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24. November 2008, 18:10 Uhr

Clement darf in der SPD bleiben

Zum guten Schluss wollte die SPD ihren einstigen "Superminister" doch nicht vor die Tür setzen. Wolfgang Clement wird Mitglied der Partei bleiben. Für seine potenziell parteischädigenden Äußerungen just vor der Hessen-Wahl wird ihm allerdings eine Rüge erteilt - die er prompt scharfzüngig kritisierte.

Rüge statt Ausschluss: Wolfgang Clement kann Mitglied der SPD bleiben© Andreas Rentz/Getty Images

Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement wird nicht aus der SPD ausgeschlossen. Die Schiedskommission der Bundespartei erteilte ihm in letzter Instanz wegen SPD- kritischer Äußerungen im hessischen Landtagswahlkampf lediglich eine Rüge. Damit wurde ein monatelanger Streit beigelegt. Clement sagte anschließend allerdings: "Ich halte eine Rüge für unangemessen und falsch." Zugleich erneuerte er im "Handelsblatt" seine Kritik an der Energiepolitik der hessischen SPD.

In einer schriftlichen Erklärung hatte der 68-Jährige zuvor ausdrücklich seine damaligen Äußerungen bedauert. Es sei nicht seine Absicht gewesen, den hessischen Sozialdemokraten im Wahlkampf im vergangenen Januar zu schaden. Er habe auch nicht dazu aufgerufen, die SPD und ihre gewählten Vertreter nicht zu wählen, betonte Clement, der selbst nicht an der Sitzung teilnahm. Er kündigte an: "Ich werde aber bei der Wortwahl künftiger Äußerungen darauf achten, dass solche Missverständnisse nicht mehr entstehen."

Clement: Werde mich weiterhin äußern

Clement bekräftigte gleichzeitig, dass er auch künftig sein Recht wahrnehmen werde, "mich nach meinen festen Überzeugungen zu inhaltlichen politischen Fragen zu äußern". Die Erklärung wurde in der vierstündigen Sitzung von Clements Rechtsbeistand, dem früheren Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), verlesen.

Die Bundesschiedskommission beschloss daraufhin, den Ende Juli von der Spruchkammer des nordrhein-westfälischen SPD-Verbandes verhängten Parteiausschluss aufzuheben. Die von Clements SPD-Unterbezirk Bochum im April ausgesprochene Rüge wurde dagegen bestätigt. Dagegen hatten Clement und mehrere Bochumer Ortsvereine damals Widerspruch eingelegt.

SPD-Bundesgeschäftsführer Hubertus Heil sprach von einer "angemessenen und vernünftigen Entscheidung". Sie zeige, dass die Meinungsfreiheit in der SPD umfassend gewährleistet sei. "Zugleich gilt jedoch auch der Grundsatz der innerparteilichen Solidarität", erklärte Heil. Nordrhein-Westfalens SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft begrüßte die Entscheidung ebenfalls. "Es ist gut, dass sich beide Seiten bewegt haben und dass so ein Kompromiss gefunden werden konnte."

Parteivorstand gegen Ausschluss

An dem Termin im Willy-Brandt-Haus nahm auch SPD-Chef Franz Müntefering teil, der sich ebenso wie weitere führende Sozialdemokraten gegen einen SPD-Ausschluss ausgesprochen hatte. Clement hatte nach seinem Ausscheiden aus dem Bundeskabinett mehrere Aufsichtsratsmandate in der Wirtschaft übernommen, darunter für die RWE-Kraftwerkstochter RWE Power AG. Eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen hatte er die Pläne von SPD-Spitzenkandidaten Andrea Ypsilanti, insbesondere in der Energiepolitik, in Hessen scharf attackiert.

"Wer es wie sie will, der muss sich klar sein: Das geht nur um den Preis der industriellen Substanz Hessens", schrieb Clement damals in einem Gastbeitrag in der "Welt am Sonntag" und fügte hinzu: "Deshalb wäge und wähle genau, wer Verantwortung für das Land zu vergeben hat, wem er sie anvertrauen kann - und wem nicht." Nach der Bekanntgabe der Entscheidung der Schiedskommission sagte Clement dem "Handelsblatt": "Es bleibt dabei, die Energiepolitik der hessischen SPD ist falsch und in einem Industrieland nicht zu verantworten." Zugleich kündigte er an: "Ich werde mich auch in Zukunft an der Debatte beteiligen."

