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1. Juni 2010, 13:56 Uhr

Wer ist der Beste für Schloss Bellevue?

Schäuble vs. von der Leyen

Wer wird Bundespräsident? Zwei Favoriten sind Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble. Ein stern.de-Autor wirbt für die Arbeitsministerin, ein anderer für den Finanzminister.

Von der Leyen? Yes, she can!

"Zensursula' als Bundespräsidentin, als oberste Vertreterin des Staates? Seid ihr wahnsinnig? ", werden die Netzpolitiker im Internet zetern. "Noch eine Frau, jetzt auch noch in Bellevue!", werden die alten Herrenriegen schimpfen. "Wir brauchen keine zweite Mutti! Reicht Euch nicht die eine?"

Nein. Die eine reicht nicht: Ursula von der Leyen, 51, vormals Familien-, jetzt Arbeitsministerin, wäre eine gute, die beste Köhler-Nachfolgerin im Amt des Bundespräsidenten. Denn von der Leyen ist erfahren und politisch genug, um nicht den Köhler zu machen. Sie wäre kein zweites Experiment mit einem Seiteneinsteiger im Labor Bellevue, sondern wäre als kritikgegerbte Politikerin mit reichlich ministerieller Erfahrung berechenbar. Gerade in der Vielfachkrise, in der sich das Land befindet, ist diese Stabilität wichtig. Gleichzeitig ist von der Leyen, die siebenfache Mutter, aber auch frisch genug, um noch so etwas wie Aufbruch zu verkörpern. Sie hat die Energie und die Leidenschaft, um glaubwürdig Anstöße für einen Ruck im herzogschen Sinne zu geben. Für gesellschaftliche Konflikte aus der Lebenswirklichkeit der Bürger hat sie ein besseres Gespür als sämtliche Herren der Kandidatenriege. Klar ist vieles Image, klar ist vieles Polit-PR. Aber im Kern macht von der Leyen eine moderne Politik, sie steht für eine gesellschaftliche Debatte über die Zukunft, steht sogar für einen Schuss, wenn auch biederen, Glamours. Das unterscheidet sie maßgeblich von Wolfgang Schäuble, dessen Eignung und Kompetenz zwar niemand bezweifeln kann, dessen Welt aber kulturell immer noch nach der Ära Kohl riecht, nach dem Gestern.

Freilich, auch von der Leyen hat Schwächen. Als Familienministerin hat sie in der Debatte über Internetsperren populistischen Aktionismus betrieben, in Teilen ignorant. Ähnlich schwach präsentierte sie sich beim Streit um die Förderung von Programmen gegen Rechtsextremismus. Und in diesem Februar wurde sie, da schon als Arbeitsministerin, von Roland Koch regelrecht platt gemacht, als es um die von ihr ausgeschlossene Grundgesetzänderung zur Beibehaltung der gemeinsamen Jobcenter von Arbeitsagenturen und Kommunen ging, die am Ende doch beschlossen wurde.

Besetzung wäre aus taktischer Sicht sinnvoll

Zudem mag man ihr vorhalten, dass sie politisch ein Ziehkind von Angela "Mutti" Merkel ist. Die weichgespülte christsozialdemokratische Haltung, die sie zur Konsenskandidatin macht, kann gleichzeitig als Profillosigkeit gedeutet werden - wie bei Merkel. Es darf also zumindest bezweifelt werden, dass sie den Mumm hat, als mahnender Widerpart der Kanzlerin aufzutreten, als kritische Beobachterin des politischen Tagesgeschäfts. Offen ist auch, ob von der Leyen nicht eigentlich ein viel zu junges politisches Talent ist, ein viel zu großes Pfund für die Union, um jetzt schon aufs Altenteil ins Präsidialamt geschickt zu werden.

Aus Merkels Sicht dürften auch taktische Argumente für von der Leyen sprechen. Insofern verwundert es nicht, dass Nachrichtenagenturen sie schon jetzt als Merkels Favoritin handeln. Wird sie Bundespräsidentin, kann Jürgen "Robin" Rüttgers, der gestolperte Arbeiterführer von Rhein und Ruhr, Arbeitsminister in Berlin werden, das wäre ein gesichtswahrender Abgang aus Düsseldorf. Dort könnten die Parteifreunde dann entspannter auf große Koalition machen. Aus diesem Grund dürften Rüttgers Hintersassen von der Leyens Kandidatur auch befeuern.

Daran, dass Ursula von der Leyen die beste Wahl für das Amt des Bundespräsidenten wäre, ändert aber selbst das nichts.

