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7. Juni 2010, 15:22 Uhr

Koalition beschließt Rekord-Sparpaket

Es ist der größte Sparhammer in der Geschichte der Bundesrepublik: Die Regierung will den Etat bis 2014 um 80 Milliarden Euro kürzen. Besonders betroffen: der Sozialbereich und die Wirtschaft.

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"Die letzten Stunden waren ein einmaliger Kraftakt": Kanzlerin Angela Merkel mit Außenminister Guido Westerwelle© Lennart Preiss/DDP

Die Bundesregierung will die Ausgaben deutlich stärker zurückfahren als erwartet. Bis 2014 sollen ungefähr 80 Milliarden Euro eingespart werden, damit die finanzielle Zukunft "auf soliden Beinen stehen kann", teilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag nach den zweitägigen Beratungen zum Sparpaket mit. Das Geld solle durch Kürzungen im Sozialbereich hereinkommen, aber auch die Wirtschaft werde beteiligt. Es handelt sich um das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik.

"Ich darf sagen, dass die letzten Stunden schon ein einmaliger Kraftakt waren", sagte Merkel im Beisein von FDP-Chef Guido Westerwelle. Die Koalition sei bis an die Grenzen gegangen. Der Sparkurs sei jedoch alternativlos. "Wir können uns nicht all das, was wir uns wünschen, leisten, wenn wir die Zukunft gestalten wollen."

Westerwelle ergänzte: "Wir haben in den letzten Jahren auch über unsere Verhältnisse gelebt." Jetzt liege eine große Kraftanstrengung vor Deutschland. 2011 seien Einsparungen von je fünf Milliarden Euro vorgesehen, die die Wirtschaft und den Sozialbereich beträfen. Weitere drei Milliarden seien im Bereich Staat und Verwaltung geplant. Dieses Verhältnis ziehe sich bis 2014 durch. Es sei ein ehrgeiziges, umfassendes und solides Sparpaket, sagte der Vizekanzler. Gleichzeitig seien die Einschnitte "ausgewogen und gerecht".

Kürzungen bei Arbeitslosen und beim Elterngeld

Die Regierungspläne sehen besonders starke Einschnitte bei den Sozialleistungen vor. So sollen die Zuschläge für Arbeitslose gestrichen werden und bei Hartz-IV-Empfängern will der Staat die Beiträge zur Rentenversicherung einsparen. Dies soll etwa zwei Milliarden Euro im Jahr bringen.

Beim Elterngeld wird der Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat nicht gesenkt. Allerdings werden künftig nur 65 statt 67 Prozent des Nettoeinkommens als Berechnungsgrundlage genommen. Beziehern von Arbeitslosengeld II wird das Elterngeld komplett gestrichen.

Eine gute Nachricht für die Bürger sei, dass weder die Mehrwertsteuer noch die Einkommensteuer erhöht würden, betonte Westerwelle. Merkel machte deutlich, dass es auch keine Änderungen an den reduzierten Mehrwertsteuersätzen für Nahrungsmittel oder Kultur geben soll. Kuriositäten wie ein ermäßigter Satz auf Rennpferde würden in der von der schwarz-gelben Koalition vereinbarten Kommission gesondert betrachtet. Auch die Rentenhöhe will die Koalition unangetastet lassen.

Für die Bundeswehr kündigte Merkel eine "großangelegte Streitkräftereform" an. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sei beauftragt worden, bis Anfang September zu prüfen, wie die Truppenstärke von derzeit 250.000 Soldaten um 40.000 verkleinert werden könne.

Das Berliner Stadtschloss soll im Zuge der Sparmaßnahmen erst ab 2014 wieder aufgebaut werden. Der Wiederaufbau werde um drei Jahre verschoben, erklärte Merkel. "Wir haben für die Jahre 2011 bis 2013 keine Mittel eingestellt."

Abgabe für Energiekonzerne und Flugpassagiere

Die Koalition will auch die Wirtschaft zur Kasse bitten. Die Atomkonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW müssen künftig eine neue Brennelementesteuer von jährlich 2,3 Milliarden Euro zahlen. Damit soll ein Teil der Zusatzgewinne der Konzerne bei längeren Atomlaufzeiten abgeschöpft werden.

