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14. Juni 2010, 14:38 Uhr

Bundes-SPD drängt zu Minderheitsregierung

Seit fünf Wochen wird in Nordrhein-Westfalen darüber diskutiert, wer das Land künftig wie regieren darf. Die SPD-Spitze an Rhein und Ruhr lehnt derzeit eine rot-grüne Minderheitsregierung ab. Die Berliner Genossen sehen das anders. Und auch die Grünen-Spitze macht Druck.

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Plädiert mit Blick auf den Bundesrat für eine rot-grüne Minderheitsregierung: SPD-Chef Sigmar Gabriel© Herwig Prammer/Reuters

In Nordrhein-Westfalen ist eine rot-grüne Minderheitsregierung nicht grundsätzlich vom Tisch. Nach dem Willen von SPD-Chef Sigmar Gabriel soll diese Konstellation in Düsseldorf eine Bundesrats-Zustimmung zu umstrittenen Projekten der Bundesregierung verhindern. Die NRW-SPD werde alles tun, um "derartig katastrophale Fehlentscheidungen im Bundesrat" zu verhindern, sagte Gabriel im "Tagesspiegel". Angesichts neuer Grünen-Vorstöße für Rot-Grün in NRW mahnte SPD-Landeschefin Hannelore Kraft zur Gelassenheit.

Gabriel verwies auf die anstehenden Entscheidungen in der Länderkammer über das Sparpaket der Bundesregierung, eine Verlängerung der Akw-Laufzeiten oder die Gesundheitsprämie. "Dann müsste man sicher über eine Minderheitsregierung von SPD und Grünen reden, die ja zusammen deutlich mehr Stimmen im Landtag haben als CDU und FDP."

Gabriel: Kraft ist das Gegenmodell zu Merkel

Gabriel verteidigte Kraft gegen Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Kraft habe "bewiesen, dass das Festhalten an politischen Zielen wichtiger sein kann als der Wille zur Macht", sagte der SPD-Chef. Kraft sei "das Gegenmodell zu Angela Merkel, die seit Monaten wider besseren Wissens an einer realitätsfernen Koalition mit CSU und FDP festhält, obwohl das Land dabei Schaden nimmt". SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte in Berlin, Kraft habe "sehr souverän und klug agiert, indem sie Schritt für Schritt vorgegangen ist". Die SPD könne keine Koalitionen eingehen, "die nicht gehen".

Merkel hatte Kraft nach ihrer Absage an eine große Koalition "Verantwortungslosigkeit" vorgeworfen und die SPD zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Auch Kraft wies die Vorwürfe im Internetportal und den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe zurück. "Eine Bundeskanzlerin, die eine solche Chaos-Koalition anführt, sollte sich zurückhalten mit Ratschlägen für Nordrhein-Westfalen und Hinweisen, was verantwortliche Politik ausmacht", sagte die SPD-Landesvorsitzende.

Kraft mahnt zu Gelassenheit

Grünen-Chefin Claudia Roth erneuerte derweil Forderungen aus ihrer Partei an die SPD, eine rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen zu bilden. "Die SPD muss sich aus ihrer Schockstarre über die Verweigerung von Linkspartei und FDP lösen und für den versprochenen Politikwechsel in Nordrhein-Westfalen sorgen", sagte Roth der "Berliner Zeitung".

Kraft sagte zu den Grünen-Forderungen: "Warten wir doch erst einmal die weitere Entwicklung in Berlin und Düsseldorf ab." Es gehe der SPD zudem "nicht um Ministersessel und Dienstwagen, sondern um eine bessere Politik für das Land". Zuvor hatte Kraft im WDR angekündigt, die SPD werde bei der nächsten Landtagssitzung bereits erste Gesetzentwürfe einbringen.

Politikwechsel "aus dem Parlament heraus" betreiben

Die SPD will nach den Worten Krafts nach ihren gescheiterten Sondierungsgesprächen mit CDU, FDP und Linken in Düsseldorf nun den angestrebten Politikwechsel "aus dem Parlament heraus" betreiben. Nach dem Nein der SPD zu Koalitionsverhandlungen mit der CDU bleibt die Regierung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) geschäftsführend im Amt.

