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Patrick Döring beklagt Rassismus in der FDP

Vor dem Bundesparteitag der FDP am Wochenende in Berlin beklagt Patrick Döring rassistische Vorurteile in seiner Partei. Oft werde Philipp Rösler an Stammtischen als "der Vietnamese" bezeichnet.

  Auch Satiriker und Kritiker haben immer wieder mit rassistischen Vorurteilen gegenüber Philipp Rössler (l.) gespielt

Auch Satiriker und Kritiker haben immer wieder mit rassistischen Vorurteilen gegenüber Philipp Rössler (l.) gespielt

Der scheidende FDP-Generalsekretär Patrick Döring hat seiner Partei Rassismus im Umgang mit dem bisherigen Vorsitzenden Philipp Rösler vorgeworfen. An Stammtischen hätten Liberale von "dem Vietnamesen" gesprochen, und manche Abgeordnete hätten dem nur halbherzig widersprochen, sagte Döring der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" (Freitag).

Mit rassistischen Vorurteilen hätten auch immer wieder Satiriker und Kritiker gespielt. "Das ist so subtil bösartig, wie ich es nicht für möglich gehalten habe. Was mich besonders erschreckt hat: Das fiel in unserer Partei auf fruchtbaren Boden." Döring tritt beim außerordentlichen Bundesparteitag der Liberalen am Samstag und Sonntag in Berlin nicht wieder für das Amt des Generalsekretärs an.

Die FDP will an diesem Wochenende auf einem Sonderparteitag in Berlin eine neue Führung mit Christian Lindner als Parteichef wählen. Die Liberalen hatten am 22. September mit 4,8 Prozent erstmals den Einzug in den Bundestag verpasst.

Röslers Herkunft öfter ein Thema

Röslers Herkunft war in den vergangenen Monaten schon mehrmals ein Thema. So hatte Hessens FDP-Landesvorsitzender Jörg-Uwe Hahn (FDP) im Februar in einem Interview die rhetorische Frage gestellt, ob die deutsche Öffentlichkeit bereit sei, Rösler trotz seiner vietnamesischen Herkunft länger als Vizekanzler zu akzeptieren. Gegen Hahn brach damals ein Sturm der Entrüstung los. Rösler selbst jedoch verstand das Zitat nicht als Kritik gegen sich selbst - und hielt zu seinem Parteifreund. Dieser sei über jeden Verdacht des Rassismus erhaben.

Der ehemalige Vorsitzende der Jungen Liberalen (Juli), Lasse Becker, trug zur Rassismus-Debatte in den Reihen der FDP mit der Bemerkung bei, rassistische Äußerungen gegen Rösler kämen häufig vor. "Ich bekomme am Wahlkampfstand in der Fußgängerzone zu hören: Ich würde Euch ja wählen, aber dafür müsste erst einmal der Chinese weg", so der Liberale vor einigen Monaten gegenüber der "Passauer Neuen Presse".

"Taz"-Interview nicht freigegeben

Rösler selbst ist die Rassismus-Debatte offenbar leid. So gab er im September ein Interview mit der "Tageszeitung" ("Taz") gar nicht erst frei, in dem es um seine vietnamesische Herkunft und um Rassismus in der deutschen Gesellschaft ging. Die "Taz" fühlte sich durch Röslers Entscheidung in ihrer journalistischen Unabhängigkeit eingeschränkt. Chefredakteurin Ines Pohl sprach damals von einem "groben Bruch der gängigen Spielregeln". Die Zeitung veröffentlichte schließlich nur die Fragen des Interviews - ohne Röslers Antworten. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, Twitterte daraufhin: "Mit 17 Fragen Rösler auf seine Herkunft reduziert. Unmöglich!"

amt/DPA/DPA
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