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18. November 2008, 21:29 Uhr

"Ich fühle mich überfordert"

Matthias, 17, ist ein Schüler aus dem jetzt getesteten Pisa-Jahrgang. Er hat mit Ach und Krach den Hauptschulabschluss geschafft. Eigentlich hätte er mehr bringen können, denn Matthias ist normal begabt. Sein Problem: Er ist hyperaktiv und Legastheniker. Und nur ein Bruchteil der deutschen Lehrer weiß, wie man mit Lernstörungen umgeht. Von Ingrid Eißele

Pisa, Schüler, Lernstörung, Legasthenie, Lehrer, Fortbildung

Den meisten Lehrern fällt es schwer, zu unterscheiden, ob ein Schüler unter Legasthenie leidet oder nicht© Armin Weigel/Picture-Alliance

Matthias sitzt am Küchentisch und knipst wütend auf seinem Kugelschreiber herum. Der Lehrer sei "ein Arschloch", sagt er. "Der hat mich auf dem Kieker." Der Kugelschreiber fliegt gegen die Wand. Frühjahr 2008. Matthias steht kurz vor den Abschlussprüfungen an der Hauptschule. "Ich mache gut mit", versichert der Hauptschüler aus einer Gemeinde bei Ulm. "Aber meinem Lehrer kann ich nichts recht machen." Die Mutter sagt, Matthias hasse seinen Klassenlehrer. "Manchmal mag er ihn auch", schiebt sie entschuldigend nach.

Die Version des Klassenlehrers hört sich so an: Matthias sei "deutlich und oft" frech, vorlaut und rechthaberisch. Er beschimpfe Mitschülerinnen und provoziere in letzter Zeit auch noch durch rechtsradikales Gehabe. Dabei sei der Junge durchaus begabt, habe ein "überdurchschnittliches Allgemeinwissen" und arbeite gut mit. "Wenn er will."

Kein seltener Störfall

Matthias ist der Alptraum seiner Lehrer. Er schafft es, den Unterricht lahm zu legen und seine Lehrer an den Rand der Verzweiflung zu treiben. Er leidet am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, kurz ADHS, bekannt als Zappelphilipp-Krankheit und hat zudem eine Leserechtschreibstörung, kurz LRS. Damit ist er ein doppelter, aber keineswegs seltener Störfall im Klassenzimmer.

In fast jeder Klasse sitzen Kinder mit Lernproblemen, die so schwer sind, dass sie sich nicht allein mit Nachhilfe beheben lassen. Fünf Prozent der Schüler haben eine Lese-Rechtschreibstörung sagt Annette Höinghaus vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie. Weitere fünf Prozent leiden an einer Rechenstörung. Bei zehn Prozent der Schulkinder gibt es Hinweise auf ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Sie können sich nicht konzentrieren, werden schnell nervös, vergessen das Erlernte gleich wieder. Doch wie wird ihnen in der Schule geholfen? Selten, sagt Annette Höinghaus, die selbst Mutter von zwei betroffenen Kindern ist: "Die meisten Lehrer machen davor die Augen zu."

"Polizit" statt Polizist

Schon zu Beginn der zweiten Klasse fiel Matthias' Mutter auf, dass sich ihr Sohn an Silben abschuftete, als säße er im Steinbruch. Es fiel ihm schwer, Laute zu unterscheiden und beim Niederschreiben dem richtigen Wortbild zuzuordnen. Noch in der fünften Klasse schrieb er "Polizit" statt Polizist und "Fermilie" statt Familie.

"Ich weiß nicht, woher das kommt", sagt Matthias zuhause am Küchentisch. Tatsächlich forscht die Wissenschaft noch, wie die Sprache im Kopf dieser Kinder verarbeitet wird. Eine neurologische Störung steckt dahinter, so viel steht fest, als deren Ursache ein Gendefekt vermutet wird. Legasthenie gilt als nicht heilbar. Aber mit Geduld und einem speziellen Training lässt sich das Problem bessern.

Mehr Üben half nicht

Mehr Üben, riet die Lehrerin in der Grundschule der Mutter von Matthias. Doch das half nicht. Ganze Nachmittage saß seine Mutter neben dem Achtjährigen und sie paukten Diktate, "bis Tränen flossen, bei ihm und bei mir." Schrieb Matthias ein Wort richtig, hatte er es am nächsten Morgen vergessen. Der Junge leide unter einer Lese-Rechtschreibstörung, fanden die Ärzte am Kinderklinikum in Memmingen heraus, er brauche dringend eine gezielte Fördertherapie.

