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12. Oktober 2009, 14:25 Uhr

Lafontaine kündigt harte Opposition an

Oskar Lafontaine soll die Saarland-Grünen in die Arme von Schwarz-Gelb getrieben haben. Der Linken-Chef wittert hinter der Entscheidung für eine "Jamaika"-Koalition jedoch ein abgekartetes Spiel - und droht der neuen Regierung mit hartem Gegenwind.

Saarland, Jamaika-Koalition, Saar, Linke, SPD

Spricht von einem "Schmierentheater" an der Saar: Oskar Lafontaine© Markus Schreiber/AP

Nach der Entscheidung der Grünen im Saarland für Verhandlungen über ein Bündnis mit CDU und FDP hat Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine eine harte Oppositionsarbeit angekündigt. Er ließ aber offen, ob er dauerhaft als Fraktionschef im Saarbrücker Landtag bleiben wird. Dieses Amt hat er seit Anfang September inne. "Das werde ich jetzt in aller Ruhe überlegen und entscheiden", sagte Lafontaine am Montag in Saarbrücken. Angesichts der Ausgangslage für eine "Jamaika"-Koalition sei es für die Linken einfach, die eigene Position stark zu vertreten.

Das Bündnis aus CDU, FDP und Grünen baue auf Wählertäuschung und -betrug auf, sagte Lafontaine. Grünen-Landeschef Hubert Ulrich habe seit Wochen heimlich Stimmung für ein schwarz-grün-gelbes Bündnis gemacht. "Die Entscheidung hat uns nicht im Geringsten überrascht." Das Ganze sei ein "Schmierentheater" gewesen.

Auch SPD-Generalsekretär Hubertus Heil warf Ulrich vor, die Entscheidung zugunsten einer "Jamaika"-Koalition seit Wochen vorgehabt zu haben. Lafontaine habe ihm mit der angekündigten Rückkehr ins Saarland nur einen Vorwand geliefert. Lafontaine sei "ein Unglücksrabe" für das Saarland, meinte Heil. Der Linkspartei-Chef wies diese Vorwürfe zurück. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das die Grünen irritiert", sagte er.

"Wer Oskar Lafontaine an der grünen Entscheidung die Schuld gibt, redet zwar Blödsinn", sagte Linken-Ko-Chef Gregor Gysi, "unterstellt ihm damit aber einen Einfluss, allein von außen die Grünen politisch um 180 Grad drehen zu können." Er ging vor allem die Grünen an. Diese hätten schon jetzt ihre Oppositionsrolle im Bundestag aufgegeben und würden zum Lager von Union und FDP wechseln. "Was in Hamburg begann, wird jetzt im Saarland fortgesetzt", kritisierte Gysi.

Heil: "Jetzt können alle mit allen"

Lafontaine sagte, die sich nun abzeichnende Regierung bringe nur Nachteile für das Saarland. Die Grünen hätten keine Antworten auf die großen Probleme des Landes. Zudem sei nun klar, dass es im Bundesrat zunächst nicht gelingen wird, Sozialabbau der schwarz-gelben Bundesregierung zu verhindern. "Das Saarland wird keine soziale Stimme im Bundesrat sein", sagte Lafontaine.

Aus Sicht von Heil belegt die Entscheidung der saarländischen Grünen pro "Jamaika", dass sich die vertrauten politischen Blöcke im Fünf-Parteien-System aufgelöst haben. "Jetzt können alle mit allen in den Ländern. Das werden spannende Jahre", sagte Heil nach einer Sitzung des Parteipräsidiums in Berlin. Die SPD sei wegen der verpassten Chance auf Rot-Rot-Grün nun nicht beleidigt, betonte er. "Aber wir haben das Recht, das nicht gut zu finden."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
raptor-xl (13.10.2009, 10:48 Uhr)
schön wäre doch...
wenn herr sarrazin eine partei gründen würde. mit seinen themen (der zuspruch dazu kam ja in überwätigender mehrheit) würde er der cdu viele, viele stimmen nehmen. dahin eingehend müsste die cdu sich zu diesen themen ganz anders ausrichten. das wäre mal interessant... eine offene debatte über den zustand dieses landes würde losgetreten. zwischen leistungserbringern und leistungsempfängern. und der ansicht darüber, was moralisch vertretbar ist und wo eine vollkaskomentalität beginnt. über solche debatten würde ich mich mal freuen... eine kanzlerin für alle (die für alle gelich wenig macht) ist mir zu wenig.
nightmare_online (12.10.2009, 19:05 Uhr)
Blockflöten unter sich
Und da schaun wir mal:
Wählt man FDP, erhält man eine CDU-Regierung.
Wählt man Grüne, erhält man eine CDU-Regierung
Wählt man SPD, erhält man eine CDU-Regierung.