Im Luftverkehr plant die Bundesregierung eine neue Abgabe. Sie soll von allen Passagieren erhoben werden, die von einem deutschen Flughafen starten. Die Koalition will auch die Banken weiter belasten. Spätestens 2012 soll eine neue Abgabe kommen, falls es zuvor in Europa und weltweit keine Lösung gibt. "Wir haben damit eine beträchtliche Beteiligung der Wirtschaft an der Sanierungsaufgabe", sagte Merkel.

Der Staat will beim Sparen mit gutem Beispiel vorangehen. Beim Bund sollen bis einschließlich 2014 bis zu 15.000 Stellen dauerhaft abgebaut werden. Im direkten öffentlichen Dienst des Bundes gibt es 129.000 Beamte und 149.000 Angestellte. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeute eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent.

"Dagegen wird es Riesenproteste geben"

SPD, Linke, Gewerkschaften und Beamte laufen Sturm gegen die Sozialkürzungen. "Jetzt werden die Arbeitnehmer, Rentner und Familien für die Zockerei der Banken zur Kasse gebeten", sagte Linken-Parteichef Klaus Ernst. "Dagegen wird es Riesenproteste geben." Die Grünen kritisierten, die Handschrift der Koalition sei die Kürzung bei den Schwachen. Eine höhere Belastung der Vermögenden in Deutschland scheue Schwarz-Gelb wie der Teufel das Weihwasser.

Die Gewerkschaft Verdi kündigte eine bundesweite Protestwelle an. Die Ärmsten im Land sollen nun die Zeche für die Zockerei der Banken und die falsche Krisenpolitik der Bundesregierung zahlen, hieß es. Der Beamtenbund warnte, der angekündigte Stellenabbau im Öffentlichen Dienst werde fatale Folgen haben. Anstatt ein nachhaltiges Konzept vorzulegen, das Ausgaben- und Einnahmeseite gleichermaßen optimiere, "verfranze" sich die Regierung im "Alibi-Sparen" beim Bundespersonal. Das werde den Staat und seine Bürger teuer zu stehen kommen.

Für den Deutschen Städte- und Gemeindebund sind die Sparbeschlüsse dagegen ein Schritt in die richtige Richtung. "Bei einer Gesamtverschuldung von 1,7 Billionen Euro von Bund, Ländern und Gemeinden müssen wir endlich den Weg aus dem Schuldensumpf finden. Das geht nicht ohne Einschnitte auch im Sozialbereich", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

mad/DPA/Reuters/APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 120)
 
Onzapintada (08.06.2010, 18:29 Uhr)
Westerwelle ist wieder da: "Wir haben in den letzten Jahren auch über unsere Verhältnisse gelebt."
Das ist der Leistungsträger Westerwelle
Der wollt mal eben auf die Schnelle
Seinen mittelreichen Waehlerschaften,
So sagt er, weitre Steuer-Vorteile verschafften.

Doch die staatlichen Kassen sind leer -
Die fünfhundert Milliarden für die Banken
Sprengen grad des Haushalts Schranken,
Und die Bankster wollen noch mehr.

Ein kleines Problem, doch da geht er nicht fehl,
Die Bankster sind die wichtgere Klientel.
Doch er muss zumindest so tun, der Wicht,
Als gings ihm um die Mittelschicht.
Aber das brauchen die Leute nicht merkeln,
Die Bankster wolln schließlich weiterwerkeln.

Und deshalb auch singt er, ein jeder kennts,
Nachdem er eine Zeit ganz ungewöhnlich leise,
Jetzt wieder zurück, seine alte Weise,
Hält Reden von spaet-röm?scher Dekadenz
Des Arbeitslosen Luxuslebens ?
Von den reichen Eliten abzulenken.
Den Unsinn solltn wir uns eigentlich schenken ?
Denn hier sucht man Vernunft vergebens.

