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9. Mai 2010, 22:12 Uhr

Berlin spekuliert schon über die Nachfolge

Schockmeldung bei der CDU-Wahlparty: Wolfgang Schäuble liegt wieder im Krankenhaus. Wie es derzeit um die Gesundheit des Finanzministers steht, ist nicht bekannt. Dennoch wird in Berlin schon über einen Nachfolger diskutiert. Von Hans Peter Schütz

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Finanzminister Wolfgang Schäuble: Wie kritisch ist sein Zustand?© Tobias Schwarz/REUTERS

Die schockierende Eilmeldung lief am Sonntagabend auf der Wahlparty in der Berliner Parteizentrale in kleiner kleiner roter Schrift über die Bildschirme. Mit dem Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen hatte sie nichts zu tun. Sie hieß: "Schäuble in Brüssel im Krankenhaus."

Das Stimmengewirr sackte ab. Ob in Düsseldorf die Roten vor den Schwarzen oder die Schwarzen vor den Roten bei den Hochrechnungen lagen, interessierte niemanden mehr. Dominik Geißler, Pressesprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sprach aus, was wohl fast alle in dieser Sekunde dachten: "Was mit Wolfgang Schäuble ist, ist wichtiger als das, was hier geschieht."

Die Handys wurden gezückt. SMS-Fragen hinüber ins Kanzleramt geschickt, wo Angela Merkel den Wahlausgang abwartete. Was ist mit Wolfgang Schäuble? Weshalb kann er an den Beratungen der EU-Finanzminister über ein Rettungspaket für finanzschwache Euro-Länder nicht mehr teilnehmen?

Im Liegen regieren

Zunächst wurde darüber spekuliert, dass der Gerinnungsfaktor seines Blutes immer noch nicht gut genug funktioniere. Eine Wunde hatte sich immer wieder entzündet, wohl auch deshalb, weil er zu früh aus dem Krankenbett gestiegen war. Er musste wieder zurück, erledigte seinen Ministerjob dann vom Krankenhaus aus im Liegen. Seine Mitarbeiter signalisierten, ihr Chef sei dynamisch wie eh und je. Außerdem regiere Schäuble selbst aus dem Bett heraus effektiver als andere Minister am Schreibtisch. "Und überhaupt," sagte einer zu stern.de, "ist das eine bewährte Methode, denn schon die persischen Großkaiser Xerxes und Darius regierten ihre Weltreiche weitgehend im Liegen." Daher werde es auch für die schwarz-gelbe Koalition genügen.

Schäuble gab sich Anfang dieser Woche nach dem Verlassen des Krankenhauses wieder rundum fit, soweit das ein Rollstuhlfahrer sein kann. Die seit einiger Zeit kursierenden Gerüchte, die Kanzlerin denke über die Frage nach, ob er weiterhin den Stressjob des Finanzministers bewältigen könne, wischte er auf einer Pressekonferenz locker vom Tisch. "Inzwischen ist mein Sitzfleisch wieder in der Lage, dass ich notfalls auch den Götz von Berlichingen zitieren kann." Hinterher scherzte er im Gespräch mit stern.de noch über seine drastischen Worte. Jetzt werde seine Frau ihn bestimmt wieder fragen: "Hast du das jetzt wirklich wieder sagen müssen?"

Wer kann Schäuble ersetzen?

Am Sonntagabend jedoch, in der Parteizentrale, war die Spekulation über die Frage, wer ihn im Ernstfall ersetzen könne, sofort wieder Thema. Als bekannt wurde, dass Merkel Bundesinnenminister Thomas de Maizière als Ersatzmann nach Brüssel geschickt hatte, hieß es bei den CDU-Mitarbeitern: "Der ist voll im Film." Schließlich habe de Maizière als Kanzleramtsminister in der Großen Koalition auch schon den Kampf gegen die Finanzkrise im Herbst 2008 selbständig organisiert. Und man dürfe nicht vergessen, dass er in Sachsen auch schon einmal das Amt des Finanzministers betreut habe. De Maizière gilt als erster Ersatzmann, falls Schäuble ausfallen würde. Außerdem wird auch der hessische Ministerpräsident Roland Koch als denkbarer Nachfolger gehandelt. Koch wolle unbedingt weg aus der Landespolitik.

Wie es tatsächlich um Schäubles Gesundheit bestellt ist, bleibt weiterhin offen. In Brüssel war von einem anaphylaktischen Schock die Rede. Darunter verstehen die Ärzte eine starke allergische Reaktion auf bestimmte Medikamente, die zu einer lebensgefährlichen Störung der Blutzirkulation führen kann. Irritiert waren die Ärzte bei Schäuble deswegen, weil es offenbar rund 24 Stunden gedauert hat, bis diese Reaktion auf das Medikament eingetreten ist. Dem Vernehmen nach litt Schäuble an Luftnot, einem typischen Symptom.

Von Hans Peter Schütz
 
 
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