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5. September 2005, 11:51 Uhr

Fraktionszwang nach dem TV-Duell

Das Fernsehduell zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder kennt nur Sieger: Die Opposition feiert die Herausforderin, und sagt, Schröder befände sich auf Abschiedstour. SPD und Grüne erklären ihren Kanzler zum Matchwinner.

Der Verlierer ist der andere: Angela Merkel und Gerhard Schröder während des Fernseh-Duells© Wolfgang Kumm/DPA

Nach dem Fernsehduell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Herausforderin Angela Merkel haben beide Seiten den Sieg für sich reklamiert. SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter erklärte, Schröder habe das Streitgespräch klar für sich entschieden und der SPD damit "Rückenwind für die Aufholjagd" im Wahlkampf geliefert. CDU-Generalsekretär Volker Kauder meinte, das Duell habe "die Kanzlerin von Deutschland" gezeigt. Benneter warf Merkel vor, sie habe eine kalte Vorstellung geliefert. "Sie täuscht und taktiert." Die unsozialen Folgen der Pläne ihres Schattenfinanzministers Paul Kirchhof wie eine "Kopfsteuer" von 25 Prozent und die Abschaffung der solidarischen Rente habe sie verschwiegen. Sein CDU-Kollege Kauder warf Schröder im Gegenzug vor, er habe sich als Regierungschef "auf Abschiedstour" präsentiert.

Auch der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sah die Unions-Kanzlerkandidatin als Siegerin des TV-Duells. "Sie hat mit Kompetenz und Schlagfertigkeit klar gepunktet", sagte Stoiber in München. Merkel sei in die Offensive gegangen und habe ein klares Bild von der Zukunft Deutschlands entworfen. Schröder habe dagegen kaum einen Gedanken über die Zukunft Deutschlands vorgestellt, dafür aber umso mehr über die Vergangenheit geredet. "Bei Schröder wurde deutlich, dass er Abschied nimmt", sagte Stoiber.

SPD-Chef Franz Müntefering wertete Schröders Auftritt als "Schub für den Wahlkampf". Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erklärte, Schröder habe souverän agiert und die Widersprüche in der Union aufgezeigt. Becks Parteifreund und brandenburgischer Ministerpräsident Matthias Platzeck wertete Schröders Auftritt als Signal für eine erfolgreiche Aufholjagd der SPD. Beck zeigte sich überzeugt, dass Schröder bei dem TV-Duell viele noch unentschlossene Wähler für die SPD habe gewinnen können. Platzeck erklärte, Schröder habe den Finanzexperten im Wahlkampfteam Merkels, Paul Kirchhof, entzaubert.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte, Schröder habe sich als handlungsfähiger Staatsmann präsentiert und widerlegt, dass Rot-Grün gescheitert sei. Aus Sicht des saarländischen SPD-Landeschefs Heiko Maas hat Schröder klare Perspektiven aufgezeigt, Merkel indes sei auffällig unpräzise und wolkig geblieben. Auch Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nannte Schröder überzeugend, während Merkel das Land erneut schlecht geredet habe. Der bayerische SPD-Landesvorsitzende Ludwig Stiegler sieht die Sozialdemokraten nach dem TV-Duell im Aufwind. Schröder sei ein starker, überzeugender und gelassener Kanzler gewesen, Merkel eine schmallippige Herausforderin, sagte Stiegler am Montag. Schröder habe der SPD Mut gemacht und Kraft gegeben. "Mit Gerhard Schröder werden wir gewinnen", sagte Stiegler.

Koalitionspartner zufrieden

Auch FDP und Grüne zeigten sich zufrieden mit dem Abschneiden ihrer Favoriten. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle sagte Reuters TV, es habe einen klaren Punktsieg für Merkel gegeben. "Und das ist für die Herausforderin weiß Gott eine sehr stattliche Leistung." FDP-Generalsekretär Dirk Niebel bilanzierte dagegen: "Das war die letzte Gerd-Show." Grünen-Chef Reinhard Bütikofer lobte, dass Schröder "einen schönen grünen Faden gesponnen" habe. Die Grünen-Fraktionschefin Krista Sager hat den Auftritt von Bundeskanzler Gerhard Schröder beim TV-Duell gelobt. Schröder sei sympathisch gewesen und habe klare Botschaften gesetzt, sagte die Grünen-Politikerin der "Berliner Zeitung". Dabei habe er auch grüne Ziele etwa in der Umweltpolitik vertreten. "Das wird auch den Grünen nützen", erklärte Sager.

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DPA/AP/Reuters
 
 
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