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Der Fall Schavan spaltet die Deutschen

Bildungsministerin Annette Schavan wurde der Doktortitel entzogen. Ob sie deswegen ihr Amt aufgeben muss oder nicht, ist bei den Bürgern umstritten. Eine Forsa-Umfrage für stern.de.

Von Matthias Weber

  Hat ein entscheidendes Gespräch im Kanzleramt vor sich: Bundesbildungsministerin Annette Schavan

Hat ein entscheidendes Gespräch im Kanzleramt vor sich: Bundesbildungsministerin Annette Schavan

  • Matthias Weber

Mit Spannung wird die Rückkehr von Bildungsministerin Annette Schavan am Freitagabend von ihrer Südafrika-Dienstreise erwartet. Bald darauf dürfte es zu Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel kommen, bei denen sich das politische Schicksal der Ministerin entscheidet. Vor ein paar Tagen hatte ihr die Universität Düsseldorf den Doktortitel aberkannt. Die Deutschen sind in ihrem Urteil zum Fall Schavan gespaltener Ansicht. Laut einer Umfrage für stern.de wollen 49 Prozent der Bürger, dass die Ministerin ihren Rücktritt einreicht. 43 Prozent wünschen, dass sie im Amt bleibt. Ambivalent denken auch die Anhänger der Union: Hier befürworten 42 Prozent einen Rücktritt, 52 Prozent sind dagegen.

Schadet die Affäre um die Bildungsministerin dem Ansehen der Union? Auch auf diese Frage ist das Echo zwiespältig. 41 Prozent beantworten sie mit "ja", 57 Prozent aber sehen keine Auswirkungen auf die Kanzler-Partei. Dieser Ansicht sind übrigens ganz besonders die Jüngeren, 18- bis 29-Jährigen (69 Prozent) sowie die Wähler der Union (64 Prozent) und überraschenderweise auch der Linken (63 Prozent).

Vergleichbarkeit Guttenberg-Schavan

Wie viele Wissenschaftler und Kommentatoren sind die Bundesbürger ebenfalls uneins, wie schlimm der Entzug des Titels einer vor 33 Jahren geschriebenen Doktorarbeit ist. 53 Prozent schätzen dies als sehr oder eher schwerwiegendes Vergehen ein. 42 Prozent halten den Fall für weniger oder überhaupt nicht schlimm. Am kritischsten urteilen hier die Sympathisanten der Grünen, die ja meist aus dem universitären Bildungsbürgertum stammen: 72 Prozent von ihnen bewerten den Fehler von Schavan als sehr oder eher schwerwiegend. Zum Vergleich: Bei den Wählern der FDP tun dies nur 41 Prozent.

Als erster Minister war vor zwei Jahren Karl-Theodor zu Guttenberg ins Kreuzfeuer der Plagiatsjäger geraten. Dem CSU-Superstar wurde vor genau zwei Jahren der Doktortitel aberkannt, im März 2011 legte der Verteidigungsminister sein Amt nieder. Sind die Fälle Schavan und zu Guttenberg vergleichbar? Auch hier ein zwiespältiges Bild: 45 Prozent der Bürger halten beide Fälle nach der stern.de-Umfrage für genauso schwerwiegend. 50 Prozent meinen, die Affäre Schavan sei weniger gravierend. Hier sehen besonders die 18- bis 44-Jährigen keine Unterschiede. Alle über 45 Jahren urteilen etwas milder.

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