. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Februar 2010, 14:36 Uhr

"Bleibe bei dem, was dir dein Herz sagt"

Margot Käßmann hat aus ihrer Alkoholfahrt die Konsequenzen gezogen: Die 51-Jährige erklärte den Rücktritt von ihren kirchlichen Spitzenämtern.

Käßmann, Margot Käßmann, Bischöfin, Rücktritt, EKD-Ratsvorsitzende, EKD, Bischöfin

Medienereignis: Margot Käßmann erklärt ihren Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin© Jörg Sarbach/AP

Als Konsequenz aus ihrer Alkoholfahrt hat Margot Käßmann offiziell und mit sofortiger Wirkung den Rücktritt von ihren kirchlichen Spitzenämtern erklärt. "Ich habe einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue, aber ich kann nicht darüber hinwegsehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind", sagte die 51-Jährige während einer Pressekonferenz in Hannover. Sie bestätigte damit offiziell Rücktrittsmeldungen, die zuvor bereits öffentlich geworden waren. Sie könne ihre Ämter künftig nicht mit der notwendigen Autorität ausfüllen. Bei ihrer Entscheidung gehe es ihr auch um ihre eigene Gradlinigkeit, die "mir sehr wichtig ist", sagte Käßmann, die künftig weiter als Pastorin in der hannoverschen Landeskirche arbeiten will.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte seiner Vorsitzenden am Dienstagabend in einer Telefonkonferenz noch das Vertrauen ausgesprochen, dabei aber keine abschließende Bewertung ihres Verhaltens vorgenommen. Dies soll im Laufe der Woche geschehen. Die Entscheidung über den Verbleib der Bischöfin an der EKD-Spitze legte der Rat ausdrücklich in Käßmanns eigene Hände, wofür diese sich bei ihrer öffentlichen Erklärung bedankte. Bei der Entscheidung zurückzutreten, sei sie Worten aus dem Buch Jesus Sirach gefolgt, die einer ihrer Ratgeber ihr mit auf den Weg gegeben habe: "Bleibe bei dem, was Dir Dein Herz sagt" (37,17). Ihr Herz habe ihr zum Rücktritt geraten, sagte Käßmann, die keine Nachfragen zuließ. "Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so, wie ich sie hatte", betonte sie mit Blick auf die Auseinandersetzungen über ihre Beurteilung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr.

Weitere Person in Käßmanns Wagen

Käßmann hatte bereits am Dienstag bis auf weiteres alle öffentlichen Termine absagt. Die Bischöfin werde in den nächsten Tagen eine Auszeit nehmen, hatte der Sprecher der Hannoverschen Landeskirche, Johannes Neukirch, gesagt.

Medienberichte, wonach bei ihrer Trunkenheitsfahrt eine unbekannte weitere Person im Dienstwagen der Bischöfin saß, wurden von einem Sprecher des Innenministeriums in Hannover bestätigt. Laut der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" soll Käßmann bei der Fahrt auf dem Weg von einem Kinobesuch in der hannoverschen Innenstadt zu ihrer Wohnung gewesen sein. Die Personalien des Beifahrers seien nicht aufgenommen worden, hieß es. Ein Beifahrer spiele nur dann als Zeuge eine Rolle, "wenn der Fahrer völlig kontrollunfähig" sei. Dies sei offensichtlich nicht der Fall gewesen.

Die Bischöfin war am späten Samstagabend stark angetrunken am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden. Die Polizei hielt sie in der Innenstadt von Hannover an, nachdem Käßmann mit ihrem Dienstwagen eine rote Ampel überfahren hatte. Eine Blutprobe ergab 1,54 Promille, wie die Staatsanwaltschaft Hannover erklärte. Ab 1,1 Promille liegt in Deutschland absolute Fahruntüchtigkeit und eine Straftat vor. Käßmanns Führerschein wurde eingezogen, ein Strafverfahren ist - wie in solchen Fällen üblich - eingeleitet.

Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover soll das Verfahren rasch abgeschlossen werden. Im Fall Käßmann sei die Sachlage eindeutig, die Polizei habe die Akten bereits übergeben. Eine Trunkenheitsfahrt ohne konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer werde in der Regel mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen bestraft. Hinzu komme der Entzug der Fahrerlaubnis für zehn Monate bis zu einem Jahr. Das Strafverfahren werde in der Regel schriftlich abgewickelt und ende mit einem Strafbefehl.

