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4. August 2009, 14:04 Uhr

Das große Schweigen

Wird er wichtige Informationen preisgeben oder nicht? Bei der Verlesung des Haftbefehls zeigte sich der Waffenlobbyist Karlheinz Schreiber sichtlich mitgenommen von seiner ersten Nacht im Gefängnis. Über seinen Anwalt bestritt er alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe - ließ sich aber darüber hinaus zu keiner Aussage bewegen.

Schreiber, Haftbefehl, eröffnet, Staatsanwalt

Er soll über ein Schweizer Tarnkontensystem Politiker und Industrielle bestochen haben: Karlheinz Schreiber© Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Dem früheren Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber ist am Tag nach seiner Auslieferung an Deutschland der Haftbefehl verlesen worden. Er muss bis zu seinem Prozessbeginn in Untersuchungshaft bleiben. Als Grund wurden vom Landgericht Augsburg Flucht- und Verdunkelungsgefahr angeführt. Der 75-Jährige bestritt über seinen Anwalt pauschal alle Vorwürfe.

Schreiber habe einen mitgenommenen Eindruck gemacht, sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag in Augsburg. Der Haftbefehl wurde ihm von drei Richtern und drei Staatsanwälten eröffnet. Gegen Schreiber liegt vor dem Landgericht Augsburg eine zur Hauptverhandlung zugelassene Anklage wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung, Betrugs und Bestechung in mehreren Fällen vor.

Sein Münchner Verteidiger Jens Wursbach hatte erfolglos die Aufhebung des Haftbefehls gegen eine Kaution mit Auflagen verlangt. Zusätzlich beantragte er für Schreiber ein Telefonat mit seiner gesundheitlich angeschlagenen Ehefrau in Kanada. Dies lehnte die Staatsanwaltschaft ab. Das Gericht gestattete aber das Gespräch mit der Auflage, dass es in deutscher Sprache und in Anwesenheit eines Vertreters der Staatsanwaltschaft geführt werden müsse.

Schreiber, der haftfähig ist und laut Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz in Deutschland keinen gemeldeten Wohnsitz hat, lehnte es ab, fotografiert zu werden. Sein Anwalt wollte keine Stellungnahme zum weiteren Verfahrensverlauf abgeben. Herbert Veh, der Präsident des Augsburger Landgerichts sagte, mit einer Terminierung des Prozesses gegen Schreiber sei erst in den nächsten Tagen zu rechnen. Einen Verfahrensbeginn vor der Bundestagswahl am 27. September hatte Nemetz ausgeschlossen. In Justizkreisen wird mit einem langwierigen Verfahren über mehrere Monate gerechnet.

Schreiber war am Sonntagabend nach zehnjährigem juristischen Tauziehen aus Kanada ausgewiesen worden und am Montag in München eingetroffen. Der 75-Jährige ist eine Schlüsselfigur im CDU-Spendenskandal um den ehemaligen Bundeskanzler und Parteivorsitzenden Helmut Kohl. Er soll über ein Schweizer Tarnkontensystem Politiker und Industrielle bestochen haben.

Ströbele: Schreiber ist "haftempfindlich"

Der Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele hofft, dass Schreiber in der CDU-Spendenaffäre "nun endlich auspackt". Schreiber habe sich "immer sehr haftempfindlich" gezeigt, sagte Ströbele dem Berliner "Tagesspiegel". Deshalb müsse man vielleicht gar nicht bis zum Prozessbeginn warten, um neue wichtige Informationen zu erhalten. Konkret gehe es vor allem um die damalige Rolle des CDU-Politikers und derzeitigen Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble.

Die Frage sei, ob Schäuble oder die frühere CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages, der sich von 1999 bis 2002 mit der Spendenaffäre befasst hatte, die Unwahrheit gesagt hätten. Zudem wolle man wissen, ob die damalige 100.000-Mark-Spende Schreibers an die CDU im Zusammenhang mit einem Eintreten Schäubles für ein kanadisches Rüstungsprojekt gestanden habe.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist dagegen skeptisch, dass Äußerungen des in Augsburg angeklagten früheren Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber im Wahlkampf vor der Bundestagswahl am 27. September eine Rolle spielen werden. "Erstens weiß ich nicht, ob er aussagt. Zweitens weiß ich nicht, was er aussagt", sagte Steinmeier am Montagabend im ZDF-"Heute-Journal". Die Vernehmung Schreibers sei Aufgabe der Staatsanwaltschaft in Bayern. "Warten wir ab", fügte Steinmeier hinzu.

