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21. April 2008, 18:10 Uhr

Mitarbeiterbeteiligung à la carte

Ein halbes Jahr haben sie verhandelt, nun stellten Sozialminister Olaf Scholz und CSU-Chef Huber stolz ihr Modell zur Mitarbeiterbeteiligung an Unternehmen vor. Und siehe da, es ist ein kruder Kompromiss: Ein bisschen Deutschlandfonds, ein bisschen Sparerfreibetrag, ein bisschen direkte Beteiligung. Von Sebastian Christ

Erwin Huber und Olaf Scholz bei der Vorstellung ihres Modells zur Mitarbeiterbeteiligung.© Sean Gallup/Getty Images

Im schlimmsten Fall treffen Politiker gut gemeinte Entscheidungen, die kein Mensch versteht.

Olaf Scholz ist so ein Politiker.

Zumindest hat er diesen Eindruck hinterlassen: Am Montagnachmittag stellten der Sozialminister von der SPD und der CSU-Parteichef Erwin Huber ein Konzept zur Mitarbeiterbeteiligung vor, das zum 1. Januar 2009 Gesetz werden soll.

Einerseits sollen demnach bald direkte Beteiligungen gefördert werden. Wenn Firmen ihren Mitarbeitern Anteile verbilligt oder etwa als Prämie überlassen, sollen davon 360 Euro jährlich von Steuern und Sozialabgaben befreit sein. Der Freibetrag für diese direkte Beteiligung am Arbeitgeberunternehmen beträgt derzeit 135 Euro. Zum anderen gibt es künftig den von der SPD vorgeschlagenen Fonds: Als Bedingung sieht die Koalition vor, dass der Fonds "nach einer Anlaufphase von zwei Jahren 75 Prozent des Fondsvermögens" in diejenigen Unternehmen investiert, deren Mitarbeiter sich am Fonds beteiligen. Dazu wird der Fond gesetzlich verpflichtet. Außerdem haben sich CDU, CSU und SPD darauf geeinigt, die Arbeitnehmer-Sparzulage von 18 auf 20 Prozent zu erhöhen.

"Keine Rose ohne Dornen"

Ursprünglich brannte die Union eher für ein direktes Beteiligungsmodell. Erwin Huber sagt dazu: "Es ist unser gesellschaftspolitisches Ziel, dass wir aus Arbeitnehmern Mitunternehmer machen." Anders ausgedrückt: Firma läuft, Anteil steigt. Firma pleite, Anteil futsch. CDU-Politiker Karl-Josef Laumann, Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen, kleidet diesen Ansatz in poetische Worte: "Es gibt keine Rose ohne Dornen, und keine Unternehmensbeteiligung ohne Risiko".

Der SPD jedoch waren die Dornen offensichtlich zu spitz, und deswegen forderte sie ein Beteiligungsmodell ohne unternehmerisches Risiko. Alle am Modell teilnehmenden Angestellten sollten in einen Fond einzahlen, der sich mit diesem Kapital an den Arbeitgeberfirmen beteiligt.

Kampagne geplant

Jetzt werden beide Konzepte umgesetzt. Mehr oder weniger, mit Modifikationen. Und alle sind stolz auf ihre komplizierte Kopfgeburt. "Es war nicht unwahrscheinlich, dass wir uns einigen", flötet Scholz. "Es ist ein großer Schritt voran", sagt Erwin Huber.

Doch bei den anwesenden Journalisten blieben mehr Fragen als Antworten zurück. "Was ist, wenn das Unternehmen einen Betrug begeht? Gehe ich dann als Miteigentümer in den Knast?" Huber: "Nein, nein." Weitere Zwischenrufe: "Darf ich demnächst auch die Bilanz einsehen?" - "Ja". "Sind die Beteiligungen steuerpflichtig?" - "Nur die Gewinne daraus". Zur Sicherheit hat das Ministerium schon einmal eine Werbekampagne für das neue Gesetz mit eingeplant. Ziel: mehr Verständnis schaffen.

Scholz rechnet damit, dass sich etwa eine Millionen Angestellte zusätzlich an ihren Unternehmen beteiligen. Bisher sind es zwei Millionen. Die Kosten für das Projekt liegen bei etwa 300 Millionen Euro.

Kritik an Fondslösung

Der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit der neuen Regelung zur Mitarbeiterbeteiligung. "Es ist ein richtiger Ansatz, um das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu entkrampfen", so der Wirtschaftspolitiker. "Wir sitzen alle in einem Boot, die direkte Beteiligung von Mitarbeitern an ihren Betrieben bringt das zum Ausdruck."

Dennoch übte Schlarmann auch Kritik. "Der große Schuss in die Zukunft ist es jedoch nicht", eher ein "erster Schritt in die richtige Richtung". Besonders die Einbeziehung des von der SPD vorgeschlagenen Fondsmodells stört Schlarmann. "Damit fallen natürlich auch Fördermöglichkeiten für den direkten Beteiligungsweg weg", sagte er zu stern.de. Er nannte den ursprünglichen Vorschlag eines "Deutschlandfonds" - der noch weit bürokratischer geworden wäre - einen "Rohrkrepierer".

