Wer mit wem? Wer mit wem nicht? Wie geht es weiter, auch in der Bundespolitik? Nach den dramatischen Verlusten von SPD und CDU bei den Landtagswahlen diskutieren die Parteien nun über die Konsequenzen.

Büßte empfindlich an Stimmen ein: Brandenburgs CDU-Spitzenkandidat Jörg Schönbohm© Herbert Knosowski/AP
Nach den herben Stimmenverlusten bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg beraten SPD und CDU die Konsequenzen. Die Führungsgremien der Parteien wollten am Montagmittag in Berlin sowie Potsdam und Dresden zusammenkommen, die CSU-Führung wollte sich in München beraten. Die ersten Wahlen in Ostdeutschland seit Beginn der Proteste gegen die Hartz-IV-Reform hatten Rechtsextremisten mit hohen Ergebnissen in die Landtage gebracht. Zugleich mussten SPD und CDU dramatische Verluste hinnehmen.
In Potsdam beginnen erste Sondierungsgepräche über mögliche Koalitionen. Rechnerisch ist sowohl eine große Koalition aus SPD und CDU als auch ein rot-rotes Bündnis möglich. In der SPD zeichnete sich eine Debatte über eine Koalition mit der PDS in Brandenburg ab. Generalsekretär Klaus Uwe Benneter schloss eine rot-rote Koalition nicht aus. "Es gibt da keine Vorlieben", sagte Benneter im Bayerischen Rundfunk. Der Berliner Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit, sagte im ARD-Morgenmagazin, die PDS sei enttabuisiert. Der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe schloss dagegen eine Koalition mit der PDS strikt aus. Niemand bei den Sozialdemokraten wolle ein solches Zusammengehen, sagte Stolpe der "Neuen Presse".

Die PDS mit Dagmar Enkelmann an der Spitze verlangt als Bedingung für eine Koalition Richtungsänderungen in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Die PDS werde dies in den anstehenden Sondierungsgesprächen von der SPD einfordern, sagte Enkelmann am Montag im Inforadio.
Bei der Wahl am Sonntag war die PDS hinter der SPD (31,9 Prozent) mit 28 Prozent zweitstärkste Partei geworden. Die CDU kam nur noch auf 19,4 Prozent. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will mit beiden Parteien Sondierungsgespräche führen. Parteichef Lothar Bisky sagte im Sender N-TV, für eine Fortsetzung der Politik der bisherigen großen Koalition aus CDU und SPD stehe seine Partei nicht zur Verfügung.
Trotz der erheblichen Stimmenverluste der CDU bei den Landtagswahlen in Brandenburg will Spitzenkandidat und Innenminister Jörg Schönbohm CDU-Landesvorsitzender bleiben. "Nach einer Niederlage wechselt man nicht gleich das Personal aus", sagte der 67-Jährige am Montag im Inforadio des RBB. Er wolle seine Aufgabe weiterführen und Nachfolger aufbauen. Die Wähler hätten sich zuletzt nur zwischen SPD und PDS richtigerweise für die Sozialdemokraten entschieden. Dabei sei die Union unter die Räder gekommen.

Sachsens SPD-Chef Thomas Jurk hat das Koalitionsangebot an die CDU wiederholt. "Die Zahlen geben keine Mehrheit für eine Koalition her, wie sie sich die FDP gewünscht hat. Jetzt müssen wir zu unserer Verantwortung stehen", sagte Jurk am Montag der dpa. Mit dem Stimmergebnis von 9,8 Prozent sei er zwar nicht zufrieden. Gleichwohl habe sich die SPD "achtbar geschlagen". Im Mittelpunkt von Koalitionsgesprächen müsse die Bildungspolitik stehen. Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) habe noch keinen Kontakt mit der SPD aufgenommen. Die CDU hatte bei der Landtagswahl die absolute Mehrheit verloren und kam auf 41,1 Prozent.
Sachsens Grüne rechnen mit einer Koalition von CDU und SPD im Freistaat. "Wir selbst stehen nicht zur Verfügung und werden das Zusammengehen von SPD und CDU interessiert beobachten", sagte Grünen-Spitzenkandidatin Antje Hermenau am Montag. "Die Niederlage der CDU löst hoffentlich endlich den längst überfälligen Lernprozess in der Union aus", sagte sie zum Verlust der absoluten CDU-Mehrheit. Das könne sich ihre Partei zugute halten, die mit ihrem Wahlerfolg ein Zusammengehen von Union und FDP verhindert habe.