KOMMENTARE (10 von 70)
 
nordwind (02.06.2010, 14:10 Uhr)
Es geht schon wieder los.
Der stern kann es einfach nicht lassen, sich vor Wahlen ins rechte Lager zu schlagen.
Aber macht nichts: die Konsequenzen habe ich schon vor Jahren gezogen, indem ich das Lesen der Zeitschrift stern beendet habe.

Die Regierung wird solange nach einem Kandidaten/einer Kandidatin suchen, bis eine Lösung gefunden ist, die die deutsche Bevölkerung nicht haben will.
Erst dann ist die Regierung zufrieden.

Die Regierung ohne Volk: ein Paradies für die Regierung!

Gruß
nordwind
dreicon (02.06.2010, 10:46 Uhr)
Alle hier gutgemeinten Vorschläge
von Sarrazin über Pauli, Helge Schneider bis Lena sind geeignet vergessen zu machen, daß der Deutsche Bundespräsident ein Relikt aus absolutistischen Zeiten ist. Er ist (als Institution) einer der großen Webfehler unserer Verfassung. Nämlich von der irrigen Annahme, wir Deutschen brauchten ein Grüßaugust als direkten Nachfolger unserer gehabten Fürsten, Könige und Kaiser. Daß wir diesen dann nicht einmal selbst wählen dürfen, sonder jedesmal als Ergebnis unwürdigen Geschacheres und Pseudowahlen, ist der zweite große Webfehler.

Der beste Bundespräsident ist nunmal Keiner!
Papayu (02.06.2010, 10:37 Uhr)
Praesident
Vor langer langer Zeit habe ich gelesen, dass ein Bundespraesident " ueberparteilich" sein muss, also keiner Partei angehoerend. Aber das ist sicher im GG geaendert worden, nachdem Theodor Heuss (FDP) als erster Pr. gewaehlt wurde. Fuer mich war er der Beste.
Wie waers, Oma Merkel, kandidiere doch selbst, dann bist Du von allen Sorgen befreit und wir waeren Dich endlich los.
Vielleicht hilft Dir ja die "schwarze Presse."
sebale1 (02.06.2010, 09:30 Uhr)
Werbetrommel STERN
Bertelsmann/Stern rühen schon die Wertrommel für ihre Marionettenkandidaten- ein ausgelatschter depressiver, kranker politiker mit krimineller Vergangenheit - oder die selbsterklärte Mutter de Nation, Parteisoldation der CDU, überall einsatzfähig .... in der Tat jmd, der in seinem Leben nichts anderes geleistet hat, als in reichem, wohlbehüteten Umfeld mit viel Hilfe der Supernannys regelmässig gebärdet hat (um die Kinder kümern sich Angestellte) der es jetzt langweilig ist , die ein perverses Weltbild aus der begrenzten, beschützeten Sicht ihrer traumwelt hat.

Haben die da oben nichts gelernt ? Was will der STERN mit dieser Propaganda - steuerbare Marionetten für die Eigentümer und Werbekunden ....
krank - krank - krank
Administrator (02.06.2010, 09:20 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Wir mussten hier einiges aus der Nacht löschen. Sie können gern Kritik äußern - aber sachlich!

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre stern.de-Admins
GoGo-King (02.06.2010, 09:11 Uhr)
Wäre ja zu schön gewesen,
wenn man eine Frau/einen Mann mit "Standing" vorgeschlagen hätte. V.d.L. ist ein Parteisoldat wie er im Buche steht. Die Gute ist dermaßen verkniffen, dass Sie ihren Chefs schon nach kurzer Zeit dermaßen auf den S... geht, dass Sie weggelobt wird. Siehe Wulff und nun Merkel. Ganz offenbar ist Sie keine Mutter der Nation und schon gar keine Person, die man gerne für länger um sich hat.
Kraus (02.06.2010, 08:35 Uhr)
Noch eine Glosse ... Wie tief kann ein Land sinken?
In Deutschland hat es sich bewährt, dass Bundeskanzler und Minister an die Macht kommen, die keinerlei Fachkompetenz für ihr Ressort besitzen. Dr. Rösler ist hier einmal eine Ausnahme. Unsere Ministerin für Familie Frau Dr. Schröder ist doch gerade erst dabei, ihre eigene Familie zu gründen. Frau Von der Leyen möchte jetzt die Mutter der Nation werden. Angeblich soll sie Erfahrung im Umgang mit Kindern haben. Wurden dem Herrn Dr. Schäuble nicht gesundheitliche Probleme nachgesagt, nachdem er das Finanzressort übernommen hat? Waren da nicht auch Depressionen im Spiel? Wir haben einen Verteidigungsminister, der zumindest gedient hat. Aber zu gut aussehen darf ein Bundespräsident auch nicht, außerdem ist er gerade in der falschen Partei.

