehr einfaellt als sogar den politischen Gegner um Hilfe bitten muss. Koch hat sich und das Land in genau die Situation manoevriert, wenn er vernuenftige Politik gemacht haette und nicht dermassen gelogen haette, dann waeren heute im hessischen Landtag klare Verhaeltnisse. Einige wenige scheinen immer noch nicht zu verstehen, dass man sich mit den tatsaechlichen Gegebenheiten abfinden muss.
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