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12. Oktober 2009, 22:15 Uhr

"Neue Fragen brauchen neue Antworten"

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hat seine Entscheidung gegen Koalitionsverhandlungen mit der CDU begründet: Mit der Linken gebe es größere Schnittmengen. Die CDU ist aufgebracht und spricht von "Verrat an der friedlichen Revolution von 1989".

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Auf Schmusekurs: Ministerpräsident Matthias Platzeck herzt die Linken-Fraktionsvorsitzende Kerstin Kaiser© Nestor Bachmann/DPA

Brandenburg steuert nach zehn Jahren SPD-CDU-Koalition auf eine rot-rote Landesregierung zu. Der SPD-Landesvorstand stimmte am Montagabend in Caputh bei Potsdam mit neun Ja-Stimmen und fünf Enthaltungen für die Empfehlung des SPD-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, Koalitionsverhandlungen mit der Linkspartei aufzunehmen. Zuvor hatten die Sozialdemokraten drei Sondierungsrunden mit der CDU und vier mit der Linken geführt.

"Wir haben in der Sondierung festgestellt, dass es breitere und größere Schnittmengen mit der Partei 'Die Linke' gibt", begründete Platzeck die Entscheidung. 20 Jahre nach dem Ende der DDR dürften die Anhänger der Linkspartei als große gesellschaftliche Gruppe nicht länger aus der Verantwortung herausgehalten werden. "Neue Fragen brauchen neue Antworten", stellte der SPD-Politiker fest und nannte als Beispiel den von vielen Menschen geforderten Mindestlohn.

"Ich glaube, dass jede gewählte demokratische Partei ein potenzieller Koalitionspartner ist", sagte der Regierungschef weiter. Allerdings dürften ehemalige Stasi-Mitarbeiter in einer rot-roten Regierung weder Minister noch Staatssekretäre werden. Die Landtagsfraktionsvorsitzende der Linken, Kerstin Kaiser, hatte eingeräumt, während ihres Studiums in Leningrad ab 1979 Mitstudenten bespitzelt zu haben. Sie erklärte sich aber bereit, auf ein Ministeramt zu verzichten.

Linke hofft auf Politikwechsel

Platzeck sagte, ein Grund für seine Entscheidung sei auch die knappe Mehrheit von nur fünf Stimmen für SPD und CDU im Landtag. Er verwies darauf, dass sich die intern zerstrittenen Christdemokraten in einer Umbruchsituation befänden und deshalb unberechenbar seien.

Kaiser begrüßte die Entscheidung der SPD. In den Sondierungsgesprächen hätten beide Parteien eine ganze Reihe von Kompromissen gefunden, sagte sie. "Wir hoffen nun auf einen Politikwechsel. Wir hoffen auf ein Land, in dem soziale Aspekte trotz der Wirtschaftskrise eine Rolle spielen." Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch erklärte, Rot-Rot biete eine Chance für das Land jenseits von CDU-Regierungsbeteiligungen. Die Gremien der Linken wollen am Dienstagabend über die Koalitionsverhandlungen abstimmen. Diese könnten dann am Donnerstag beginnen.

CDU reagiert mit Empörung

Die CDU kritisierte Platzecks Entscheidung heftig. Er könne "nichts anderes als Empörung empfinden", erklärte Generalsekretär Ronald Pofalla. "Dieses rot-rote Bündnis verstößt gegen die Interessen von Brandenburg." Die Brandenburger CDU-Vorsitzende Johanna Wanka sprach von einem Verrat an der friedlichen Revolution von 1989. "Es ist traurig und dramatisch, dass wir jetzt hier ein rot-rotes Experiment haben", erklärte sie. Dabei hätten SPD und CDU während der Sondierung in allen Punkten Kompromisse gefunden.

Der scheidende Landesinnenminister und frühere CDU-Vorsitzende Jörg Schönbohm wertete die Entscheidung für Rot-Rot im MDR-Hörfunk als im höchsten Maße überraschend. "Nachdem es in Thüringen ja doch etwas durcheinander geht mit der SPD und die SPD im Saarland mit Rot-Rot nicht zum Zuge gekommen ist, muss jetzt in einem Bundesland das exekutiert werden. Und von daher ist Brandenburg ein Opfer der bundespolitischen Schwierigkeiten der SPD."