Auch der SPD-Obmann im damaligen Untersuchungsausschuss, Frank Hofmann, glaubt nicht, dass die Auslieferung Schreibers nach Deutschland den Bundestagswahlkampf beeinflussen wird. "In diesem Fall geht es um Aufklärung, nicht um Wahlkampf", sagte er der "Frankfurter Rundschau". Aussagen von Schreiber könnten aktuell handelnden Politikern nur dann gefährlich werden, wenn er "nicht bloß irgendwelche Behauptungen aufstellt, sondern eventuell neue Aussagen auch glaubwürdig untermauern kann". Hofmann hält es für möglich, dass über das einst von dem Waffenlobbyisten bestückte "Maxwell"-Konto Gelder an die CSU geflossen sind.

SPD-Politiker: Schreiber nicht für Wahlkampf nutzen

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Danckert warnte davor, Schreiber als eine der Schlüsselfiguren im CDU-Spendenskandal im Wahlkampf zu benutzen. Danckert, der dem Untersuchungsausschuss zu dem Spendenskandal angehörte, sagte am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin", es sei unter anderem noch ungeklärt, ob Schreiber zu den Spendern gehört habe, die Ex-Kanzler Helmut Kohl bis heute noch nicht genannt habe. Er glaube, "das hat heute keine Relevanz mehr. Wer glaubt, dass er damit den Bundestagswahlkampf zum 27. September hin bestimmen kann, der irrt."