Doch wie? "Ich habe für jedes Kind pro Schulstunde maximal eine Minute Zeit", beschied die Grundschullehrerin der allein erziehenden Mutter. Wie könne sie da Matthias helfen? Besser wäre es, Matthias ginge auf eine Sonderschule. Verunsichert stimmte seine Mutter zu. "Das war ein Riesenfehler", sagt sie heute. Tatsächlich verbesserte sich Matthias anfangs. Dann aber langweilte er sich. "Das war viel zu leicht für mich", sagt der schlaksige Junge mit der Igelfrisur. "Ich hab nicht da hingepasst, und dann baust du nur noch Scheiße." Matthias, hatten auch die Memminger Ärzte bescheinigt, sei eigentlich kein Kind für die Sonderschule. Doch er blieb. Drei Jahre lang. Und schämte sich. Als der Zweitklässler im Fußballtraining des Dorfvereins gefragt wurde, welche Schule er besuche, kam er nie wieder zum Kicken.

40.000 Schüler scheitern jährlich

Zwar sollte - notorische Forderung der Pisa-Forscher - jedes Kind nach seinem Können maßgeschneidert gefördert werden. Doch tatsächlich sei das Gegenteil der Fall, sagen betroffene Eltern. Der Druck in den Klassenzimmern wächst bei allen Kindern, erst recht bei denen mit einer Lernstörung. Wer das Handwerkszeug nicht beherrscht, fliegt raus, manchmal schon in der zweiten Klasse wie Matthias. Spätestens aber, wenn es in die weiterführende Schule geht. Der Legasthenie-Verband schätzt, dass jedes Jahr etwa 40.000 Kinder mit einer Legasthenie in der Schule scheitern, obwohl sie die Intelligenz hätten, das Abitur zu machen.

Auch der zehnjährige Niklas aus Hildesheim ist Legastheniker - und zugleich hochbegabt. Die Lehrer seien "lieb und nett," sagt seine Mutter, "aber sie verwenden ihre Kraft eher auf die sozialen Störfälle in der Klasse." Das Problem des ruhigen Niklas fiel erst in der dritten Klasse auf, als er immer noch viele Schreibfehler machte, "Delefun" statt Telefon schrieb, ganze Wörter und die Interpunktion vergaß.

Therapeutin soll helfen

Was andere Kinder intuitiv erlernen, muss Niklas pauken. "Er hat kein Sprachgefühl, er muss sich alles logisch über Regeln erschließen", sagt seine Mutter. Weil er in Deutsch die Note vier hatte, bekam er eine Hauptschulempfehlung - Hochbegabung hin oder hier. Doch seine Eltern, sie Erzieherin, er Sozialpädagoge, wollen ihren Sohn nicht auf die Hauptschule schicken. Eine Therapeutin soll Niklas helfen.

Bei Matthias versuchte es der Klassenlehrer an der Hauptschule vor allem mit Ermahnungen. Er fühlte sich mit Matthias "ein bisschen überfordert", räumt er ein. "Das ist Willenssache bei ihm." Spezielle Schreib- und Sprechübungen wären für den Jungen gewiss sinnvoll gewesen, sagt er. Aber die gebe es in den höheren Klassen nicht mehr. In seiner Abschlussklasse, 18 Schüler, sitze auch ein Junge mit einer noch stärkeren Legasthenie, dazu einer mit einer Rechenschwäche und etliche Schüler mit Erziehungsproblemen, erzählt er. "Allen helfen, das wäre ideal, aber dazu hat man einfach nicht die Zeit." Schwierige Diagnose Nur etwa ein Prozent der Lehrer bilde sich fort und könne bei einer Lernstörung wirklich helfen, sagt Annette Höinghaus vom Legasthenieverband. Die Mehrheit der Lehrer fühle sich überfordert, verdränge oder beschönige das Problem. "Man weiß ja nicht genau, was das sein soll, Legasthenie," sagt der Klassenlehrer von Matthias. "Die Diagnose ist schwierig, da können auch andere Faktoren eine Rolle spielen." Angebote zur Fortbildung gebe es schon, "aber die Fahrtzeiten sind zu lang." Er informiere sich aus der Literatur und spreche mit Kollegen.

