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10. Mai 2007, 12:38 Uhr

"Provozieren und Stärke zeigen"

Nach der Razzia in der "Roten Flora" war der Krawall vorprogrammiert. Am Tag danach stehen die Übertragungswagen der Nachrichtensender im Hamburger Schanzenviertel. Doch die Protestler kündigen schon weitere Aktionen an. Von Christoph M. Schwarzer

Die "Rote Flora" in Hamburg: Die Polizei durchsuchte das Gebäude, danach kam es zu Krawallen© Christian Charisius/Reuters

Abgeschlossen. Morgens um halb zehn fällt der Landregen auf die "Rote Flora", das Heiligtum der linken Szene im Hamburger Schanzenviertel. Erst zwei Stunden später kommen mit der Sonne auch die ersten aktiven Demonstranten auf die Straße: "Die BFE hat mich gestern mitgenommen", sagt Sven. Sven ist 17, Punk, und die BFE die 'Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit' der Polizei. "Ich war im Polizeikommissariat 14 und im LKA." Und warum? "Weil die uns provoziert haben. Die sind bei uns eingedrungen, verstehst Du?" Die, das sind die Polizeibeamten, die gestern Abend nach der friedlichen Demonstration gegen die Razzia in der "Roten Flora" mit Wasserwerfern anrückten. Dazu berichtet Polizeisprecherin Ulrike Sweden: "Bis 22 Uhr verlief der Aufzug der etwa 900 Demonstranten friedlich. Es gab nur einige Verstöße gegen das Vermummungsverbot und Probleme wegen zu breiter Protestbanner." Danach löste sich der Protestzug auf. Einige blieben zurück.

Polizeisprecherin Sweden: "Die Polizisten wurden mit Bauzäunen, bengalischen Feuern und Flaschen beworfen. Die Wasserwerfer mussten eingesetzt werden." Eine Jagd durch die Seitenstraßen des Schulterblatts begann. "Es gab acht vorübergehende Festnahmen wegen Landfriedensbruchs. Ein Störer, der einem Platzverweis nicht folgen wollte, wurde in Gewahrsam genommen." Einer der acht war Sven. Auf die Frage, ob er auch mit Flaschen geworfen habe, verzieht er seinen Mund zu einem verschmitzten Lächeln, und er streicht sich den klassisch neongrünen Irokesenschnitt auf die andere Seite: "Die wollten uns nur provozieren und Stärke zeigen."

Abiturienten auf der Suche nach Erkenntnissen

"Ene, mene, muh, der/die Terrorist/in bist Du!", steht auf dem Plakat an der "Roten Flora". Ein gemalter Polizist in grüner Uniform und mit blinden, weil verbundenen Augen zeigt, wer damit gemeint ist. Norman Wendler und Marius Krösche wissen nicht, was sie davon halten sollen. Die 17-jährigen Schüler des Gymnasiums Eppendorf machen gerade eine Umfrage über das Sicherheitsgefühl im Schanzenviertel. "Gibt es Plätze in der Schanze, an denen sie sich nicht wohlfühlen?" steht auf dem Fragebogen. Wer will, kann sein Kreuz bei "Schulterblatt/ Susannenstraße", also direkt an der "Roten Flora" machen. "Organisiert sind die G8-Gegner ganz sicher", ist Norman überzeugt, "aber Terroristen? Das ist doch etwas anderes." Die mediale Berichterstattung empfinden sie als aufgebauscht und überzogen, die Durchsuchung der Polizei trotz ihres Zweifels am Verdacht der Gründung einer terroristischen Vereinigung als richtig.

Das sieht Frauke Distelrath, Sprecherin von attac Deutschland, anders: "Die Durchsuchungen der Polizei sind Ausdruck einer Sicherheitspolitik, die nicht rational, sondern paranoid geprägt ist." Auch wenn attac selbst nicht betroffen sei, wäre klar, dass das Rechtsstaatsprinzip der Verhältnismäßigkeit der Mittel hier nicht eingehalten worden sei. "Die Wirkung ist eine Kriminalisierung und Diskreditierung aller G8-Proteste." Auch zur Rechtfertigung des Polizeieinsatzes mit dem §129a bezieht sie klar Stellung; dieser werde benutzt, um Willkür zu rechtfertigen.

Vor der "Roten Flora" steht Ralf. Auch er war gestern dabei. Er ist um die 30 und wirkt abgeklärter: "Die haben mit der Flex die Türen aufgemacht. Was wollen die denn auf den Computern finden?", fragt er und ergänzt, "Vielleicht ein paar Bus- und Bahnfahrpläne?!" Auch er glaubt, dass es der Polizei im Vorfeld von G8-Gipfel und dem morgen beginnenden Hafengeburtstag darum ging, Stärke zu zeigen. "Am Widerstand gegen den G8-Gipfel wird das nichts ändern", da ist sich Ralf sicher. Und heute Abend? Das, so sagen sie einmütig, wüssten sie noch nicht genau. Aber ja, irgendwas wird bestimmt sein, wenn alle wieder wach sind.

