. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
20. Januar 2010, 16:00 Uhr

Die politische Bombe tickt

Zum Prozess-Start hat Karlheinz Schreiber dezent die Lunte gelegt. Jetzt zündet er sie an: Mit seiner Aussage über illegale Spenden an die großen Parteien lässt der Waffenlobbyist die politische Bombe ticken. Wird sie explodieren? Von Rainer Nübel, Augsburg

schreiber, prozess, augsburg, spenden, partei

Zweiter Prozesstag: Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber gibt sich weiterhin gelassen© Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Der Dramaturgie-Wechsel wird sichtbar, als Karlheinz Schreiber an diesem zweiten Augsburger Prozesstag den Sitzungssaal 101 betritt. Statt des jovialen Neujahrgrußes vom Montag bedenkt er jetzt die Journalisten und Landgerichtsbesucher lediglich mit einem kurzen Nicken. Er hilft einem seiner Anwälte in die Robe, rückt selbst sein dunkles Sakko mit den Goldknöpfen zurecht. Der 75-jährige wirkt angespannt. Am Laptop seines Verteidigers studiert er intensiv einen Text, zeigt immer wieder auf einzelne Stellen, offenbar geht es um den letzten Feinschliff.

1,4 Millionen Mark an die CSU gespendet

Wenige Minuten später verliest Anwalt Jan Olaf Leisner eine Erklärung des wegen Steuerhinterziehung, Bestechung und Beihilfe zum Betrug angeklagten Waffenlobbyisten. Sie hat es in sich: Schreiber gibt an, dass er im Jahr 1991 insgesamt rund 1,4 Millionen Mark Schmiergelder aus dem Fuchspanzer-Geschäft mit Saudi-Arabien als illegale Spenden an die CSU weitergeleitet habe – in fünf Tranchen, entweder auf ein inoffizielles Schweizer Konto, dessen Nummer ihm Franz Josef Dannecker gegeben habe, oder bar auf die Hand des damaligen CSU-Schatzmeisters. Dannecker habe, um derartige "sensible" Zuwendungen zu stückeln und zu verschleiern, damals die Spenden zahlreichen Verstorbenen zugeordnet. Deren Namen habe er Todesanzeigen entnommen. Die Journalisten hämmern jedes Detail dieser politisch hochheiklen Offensive in ihre Laptops.

Es ist Schreibers zweite Erklärung in diesem noch jungen Prozess – man könnte auch sagen: der nächste Akt einer juristisch-politischen Inszenierung, die bemerkenswert spannend und brisant werden kann. Spannender und brisanter jedenfalls, als es die meisten Prozess-Auguren vorhergesagt hatten. Und deutlich brisanter, als es vier Parteien lieb sein kann. Allen voran die CDU und CSU – aber auch FDP und SPD.

Erst wird gegackert, jetzt wird gelegt

Der Dampfplauderer mit leeren Drohgebärden, der kleine Wichtigtuer im kanadischen Refugium, der nur gackert und nie legt: Schreiber tat jahrelang vieles selbst dafür, um sich diesen miesen Ruf zu verdienen. Jetzt aber ist er – gänzlich unfreiwillig – zurück in Deutschland. Nicht mehr als politisch prächtig vernetzter Geschäftsmann, der auf Fotos und Filmaufnahmen mit Franz Josef Strauß oder Helmut Kohl profitlich lacht, sondern als Angeklagter, dem bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft drohen. Es geht um seine Zukunft, den Rest seines Lebens. Vielleicht geht es ihm auch um die Kaufmannsehre, die er so gerne zu beschwören pflegt. Er will nicht weiter als der kleine, schmierige, niveau- und skrupellose Waffendealer aus Kaufering gelten, den frühere politische Gesprächs- und wohl auch "Geschäftspartner" wie der ehemalige CSU-Verteidigungs-Staatssekretär Ludwig-Holger Pfahls so beschrieben haben, als sie selbst auf der Augsburger Anklagebank saßen. Nicht auszuschließen, dass Schreiber sich auch rächen will - an jenen "Amigos", die es nicht verhindert hatten, dass die Justiz ihn in Ruhe lässt. Und die ihn fallen ließen wie eine heiße Kartoffel.

Sicher, Schreiber hatte schon im Jahr 2002 in seiner Aussage zum Parteispendenausschuss des Bundestages behauptet, dass er der CSU über dessen damaligen Schatzmeister Dannecker zwei Millionen Mark habe zukommen lassen. Doch es ist die Konkretion, die jetzt seinen Aussagen vor Gericht eine gewisse Qualität geben. Und die heikle Fragen aufwirft. Für die CSU und auch, in einer beachtenswerten Parallelität, für die Augsburger Staatsanwaltschaft: Gibt es Belege für diese angeblichen illegalen Spendentransfers? Ist die Justizbehörde bei ihren Ermittlungen der Frage nachgegangen, ob und wohin mutmaßliche Schreiber-Provisionen von dessen Konten weitergeflossen sind? Für die Bemessung von Schreibers Steuerschuld und damit für das mögliche Strafmaß eine wichtige Frage.