Viele Lehrer würden den Eltern die Schuld zu schieben, kritisiert Klaus Fritze aus Reutlingen, Vater eines Zwölfjährigen, "weil man angeblich zu wenig vorgelesen hat oder beide Eltern berufstätig sind". Manche halten die Kinder für faul oder unwillig, lassen sie schon mal unter dem Gefeixe der Klasse Vokabeln an die Tafel schreiben.

80 Prozent weniger Fehler

Dabei lässt sich tatsächlich etwas gegen Legasthenie tun. Mindestens drei Programme gelten als wissenschaftlich abgesichert, eins davon wird seit Jahren an Schulen in Mecklenburg-Vorpommern angewandt. Beim Rostocker Lese-Rechtschreibtraining, das der Sprachlehrer Hans-Joachim Kossow entwickelt hat, zerlegen Lehrer und Kinder jedes Wort in seine Bestandteile. Das Programm gilt als sehr effizient: Nach vier Monaten in einer speziellen Trainingsklasse kehren die Kinder in ihre Klassen zurück - und machen fast 80 Prozent weniger Fehler, fanden Forscher der Universität München heraus. Mecklenburg-Vorpommern schickt deshalb einen Teil seiner Lehrer zur Fortbildung, ist damit aber immer noch eine Ausnahme. Weiterbildung ist in den meisten Bundesländern keine Pflicht, wird nicht bezahlt und findet oft samstags oder in den Ferien statt. Keine verlockenden Aussichten für Pädagogen. Nicht jeder Lehrer muss gleich ein Spezialist sein. Oft helfen schon ein gut strukturierter Unterricht und übersichtliche Aufgabenblätter statt einem Haufen Kleingedrucktem, sagt die Hildesheimer Legasthenie-Therapeutin Kerstin von Werder. Vor allem aber helfe: eine "wohlwollende Haltung." Pauker dagegen, die mit "altbackenen Methoden" unterrichteten, hätten weniger Erfolg als solche, die moderne Unterrichtsformen wählten, sagt Ada Sasse, Professorin für Grundschulpädagogik an der Humboldt-Universität Berlin. "Oft," so ihr Fazit, "ist nicht das Kind lernbehindert, sondern der Lehrer lehrbehindert."

Von Ingrid Eißele
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
steinhaus (19.11.2008, 07:47 Uhr)
Schade,
dass mein Artikel irgendwie verschwunden ist. Eines ist klar: es ist wichtig, dass ADS und Schule endlich in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Daher ist es gut, dass Stern dieses Thema aufgegriffen hat. Schön wäre es, wenn Stern auch mal einen Lebensbericht über Betroffene veröffentlichen würde. Es ist nämlich ein harter Kampf, um mit ADS und seinen Folgen klar zu kommen. Die meisten Mitbürger können sich das gar nicht vorstellen.
giangastone (19.11.2008, 07:43 Uhr)
Politik fördert kranke Kinder
Wenn gerade in der Grundschulzeit niemand ist, der den Küken hilft, haben es Kinder schlechter. Aber es ist politisch gewollt kiner zu zeugen, dann an die Kinderkrippe weiterzugeben, dann an die Schule mit Ganztagsbetreuung und irgendwann klappt das System nicht mehr, weil Lehrer Eltern nicht ersetzen können und dürfen. Dann steht eben doch hinter jedem Kind ein Erwachsener:...ein Therapeut! Aber Lehrer-Bashing ist beim STERN besser in Druckerschwärze umzusetzen als der AUfruf an die Leser: schaltet die Glotze ab und kümmert euch um eure Kinder: TÄGLICH, gerade in der ersten Jahren, nicht erst, wenn euch die Probleme über den Kopf wachsen
Eisenbaer (19.11.2008, 07:27 Uhr)
Einzelkämpfer statt Teamplayer
War es denn früher besser in der Schule? Ich kann mich noch erinnern, dass zu meiner Zeit Klassenverbände so um die 40 Schüler samt Frontalunterricht ganz normal waren. Allerdings hatten auch wir Schüler eine ganz andere Grundhaltung: wir wollen lernen, wir hatten Bildungshunger. Und wir haben uns als Klassengemeinschaft gefühlt. Es herrschte zwar auch ein Gefühl von "wir gegen die Lehrer" aber die Rollenverteilung war uns durchaus schon bewußt: das Sagen hatten die Lehrer.

