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1. April 2009, 19:12 Uhr

Mehdorn-Vertrauter wird Bahnchef

Der Daimler-Manager Rüdiger Grube soll neuer Bahnchef werden. Das Kabinett hat sich Regierungskreisen zufolge auf den 57-Jährigen als Nachfolger von Hartmut Mehdorn geeinigt. Grube war früher einmal Vorstandsassistent bei Airbus. Sein damaliger Chef: Mehdorn. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer reagiert mit Entsetzen.

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Soll Hartmut Mehdorn als Bahnchef beerben: Daimler-Manager Rüdiger Grube© DPA

Der Daimler-Manager Rüdiger Grube soll neuer Bahnchef werden. Das wurde stern.de am Mittwoch aus informierten Kreisen bestätigt. Auf den 57-jährigen Grube habe man sich in der kleinen Kabinettsrunde in der Nacht zum Mittwoch verständigt, hieß es aus Regierungskreisen. Jedoch müssten bis zur endgültigen Entscheidung noch weitere Gespräche geführt werden.

Grube werde "mit 80-prozentiger Sicherheit" von der Regierung für die Spitze des Staatskonzerns vorgeschlagen, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Das Präsidium des Bahn-Aufsichtsrates werde am Donnerstag tagen. Die Bundesregierung will nach Worten ihres Vizesprechers Thomas Steg eine Entscheidung "in jedem Fall noch in dieser Woche herbeiführen".

An der wohl entscheidenden Sitzung im Kanzleramt in der Nacht zu Mittwoch nahmen außer Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) auch die Minister für Verkehr, Finanzen und Wirtschaft, Wolfgang Tiefensee (SPD), Peer Steinbrück (SPD) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) teil.

Gegensätzliche Darstellungen gibt es darüber, von welcher Seite der Koalition der Vorschlag Grube kam. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" stammte der Personalvorschlag von Steinmeier. Die "Bild"-Zeitung berichtete dagegen, Merkel habe Grube ins Gespräch gebracht.

Assistent unter Mehdorn als Airbus-Chef

Grube ist seit 2001 Vorstandsmitglied bei Daimler und leitet den Bereich Konzernentwicklung. Der Manager ist außerdem Vorsitzender des Verwaltungsrats beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Grube war in den 90er Jahren Assistent des damaligen Airbus-Chefs Hartmut Mehdorn.

Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) reagiert mit Entsetzen auf den möglichen Nachfolger: "Wir sehen das sehr kritisch", sagte GDL-Chef Claus Weselsky stern.de. "Aus Sicht der GDL ist dies nicht der richtige Kandidat. Es stellt sich die Frage, ob Hartmut Mehdorn damit sein Erbe retten will."

Weselsky fordert deshalb, dass die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat der Bahn, Grube die Zustimmung verweigern. "Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sollten gegen ihn stimmen." Der GDL-Chef geht nicht davon aus, dass die Regierung einen neuen Vorstandsvorsitzenden gegen den Willen der Gewerkschaften installieren werden: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der neue Bahnchef mit der Zweitstimme des Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Müller gewählt wird", sagte er. In einem slchen Fall würde die Suche von Neuem beginnen. Transnet wollte sich auf Anfrage von stern.de nicht zu der Personalie Grube äußern.

Mehdorn hatte am Montag als Konsequenz aus der Daten-Affäre bei der Bahn seinen Rücktritt angeboten. Er wies allerdings jede persönliche Schuld zurück und beklagte eine Kampagne gegen ihn als Bahnchef. Unklar ist, wie lange Mehdorn noch im Amt bleiben wird. Der Vorstandschef muss mit Aufsichtsratschef Müller noch einen Auflösungsvertrag aushandeln, wie Vize-Regierungssprecher Steg erläuterte. Mit Blick auf mögliche Abfindungszahlungen an Mehdorn, dessen Vertrag noch bis Mai 2011 läuft, sagte der Regierungssprecher, gerade für ein bundeseigenes Unternehmen bestehe "ein Gebot zum Maßhalten". Es bleibe aber dabei, dass Mehdorn eine "außerordentlich positive" Gesamtbilanz vorzuweisen habe.

msg/joe/DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 30)
 