"Schwerer Verlust für den Protestantismus"

Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer hat den Rücktritt Käßmanns bedauert und sie als vorerst unersetzbar bezeichnet. "Für sie persönlich ist der Schritt richtig. Für uns alle, für den Protestantismus ist die Entscheidung schlecht", sagte Schorlemmer der "Leipziger Volkszeitung". Es sei ein "sehr herber Verlust für die Christen in Deutschland". Für die Nachfolge erwartet er eine schwierige Phase des Übergangs: "Es wird sich eine Persönlichkeit finden. Aber Margot Käßmann ist erst einmal unersetzbar."

"Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, soziopolitischen und gesellschaftlichen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland fehlen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EKD-Synodenpräsidentin, Katrin Göring-Eckardt, sowie des stellvertretenden EKD-Vorsitzenden, Nikolaus Schneider. "Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, bedauerte den Rücktritt. Er kenne Käßmann als einen Menschen, der bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. Daher könne er ihren Schritt verstehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Rücktritt "mit Respekt und Bedauern aufgenommen". Nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte Merkel am Mittwoch in Berlin: "Ich habe die Zusammenarbeit mit Bischöfin Käßmann sehr geschätzt."

SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte ebenfalls Respekt und Bedauern. Käßmann habe den Mut gehabt, wichtige Debatten innerhalb der evangelischen Kirche und für das Land anzustoßen, erklärte er.

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte: "Die Entscheidung von Bischöfin Käßmann verdient Respekt", sagte Roth am Mittwoch in Berlin. "Sie beweist ihre große persönliche Integrität." Gleichwohl bedauere sie den Schritt aus tiefstem Herzen. Die Gesellschaft brauche mehr streitbare Menschen wie Käßmann. "Ich wünsche mir sehr, dass ihre Stimme auch in Zukunft weithin hörbar ist." Am Tag zuvor hatte Roth die Bischöfin allerdings auch kritisiert: "Natürlich ist es richtig Mist, was Frau Käßmann gemacht hat. Es ist richtig schlecht. Sie ist ja ein Vorbild, sie sollte auch Vorbildcharakter haben."

Nach Käßmanns Rücktritt vom EKD-Vorsitz rückt ihr Stellvertreter in den Blick. Nikolaus Schneider, seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, wird zunächst den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland leiten - und damit höchster Repräsentant von 25 Millionen evangelischen Christen sein. Schneider ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement. Aus Sicht des 62-jährigen gebürtigen Duisburgers muss sich die Kirche "von der Leidenschaft Gottes für die Schwachen" leiten lassen.

Abstimmung

Ist Margot Käßmanns Rücktritt richtig?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
APN/DPA/dho
 
 
KOMMENTARE (10 von 53)
 
Administrator (24.02.2010, 17:50 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir schließen die Debatte an dieser Stelle.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
nerventanz (24.02.2010, 17:48 Uhr)
@Obstmann
Wird doch ermittelt. Die katholische Kirche muss sich auch an Gesetze halten und so lange Ermittlungen und kein Richterspruch gemacht werden, ist noch keiner schuldig gesprochen.

Hier hat die Frau die Schuld gegenüber Gesetz eingestanden und muss mit den rechtlichen Konsequenzen leben.

Allerdings macht das sie noch nicht zu einer schlechteren Bischöfin. Schlechte Bischöfin ist sie deswegen, weil sie ihr Kreuz weiter gereicht hat und jetzt darf es ein anderer tragen.

Jesus war ja auch ein verurteilter Krimineller in mancher Leute Augen.
paolodom (24.02.2010, 17:45 Uhr)
Es ist schon nerventoetend, wenn gruene oder rote sich hier literarisch auslassen. Wie immer wird gegen jede Vernunft vom Leder gezogen.
Da schreien sie hier ist nicht so schlimm, im Gegenzug schreien Sie Alkohol am Steuer ist Totschlag, kann auch Mord sein.
Also immer wie sie es brauchen, diese Heuchelei sollte verboten werden.
Aklohol am Steuer, Stuerhinterziehung sind bei denen das extremste Uebel. Den anderen geben Sie Taeterschutz.