DGB zufrieden

Die Gewerkschaften stehen den neuen Möglichkeiten der Mitarbeiterbeteiligung grundsätzlich offen gegenüber. "Die Idee einer stärkeren Mitarbeiterbeteiligung, die nicht zu Lasten der Löhne oder der Altersversorgung geht, ist jedenfalls richtig. Die Vorschläge der Koalitionsarbeitsgruppe enthalten im Wesentlichen die Bausteine einer Fondslösung – das ist uns wichtig", sagt Dietmar Hexel vom DGB-Vorstand. "Der erhöhte Steuerfreibetrag beim Erwerb von Kapitalanteilen kann außerdem ein Anreiz für Beschäftigte sein, sich stärker als bisher an ihren Unternehmen zu beteiligen."

Das stimmt. Wenn alle so Beteiligten das Regelwerk durchblicken würden. Ansonsten traut sich nämlich niemand an die neuen Geldgeschenke ran - und das kann erst recht nicht im Sinne von Union und SPD sein.

Von Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
poloele (22.04.2008, 04:28 Uhr)
und wenn ich nicht will?
was ist denn nun wenn ich als Unternehmer meine Angestellten nicht beteiligen will? werd ich dann zwangs-enteignet? schoener Kommunismus.
Reality (21.04.2008, 22:24 Uhr)
Nun tun sie so als hätten sie das Ei des Columbus neu erfunden...
Unternehmensbeteiligung ein all zu schönes Wort.
Aber wer will denn am Unternehmen beteiligt werden ?
Wollen nicht die Arbeitnehmer/inen vielmehr einen gerechten Lohn erhalten, der wenn noch was übrig davon, selbst so angelegt werden kann wie der Einzelne es für richtig empfindet.?
Die große Unbekannte ist die Zeit.
Die Zeit in der Zukunft, wer kann sicher sein daß seine Unternehmensbeteiligung nicht am Ende nichts mehr wert sind ?
Es gibt in solchen Dingen keine Sicherheit.
Und daß sich die Politiker so dafür ins Zeug legen, zeigt meiner Meinung nach, daß man sich davon einen Vorteil für den Staat verspricht.
Denn falls es gut geht und was verdient wird mit dem Geld das man auch durch Zuschüsse vom Staat anhäufen kann, dann ist mit Sicherheit am Ende der Vater Staat da und hält beide Hände auf und kassiert ordentlich ab mit der Begründung er hätte ähnlich wie bei der privaten Altersvorsorge, doch auch dafür Steuergelder gegeben in Form von Zuschüssen.
Wenn nichts verdient wird mit den Unternehmensbeteiligungen, hat der einzelne wenigsten für einige Zeit sich der Illusion hingeben können daß wenn alles gut gegangen wäre, er wenigsten die Möglichkeit gehabt hätte, Geld zu verdienen.
Nein mein Damen und Herren, das ist alles zu unsicher und auf die Unwissenheit oder soll ich besser schreiben auf die Dummheit derer ausgerichtet, die hier einen Blankoscheck erhalten sollen in der Hoffnung, daß sie nicht verstehen, wie ihnen geschieht.
knilch_59 (21.04.2008, 20:48 Uhr)
Ganz großer Blödsinn
Idee ganz schnell einstampfen und die Politiker, die sich erdreisten uns mit einem solchen bürokratielastigen Schwachsinn zu belästigen, gleich mit.
.
Der Vorschlag ist eine Frechheit: Er bevormundet die Beschäftigten und enteignet sie gleichzeitig! Keine Beteiligung ohne Mitspracherecht an der Geschäftsführung. Wenn dieser krude Blödsinn wahr wird, wähle ich die Linkspartei, weil schlimmer gehts nimmer! Und ich fordere alle auf, es mir gleichzutun, weil sonst der Wahnsinn weiter solche idiotische Blüten treibt. Scholz + Huber = geistiger Dünnschiss der allerschlimmsten Sorte!
Asteriskina (21.04.2008, 20:03 Uhr)
Selbstbestimmung
Soviel Selbstbetimmung sollte schon sein, dss jeder Arbeitnehmer selbst entscheidet, was er mit seinem Lohn machen möchte. Diese Vorschläge zeigen einmal mehr, dass der Weg zur Bevormundung ins Uferlose führt und am Ende dient es zur Legitimation, Löhne niedrig zu halten. Dabei ist es doch ganz einfach, für gute Arbeit muss guter Lohn bezahlt werden. Die Idee, durch Mitarbeiter die Finanzkraft des Unternehmens zu stärken, hat natürlich etwas Verwegenes;-). Die haben allerdings in der Vergangenheit schon durch stetig sinkende Entlohnungen ein ordentliches Schärflein dazu beigetragen. Irgendwo muss mal ein Punkt gemacht werden.
Mauro (21.04.2008, 19:43 Uhr)
Gut, dass...
... stern.de nicht irgendwelche Journalisten beschäftigt, die das Konzept nicht verstanden hätten. Und vor alle uns hier erklären können. Anschaulich, verständlich.
Aber es ist ja soooo kompliziert...
Was für Vorteile hab ich denn jetzt?
Außer nicht verstandene Politiker und nichts verstehende Journalisten scheint es nicht viel in der Pressekonferenz gegeben zu haben!
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