Zum Schneeschippen in einer Euro-Stelle
Verdonnern wollt er sie, dass sie was tun.
Das klappt nicht ganz - was macht er nun?
Da schwimmen seine Felle
Die Weser runter von der Hartzer Quelle.

Der Guido folgt Marie-Antoinette,
Der Königin von Frankreichs Ancien Régime.
Diese Trägrin der Leistung meinte ganz kess,
Dass der, wer da hätte kein Brot zu ess,
Doch Kuchen esse, auf dass es schmecke ihm.
Der Westi findets alles ganz nett.

Er ist ein Teil von jener Kraft,
Die stets den Rückschritt will,
Und doch nur Dekadenz und Chaos schafft.
Papayu (08.06.2010, 08:48 Uhr)
Armes Deutschland,
wird noch aermer und das nur weil
UNFAEHIGE UND HOCHTRABENDEN NACH NOCH MEHR GELD FUER SICH SCHIELEN.
Gabs da nicht einmal die Idee, die Diaeten- warum eigentlich diese Bezeichnung- soll doch zum Schlankwerden verhelfen- um 10% zu kuerzen????
Noch sind die Renten sicher, erinnern Sie sich an den Clown?? Bei mir fand schon eine Rentenkuerzung um 17 % statt durch den Verfall des Euros.
Warum gibt es eigentlich keine Mindestrente und keine Hoechstrente????
ZumWinkel nahm 40 Millionen Euro mit, sein Rentenanteil. Frage wie kommt man zu dieser Summe???
Mindestrente 1500 Euro, dann brauchen die Alten nicht wegen jeder Zuzahlung zur
Zahlstelle reisen, ja reisen, denn ein Auto ist nicht drin. Ausserdem koennte man Personal einsparen.
Schickt Merkel in Rente, am besten an einen See zum Fischefangen. Dauernd zeigt sie dem Volk, wie kapital der Hecht war.Und den anderen Dauergrinser zur Zahnpastareklame. Lobbyist der Hersteller?
Ravenheart (08.06.2010, 08:46 Uhr)
Vielleicht sollten die ganzen Politiker mal als erstes an ihren Diäten sparen! Auch deren überhöhte Rantenansprüche sollten auf die der normalen Bundesbürger runtergeschraubt werde, denn was rechtfertigt diese Summen? Das sie unser Land und dessen Bürger an die Wand fahren?
Alles etwas krank und ich hoffe, das diese hohle Merkel bald mal abgewählt wird! Die ist sowas von dumm und lässt sich von allen Anderen zu sehr beeinflussen,
kabelmann (08.06.2010, 08:27 Uhr)
Ich bin begeistert...
....wie hier die Automatismen funktionieren. Sind diejenigen, die hier auf "die Sozialisten" eindreschen eigentlich gleichzeitig auch die, die von diesen "Maßnahmen" nicht betroffen sind?

Ungeachtet von "linken", "kommunistischen" oder weiß ich für komischen Tendenzen scheint sich dieser Block des "Bildungsbürgertums" wohl nicht ganz bewusst zu sein, dass ein System, welches von Massenproduktion lebt, nicht wirklich ohne Masseneinkommen funktioniert. Da kann man noch so sehr auf die bösen Linken eindreschen, es ist nunmal fakt, dass die Kanzlerin hier fröhlich dem kompletten System das Wasser abgräbt und so ziemlich jedes Problem, welches sie zu lösen gedenkt in den nächsten Jahren erheblich verschärfen wird.