Das Dilemma ist groß. Frau Käßmann ist sogar im Rennen. "Mit Herzen, Mund und Händen. Spiritualität im Alltag leben." ist ihr Motto. Mit Glauben und Weißwein an die unmündige Macht. Herrlich! Was ist mit Stefan Raab und Lena? Ein Gespann, das Flagge zeigte. Nein? Über die letzten Kandidaten, und das ist gar nicht so lange her, wie Gesine Schwan und Peter Sodann, redet auch niemand mehr. Gestern sah ich einen Tatort mit Götz George, ehrlich gesagt, er wäre mir lieber. Auf das Gestotter von Edmund Stoiber wäre ich gespannt wie Robins Bogen.

Wie tief kann ein Land sinken? Wir werden es am 30. Juni sehen.
Lueneburger (02.06.2010, 06:40 Uhr)
Schäuble geht auch nicht...
Nur weil jemand in Berlin etwas verdient hat ist er es noch nie geworden. Das wichtigste Gegenargument vor allen anderen aber ist Schäubles sehr fragile Gesundheit. Selbst wenn der "Job", das Amt des Bundespräsidenten nicht so aufreibend ist wie das den Finanzministers, so ist das Risiko dennoch zu groß, man sollte Rücksicht nehmen und Herrn Schaüble dieses Amt nicht aufzwingen. Es gibt andere Personen, ich wundere mich warum sich gerade von der Leyen und Schäuble herauskristalisieren, im Grunde zeigt das bereits die ganze Not der CDU/CSU und FDP Regierung, dass sie keine wirklichen Alternativen meinen vorbringen zu können. Ich bin gespannt was die nächsten Tage bringen werden, denn es sind nur noch 28, der Countdown läuft. Politisches Geplänkel und Pseudo-Wahlkampf sind da ganz schlecht!
Lueneburger (02.06.2010, 06:28 Uhr)
Die "Zensi" ist verbrannt
Im ersten Absatz werden bereits alle Argumente gegen Frau von der Leyen deutlich und auch die sehr allgemeinen gehältenen "Gegenargumente", reichen nicht aus. Denn, erfahren und politisch genug, um nicht den Köhler zu machen, sind andere auch. Das was sie als Experiment mit einem Seiteneinsteiger im Labor Bellevue bezeichnen, war im Ansatz durchaus vernünftig, warum Köhler wirklich hinwarf werden wir wohl erst noch erfahren, deshalb eine eigentlich gute Idee aber verwerfen wäre ein Fehler. Kritikgegerbte Politikerin mit reichlich ministerieller Erfahrung und berechenbar sind ebenfalls andere, allerdings zeigt sich, dass das höchste Amt in Deutschland Politiker auch verändern kann. Es bliebe also abzuwarten was die Zensi als Bundespräsidentin alles anzustellen vermag. Jemanden der 51 ist in Deutschland mit Aufbruch in Verbindung zu bringen ist recht kurios, ok BP kann man erst ab 40 werden aber für Aufbruch steht die Dame, die Zensursula sicher nicht. Auch kann es wohl bezweifelt werden das sie eine "geistige Tochter" von Roman Herzog ist. Und, das sie als ein Gespür für gesellschaftliche Konflikte aus der Lebenswirklichkeit der Bürger habe kann wohl nur in sofern zutreffen als das sie für reichlich Konflikte gesorgt hat. Zudem war keines ihrer Projekte von Erfolg gekrönt, sie ist wenn man es genau nimmt also eigentlich eine "Gescheiterte", und gerade das macht sie als Bundespräsidentin untragbar. Ich glaube nicht mal das sie taktisch eine besonders gute Wahl wäre, denn einen Kandidaten druchzusetzen ohne im Vorfeld einmal mit der SPD gesprochen zu haben ist nur in einem Sinne taktisch, nämlich um den Bürgern gegenüber Handlungsfähigkeit zu beweisen, dafür jedoch sollte dieses wichtige Amt nicht missbraucht werden. Sicherheit und Beständigkeit in schwierigen Zeiten wird anders erreicht, aber keinesfalls mit einer Person die mehr polarisiert als eint und das tut Frau von der Leyen bereits jetzt, wie sie im ersten Absatz ja auch richtig erkannt haben.
jomimo (02.06.2010, 06:20 Uhr)
Und noch einmal ...
dass in diesem Land auf der höchsten politischen Ebene herumtaktiert werden darf, stellt doch die Präsidentenwahl ad absurdum.

Ein Bundespräsident muss vom Volk direkt gewählt

werden dürfen.

Aber so ist das Regime in D nun einmal - nach außen Riesendemokratie und alle Rechte für die Welt und jeden, nach innen Repression für freie Bürger.
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