Ich hatte es heute schon mal geschrieben und gefordert. (den Ruecktritt wegen der Vorbildfunktion)

Ich ziehe vor Ihnen meinen Hut Frau Kaesmann, daran sollten sich Scheinheilige ein Beispiel nehmen. Auch die katholischen Priester und vor allen die Karrierristen in der Politik.
Stabo (24.02.2010, 17:36 Uhr)
Mir wird eine wichtige Stimme fehlen!!!
Liebe Frau Käßmann!

Als Privatperson genießen Sie meinen allergrößten Respekt und meine uneingeschränkte Hochachtung. Diese Wertschätzung ist nach dem heutigen Tage noch gestiegen. Die Art und Weise, wie Sie aus Ihrem Fehlverhalten die Konsequenzen gezogen haben, kann ich nur als vorbildhaft darstellen. Ich werde als katholischer Christ eine Führungspersönlichkeit in meiner Schwesterkirche vermissen, die sich nie gescheut hat, sich vor dem Hintergrund und mit den Maßstäben der jesuanischen Botschaft in die Tagespolitik einzumischen. Diese Vorgehensweise habe ich sehr geschätzt.

Kirchen müssen ihre Botschaft in das Hier und Heute tragen, um das Grundgerüst für den Zusammenhalt der Gesellschaft immer wieder zu stabilisieren. Der Primat des Sozialen darf nie verloren gehen. Dem Pfad der Ökonomisierung unserer Gesellschaft muss der christliche Pfad der Epikie entgegengestellt ? und immer wieder konsequent und streitbar eingefordert werden.

Dass Kirche nicht dazu da ist, das Vorgehen der Herrschenden abzusegnen ? das haben Sie, liebe Frau Käßmann, in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen; dafür möchte ich Ihnen auf diesem Wege nochmals meinen besonderen Dank aussprechen. Unsere Gesellschaft gebraucht auch christliche Querdenker, die sich die Botschaft des Wandercharismatikers und bedeutsamsten Querdenkers der Weltgeschichte aus Nazareth zu eigen machen und Menschen in verantwortungsbewussten Positionen wachrütteln, wenn es darum geht, in dieser unserer Gesellschaft für Frieden und Gerechtigkeit einzustehen. Ich habe Sie immer so verstanden, dass gerade dieser Aspekt in all Ihren Jahren, in denen Sie qua Amt die Evangelische Kirche nach außen vertreten haben, im Mittelpunkt Ihrer Arbeit gestanden hat. Dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich danken.

Für mich wird in Zukunft eine wichtige Stimme fehlen, die mit Hilfe der Medien für christliche Grundsätze und moralische Werte kämpft. In den letzten Tagen habe ich zwar immer wieder gehofft, dass Sie nicht von Ihren Ämtern zurücktreten würden; doch der Respekt vor den von Ihnen wahrgenommenen Ämtern ließ Ihnen wohl keine andere Wahl. Sie sind mit Ihrem Schritt der Würde Ihres Amtes in jeder Weise gerecht geworden. Dass Sie Ihren medialen, gesellschaftspolitischen, aber auch kircheninternen Kritikern, die Sie gewiss immer wieder unter ?Beschuss? genommen hätten, diese Chance mit Ihrem Rücktritt verwehren, ist nach meiner Meinung zwar ein für Sie schmerzhafter, aber wohl unvermeidlicher Schritt gewesen. Dass Sie sich mit diesem Schritt Ihre Ehre nicht haben nehmen lassen, zeichnet Sie als eine absolut menschliche und integere Persönlichkeit aus, die sich nach meiner Einschätzung nie verstanden hat als eine Heilige, sondern als eine Jüngerin Christi, die sich engagiert und kämpferisch für Frieden, Gerechtigkeit und den Erhalt der Schöpfung eingesetzt hat.

Meine guten Wünsche, liebe Frau Käßmann, begleiten Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg. Möge Gott Sie segnen!