Von Christoph M. Schwarzer
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Swampy (11.05.2007, 17:05 Uhr)
@mahakali
Mit Flaschen werfen heißt bei Euch für ein besseres Leben engagieren? Ihr seid echt arme Versager - engagiert euch mit friedlichen Mitteln oder in einem anderen Land!
mahakali (11.05.2007, 13:58 Uhr)
indifferent
mats123 .... an Ihrer Stelle würde ich mich auch hinter einem Pseudonym verstecken: Alle aus dem Dunstkreis der Roten Flora als linksradikal zu bezeichnen ist lächerlich ... und dann auch noch was von Kommunismus zu schwafeln - mein Gott! Ist jemand politisch interessiert, sollte er/sie auch informiert sein und sich bis dahin vornehm zurückhalten.
Ich bin froh, dass es überhaupt noch eine Handvoll Menschen gibt, die sich tatsächlich für ein besseres Leben engagieren und die Hoffnung anoch nicht an den Nagel gehangen haben.
Swampy (10.05.2007, 19:11 Uhr)
Zuviel gekifft?
Ich frage mich langsam ob hier manche Ihre Beiträge während ner vollen Dröhnung schreiben.
Es ist ja leider wirklich so das im Moment so ziemlich alles unter Terrorbekämpfung fällt uns es von der Politik einfach die "Terrorbekämpfungskeule" gibt. Doch dies rechtfertigt noch lange keine brennenden Autos, Steine oder Flaschen. Die Deppen fragen sich sicherlich nicht wessen Auto sie da gerade anzünden (würde mich mal interessieren wie ihr "Linken" sowas hier rechtfertigt)!. Wenn einer mein Auto anzündet muss sich der nicht wundern, wenn ich ihn genauso anzünde. Warum wählen den immer mehr Leute die Politiker der härteren Gangart (siehe Frankreich). Weil die Leute doch Angst haben vor dem zündelnden und steinewerfenden Mob. Und dann kommt natürlich gleich wieder die "nationalsozialistische" Keule - die heutige Demokratie mit dem 3. Reich zu vergleichen ist unverschämt. Wenn wir zustände wie vor 70 Jahren hätten würden die ganzen "Steinewerfer" nach der letzten Nacht schon an den Laternen hängen. Wie würden die Kommentare aussehen wenn die Rechten nach einer Razzia bei sich ein paar Sachen anzünden?
Natürlich kann jeder demonstrieren wofür er will (auch ich sehe den G8-Gipfel skeptisch - haben schliesslich in Deutschland genung Probleme zum lösen!) - aber dann doch friedlich ohne sich an fremden Eigentum zu vergreifen. Wundert euch nicht wenn die Leute auf einmal rechts wählen - die haben dann einfach nur Angst vor dem linken Mob! Argumente statt Steine!
Und wem Deutschland nicht gefällt - wandert aus - man lässt euch gehen - anders als in dem realexistierenden Sozialismus der DDR!
kaykay (10.05.2007, 16:47 Uhr)
Minderheiten
Deine kleinen Minderheiten sind allerdings die die es ausmachen in der Welt z.b. sind die G8 Staaten auch eine Minderheit in der Welt sie haben 15 % der Weltbevölkerung allerdings 65 % des "Weltsozialprodukts" wir werden ja sehen was so im Sommer passiert.
mats123 (10.05.2007, 16:20 Uhr)
Minderheit terrorisiert Mehrheit
Was bilden sich eigentlich die paar Linksradikalen ein. Sie sind eine kleine gewaltbereite Gruppe, die keinerlei Rückhalt in der Bevölkerung hat. Wenn die so gerne im Kommunismus leben wollen, warum gehen die dann nicht nach Nordkorea, Kuba oder Weißrussland. Da können sie ja bei den seit Ewigkeiten herrschenden Diktatoren als Chauffeur anheuern. Lächerlich, die Ewiggestrigen.
ganzbaf (10.05.2007, 15:36 Uhr)
Was, wenn der Terrorist der Staat ist?
Na ja,
an das Wörtchen "Terrorgefahr" werden wir uns ab jetzt wohl gewöhnen müssen.
"Terrorgefahr" bei unangemeldeten Demos, "Terrorgefahr" wenn man einen Politiker beleidigt...
Was, wenn der Terrorist der Staat ist?
In Andenken an die Opfer von GLADIO*
*CIA und NATO-gestütze Terrororganisation mit Dutzenden von Toten. Vom europäischen Parlament enttarnt. Gedeckt duch Geheimdienste und Politiker. Existent bis min. 1990 und in Deutschland nie parlamentarisch untersucht oder aufgearbeitet. Da laufen immer noch Mörder unbehelligt in Deutschland herum!
atride (10.05.2007, 15:14 Uhr)
die frage ist wirklich,
weshalb sich politiker, die demokratisch derart "legitimiert" sind, dass die halbe welt sie umbringen möchte, sich nicht auf einem flugzeugträger treffen? ich meine, dieser megazaun in mcpom ist doch wirklich nichts anderes als demokratische realsatire, dazu eine ziemlich böse...
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