Rüttgers lehnte unterdessen Neuwahlen in NRW ab. Die Wähler hätten sich am 9. Mai für die Große Koalition entschieden, sagte er der "Rheinischen Post". Rüttgers schloss ein Jamaika-Bündnis von CDU, FDP und Grünen nicht aus: "Mein Angebot, mit allen demokratischen Parteien zu reden, bleibt weiter bestehen." Die Grünen hatten einer Koalition mit CDU und FDP jedoch wiederholt eine Absage erteilt.

AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Kokolemle (15.06.2010, 13:11 Uhr)
Ich wähle jedenfalls die SPD nie wieder
Ich kann das Affentheater in NRW nicht mehr mit ansehen. Da hätten Sie Frau Kraft doch endlich die Möglichkeit, die Politik zu machen, die Sie den Wählern versprochen haben, aber Sie wollen einfach mit der Linkspartei nicht zusammenarbeiten. Haben Sie denn noch nicht begriffen, das wir schon längst im Fünfparteiensystem leben? Ich sage Ihnen warum sie das alles machen. Nur weil damals Lafo und viele weitere Parteimitglieder die SPD verlassen und in die Linke eingetreten sind. Die SPD fühlt sich dadurch richtig gekränkt. Man das ist wirklich ein Kaspertheater. Sie sollten sich lieber jetzt auf die Verwirlichung Ihrer Wahlversprechungen konzentrieren und diese schnellstmöglich umsetzen und endlich eine sozialere Politik zum Erfolg zu verhelfen.
Bayernstammler (15.06.2010, 10:18 Uhr)
Ach du liebe Zeit
n8g8 gibts auch noch. Und ich dachte schon, er würde Nachhilfeunterricht nehmen, um hier bessere Beiträge abzuliefern. Aber leider: Es war eine falsche Hoffnung.

Rüttgers hätte nach den bisherigen Vorgehensweisen nach Wahlen eine Regierung bilden müssen. Frage: Wann tat er dies?
Es macht scheinbar so richtig Spaß, das Frau Kraft zuzuschieben. Sie hat sich um eine Regierung für NRW bemüht, Herr Rüttgers nicht. Das ist Fakt und das werden die Menschen auch nicht vergessen.
n8g8 (15.06.2010, 00:20 Uhr)
@ Johann58
Wegen der sozialdemokrtaischen Politik Ihrer Partei sstehen Sie als Sympathieträger offensichtlich schon kurz vor dem persönlichen Applaus-Sturm eines SPDlers???
Mein Beileid!!!
Passt zu Ihnen, als SPD-Wähler. Sie lernen nichts. Vernunft kann man auch nicht lernen, die hat man. Oder eben nicht!!!
Lassen Sie Don SPD nur weiter gegen die Sie beherrschenden Seeheimer Windmühlen anrennen und liefern Sie sich mit Ihren politischen "Genossen" ein genießerisches Pseudo-Gefecht um die stetig beschwindelte und schwindenden, noch wählenden Minderheiten und fühlen Sie sich dabei als SPD-Basis so richtig wichtig, gerade weil Eure Köpfe schon längst von anderen bezahlt wurden!!! :-)))
Sie merkeln es offenlesbar nicht einmal ansatzweise, wie lächerlich Sie sich als Dummy-Wähler machen, weil Sie sich ferngesteuert missbrauchen lassen. SPD, ihre Wähler und alle anderen gekaufte Neokaps und ihre Hofresidenz:
RIP, in Pieces!!!
(Notiz fürs blassrosane Parteibuch)
Johann58 (14.06.2010, 22:02 Uhr)
@dreicon
ich muss Sie doch allerhoeflichst bitten das geschriebene Wort aus Tempelhof nicht zu kritisieren, da er die Merkelschen Aeusserungen als unfehlbar wie die des Papstes erachtet.

Aber mal zum Thema selbst. Eine Minderheitsregierung ist meiner Meinung nach Unsinn, sie wird zu sehr mit Selbstverteidigungsmassnahmen zu tun haben um ueberhaupt regieren zu koennen.