Ich habs schonmal gesagt. Unsere Kanzlerin ist ebenso wie ihre lustige Jubel-Jubel-Freu Partei und unser Außenirgendwas viel zu borniert um festzustellen, dass sie alle die ganze Zeit nur einer ziemlich bescheuerten Ideologie hinterherrennen. Mit schönen Parolen, mit Ritualen und alledem. Es fehlen nur die Fähnchen und die Umzüge, dann kann die Elitekaste endlich den "Wir lieben den Marktradikalismus" Tag feiern.
pplamat (08.06.2010, 07:00 Uhr)
Wo bleibt die Beteiligung der Vermögenden?
Es ist doch unübersehbar, wie die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgegangen ist. Dies wird nun mit so einem Sparpaket nur noch verschärft. Die Vermögen sollen natürlich wie bisher ihre Rendite erzielen, was die Vermögen nur weiter wachsen lässt, die Folge ist doch geradezu ein Teufelskreis.
Achja, ich vergaß, das nennt man heute Globalisierung. Ohne eine gewisse Abschöpfung bei den Vermögen führt uns das aber in den Abgrund.
Wo bleibt die längst überfällige Vermögenssteuer? Ich meine dies durchaus ernst und nicht nur im Zuge der Neiddiskussion. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die am unteren Rand stehen, ich habe aber sehr großes Interesse daran, dass der soziale Frieden bestehen bleibt und ich in Deutschland auch um Mitternacht im Zentrum der großen Städte gefahrlos zu Fuß unterwegs sein kann. Wollen sich die Vermögenden auch bei uns irgendwann einmauern wie anderswo?
Matrosenaufstand (08.06.2010, 06:46 Uhr)
Jericho, nehmen sie mal den roten Schal aus dem Mund
Matrosenaufstand (08.06.2010, 06:44 Uhr)
von welche Sozialisten redet der Mann denn dort drunten und dann hätte ich den Mann dort drunten auch gerne gefragt was das für sOzialisten sein sollen die tatenlos zusehen wie ein Arbeitsplatz nach dem anderen flöten geht, aber das kann mir der Mann dort unten ahrscheinlich nicht sagen, erwird höchtens sagen, die Leute sind doch selber schuld wenn sie entlassen werden, vielleicht wird er mir sogar erzählen, dass er in seinem Leben nie entlassen wurde und wer nicht entlassen werden will, der wird auch nicht entlassen, das könnte der Typ da unten auch noch sagen und trotzdem, was für Sozialisten könnte er meinen? Spricht er ernsthaft von der SPD, das sind seit 1914 keine Freunde der Menschen mehr
Heinerich (08.06.2010, 01:59 Uhr)
Ganz einfache Frage:
Warum ist denen das vorher nicht eingefallen?
Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Mutti sich auch die Renten vornimmt.
Man muss dass nur gut verkaufen.

Warum sparen die nicht einmal an sich selbst ?
aretana (08.06.2010, 00:06 Uhr)
Das Schlimme an dieser Regierung
ist unter anderem, dass sie die Bürger für dämlich hält.

Sicher ist, dass dem kleinen Mann das wenige Geld aus der Tasche geraubt wird, während man sich selber noch schnell eine Gehaltserhöhung gönnt.
Alle anderen angedachten Kürzungen sind doch Augenwischerei. Wenn ich schon höre: wir werden dafür kämpfen, dass....
stellen sich mir die Nackenhaare hoch, weil ich genau weiss, das wird nie was.

Diese Regierung ist für unsere Kinder eine Katastrophe, und für den heutigen Normalverdiener auch.

Skillet4 (07.06.2010, 23:35 Uhr)
Glauben Sie wirklich,
dass Sie das Land mit solchen Schritten wieder auf Vordermann bringen @ Jericho?
Bei den Armen sparen, denen Sie ja selbst keine Chance mehr einräumen, wie Ihre Bedenken hinsichtlich der Einstellung der Rentenversicherung bei dieser Gruppe aufzeigen?
Hier geht es doch nur um Symbolpolitik für eine bestimmte Kundschaft, Effekthascherei, um die wahren Probleme zu verschleiern.

Imponiert hätte mir ein strukturell und damit auch sozial ausgewogenes Sparpaket, unter dem Motto, dass starke Schultern auch nach ihren Kräften ihren Teil beizutragen haben.
Ich kann in der Hinsicht leider nichts erkennen, und deshalb erscheint mir diese Politik auch unglaubwürdig.

Entschuldigung, aber als Fazit bleibt:
Die wollen doch gar nicht sparen.
Die wollen doch nur so tun, als würden sie sparen.
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