Aber eines war früher grundlegend anders: Wir haben unsere schwächeren Mitschüler mit durchgeschleppt. Wir waren richtige Teamplayer, wir haben keinen hängen gelassen.

Schule spiegelt eben auch immer unsere Gesellschaft wieder: was wir unseren Kindern nicht schon im Kleinkindalter beibringen, wozu wir als Eltern nicht schon im Vorbild taugen, das lernen die Kinder in der Schule nimmer mehr: Nicht nur Rücksicht für sich selbst einfordern, sondern gezielt Schwächere unterstützen.

Dieser Slogan "Das Wir gewinnt" könnte treffender gar nicht formuliert werden.

Aber es ist natürlich wesentlich einfacher sich einen Sündenbock zu suchen, der für die eigenen Unzulänglichkeiten herhalten muss... ;-))
bknark (19.11.2008, 01:50 Uhr)
@tagora-...
natürlich! immer die anderen...
egozentrische argumente, wie sie welche vorbringen, führen zu nichts.
gibt man ihren nickname allerdings einmal bei "google" ein muss man wohl zu dem schluß kommen, dass sie zu nichts als infantiler provokation fähig sind.
tagora-sagittara (19.11.2008, 00:36 Uhr)
Den Nagel auf den Kopf getroffen!!
Wie würde ein Otto-Normalo jetzt sagen!?,... "Den Nagel aufn Kopf getroffen" Frau Eißele.
Genau so ist es,... leider seid eh und je.
In meiner Schulzeit habe ich es so erlebt,... und genauso ist es einem meiner eigenen Kinder passiert.
Das deutsche Bildungssystem ist so wie ich es kennen gelernt habe Sch...
Bei meiner Tochter habe ich das nicht zugelassen. Nachdem offenbar wurde, daß schon die Grundschule genau so zu versagen drohte wie bei meinem Sohn 10 Jahre vorher,... Schule wechseln, Wohnort wechseln,... manchmal Arbeitsstelle wechseln,... ja, das ist kein Witz.
Beim zweiten Versuch hat es dann geklappt. Die Schule hatte einen guten Ruf, die Lehrer waren Top. und meine Tochter kletterte innerhalb eines halben Schuljahrs im Schnitt um zwei Noten besser.
Mit einem Grundschulempfehlung für die Realschule und einem Notelschnit von 2,1 hat sie gewechselt.
Nun im siebten Schuljahr hat sie immer noch einen Schnitt von 3 in allen Fächern... und das mitten in der Pubertät. Als junge unerfahrene Eltern hat das bei unseren 10 Jahre älteren Sohn nicht geklappt. Er hat bis heute mit 24 Jahren und ohne Abschluss immer noch keine Ausbildungsstelle gefunden und resigniert, obwohl er äußerst kreativ ist und laut Psychologischen Gutachten überdurchschnittlich begabt ist... Aber was hilft das wenn das Bildungssysten mies, die Lehrer schlecht ausgebildet und Schulen mies ausgestattet ist... nichts!!
Wenn ich vor 25 Jahren geahnt hätte, was da auf einen zu kommen kann,... ich hätte mich sterilisieren lassen.
Unsere heutige Gesellschaftsform, in der ein Straßenköter einen höhere Achtung genießt als ein Mensch, hat keine Kinder verdient. Diese miese Gesellschaft hat es verdient wie die Dinosaurier auszusterben, weil sie mangels Wille nicht überlebensfähig ist!
bundes-klinsi (18.11.2008, 23:39 Uhr)
@ulschmitz
Sind Sir eigentlich Lehrer?
ulschmitz (18.11.2008, 23:00 Uhr)
ich fühle mich überfordert
komisch, immer mehr schüler haben dieses gefühl - wie das wohl kommen mag?
empfehlung 1: glotze aus dem kinderzimmer
empfehlung 2: arztbesuch, genaue anamnese
empfehlung 3: privatschule
wer pro tag rund 130 schülerInnen sieht und sehen muss, wie er trotz pausenlos geforderter nebendinge das ebenfalls geforderte pensum schafft, wie soll bitte so einer auch noch einen therapeutischen blick für einzelne entwickeln, die z.t. lernstörungen haben, für die es in der forschung noch gar keinen namen gibt? Lehrer DÜRFEN überhaupt keine diagnosen und therapien stellen.