Liebe Grüße aus Lingen

von

Paul Haverkamp
Obstmann (24.02.2010, 17:33 Uhr)
Ach Herr Tannebaum
den letzen Komment hätten sie sich auch mal getrost verkneifen können...schön findets wohl keiner, nicht mal sie selbst...aber makaber?...wie schon oft erwähnt hier...man achte auf die Verhältnismäßigkeit....Ich sag nur: Kindesmissbrauch....
hexenfee01 (24.02.2010, 17:33 Uhr)
Wer urteilt hier....
Ich bin entsetzt über die Beiträge hier. Kath. Priester missbrauchen über Jahrzehnte Kinder....und genehmigen sich noch sonst so einige Fehltritte. Der Wein gehört z.B. in einer Messe auch dazu. Nun ist eine Frau hier...und die wird hier gesteinigt....von wem eigentlich. Wenn ich zuviel trinke, dann verliere ich höchstens den Führerschein und nicht mehr. Keiner spricht mir ab das ich meine Arbeit nicht mehr richtig mache! Es sei denn ich bin Alkoholiker und selbst die werden teilweise in Behörden durchgeschleppt....totgeschwiegen...., weil sie ja noch gut arbeiten unter Alkohol. Ich weiss nicht wer das überhaupt publik gemacht hat, der gehörte schon zu Rechenschaft gezogen, denn wenn ich mal kontrolliert werde steht es ja auch nicht gleich in der Zeitung. Wie sind ein Volk von Hetzern und Anzeigerns geworden...von Leuten die nicht bei sich selbst gucken wollen. Erinnert mich an die Geschichte der Kirche im Mittelalter...die Päpstin ....z.B.! Ich finde es falsch und verurteile die Presse auf höchste..
nerventanz (24.02.2010, 17:30 Uhr)
Verantwortungsvolles und schwieriges Amt
Ich kann mir auch vorstellen, dass so einen Stunt zu veranstalten und dann einen Grund zu haben, alles hinzuschmeißen, ist immer noch besser als zu sagen "Ich hab' keine Lust mehr, ich gehe jetzt. Macht doch euren Scheiß selbst.".

Immerhin wird man zum Amt mit Würde BERUFEN. Und das bedeutet, dass man sich und sein Leben Gott gewidmet hat. So ein Abtritt macht alles unwirksam und drückt aus "ich habe jetzt keine Lust mehr... ich habe mich vertan". Tolles Signal!
Aixo (24.02.2010, 17:27 Uhr)
Falsche Entscheidung
Ich finde, Frau Käßmann hätte nicht zurücktreten sollen. Man muss nicht in allem Ihrer Ansicht sein, doch sie brachte einen seit vielen Jahren dringend benötigten und gut tuenden frischen Wind in die Kirchenleitung.

Zur Problematik, mit 1,54 Promille ein über zwei Tonnen schweres Fahrzeug durch eine Innenstadt zu maneuvrieren, und wie es dazu überhaupt kommen kann, hat sie bereits selbst alles gesagt.

Ich möchte aber meinem schockierten Erstaunen darüber Audruck verleihen, welche "Sause" das "Kirchenvolk" der Kirchenleitung mit seinen Kirchensteuer- und sonstigen Zahlungen finanziert.
Wie selig und abgehoben muss es sich doch als Kirchenmensch auf Kosten der Mitglieder in den hochknappen Gemeinden leben! In Zeiten des Sparzwangs, der auf den Gemeinden lastet, einen solchen Phaeton als Dienstwagen zu fahren, während sonst in den Gemeinden hinten und vorne das Geld nicht reicht! Sparsamkeit und Bescheidenheit wird offenbar nur von allen anderen verlangt - also tatsächlich Wasser predigen und Wein trinken! Mit Häme hat das nichts zu tun, sondern mit Fakten, und mit Sensibilität kann man sich darum auch nicht herausreden. Die alkoholischen Getränke für diese lebensgefährliche Luxus-Straftat-Fahrt hat das "Kirchenvolk" wahrscheinlich auch noch finanzieren müssen.

Nicht nur ich finde dieses Trinken und Prassen in der Kirchenleitung zunehmend alarmierend. Dies ist nicht das, das man von ihr erwarten kann, sondern kommt schon eher einer nachdrücklichen Aufforderung zum Austritt gleich, will man das nicht als Bezahl-Idiot mitverantworten und -finanzieren.