Bei der Landtagswahl vor zwei Wochen war die SPD unter Platzeck mit 33 Prozent der Stimmen erneut stärkste Kraft geworden. Die Linkspartei erhielt 27,2 Prozent und die CDU 19,8 Prozent. Erstmals nach 15 Jahren schafften auch FDP und Grüne wieder den Sprung ins Parlament. Seit 1999 hatte in Brandenburg eine Koalition aus SPD und CDU regiert.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 82)
 
Kritiker-Kritiker (13.10.2009, 17:17 Uhr)
@ Robbespierre (13.10.2009, 16:45 Uhr)
Also Ihr gesellschaftlicher Reichtum ist doch bereits vorhanden!?!
Es gibt Schwimmbäder für alle, das sollte aber ja wohl nicht ausschließen, dass sich Einzelne noch einen privaten Pool in Garten stellen dürfen.
Es gibt ein barriere- und gebührenfreies Bildungssystem. Warum sollten sich Reiche nicht trotzdem eine Privatschule leisten dürfen?
Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern sind wir gut aufgestellt, was die Gesundheitsfürsorge betrifft.
Wir haben mautfreie Autobahnen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass gegen Senkung der Ökosteuer, wie in Österreich/Schweiz eine Vignette her sollte. Gegen ein französisches/italienisches kilometerabhängiges Mautsystem spreche ich mich jedoch aus.
Günstiger öffentliche Wohnungsbau? Für was? Für die rückläufige Population? Ist es überhaupt Aufgabe der öffentlichen Hand, Wohnungsbau in noch größerem Umfang zu betreiben (weil es Private nicht können?)? Es gibt/gab steuerlich begünstigte Wohnungen, die eine bestimmte Miethöhe nicht überschreiten dürfen und nur mit einem Wohnberechtigungsschein bewohnt werden dürfen, eben für sozial Schwache.
Günstigeres öffentliches Verkehrssystem, ok, wäre echt notwendig. In Spanien fährt man auch weitere Strecken mit der Bahn sehr günstig. Wird aber auch sehr stark subventioniert.
Jugendfreizeiten werden bereits in der Regel (von Dachverbänden, teilweise auch gemeindlich) bezuschusst.

Ich bin einfach der Meinung, in Deutschland wird auf sehr hohem Niveau gejammert. Es fehlt uns eigentlich an nichts, aber niemand ist zufrieden...
Robbespierre (13.10.2009, 16:45 Uhr)
@Kritiker-Kritiker
Haben Sie schon mal überlegt, wie sich gesellschaftlicher Reichtum darstellen kann?

Nehmen sie ein Schwimmbad für alle vs 10 private Swimmingpools. Oder ein barriere- und gebührenfreies Bildungssystem vs.teure Privatschulen für die Oberschicht. Gesundheitsfürsorge auf hohem Niveau für alle, mautfreie Autobahnen, günstiger öffentlicher Wohnungsbau, ein günstiges öffentliches Verkehrssystem, bezuschußte Jugendfreizeiten etc.

Es gib eine ganze Menge Dinge, die besser gresellschaftlich, statt privat organisiert sind. Deswegen muß der Einzelne nicht mehr als 2500 Brutto im Portemnaie haben. Es kommt vielmehr darauf an, was er sich damit alles leisten kann.
Kritiker-Kritiker (13.10.2009, 16:21 Uhr)
@ snoopy3 (13.10.2009, 15:50 Uhr)
Wüsste gerne, woher Sie die Zahlen nehmen. Soweit ich weiß, liegt bei ca. 2.500 EUR der durchschnittliche Bruttoverdienst (zumindest was die Rentenversicherung betrifft). Kann mir also nicht vorstellen, dass man als Durchschnittsverdiener bereits als 'reich' angesehen wird.
Die LINKE meint mit dem Slogan 'Reichtum für alle' die Umverteilung und bzw. durch Einführung der Reichensteuer...
Dadurch wird kein Hartz-IV Empfänger reich, und auch nicht die Bäckereifachverkäuferin oder die Angestellte im Friseursalon.
mephisto123 (13.10.2009, 16:20 Uhr)
komisch.....
wenn die CDU-Profalla auf der Homepage ausruft : "Wohlstand für alle" dann ist das selbstverständlich okay.....
wenn die Linke plakatiert "Reichtum für alle " dann ist das Populismus und eine Frechheit....nenene
Ich denke hier pflegen einige nur ihre primitiven Feindbilder...
snoopy3 (13.10.2009, 15:50 Uhr)
Begriff Reichtum
In Deutschland gilt man als reich, wenn man ein Monatseinkommen i. H. von ca. ? 2.400,-- hat.
Bleibt die Frage, was an diesem Versprechen der Linken populistisch ist.
Sononja (13.10.2009, 15:15 Uhr)
@ RockyBeach
Ich denke mal dass Lafontaine da immer noch das kleinere Übel ist. Außerdem wird er noch lange nicht so weit sein, dass er alleine regieren könnte. Entweder dauert das noch lange, oder aber es läuft so wie mit den Grünen und der FDP, die auch noch nie alleine regieren konnten. Da muß man sich sicher keine Sorgen machen

Und egal wie auch immer unsere Politiker heißen mögen und von welcher Partei sie sind, machtgeil sind sie alle. Jeder von denen klebt an seinem Pöstchen.