Führende Parteilinke wie Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner legten Clement am Montag kurz vor dem Beschluss der Schiedskommission den freiwilligen SPD-Austritt nahe. Der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, der unter Ypsilanti Wirtschaftsminister werden sollte, meinte, Clement habe gezielt versucht, einen SPD-Wahlsieg zu verhindern.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 37)
 
innovationen-kloss (25.11.2008, 12:02 Uhr)
Nachsicht
Ein Mensch, der nie in der Lage war, Gesamtzusammenhänge zu begreifen ist schuldunfähig. In sofern wäre ein Parteiausschluss Herrn Clements nicht rechtens. Eine Volkspartei wie die SPD muss stark genug sein, auch diese Politiker beheimaten zu können. Es stellt sich aber die Frage, warum müssen diese Politiker auch in Spitzenämter gewählt werden? Dies scheint seit Jahren allgemeiner Trend zu sein und gilt nicht nur für die SPD. Steckt dahinter vielleicht egoistisches Kalkül? Wählen Partei-Delegierte zunehmend nur deshalb schwache Persönlichkeiten, weil sie sich Chancen ausmalen, diese irgendwann einmal selbst verdrängen zu können? Bei Gewählten mit Format fiele das schwerer, es sei denn, man hätte als Delegierter noch mehr Format. Doch diese Delegierten gibt es heute nicht mehr, dafür haben unsere Parteien zu wenig Substanz.
nightmare_online (25.11.2008, 09:59 Uhr)
Projekt 18 kann weitergehen
wer hätte was anderes erwartet? Clement, Sarrazin, Kahrs, Riester das ist die "neue" sPD, die Partei der RWE-, Adecco, Versicherungs-Lobyisten, und INSM-Mietmäuler.
Und nun warte ich in aller Ruhe ab, bis die sPD ihren bisherigen "Rekord", erreicht bei der letzten Landtagswahl in Sachsen, bricht. Das dürfte nur eine Frage der Zeit sein
KasperKlatsche (25.11.2008, 09:55 Uhr)
Als 5. Kolonne
der Linkspartei. Danke Münte. Noch mehr Support für Oskar seitens der sPD war kaum mehr möglich. Wenn Du so schnell in Rente wolltest, bist Du auf einem guten Weg; aber bitte beeile Dich!
bmpost (25.11.2008, 09:48 Uhr)
... und lacht
und dazu hat er auch allen Grund. Weit über die Hälfte meiner Bekannten wählen 2009 statt der ehemaligen Sozialdemokraten die jetztigen sozialen Demokraten, nämlich die Linke. ICH AUCH! Erstaunlich ist nur, wie gut die SPD Wahlkampf DIE LINKEN macht! Hat sie für sich selbst nie so hinbekommen!
albundy69 (25.11.2008, 08:52 Uhr)
Und Oskar lacht ....
... und lacht .... und lacht
gaga007 (25.11.2008, 08:14 Uhr)
Clement darf in der SPD bleiben ...
... "arme Sau" - es muß eine große Belastung sein, wenn man SPD-Mitglied sein muß ?!
endbenutzer (25.11.2008, 08:13 Uhr)
Clement darf bleiben.
Für mich der entgültige Grund, bei der Bundestagswahl 2009 mein Kreuz woanders zu machen. Bravo! Habt ihr prima hingekriegt..
watchtower (25.11.2008, 08:01 Uhr)
Clement und Feuer(n)
Ein Mann wie Clement, umtriebiges Mitglied des Förderkreises vom "Konvent für Deutschland", in dem die sogenannte Crème der deutschen Wirtschaft vertreten ist, kann für eine SPD mit Betonung auf dem "S" so sinnvoll sein wie Benzin im C-Schlauch bei der Brandbekämpfung.
vegefranz (25.11.2008, 06:17 Uhr)
untauglicher Einschüchterungsversuch
die sog. Parteilinke hat in den letzten Monaten versucht, die SPD zu übernehmen. das ist gründlich schiefgegangen. Mit der Nominierung von Schäfer Gümpel hat die Parteilinke aber zumindest noch ihren Sinn für Humor nachgewiesen. Grundsätzlich dürften sich jetzt einige Wähler (die hier im Forum überproportional vertreten sind) zur Linke Ex SED orientieren. Dieses gibt der SPD die Chance, sich wieder um die Bürger in der Mitte der Gesellschaft zu kümmern.
keinheiliger (25.11.2008, 03:05 Uhr)
@Skillet4
Da hatten Zwei wohl einen Gedanken.
MfG :-)
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