Steinbrücks Online-Berater schmeißt schon wieder hin

21. November 2012, 16:04 Uhr

Er sollte etwas Glamour in die SPD-Zentrale bringen: Der Autor, Investor und Kunstmäzen Roman Maria Koidl war als Social-Media-Chef vorgesehen. Daraus wird nichts.

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Tanzt gerne mit Politikern, aber möchte sie doch nicht beraten: Roman Maria Koidl (links) auf dem Bundespresseball 2009 neben Grünen-Chefin Claudia Roth, Wiebke und Philipp Roesler (FDP) sowie Ebba Herfs-Röttgen dem damaligen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU)©

So richtig konnte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nichts mit dem Internet und Social Media anfangen. Aber ihm war klar: Um die Jugend für sich zu gewinnen, muss man wissen, wie Facebook und Twitter funktioneren. Da muss man präsent sein. Also holte er sich einen Spezialisten, der ihm den Bereich Social Media managen sollte. Es war kein geringerer als Roman Maria Koidl. Er bezog vergangene Woche ein Büro im Willy-Brandt-Haus. Das brachte ihm, der SPD und ihrem Merkel-Herausforderer viel Presse. Koidl verdiente viel Geld als Finanzinvestor, also als "Heuschrecke", wie solche Manager einst Franz Müntefering nannte. Schon wurde in Berlin gefragt: Passt das zur SPD?

Offenbar nicht wirklich. Einen Tag nach dem Bekanntwerden der Personalie, ist er schon wieder weg. Der SPD präsentierte der Österreicher eine Erklärung, nach der er nicht länger zur Verfügung stehe. "Mit sofortiger Wirkung ziehe ich mich aus der Rolle des Beraters Online für die Wahlkampfkampagne von Peer Steinbrück im Herbst 2013 zurück", heißt es darin. "Ich kann nicht vertreten, dass falsche und ehrverletzende Berichterstattung gegen mich eingesetzt wird, die darauf zielt, den Kandidaten Peer Steinbrück zu beschädigen."

Nach Informationen aus der SPD sind die Parteikollegen sauer wegen der Personalie. Sie werfen Steinbrück einen "absoluten Fehlgriff" vor. Nach Informationen von stern.de wurde die Personalie noch am Dienstag für richtig befunden. Koidl zog offenbar die Reißleine.

Für Steinbrück ist das eine doppelte Schlappe: Die Personalentscheidung wird ihm als falsch zur Last gelegt. Und der Rückzug eines als Berater angeheuerten Managers nach wenigen Tagen ist eine persönliche Niederlage für den SPD-Kanzlerkandidaten.

Der Österreicher ist bislang nicht als Politikberater aufgefallen. Er war Chef vom Dienst des Radiosenders "Antenne Bayern", gründete die Kette "Wold Coffee", übernahm die Confiserie "Most Schokolade", arbeitete für Hedgefonds, initiierte die "Kunsthalle Koidl" in Berlin. Der Öffentlichkeit ist er eher aufgrund seiner Bücher bekannt, die sich sehr gut verkauften. Eines heißt "Scheißkerle", ein anderes "Blender". Darin zieht er über "Flitzpiepen", "Schlipswichser" und "Luftpumpen" her, die Karriere machen und Frauen übers Ohr hauen.

tso/stern
 
 
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