das beispiel des 17jährigen ist ja wohl recht seltsam - 17 (!!); ich kenne 13jährige, die haben ADHS, deren eltern lassen sich scheiden,d eren schwester ritzt usw. usw. - und "trotzdem" liefern sie Topp-leistungen ab.
ansonsten -wie in SPEIGEL, TAZ und ZEIT - gilt auch hier: das (halluzinierte?) beispiel eines "armen schülers" wird gnadenlos instrumentalisiert/missbraucht, um zum 350.000mal zu "beweisen", dass die deutschen lerher schlecht seien.
wenn wir lehrer auch nur annähernd so "schlecht" wären wie ein großteil der heutigen journaille (man vergleiche stil und rechtschreibung selbst in renommiertesten zeitungen / zeitschriften), dann allerdings: "Finis Germaniae!"
aber, zugegegeben, es macht große mühe, alles zu beschreiben, was gut klappt, da nimmt man dann die paar negativ-beispiele, die lassen sich besser skandalisieren und auf dem nächsten elternabend verbraten!
weiter so!
u.S.
Alpenkraxler (18.11.2008, 22:51 Uhr)
Journalistenfrust
Wow, der Stern hat sich ja ganz schön auf die Lehrer eingeschossen in den letzten Wochen und dabei ein Niveau gezeigt wie es seinerzeit die Hetzpropaganda gewisser Revolverblätter hatte. Wie wärs, wenn die lieben Journalisten zur Abwechslung mal die Finger von Themen lassen, von denen sie einen alten Fliegenschiss verstehen? Informiert euch halt mal ordentlich, recherchiert halt mal vernünftig und bleibt sachlich. Seid ihr Journalisten oder Stammtischbauern?
knilch_59 (18.11.2008, 22:47 Uhr)
„Krankheiten“ können kein Schulproblem sein!
Schule und Lehrer sollen und müssen für den mainstream ausgelegt sein. Aber sobald ein Schüler da rausfällt, ist die bisherige Rezeptur, Sitzenbleiben oder niedrigerer Schulabschluss, falsch. Bevor man mit dem Verwaltungsakt der Nichtversetzung oder des Querverweises auf eine andere Schule das Urteil über den Schüler spricht, sollte man sich erst über die Gründe im Klaren sein, die dazu geführt haben. Kein „blauer Brief“ ohne Zweitmeinung, keine Nichtversetzung ohne sozialpädagogische Bewertung und Abwägung der Folgen.
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Schule in der herkömmlichen Form wird das nicht leisten können. Lehrer sind damit überfordert, die sollen sich eben genau darauf konzentrieren, der breiten Masse attraktiven, anspruchsvollen Unterricht zu bieten, anstatt den Animateur für Einzelne zu geben. Schule ist kein Club Aldiana. Eltern haben zu vermitteln, dass Lehrer normalerweise recht haben. Das ist wie im Leben – nur die Wenigsten haben einen Chef ohne größere Marotten, und man kann nicht früh genug lernen, dass man da durch muss.
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Extrem-Legastheniker, Aufmerksamkeitsgestörte und derart Kranke hätten auf einer Regelschule nur Platz, wenn die Schule auch die Mittel hätte, sich darum zu kümmern – personell, räumlich und zeitlich. Bei 25er Klassengröße, nur einer Lehrkraft und 31 Wochenstunden laut Stundentafel funktioniert Integration solcher Defizite nur zufällig. Wenn Legasthenie eine Krankheit ist (wie Blindheit), dann kann man von den Kranken nicht verlangen, sich 1:1 in der Normalwelt zu bewähren. Sie werden das Ziel dann eben anders erreichen müssen. Auch der Zappelphilipp muss die Chance aufs Abi haben, genau wie der Stumme. Bei dem bewertet ja auch niemand die "mündliche Mitarbeit".
mackeldei (18.11.2008, 22:20 Uhr)
Bruchteil
Und nur ein Bruchteil der Journalisten ,von denen übrigens viele gerne Lehrer geworden wären, weiss, wie man einen gescheiten Artikel schreibt.
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