Da ist zumindest mal eines klar, nämlich was man zu wählen hat, wenn man KEINE CDU-Regierung will.
Medienbeobachter (12.10.2009, 18:02 Uhr)
Was der Westen besser kann
Tja und Erich Honecker hätte sich heute wahrscheinlich gefragt: Wie machen die es da drüben bloß, dass Ihnen das Volk glaubt? Von Frau Merkel, Herrn Ulrich und Co. hätte er viel lernen können. - Darum Bananenrepublik.
undjetztnochder (12.10.2009, 17:54 Uhr)
Oskar bleibt der ewige Verlierer
... und noch ein schlechter dazu. Klar Oscar: alle haben sich gegen dich verschworen, keiner will mit dir zusammen regieren, weil alle anderen dumm sind und nur du so richtig bescheid weißt. Wie hieß nochmal der andere Typ aus dem Saarland, auch mal Vorsitzender deiner Partei, der auch als einziger die Wahrheit gepachtet hatte und weil den auch keiner lieb hatte ließ er eine große Mauer bauen und hat Andersdenkende ins Gefängnis gesteckt...
Nursery (12.10.2009, 17:47 Uhr)
Keine Vertrauen mehr
Die Grünen haben einen großen teil ihrerer Basis vor den Kopf gestoßen.Das man alles dem Oskar jetzt in die Schuhe schiebt ist lächerlich wie durchsichtig.
Knuffiman (12.10.2009, 17:41 Uhr)
man muss
nicht immer bild lesen um eine eigene sicht der dinge zu haben. vieles ist manchmal einfacher als man denkt, wenn man sich mal mühe gibt. genau die inhalte sind es eben die mich zu dieser meinung bewegen. unterm strich sind ja fast alle gleich, es geht immer um macht und geld.aus der politik hat jeder /jede eine meinung zu mehr oder weniger aktuellen themen. was gerade angesagt ist, wird benutzt um wahlen zu gewinnen.
und ich unterstelle oscar l. das er der meister der situationsausnutzung ist. wer darauf reinfällt - bitte schön.
Medienbeobachter (12.10.2009, 17:39 Uhr)
Der Grünen-New-Deal mit CDU und FDP
Mal schauen, wie lange die Leute noch auf links blinken und rechts abbiegen hereinfallen. Wer die CDU abwählen möchte, kann jetzt wohl nur noch die Linken wählen. Wer grün gewählt hat und geglaubt hat, damit auch gegen die CDU gestimmt zu haben, hat seine Stimme der falschen Partei gegeben. So einfach ist das. Wie viele Grüne sind in den Wahlkampf gegangen und haben den Wählern erzählt, dass Herr Müller abgelöst werden muss.
Dazu die Grünen:
- Die mit absoluter Mehrheit regierende CDU ist verbraucht, sie bedrückt die Menschen durch rücksichtslose Machtausübung, missachtet Bürgervoten und verhält sich obrigkeitsstaatlich (?)
- Die Politik der Konservativen während der vergangenen zehn Jahre hat die soziale Spaltung des Landes vertieft (?)
- Wir Grüne wollen dem Saarland eine bessere Zukunft bieten. Dazu ist es erforderlich die CDU-Regierung abzulösen.
raptor-xl (12.10.2009, 17:34 Uhr)
was regen sich die linken auf?
mal analysiert ergibt sich folgendes:
links will raus aus afghanistan, grüne haben uns da mit reingebracht.
linkspartei hat die meisten anhänger in der unterschicht, grün bei den besserverdienenden.
linkspartei hat antidemokratische tendenzen, grün will verfassungsrechte stärken und mehr freiheiten.
die linke hat alte stasikader in den eigenen reihen, die grünen die stasigegner von bündnis90.
die grünen setzen auf meinungsvielfalt und multikulti, die linken kommen mit einem alleinherrscher namens oskar um die ecke...
das passt sehr, sehr vieles gar nicht zusammen!!! daher frage ich mich, wie jeder glauben kann, die zusammenarbeit gehe 1:1 locker über die bühne...
x-cube (12.10.2009, 17:26 Uhr)
@Knuffi
Ihre Argumentation ist nichts anderes als Schlagzeilenpolemik ohne inhaltliche Substanz. Wer selber denken kann, sich mit dem Thema WIRKLICH beschäftigt hat (also inhaltlich) und nicht die Bild Zeitung und konsorten als Maß aller Dinge ansieht, wird zu einem anderen Schluß kommen. Aber ich beneide Sie um Ihr einfaches Weltbild.
Johann58 (12.10.2009, 17:26 Uhr)
Oskar hat Recht
Die Gruenen betreiben mit ihrer Steigbuegelhalteraktivitaet fuer CDU und FDP die Selbstaufloesung. Sie geben saemtliche Ideale auf, welche die Gruender der Gruenen jemals hatten und steigen mit ihrem Erzfeind ins Bett. Die Schittmengen mit CDU und FDP sind gleich Null. Die Linke wird sich wenn Oskar mal nicht mehr aktiv ist ebenfalls selbst Aufloesen. Dann sind wir in ein paar Jahren wieder da wo wir in den 50zigern waren.
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