Am Montag, dem ersten Prozesstag, hatte er noch gegackert, wieder einmal. In seiner ersten Erklärung war nur dezent angedeutet, dass die Millionenprovisionen aus diversen Flugzeug- und Panzergeschäften zwar auf Konten flossen, die auf ihn liefen, tatsächlich aber zu einem Großteil Spendengelder gewesen seien, die nicht ihm gehörten und die er daher auch nicht habe versteuern müssen. Jetzt legt er. Schreiber nennt – erstmals – konkrete Summen und Daten einzelner Tranchen: 430.000 Mark am 24. September 1991, 50.000 Mark genau einen Monat später, am selben Tag 300.000 Schweizer Franken, 100.000 Mark am 28. Oktober 2001, am 6. November nochmals 500.000 Mark.

Seite 1: Die politische Bombe tickt
Seite 2: Spendengelder "justizpolitisch" entsorgt
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
verifex (23.01.2010, 08:58 Uhr)
Spielchen
Schreiber will in Augsburg das Spiel weitertreiben, das er in Toronto 2002 betrieben hat vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuß. Der Untersuchungsbericht des Deutschen Bundestages ist unter http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/14/093/1409300.pdf abrufbar. Es geht jetzt in Augsburg nur darum, sauber zu klären, was er bekommen und was weitergegeben. Dafür wird er Beweise liefern müssen und keine Sprüche.
laeppe (21.01.2010, 14:23 Uhr)
Ich kann ergänzen
Post vom Verfassungsgericht Karlsruhe.
Leider kann das Gericht nicht tätig werden da
die 4 Wochen Frist verstrichen ist.
Fazit eine kriminelle Justiz kann munter
weitermachen und ich bin mir absolut sicher
kein Einzelfall zu sein.
laeppe (21.01.2010, 12:24 Uhr)
Lieber Administrator
ich würde lieber etwas anderes Schreiben
und gerne in einem demokratischen
Rechtsstaat leben. Doch was das hier mittlerweile in Deutschland geworden ist
kann man nur als mafiös bezeichnen.
laeppe (21.01.2010, 12:20 Uhr)
Verehrter Administrator
es ist leider so - ich habe einen lügenden
Generalstaatsanwalt dazu betrügende
Rechtsanwälte die durch die Justiz gedeckt werden. Ich bekomme es nicht in die Öffentlichkeit und habe mich jetzt an das
Bundesverfassungsgericht gewendet.
Auf Wunsch kann ich Ihnen das Aktenzeichen mitteilen.
Administrator (21.01.2010, 12:12 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins

laeppe (21.01.2010, 11:52 Uhr)
@Tempelhofer
Ich bin mir absolut sicher das auf dieser
Festplatte soviel brisanz vorhanden war
das man diesen Prozess jetzt nicht angeleiert hätte. Ich bin mir auch sicher das diese
Festplatte nicht mehr auftaucht
"wenn man etwas verbummelt" dann macht man das gründlich.
Prologo (21.01.2010, 11:45 Uhr)
Parteispenden jeglicher Art müssen verboten werden.......
.......dann ist endlich Ruhe damit.

Die Politiker müssten doch selbst allerhöchstes Interresse daran haben, sich von dem Vorwurf der Bestechlichkeit zu befreien!!

Warum tun sie das denn nicht? Weil sich die Politiker so sicher sind, dass sie trotzdem wiedergewählt werden. Stimmt ja auch, siehe Schäuble. Der sitzt sogar auf der Regierungsbank, Schreiber hockt auf der Anklagebank.

Und das war der goße Fehler, den sie gemacht haben!

Mit diesem verkommenen Verhalten der Politiker wird die Korruption mehr oder weniger lagalisiert in diesem Lande !!

Es passiert ja auch keinem was. Die FDP verteidigt die Bestechung auch noch öffentlich. Ja, was wollen wir denn noch?

MfG,
T.
Tempelhofer (21.01.2010, 11:39 Uhr)
@ laeppe
Was meinen Sie, vielleicht bringt die verschwundene Festplatte des Laptops von Max Strauß hier Aufschluß ???
aliderdieb (21.01.2010, 10:48 Uhr)
schreiber und die politgangster
Sehr geehrter Herr Schreiber,
glauben Sie wirklich das Sie das überleben.
Gegen dieses Pack und seine Wasserträger, gegen diese (ZITAT Götz von.....) haben Sie
kaum keine Changse.
Das schaffen Sie nur mit Hilfe der Presse.

Spenden von Toten ?
Datum bekannt -Unterlagen sind da sicherlich noch vorhanden...wo sind die...

Herr Schreiber, räumen Sie den Miststall aus.

laeppe (21.01.2010, 10:37 Uhr)
@ eperdermis
Wenn das so ist wie Sie schreiben dann ist das eben kein demokratischer Rechtsstaat sondernn ein gekauftes System.
Dann sollten wir allerdings auch aufhören
so zu tun als wenn wir seriös wären.
Die Mafia lässt grüßen.
MEHR ZUM ARTIKEL
"Illegale Spenden" an CSU Schreiber packt aus

Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber hat in seinem Strafprozess Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe an die CSU geschildert. Die "illegalen Spenden" sollen über Namen aus Todesanzeigen in die Parteikasse geschleust worden sein. Die CSU bestreitet dies vehement. mehr...

Prozessauftakt Schreiber beteuert seine Unschuld

Jahrelang hatte sich Karlheinz Schreiber der deutschen Justiz entzogen. Jetzt steht der Ex-Waffenlobbyist in Augsburg wegen Steuerhinterziehung sowie Beihilfe zum Betrug vor Gericht. Zum Prozessauftakt erklärte der 75-Jährige, an seinen Geschäften seien führende Politiker beteiligt gewesen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe