Spionagekanal in der Ostsee?

13. Februar 2008, 21:57 Uhr

Gerhard Schröders Firma Nordstream kommt mit ihrer geplanten Pipeline durch die Ostsee immer mehr unter Beschuss: In dem Antrag fehlten zentrale Informationen. Außerdem könne die Gasröhre zur Spionage genutzt werden. Nordstream dementiert die Vorwürfe. Von Hans-Martin Tillack

Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses bei Nordstream©

Vorn am Strand beugt der scharfe Westwind die Kiefern. Hinten dräuen die riesigen Blöcke des stillgelegten Greifswalder Atomkraftwerks. Im Auslaufkanal zur Ostsee ankern drei Boote der Bundespolizei. Schön ist der Lubminer Industriehafen nicht, aber gut bewacht.

Ziemlich genau vor dem zweistöckigen Polizeistützpunkt soll sie in zwei Jahren aus dem Meer auftauchen: Die 1220 Kilometer lange Pipeline durch die Ostsee, mit der der russische Staatskonzern Gazprom Erdgas nach Deutschland pumpen will. Den "Standort Gasübergabestelle Ostseepipeline" kündigt ein Schild heute schon an. Das Projekt ist im armen Vorpommern willkommen. Schließlich gehe es um einen guten Zweck: Der Versorgung Westeuropas mit Energie.

"Ich kann nicht finden, was daran schlecht sein soll," sagt jedenfalls Ex-Kanzler Gerhard Schröder, den Gazprom als Vorsitzenden des Aktionärsausschusses der Pipeline-Gesellschaft Nordstream nominiert hat.

Unangenehme Fragen und wachsender Widerstand

Doch jetzt tauchen Fragen auf. Fragen, die auch für Schröder unangenehm werden können. Es wirkt, als verschleierte die Gazprom-Tochter Nordstream brisante Details des Projektes. Es geht um ein Glasfaserkabel entlang der Pipeline - ein Kabel, das laut Nordstream überhaupt nicht geplant ist, obwohl die Experten unisono sagen, dass es für die Pipelinekontrolle unverzichtbar ist. Und es geht um einen angeblich möglichen Missbrauch der Gasröhre für Spionagezwecke.

Weil die Antragsunterlagen "zentrale" Fragen etwa zur Umweltverträglichkeit der Pipeline offen ließen, hat sich der schwedische Umweltminister Andreas Carlgren sogar rundheraus geweigert, die Genemigungsprozedur fortzusetzen. Erst müsse Nordstream nachliefern.

Der Widerstand gegen die Gastrasse wächst ohnehin schon von Tag zu Tag. Erst sperrten die Esten ihre Gewässer, jetzt wehren sich auch die Finnen gegen den Pipelinebau vor ihrer Küste. Die meisten Schweden sind sowieso gegen das Vorhaben. Dabei hat die im Schweizer Steuerparadies Zug residierende Aktiengesellschaft Nordstream laut Selbstdarstellung nur die allerbesten Absichten. In Sachen "Transparenz" setze man "neue Massstäbe", versicherte ein Firmenmanager dieser Tage im EU-Parlament.

Technische Beschreibung mit Lücken

In Wahrheit hat die Offenheit bei der Schröder-Firma offenbar Grenzen. Stern.de liegt die "technische Beschreibung" der Pipeline vor, die Nordstream kurz vor Weihnachten bei den schwedischen Behörden einreichte. Dort finden sich merkwürdige Lücken - und die betreffen besonders das sensible Thema der Überwachungssysteme. "24 Stunden am Tag" werde die Röhre kontrolliert, verspricht Nordstream dort. Die "Überwachungsfunktionen und Absperranordnungen" seien "von hoher Qualität", versichert die Firma in den Antragsunterlagen. Doch Details der Überwachungstechnik verrät das Unternehmen in den Antragspapieren nicht - nur soviel: Alle Daten würden sowohl in Moskau wie in einem zentralen Kontrollraum zusammenfließen, der "vermutlich" am Nordstream-Sitz im schweizerischen Zug eingerichtet werde.

"Das ist ziemlich vage - oder sogar sehr", sagte ein schwedischer Ministerialbeamter zu stern.de.

Strittiges Glasfaserkabel

Nordstream will nun "Detailfragen" mit den Behörden besprechen - aber von einem Kabel will die Firma nichts wissen. Normalerweise werden entlang von Pipelines stets Glasfaserkabel verlegt, die Informationen über Druck und Gasfluss blitzschnell an die Kontrollzentren weiter leiten. Doch Nordstream beteuert, ein Kabel sei "weder technisch notwendig noch geplant" - ja unter Wasser gar "nicht möglich", behauptet die Firmensprecherin Maud Amelie Hanitzsch.

Fachleute schütteln über solche Aussagen den Kopf. "Eine solche Leitung hat immer ein Begleitkabel", sagt der Hannoveraner Ingenieur Manfred Veenker. "Man braucht ein Glasfaserkabel, um Lecks zu lokalisieren", bestätigt Roberto Walder von der schweizer Firma Smartec.

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
hevosenkuva (14.02.2008, 14:07 Uhr)
Alles lupenreine Vollprofis
Den Laden sollte man dichtmachen.
flashback02 (14.02.2008, 11:52 Uhr)
Dummes Geschwätz
Ich möchte mich der Meinung von RomanTicker anschliessen. Daten sicher zu übertragen ist heutzutage dank hochsicheren Verschlüsselungsalgorithmen kein Problem. Wer es nicht glaubt, möge sich bitte selbst schlau machen, im Internet wird man tausende von Seiten zu dieser Thematik finden. Warum also wird dieses Thema so aufgebauscht? Welche Interessen stecken dahinter? Mal Gedanken machen, bitte. Hinzufügen möchte ich noch, dass Deutschlands Datenverkehr mittels Echelon von England und USA seit vielen Jahren abgehört wird, in England es sogar juristisch abgesegnet ist, "zum Wohle des Landes" Daten auszuspionieren. Also man mag von Russland halten was man will, andere Nationen sind auch nicht besser. Dieses Böse-Russen Gequatsche ist Bullshit.
RomanTicker (14.02.2008, 11:19 Uhr)
Was für ein Blödsinn
Ich habe selten einen so hochgespielten Blödsinn gehört. Niemand kann im Ernst glauben, dass solch eine Röhre für Spionagezwecke gebraucht wird. Daten lassen sich schon heute problemlos in hoher Geschwindigkeit übermitteln. Abhören nutzt sowieso nichts, da sensible Daten natürlich verschlüsselt sind. Und was ist das eigentlich für ein blödsinniges Argument, dass man eine Leitung unter Wasser schlecht abhören kann und dass vor allem die USA keinen Zugriff darauf haben. Die Leitung kommt schließlich in Deutschland an und Deutschland ist Bündnispartner der USA. Das ist ein Scheinargument.
Es geht hier um wirtschaftliche Interessen, vor allem seitens der Drittstaaten wie Polen. Die wollen gerne dafür kassieren, dass Gas nach Deutschland fließt und gleichzeitig billig Gas für sich selbst abzapfen. Genau deshalb ist die Ostseepipeline für Deutschland sehr gut!
testsieger2006 (14.02.2008, 10:56 Uhr)
Propaganda
Das ganz sieht mir sehr nach einem von Polen lancierter Artikel aus. Auch braucht Deutschland keinen polnischen Sicherheitsexperten, der Gefahren für unser Land heraufbeschwört. So ein Kabel lässt sich locker kontrollieren. Moderne Funkkommunikation lässt fast ebensolche Datenquantitäten zu. Den Polen und Balten entgehen Durchleitungsgebühren. Deswegen der ganze Zauber. Man stelle sich nur vor, ein Nachbar verlangt die Verlegung neuer Leitungen durch seinen Garten, damit er von Euch eine Durchleitungsgebühr verlangen kann. Schwachsinn. Außerdem sind für mich die Russen berechenbarer als die großmannssüchtigen Polen.
Malt (14.02.2008, 09:19 Uhr)
Nur die besten...
...Absichten soll Nordstream haben. Dasv glaube ich gerne. Die haben die allerbesten Absichten sich selbst die Taschen vollzuschaufeln, allen voran unser Ex-Bundesgerd. Und da unser Gas-Gerd ja ein lupenreiner Kapitalist ist weiß er auch, dass es immer schöner ist, Geld zu "verdienen", für das andere arbeiten müssen und er selbst garnichts dafür tun muss... kein Wunder, dass er jetzt Unverständniss äußert, wenn die frechen Esten und Schweden ihn quasi dazu zwingen, auf seinem Schmiergeldposten jetzt tatsächlich was zu tun. Und er evtl. einen dicken Batzen Geld durch seine korrupten Hände flutschten sieht. Gott sein Dank sind die Schweden und die Esten nicht zu den drei Affen, die unsere Exekutive, Judikative und Legislative stellen. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.
Nursery (14.02.2008, 09:19 Uhr)
Klare Fronten
Es ist Verwunderlich daß sich ein ehem.Bundeskanzler für solche zwielichtige Projekte einspannen läßt.Dabei sind doch die Skandinavier und neuen Bündnisspartner(Polen,Baltikum)die wie Bittsteller auf Informationen dritter angewiesen sind .Es ist zumindest Fraglich, ob nicht mehr Desinformation betrieben wird.Den Russen traue ich alles zu, nur nichts gutes.Es ist auf jedenfall erbärmlich, das sich die Sozis nicht von diesem Akt der "Infarmheit" (Schrödersche Außenpolitik auf Kosten dritter ) zu distanzieren.
vegefranz (14.02.2008, 09:06 Uhr)
russen-gerd ist jenseits von Gut und Böse
Russen-Gerd ist inzwischen jenseits von Gut und Böse. Der Umstand, daß sich ein deutscher EX-Bundeskanzler mit so einem Schmuddelunternehmen verbandelt, ist ein weiterer Beleg für den Abstieg unseres Landes
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