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15. Januar 2010, 08:16 Uhr

Berlin schafft im Sommer die Hauptschule ab

Berlin schafft im Sommer seine Hauptschulen ab. Das Abgeordnetenhaus beschloss die Reform am Donnerstag mit den Stimmen von SPD und Linken. Haupt-, Real- und Gesamtschulen werden zu sogenannten Sekundarschulen zusammengefasst.

Ein Jahr hat das Land Berlin über seine Schulen gestritten, nun ist es beschlossen. Die Hauptstadt schafft im Sommer ihre Hauptschulen ab. Das Abgeordnetenhaus beschloss die Reform am Donnerstag mit den Stimmen von SPD und Linken. Haupt-, Real- und Gesamtschulen werden zu sogenannten Sekundarschulen zusammengefasst. Sie bilden neben dem Gymnasium dann die einzige weiterführende Schulform nach der sechsjährigen Grundschule. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) versprach den Schülern mehr Chancengleichheit und den Schulen mehr Eigenverantwortung. "Dies ist das Ende der Zwangsbeglückung von Schulen, es ist das Entlassen in Verantwortung und Freiheit."

Der Linken-Bildungspolitiker Steffen Zillich sagte: "Das Stigma "Du bist Hauptschüler" wird es nicht mehr geben." Die CDU warf dem Senat dagegen vor, unterschiedliche Schüler ideenlos nebeneinander zu setzen. "Ihnen ist es lieber: Alle sind etwas schlechter, aber dafür gleich", sagte der CDU-Bildungspolitiker Sascha Steuer. Gymnasien würden benachteiligt.

Die Koalition verwies auf das schwarz-grün regierte Hamburg, das ebenfalls auf ein zweigliedriges Schulsystem umstellen will. Ähnlich wie dort geplant können Berliner Schüler künftig in beiden Schulformen das Abitur erreichen - auf dem Gymnasium nach 12 Jahren, in der Sekundarschule überwiegend nach 13 Jahren.

Teile der Reform sind besonders umstritten. Über bis zu 30 Prozent der Plätze an begehrten Gymnasien und Sekundarschulen entscheidet künftig das Los. Das soll die von der Linken geforderten soziale Durchmischung der Gymnasien gewährleisten. Im Bundestagswahlkampf hatte selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Losverfahren kritisiert.

DPA
KOMMENTARE (3 von 3)
 
knackebusch (15.01.2010, 12:20 Uhr)
Chaoten
Der erste Schritt ins Chaos, ausgerechnet auf dem Rücken der Kinder. Die Linken werden Berlin schon schaffen.
Dummschwaetzer (15.01.2010, 10:33 Uhr)
Es wird ja mal langsam Zeit...
endlich wird mal die Annahme abgelegt, dass Lernen nur in homogenen Lerngruppen erfolgreich funktioniert. Lange genug haben sich Deutsche Leherer darüber beschwärt, dass die Schüler zu unterschiedlich sind um sie erfolgreich Unterrichten zu können. PISA zeigte bereits, das es nicht die Länder sind, in denen alle Schüler einer Klasse die gleichen Lernvorraussetzungen haben, die die klügsten Köpfe aus den Schulen entlassen, sondern das es genau die sind, die Kinder aus den verschiedensten sozialen Schichten und mit dem unterschiedlichsten Vorwissen gemeinsam unterrichten.
Nun wird es endlich zwingend, das ein Lehrer sich auch mit "schwierigen" Schülern befassen muss und sie nicht einfach in eine tiefere Bildungseinrichtung abschieben kann.
Verabschieden wir uns also endlich vom Geist der homogenen Klassen und befassen wir uns endlich mal individuellen Personen und nicht nur mit Subjekten, auf die wir unsere Lehrkonzepte aus den Bildungswissenschaften anwenden können.
Ich hoffe das noch andre Länder auf diesem Wege Folgen werden, wir sind auf dem richtigen Weg...
Gernspieler (15.01.2010, 09:54 Uhr)
Abschaffen alleine reicht nicht!
Obwohl ich mich dem linken Lager zugehörig fühle, finde ich das alleinige Abschaffen der Hauptschule für bedenklich, wenn keine weiteren Maßnahmen durchgeführt werden. So wie sich jahrzehntelang der Ausdruck "Hilfsschule" bei Eltern gehalten hat, obwohl diese Schule bereits "Sonder-Schule" oder "Schule für Lernhilfe" usw genannt worden ist, so wird sich auch der Begriff "Due bist Hauptschüler" halten, egal wo dieser Hauptschüler sitzt. Denn davon, dass er nicht mehr in der "hauptschule" sitzt, wird er nicht schlauer oder lernwilliger. Vielmehr stört er nun u.U. eine Klasse mit lernwilligen Schülern derart, dass bildungsinteressierte Eltern sich bald beschweren werden, weil das Lernniveau sinken wird. Habe das alles schon leidlich in der Grundschule erleben müssen. Jede Schule, sogar kleine Dorfschulen, benötigen heute einen dort fest angestellten Sozialarbeiter und Sonderpädagogen, der dauer-störende Kinder aus der Klasse herausnehmen kann, um zu versuchen, an sie in Kleingruppen heranzukommen, um deren Defizite zu beseitigen. Was man heute noch an bürokratischen Aufwand betreiben muss, um Dauer-Störer aus dem Unterricht zu enfernen, damit Unterricht überhaupt wieder möglich wird, ist unglaublich und nur mit großem Extra-aufwand zu erledigen. Schulleiter müssten einen extra Schulrechts-Lehrgang besuchen, weil oftmals von Elternseite ein Anwalt eingeschaltet wird, der natürlich akribisch darauf achtet, dass die Schulleitung die Ordnungsmaßnahmen rechtlich einwandfrei abgewickelt hat. Der eigentliche padagogische Auftrag der Arbeit mit den Kindern tritt dabei ganz in den Hintergrund.
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