utospatz (03.04.2009, 18:03 Uhr)
Greif im Dezember in einen leeren
Sack, dann kannst Du sicher sein, im Auftrag Deiner Komilitonen den fettesten Lachs an der Angel zu haben! All diese papierlosen Aftergänger haben doch längst ihre Yacht in der Caribic!
Westerle.Merkwelle (03.04.2009, 12:56 Uhr)
Was ist dran an dem Gerücht, ....
...dass dieser Herr Grube bei Daimler weggelobt wurde?
sedanon (02.04.2009, 11:09 Uhr)
@EspritCritique - Mehdorn ist und war ein Flasche
Vermutlich waren sie nur auf Vorzeigestrecken wie z.B. Berlin-Hamburg unterwegs.
Hoffentlich werfen Sie aber nun nicht Fern- und Regionalverkehr zusammen.Dies wären zwei kostentechnisch völlig verschiedene Baustellen
Die sog. Nebenstrecken sind marode, sanierungsbedürftig und im Stich gelassen.
.
Der "wirtschaftliche Erfolg" Mehdorns und "seiner" Bahn beruht zu sehr großen Teilen darauf, dass der Bund Jahr für Jahr zig Milliarden für die Streckeninstandhaltung und Sanierung an die DB überwiesen wurden, dieses Geld aber nur zum kleinsten Teil zweckbestimmt eingesetzt wurde, sondern schlicht in der Bilanz landete.
Die Kosten, die Mehdorn durch die Reduzierung der Streckeninstandhaltung eingespart hat, werden in den nächsten Jahren doppelt und dreifach für die Streckensanierung auflaufen.
Und was glauben Sie, wer dies bezahlen darf ? Ganz sicher nicht irgendwelche Investoren. Das werden die ahnungslosen/gekauften Politiker schon zu verhindern wissen.
.
Fazit : Mehdorn ist und war ein Flasche, die sich das 4-Jahres-Denken der Politik geschickt zu nutze gemacht hat.
gaga007 (02.04.2009, 09:48 Uhr)
Mit großer (Schaden-) Freude ...
... ist die Nominierung des neuen Bahnchefs zur Kenntnis zu nehmen. Der Mann kennt den Stil Mehdorns und wird den Gewerkschaften sicherlich ebenfalls zeigen, wer die Richtlinienkompetenz in einem Unternehmen bestimmt- das Kapital !!
T´ja, scheinbar dumm gelaufen für die Bahngewerkschafter ... :-))
kabelmann (02.04.2009, 05:03 Uhr)
Lobhudelei der Gewerkschaften?
Manchmal frage ich mich echt, was hier für Leute rumrennen. Die Bahn als Gewerkschaft pleite gehen lassen? Weil es einmal einer geschafft hat, dem Mehdorn die Zähne zu zeigen?
Permanente Unternehmensfeindliche Politik in der Öffentlichkeit? Was zum Henker haben sie geraucht?
Aber der beste Spruch: Mehdorn war sehr fähig und ist wegen populistischer Schwachsinnsargumente abgelöst worden. Das war der Kracher. Der Mann hat Milliarden vom Bund für den Ausbau des Streckennetzes verbrannt - mit der Wirkung, dass heute weniger Personen befördert werden, als vor Jahren. Seine Gewinne hat Mehdorn durch den Abbau von fast 50000 Stellen sowie der ewigen Fahrerei auf Verschleiß eingefahren. Da ist er natürlich mehr als fähig. Ein Großteil der Strecken und der Fuhrpark sind schlicht schrott.
Furka37 (02.04.2009, 00:55 Uhr)
Fakt ist.......
Die GDL will mehr Geld und die Kunden ein besseres Preis/Leistungsverhältnis.
Ich hoffe nur das das Gerangel um die Prämien für jeden erwischten Schwarzfahrer endlich aufhört!
Es ist eine Schande wegen 9 Cent schwerbehinderte Menschen und Kinder als Schwarzfahrend zu bezeichnen obwohl sie keine Schuld haben!
EspritCritique (01.04.2009, 22:54 Uhr)
Gewerkschaftsfunktionäre
Es wird Zeit, endlich einmal die Lobhudelei der Gewerkschaften zu beenden. Weselsky hat die Bahn in den Ruin ebenso treiben wollen wie Bsirske die Lufthansa. Dass diese permanente unternehmensfeindliche Politik in der Öffentlichkeit auch noch belohnt wird, ist mir nicht verständlich. Im übrigen: Was hat SED-Weselsky für die Bahn geleistet, was Mehdorn? Schauen wir doch einmal die Bahn vor zehn Jahren an und heute: Ich fahre ständig und der Qualitätssprung ist riesig, wenngleich natürlich vieles verbesserungsfähig ist. Ich wäre froh wenn Mehdorn, der sich als sehr fähig erwiesen hat und nur wegen populistischen Schwachsinnsargumenten abgelöst wurde, geblieben wäre. Aber dass SED-Weselsky jetzt noch diktiert, wer die Bahn zurück ins stinkende Reichsbahnzeitalter führt, das ist nun wirklich nicht notwendig.
L.Gleichmann (01.04.2009, 22:49 Uhr)
Unter der Prämisse
Es sein kein Aprilscherz fällt mir nur die Definition Sauhaufen ein.
gesox (01.04.2009, 22:30 Uhr)
Ausgerechnet ein Mehdorn-Zäpfchen...
Das bedeutet nichts anderes, als daß Mehdorn hinter den Kulissen weiter arbeitet und es einem bewährten Lakaien überläßt, seine völlig hirnlosen Entscheindungen in der Öffentlichkeit zu "verkaufen".
Super gemacht, Frau Merkel, wir haben nichts erwartet und nichts bekommen.
hannes_schinder (01.04.2009, 22:29 Uhr)
Jedenfalls
darf der neue Bahnchef keinen Dreck am Stecken haben, er muss sehr klever sein und seine Gehalts und Abfindungsvorstellungen müssen verhältnismäßig den Einkünften der Lokführer angepasst sein. Wir haben nämlich alle die Nase gestrichen voll von Absahnern und sonstigen Subjrekten, die vor lauter Geldgier Sinn und Zweck des Unternehmens aus dem Auge verlieren und die Bahn dient nun einmal dazu Menschen von A nach B zu bringen, und dies möglichst auch in struktur-schwachen Gebieten. Undzwar so, dassauch die Kinder der Lokführer es sich leisten können von A nach B zu fahren.
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