Grundlage für die Auslieferung Schreibers war ein internationaler Haftbefehl der Augsburger Staatsanwaltschaft. Der Haftbefehl stammt von September 1999, dem sich Schreiber damals durch Flucht über die Schweiz nach Kanada entzogen hatte. Als Haftgrund soll ihm Fluchtgefahr vorgehalten werden. Schreiber hat nach Eröffnung des Haftbefehls die Möglichkeit, dazu umfassend Stellung zu nehmen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
REINI2 (05.08.2009, 10:31 Uhr)
Meinungsmache...
lazarus06 (4.8.2009, 15:37 Uhr) Natürlich zur Wahl! Und nicht auf die Medien herein fallen, die alle Register ziehen werden um schwarz- gelb zu verwirklichen.
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Denn sind wir doch ehrlich.....Was auf rtl und bild vorgelogen wird, wird vom Bürger als WAHR eingestuft.
Natürlich nur vom Einfältigen. Doch bei Dschungelcamp, oder DSDS...... müsste das die überwiegende Mehrheit sein. :-(((
REINI2 (05.08.2009, 10:24 Uhr)
Der Fisch stinkt vom Kopf!!
Immer ruhig Leute!
Freut mich, dass ich euch ein wenig in Rage gebracht habe :-))
Klar, ist ja auch schwer sich ein zu gestehen, dass unsere jetzigen Parteien diese Land „Soweit“ gebracht haben!
Ich wüsste nicht, dass die Linken irgendwas unsoziales angerichtet hätten.
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Und Gerechtigkeit in diesem Land?
Sieht die so aus, dass Leute wie zumwinkel mit 20 Millionen Abfindung „bestraft“ werden und eine Angestellte nach 30 Jahren wegen 1,30€ entlassen werden kann??
Ist das GERECHT??
Redet es euch nur ein und wählt sie wieder...... eure SCHLÄCHTER!
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Und natürlich handelt so eine Bananenrepublik. Immer den Reichen und der Wirtschaft gefällig sein..... und bitte behauptet jetzt bloß nicht, dass es anders wäre. Ansonsten bitte Beispiele vom Gegenteil......
Gisella (05.08.2009, 09:20 Uhr)
Er wird
auspacken , da er nichts mehr zu verlieren hat.Und-was dann-Nichts wird geschehen.Geschmiert wird überall-das nennt man nur anders heute.Bonus.
BERTEL23 (04.08.2009, 17:16 Uhr)
As you can see...
In der SAUDI GAZETTE ist heute eine schoene Karikatur mit dem Titel "As you can, we are allways open for business" auf der Titelseite. Zum besseren Verstaendnis der Mentalitaet der Voelker mit denen Schreiber Geschaefte vemittelt hat und Arbeitsplaetze in Deutschland gesichert hat.
Sehenswert:
As you can see...http://www.saudigazette.com.sa/
olga1805 (04.08.2009, 17:14 Uhr)
Kommentieren Sie diesen Artikel . . .
Ihr seid gut, so schnell wie Ihr löscht kann ich nicht schreiben. Was soll`s. §1 Der STERN hat immer recht ! §2 Sollte der STERN einmal nicht recht haben, kommt eigentlich nie vor, tritt automatisch §1 in Kraft. Noch Fragen Ihr Admins ?
tepes (04.08.2009, 16:31 Uhr)
@Administrator
sie widersprechen sich immer mehr! Und anscheind bin ich nicht der einzige, dem es aufällt. Aber es ist ja euer Gutes Recht, dass zu löschen, was euch nicht gefällt, den das ist ein privates unternehmen, wie ein User mal kommentiert hat. Was mich nur ärgert, dass Ihr den Vorwand der Beleidigung oder sonstiges vorhält, während es ersichtlich ist, dass bei anderen Kommentare(die auch beleidigend oder gegen andere Regel verstößen) nicht gelöscht werden.
Und da ich bekanntlich von euch keine Antwort bekomme(z.B. gestern)habe ich damit wahrscheinlich gar nicht mal so unrecht.
BERTEL23 (04.08.2009, 15:52 Uhr)
@ADMINs
Vieleicht sollte man fuer bestimmte Faelle so etwas wie eine "BADBANK" einfuehren!
Ich meine dem Sinn nach "BADCOMMENT"!
Da koenne sich solche illustren Wesen in Ihrer eigenen Gruppe beharken.
(info fuer Malt: Soll ein Scherz sein; nicht das Sie gleich Amok laufen)
lazarus06 (04.08.2009, 15:37 Uhr)
Mir scheint das Problem bei der gefühlten und auch tatsächlichen Ohnmacht zu liegen
Seien sie einmal ehlich,Herr Kohl sagt : Ich sach nix ! Das reicht und er kommt mit 300.000 Mark "Strafe " davon.Es geht um S C H W A R Z gezahlte Gelder auf N I C H T G E F Ü H R T E Konten...Sicherlich nicht selbstlos sondern auf Grund von ...Keine Ahnung,Menschenfreundlichkeit!? Es wurde wissendlich die Unwahrheit gesagt. Beim Normalbürger ist das BESTECHUNG, SCHWARZGELD , STEUERHINTERZIEHUNG, UN/EIDLICHE FALSCHAUSSAGE u.s.w.Herr Leisler Kiep,räumt unregelmäßigkeiten ein..Geldstrafe ;-).Her Schäuble,räumt ein er könnte Geld entgeggenommen haben,kann sich nicht oder nur schwer erinnern,was dan mit dem Geldkoffer passiert ist,vieleicht die Sekretärin ??!..wir sprechen von Mio.im Koffer nicht von einer Schachtel Zigeretten und dem Mann der wenn es um andere geht gerne die Rektale Mandeluntersuchung verwirklicht hätte..den es ist niemandem zu trauen und wer nichts zu verbergen und reinen Gewissens ist ...naja sie kennen den Rest. Die Liste ließe sich wie immer ins unerträgliche verlängern. Und dann liest der Normalo,bespitzelung in den Firmen,Kündigung wegen einem 1,30€ Bon oder einem Sperrmüllteil ( ein türkischer Vater hat einen Laufstall für's Kind mit Heim genommen der als Sperrmüll eigentlich entsorgt hätte werden müssen) Wo soll der Normalbürgen hin mit seinem Zorn ? Zur Wahl...?
Malt (04.08.2009, 15:05 Uhr)
@BERTEL23
Ach, jetzt schreibe ich schon in einem restringierten Code (für die Admins: Das soll suggerieren, dass ich der Meinung Bertel23s nach einer bildungsfernen Schicht angehören würde) während Sie natürlich nur sachlich-argumentativ und ausschließlich themenbezogen kommentieren? Tatsächlich frage ich mich, ob Sie sich über die Definition eines Pamphlets überhaupt im Klaren sind und dazu fähig sind hier ein Beispiel anzuführen. Sakastisch-Ironisch bisweilen zynisch okay, aber Pamphlet (was ja Polemik voraussetzt) - nö! Denn WENN Sie meine Kommentare gelesen HÄTTEN (was im Nachhinein wohl eher schwierig sein dürfte, da die meisten ja gelöscht wurden), dann wäre Ihnen wohl aufgefallen, dass ich keineswegs ständig den Konflikt suche sondern lediglich, im Gegensatz zu Ihnen, auf das jeweilige Thema reagiere.
Ach ja, und weil Ihnen doch Zitate aus Großmutters Zeit so gut gefallen habe ich da auch noch eines, und zwar extra für Sie: Selbst wenn man Scheiße in Seide verpackt bleibt's trotzdem Scheiße. In diesem Sinne: Schreiben SIE doch mal was ZUM THEMA und hören endlich, endlich auf ständig die Kommentare anderer Kommentatoren zu kommentieren... denn zu IHRER Meinung habe ich Sie, soweit ich weiß, nicht gefragt... da interessiert mich eher die einer weiß gekalkten Wand.
Knuffiman (04.08.2009, 15:03 Uhr)
@Malt
ist wie in der politik. worte schön verpacken, aber hintenrum das gegenteil behaupten und dann anders machen. kriegen sie bestimmt hin
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