Nach der umstrittenen Entscheidung zum Verbleib Thilo Sarrazins in der SPD werben die Grünen um enttäuschte Genossen. Sie zielen dabei vor allem auf Mitglieder mit Migrationshintergrund.
Die Grünen werben nach der umstrittenen Entscheidung zum Verbleib Thilo Sarrazins in der SPD um enttäuschte Genossen. "Wir bieten allen, die sich ihrer politischen Heimat beraubt fühlen, an, sich bei uns zu engagieren", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag. Die SPD habe den "Anspruch verwirkt, weiterhin die erste Adresse für viele Menschen mit Migrationshintergrund zu sein". Offenkundig sei der SPD ein "Deal mit Sarrazin" im Vorfeld der Berliner Wahlen zum Abgeordnetenhaus "wichtiger als die eigene Glaubwürdigkeit und Tradition als weltoffene Partei".
Viele Migranten der ersten Generation hätten sich in der SPD engagiert, weil sie die Sozialdemokratie als ihre deutsche Heimat gesehen hätten, "die für Solidarität und Gerechtigkeit" eintrete, sagte Özdemir weiter. Sarrazin und ein Partei-Ideal der Vielfalt passten jedoch nicht zusammen.
Der SPD-Bundesvorstand und drei weitere Antragsteller hatten ihre Anträge auf Parteiausschluss zurückgezogen, nachdem das Parteischiedsgericht am Gründonnerstag eine gütliche Einigung vorgeschlagen hatte. Sarrazin hatte in einer persönlichen Erklärung versichert, er habe weder Migranten diskriminieren noch sozialdemokratische Grundsätze verletzen wollen.