Am allerbesten gefaellt mir mal wieder unsere Uckermaerkische, die die SPD an den Verhandlungstisch zwingen will damit ihr Duesseldorfer Stadthalter im Amt bleiben will. Was glaubt die eigentlich was sie ist, Gott persoenlich? Ruettgers schein gar von einem geistigen SAchwaecheanfall getrieben zu sein, dass erbehauptet, dass die Waehler eine grosse Koalition mit Ruettgers als Landesvater wollen. Der raucht wohl zu viel von dem Kraut aus Amsterdammer Coffeeshops.
winn111 (14.06.2010, 20:31 Uhr)
verständlich
ich weiss nicht, ob die Kraft vielleicht noch auf eine göttliche Erscheinung wartet, aber dieses zaudern lässt darauf schliessen, dass sie warten will, bis die Bundeskoalition zerbricht, dann hätten wir doppelte Neuwahlen und die FDP fliegt sowohl aus dem NRW- und dem Bundesparlament raus. Prima Idee, denn Merkel wäre dann auch weg vom Fenster !!!
Wahrhyde (14.06.2010, 19:38 Uhr)
@dreicon
Okay, lasse ich gelten, auch wenn es kein Geheimnis ist, dass Parteiführungen Argumentations-Leitlinien ausgeben, damit Fraktionsangehöige und/oder amtslose Parteipolitiker 'mit einer Stimme' sprechen. Zu welchem Zeitpunkt da Ideenfindung und Erörterung stattfindet, ist mir ein Rätsel.

Es gibt die innerparteilichen Arbeitsgruppen, sicher, aber sind deren Ergebnisse erstmal beschlossen, steht die Fraktion i.d.R. wie ein Mann. Anders gesagt: Wenn die Entscheidungsfindung ohnehin in Parteigremien stattfindet, braucht es am Ort der Legislative keine kostenintensiven Abstimmungsautomaten mit Montblanc-Bezugsscheinen.
rebegtar (14.06.2010, 18:30 Uhr)
Eine Minderheitsregierung war ja nie geplant...
In einer grossen Koalition ohne Rüttgers oder in einer Ampel hätte Frau Kraft ein Einknicken in wichtigen sozialen Fragen immer schön auf den Koalitionspartner schieben können. In einer Minderheitsregierung nur mit den Grünen fehlt aber leider der schwarze Peter.
So lässt sie dann die Zügel doch lieber in den Händen von Herrn Rüttgers damit der noch die ganzen Unbarmherzigkeiten aus dem Parlament durchwinkt während sie die grosse Oppositionsshow abzieht.

dreicon (14.06.2010, 17:42 Uhr)
@Wahrhyde (14.06.2010, 17:22 Uhr)
Vielleicht hat hier die Erkenntnis über die "Weisheit der Vielen" zu Buche geschlagen. Man sollte doch davon ausgehen, daß auch in einer politischen Partei vor der Entscheidungsfindung eine Diskussion, oder sogar neudeutsch ein "Brainstorming" stattfindet.
Wahrhyde (14.06.2010, 17:22 Uhr)
@dreicon
Die Argumentation ist nicht von der Hand zu weisen, bedeutet aber in letzter Konsequenz, dass der Bundestag völlig überbelegt ist. Wozu brauchen wir derart viele Parlamentarier, wenn letztlich die Fraktionsführung entscheidet, was gemacht wird?
dreicon (14.06.2010, 17:17 Uhr)
@Tempelhofer (14.06.2010, 17:01 Uhr)
Haben Sie sich überhaupt einmal Gedanken darüber gemacht, daß schon die Benennung der Kürzungsorgie als "Sparpaket" eine versuchte Volksverdummung darstellt. Zum Xten Male: Sparen kann ich nur das was ich habe. D. h. ich treffe die Entscheidung, vorhandene Mittel nicht auszugeben, sondern beiseite zu legen. Habe ich aber nichts, entscheide mich aber dennoch Ausgaben nicht zu tätigen, dann kürze ich meine Ausgaben.

Es ist also ein Kürzungspaket. Klingt halt nicht so hehr.
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