Ich hätte eine Notwendigkeit für Frau Käßmann darin gesehen, sich ernsthaft mit den Fragen-Komplexen Alkohol sowie Verantwortung in ihrem Leben und in der Kirchenleitung auseinander zu setzen und solche Rücksichtslosigkeit zukünftig zu unterlassen.
Und ich erwarte keine Askese, sondern gönne jedem Menschen, dass es ihm auch materiell gut gehe, einschließlich eines gewissen Luxus'. Er sollte in der von den Mitgliedern finanzierten Kirchenleitung angesichts der finanziellen Situation in den Gemeinden jedoch auf ein weniger abgehobenes, angemesseneres Maß reduziert werden.

*Dann* machen auch gelegentliche menschliche Fehlleistungen nicht unglaubwürdig oder untragbar. Sie hätte nicht zurücktreten sollen, sondern sich dem stellen und daraus eine glaubwürdige, positive Besinnung und Entwicklung auf den Weg bringen sollen.

Aber offenbar ist das mehr, als man von einer Kirchenleitung erwarten kann.
wohliver (24.02.2010, 17:26 Uhr)
@SpringbokCT
Sorry, aber wenn andere Menschen Frau Käßmanns Fehltritt als rücktrittswürdig empfinden, hat das doch nichts mit Hetze zu tun (seit neuestem ist es wohl Mode in Deutschland alles und jeden der Hetze zu bezichtigen). Genauso wenig kann ich extremistische Linke ausmachen.
Frau Käßmann ist betrunken Auto gefahren, das ist eine Straftat und kann lebensgefährlich sein. Ein Rücktritt wäre durchaus plausibel. Frau Käßmann sah das genauso, denn sie ist ja zurückgetreten. Mehr gibts da nichts zu sagen.
sachsenwini (24.02.2010, 17:24 Uhr)
Ihr Schritt war richtig aber um diese Frau ist es schade.

Um diese kritische Frau an der Spitze der evangelischen Kirche ist es zwar sehr schade aber nach der Hetzjagd, die die Medien auf sie veranstalteten, blieb ihr keine andere Wahl, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren wollte.

Der Rat der EKD tat gut daran, Ihr weiter sein Vertrauen auszusprechen und gab ihr so die Gelegenheit zu einem würdevollen Abgang, den sie auch verstanden und wahrgenommen hat. Es erinnert mich an den Rücktritt von Willy Brandt, der dafür ebenfalls Respekt erntete.
Respekt muss ihr auch vor allem deswegen entgegen gebracht werden, weil sie, im Gegensatz zu den allermeisten politischen Straftätern, die oft wesentlich mehr auf dem Kerbholz haben, ohne peinliche Rechtfertigungsversuche den Hut genommen hat. Daran sollten sich politische Akteure ein Beispiel nehmen!

Ich hoffe, dass damit ihre kritische Stimme nicht verstummt ist und sie sich auch weiterhin mutig zu den Missständen im Staat und der Welt äußert.
MEHR ZUM ARTIKEL
Dokumentation Margot Käßmanns Erklärung im Wortlaut

Als Konsequenz aus einer Alkoholfahrt ist Margot Käßmann von ihren Ämtern als EKD-Vorsitzende und hannoversche Landesbischöfin zurückgetreten. Ihre Erklärung im Wortlaut. mehr...

Margot Käßmann und der Alkohol Die schwere Krise der Bischöfin

Die Alkohol-Affäre trifft Margot Käßmann ins Mark. Profil gewann sie bislang dadurch, dass sie auch schwere Krisen mit hoher Glaubwürdigkeit bewältigte - diese ist jetzt gefährdet. mehr...

Nachtsitzung Kirchen-Spitze berät über Käßmanns Alkoholfahrt

Wirbel im Rat der Evangelischen Kirche: Noch in der Nacht auf Mittwoch wollen die Kirchenführer über die Alkoholfahrt ihrer Vorsitzenden Margot Käßmann diskutieren. Die Bischöfin hat vorsorglich schon mal alle öffentlichen Termine abgesagt. mehr...

Die Alkoholfahrt von Margot Käßmann Ein Gläschen in Ehren

Margot Käßmann, höchste evangelische Würdenträgerin Deutschlands, saß betrunken am Steuer. Muss sie nun von ihrem Amt zurücktreten? Nein, auch Vorbilder dürfen Fehler machen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe