1. Mai 2008, 14:19 Uhr

"Ich liebe Angela Merkel"

Die Verleihung des Karlspreises an Angela Merkel in Aachen nutzten die Bundeskanzlerin und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zu einer Demonstration ihres - auch persönlich - engen Verhältnisses. "Ich habe viel von Angela Merkel gelernt", verriet Sarkozy in seiner Laudatio.

"Das hast du schön gesagt...", scheint sie zu denken. Angela Merkel umarmt Nicolas Sarkozy nach seiner politischen Liebeserklärung in Aachen©

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben bei der Aachener Karlspreisverleihung die gemeinsame Verantwortung ihrer Länder für Europas Zukunft betont. Zwei Monate vor Beginn der französischen EU-Ratspräsidentschaft sagte Merkel Sarkozy trotz inhaltlicher Streitpunkte und des als nicht einfach geltenden persönlichen Verhältnisses volle Unterstützung in der zweiten Jahreshälfte zu. Merkel erhielt den Preis am Donnerstag im historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses für ihre Verdienste um die europäische Einigung vor allem während ihres EU-Vorsitzes im vergangenen Jahr.

Merkel und Sarkozy nutzen die Zeremonie zu einer Demonstration eines auch persönlich engen Verhältnisses. In ihrer Dankesrede sagte die Kanzlerin, Frankreich habe Deutschland beim Durchbruch in den Verhandlungen zum EU-Reformvertrag nach dem Scheitern einer Verfassung geholfen. Nun werde Deutschland Frankreich zur Seite stehen.

"Herr Merkel, glauben Sie nicht alles, was die Presse über uns schreibt

Sarkozy sagte in seiner Laudatio auf Merkel, beide Länder müssten gemeinsam ihre Kräfte in den Dienst der Europäischen Union stellen. "Einen Graben zwischen Deutschland und Frankreich darf es nicht geben." Sarkozy würdigte die Bundeskanzlerin als große Europäerin, unter deren Führung es im vergangenen Jahr gelungen sei, die Erstarrung Europas nach dem Scheitern der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden zu überwinden.

"Ich habe viel von Angela Merkel gelernt", sagte Sarkozy. Mit einem Augenzwinkern zu Merkels Ehemann Joachim Sauer fügte der Präsident hinzu: "Herr Merkel, glauben Sie nicht alles, was die Presse über uns schreibt. Ich liebe Angela Merkel. Mehr als manche das schreiben mögen." Beide gelten als sehr unterschiedliche Charaktere: Sarkozy als eher spontan und auch in der Darstellung seiner Ehe mit dem früheren Topmodell Carla Bruni auf öffentliche Aufmerksamkeit ausgerichtet; Merkel als Freundin stiller Diplomatie auf EU-Ebene und als zurückhaltend bei gemeinsamen Auftritten mit ihrem Mann. Beide Länder streiten beide Länder etwa über die Lastenverteilung beim Klimaschutz.

"Der vereinfachte Vertrag hat die Krise zwischen Europa und den Europäern noch nicht gelöst", sagte Sarkozy. "Unsere Arbeit beginnt erst jetzt." Europa sei eine "zu schöne, zu gerechte Idee, um nur die Idee der Eliten zu sein". Merkel erklärte, mit dem Vertrag von Lissabon sei ein wichtiger Schritt nach vorne gelungen. "Wir sind auf dem besten Weg, unser gemeinsames Ziel zu erreichen. Wir wollen die Lähmung der Europäische Union vor den Wahlen zum Europäischen Parlament 2009 beenden", sagte Merkel. "Europa war, ist und wird unser gemeinsames Schicksal sein."

Karlspreis ist eine "Verpflichtung, unser Europa wohnlicher zu machen"

Wie Sarkozy warnte auch Merkel davor, im Ringen um die gemeinsame Zukunft Europas nachzulassen. "Ob unser Europa erfolgreich sein wird, das steht heute noch nicht fest. Aber dass es unsere Plicht ist dafür zu kämpfen, das steht fest." Der Karlspreis, mit dem vor Merkel unter anderem die früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer und Helmut Kohl sowie zahlreiche ausländische Staatschefs und gekrönte Häupter für ihre Verdienste um die europäische Einigung geehrt worden waren, sei die "Verpflichtung, unser Haus Europa wohnlicher, sturmfest und sicher zu machen".

Bereits am Vorabend hatte die Bundeskanzlerin bei einer Diskussion mit Studenten in Aachen ihre Forderung nach einer gemeinsamen europäischen Außenpolitik bekräftigt. Europa müsse in der Welt geschlossen auftreten um die Interessen der rund 500 Millionen Bürger besser vertreten zu können. "Wir stehen weltweit in einem Wettbewerb um unser demokratisches Lebensmodell."

Randale am Rande der Verleihung

Der Aachener Karlspreis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen Europas. Er wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung an Persönlichkeiten oder Institutionen verliehen. 2002 erhielt der "Euro" die begehrte Auszeichnung, im vergangenen Jahr der Außenbeauftragten der Europäischen Union, Javier Solana. Auch der frühere Papst Johannes Paul II. war zu Lebzeiten Träger des Karlspreises.

Am Rande der Veranstaltung mit Merkel, Sarkozy und zahlreichen ausländischen Staatsgästen in der Innenstadt von Aachen demonstrierten nach Angaben der Polizei mehrere hundert Menschen. 50 Demonstranten aus der autonomen Szene hätten versucht, die Preisverleihung zu stören. Sie hätten Tische und Stühle von Straßencafes um sich geworfen und versucht, auf den abgesperrten Rathausplatz vorzudringen, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei.

Reuters/DPA/kmi

 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
MamfredBuchholz (02.05.2008, 01:12 Uhr)
Würdige Preisträgerin
Was wäre so ein Forum ohne ganzbafs dümmliche Kommentare? Sicher bleibt A. Merkel innenpolitisch hinter den Erwartungen zurück, weil sie sich mehr als nötig von Beck, Lafontaine & Co. in die falsche Richtung treiben lässt. Aber außen- und europapolitisch spielt sie eine hervorragende Rolle und hat viel von dem Vertrauen, das Schröder, Fischer & Co verspielt haben, wieder herstellen können. Wir können insofern stolz auf diese Kanzlerin sein, die den Karlspreis zu Recht erhalten hat.
Loewenherz_XL (01.05.2008, 18:08 Uhr)
Machiavelli’s Erben
Klar dass die Beiden sich lieben. Beide sind machtgesteuerte Instinktpolitiker. Es wäre ein Fehler Merkel zu unterschätzen. Sie hat von ihrem Ziehvater Kohl gelernt, die CDU als Kanzlerinnenwahlverein zu benutzen.
Zu Beiden passt ein Zitat von Machiavelli „Die Menschen sind so einfältig und hängen so sehr vom Eindrucke des Augenblickes ab, dass einer, der sie täuschen will, stets jemanden findet, der sich täuschen läßt.“
Petra D.
paulmaz (01.05.2008, 17:52 Uhr)
Lügen und Heuchlei
Es wird nirgends soviel gelogen und
geheuchelt wie bei Beerdigungsreden
und den " Preisverleihungen" der oben
geschilderten Art.
ganzbaf (01.05.2008, 15:55 Uhr)
Ein Konservennaiver...

hackt einer Konservennaiven sicher kein Auge aus.
Von einem wie Sackoratzy gelobt zu werden ist allerdings ein leicht zweifelhaftes Vergügen, wenn man sich dem seine Popolatitäts-Absturzkurve mal genauer betrachtet... ;-S
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