Die , die am liebsten herrschen wollen, und alles verteilen wollen was andere aufgebaut haben, die regieren uns gerade.

Wir werden in 4 Jahren ganz schön in die Röhre schauen und arm sein wie die Kirchenmäuse. Die nächste Variante von Hartz IV wird nicht lange auf sich warten lassen. Sie wird dann nur noch ein Stück schlimmer ausfallen.

Also, dann doch lieber Lafontaine und seine Mannschaft, die eben sozial sind. Dann ginge es uns jetzt sicher bald besser.
Administrator (13.10.2009, 14:24 Uhr)
@Robbespierre, 12:47 Uhr
Ihr Beitrag wurde gelöscht. Wie diverse andere von Ihnen heute auch. Hören Sie auf, die Usernamen anderer Leser zu verunglimpfen (raptor XS) und halten Sie sich an unsere Regeln, dann bleiben Ihre Postings auch stehen.
knilch_59 (13.10.2009, 12:23 Uhr)
@figaroo
Hat Merkel nicht 2005 die Große Koalition nicht explizit ausgeschlossen?
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Wir sind wieder bei einer grundsätzlichen Frage: Täuschen Politiker oder lassen wir Wähler und täuschen? Ich tendiere grundsätzlich zur zweiten Variante. Ich kann mich an kein Interview erinnern, in der Platzek sich irgendwie festgelegt hätte. Also ist der vermeintliche Wunsch nach der Fortsetzung der Fortsetzung von Schwarz/Rot allenfalls im Kopf einiger Wähler entstanden, getäuscht wurde niemand!
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Das Wahlrecht sieht nicht vor, dass Wähler Koalitionen wählen sollen, und können! Die Wählen mit der Erststimme einen Kandidaten und mit der Zweitstimme eine (!) Partei, kein Konglomerat. Die enttäuschte Hoffnung und die Mitleidstour, die die jeweiligen Wahlverlierer auspacken, basieren auf einem weit verbreiteten, aber fundamentalen, Irrtum. Wir (Wählerinnen und Wähler) gehen unseriös mit den Wahlkampfversprechen der Parteien um: die sind nun mal kein Ehrenwort im Sinne einer festen Zusage, sondern, zwei Stufen tiefer, eine Absichtserklärung. Es liegt an uns, inwieweit wir dem Glauben schenken.
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In der Debatte rund um Lafo können Sie meine Meinung ebenso nachvollziehen: Ich habe einfach keine Lust auf weichgespülte Schlaffis, die Wahlkampf mit Nichtssagen betreiben, nur damit man hinterher beim in-den-Krümeln-Suchen keine Fehler oder Lügen findet. Da muss Butter bei die Fische, von allen Seiten! Wir Wähler müssen wissen, dass das Maximalforderungen sind, von denen nur ein Bruchteil Realität wird (und wir wissen noch nicht mal, welcher). Aber wir müssen einschätzen, ob das Gesamtkonzept, die Richtung, stimmig ist, oder zumindest stimmiger als bei den Anderen.
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Ich weiß, dass wir beide von der politischen Grundausrichtung niemals einer Meinung sein werden. Aber wenigstens sollten wir Demokratie ähnlich begreifen. Einer der Eckpfeiler dazu ist Gleiches Recht für Alle! Wenn Politik dazu verkommt, dass die Blutgrätsche des eigenen Vertreters richtig und beim Gegner falsch ist, droht das Spiel unspielbar zu werden. Das wäre auf jeden Fall schlimmer, als ein paar Jahre eine Linke- oder CDU-Regierung ertragen zu müssen!
RockyBeach (13.10.2009, 11:31 Uhr)
@nightmare-online
aber auf den Plakaten stand schon "Reichtum für alle", oder habe ich mich verlesen?
Kritiker-Kritiker (13.10.2009, 11:30 Uhr)
@ nightmare_online (13.10.2009, 11:14 Uhr)
bei uns in der Stadt hing an jeder 2. Straßenlaterne ein Wahlplakat der LINKEN, mit eben genau diesen abgedroschenen Sprüchen.
Wahlprogramm hin oder her, was glauben Sie, wie viele Wähler tatsächlich das Wahlprogramm gelesen haben? Tjaja, auf dem Plakat hörts sich gut an, wähl ich...
DAS ist Populismus und dumpfer Stimmenfang!
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