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19. Oktober 2009, 16:15 Uhr

Arbeitslosenbeitrag soll nur bis drei Prozent steigen

Weil die Arbeitslosenzahlen steigen werden, verhagelt es der Bundesanstalt für Arbeit die Bilanz. Der Arbeistlosenbeitrag soll dennoch nicht auf mehr als drei Prozent steigen. Darauf haben sich CDU, CSU und FDP nach stern.de-Informationen geeinigt. Von Andreas Hoffmann

Sozialkassen, Zuschüsse, Arbeitslosenversicherung

Milliardenzuschüsse vom Bund: Bundesagentur für Arbeit© Sebastian Willnow/ddp

Die schwarz-gelbe Koalition will offenbar nicht den Arbeitslosenbeitrag erhöhen. Wie stern.de aus hochrangigen Koalitionskreisen erfahren hat, soll das Defizit bei der Bundesagentur für Arbeit durch einen Milliardenzuschuss des Bundes ausgeglichen werden. "Wir können doch nicht einseitig die Arbeitnehmer für die Folgen der Finanzkrise haften lassen", hieß es. Deswegen sei es verfehlt, den Beitrag anzuheben. Dadurch würden auch die Arbeitskosten steigen, was in der Krise zusätzliche Arbeitsplätze kosten würde.

Bislang ist geplant den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung Anfang des Jahres 2011 von derzeit 2,8 auf 3,0 Prozent des Bruttolohns anzuheben. In den letzten Tagen war jedoch spekuliert worden, dass die neue Regierung den Satz stärker anheben könnte. Die Arbeitslosenversicherung leidet besonders unter der Wirtschaftskrise. Im ersten Halbjahr verzeichnete sie ein Defizit von zehn Milliarden Euro, spätestens gegen Ende des Jahres dürfte ihr Finanzpolster von 16 Milliarden Euro aufgebraucht sein. Im kommenden Jahr benötigt sie deshalb ein Darlehen von 15 bis 20 Milliarden Euro. Bis 2013 könnten weitere 30 Milliarden Euro fällig werden. Das Darlehen für das nächste Jahr will die neue Regierung nun offenbar in einen Zuschuss umwandeln. Damit kommt Schwarz-Gelb einer Forderung der Gewerkschaften entgegen. Sie hatten zuletzt Bundeshilfen verlangt, damit die Arbeitnehmer nicht allein die Folgen der Finanzkrise schultern sollen.

Die Finanznot der Arbeitslosenversicherung hat die Große Koalition allerdings auch teilweise selbst verschuldet. So senkte sie zum Jahresbeginn den Arbeitslosenbeitrag um 0,5 Prozentpunkte ab, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt die Krise längst abgezeichnet hatte. Allein dies führte dazu, dass die Bundesagentur nur noch 11, 1 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2009 einnahm - ein Siebtel weniger als vor einem Jahr.

Eventuell auch Zuschuss für Kassen

Für die gesetzliche Krankenversicherung könnten ebenfalls zusätzliche Staatsgelder fließen. Der Unionsfraktionsvorsitzende Volker Kauder kündigte im ZDF an, dass der Staat den Krankenkassen mit weiteren Mitteln helfen könnte. Allerdings erhalten die Kassen schon in diesem Jahr über elf Milliarden Euro als Bundeszuschuss. Wie es in Koalitionskreisen heißt, prüfe man diesen Zuschuss einmalig auf 19 Milliarden Euro aufzustocken. Im nächsten Jahr droht den gesetzlichen Kassen ein Defizit von 7,5 Milliarden Euro. Grund dafür ist, dass die Kassen aufgrund der Wirtschaftskrise weniger Beiträge einnehmen. Allerdings hat die schwarz-rote Koalition auch die Ausgaben für Ärzte und Kliniken zuletzt stark erhöht. Allein die niedergelassenen Ärzte erhalten in den Jahren 2008 und 2009 gut 3,5 Milliarden Euro mehr.

Das Geld für die neuen Bundeszuschüsse will die Koalition möglicherweise über einen dritten Nachtragshaushalt bereitstellen. Dies ist haushaltstechnisch allerdings nicht ganz einfach. Eventuell greift die Regierung daher auf den Investitions- und Tilgungsfonds zurück, den die alte Regierung mit dem zweiten Konjunkturpaket vereinbart hat. Aus diesem Sondervermögen werden für 2009 und 2010 rund 20 Milliarden Euro für die Abwrackprämie und Investitionen aufgebracht. Allerdings ist aus dem Finanztopf in diesem Jahr weniger abgeflossen als geplant war. Diese Mittel könnten entsprechend umgewidmet werden, hieß es.

Von Andreas Hoffmann
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
n8g8 (20.10.2009, 17:36 Uhr)
Ach, 3 Prozent?
Ich dachte nach den Versprechungen der FDP, der Beitrag soll gar nicht steigen, die FDP hat ja sogar der kalten Progression den Kampf angesagt. Ich hab den Verein der Kapitalisten zwar nicht gewählt. Aber wo bleibt von der Presse nun der Vorwurf der Wahllüge? Beim Ypsilon hattens die "Herrschaften" schließlich auch druff, Wahllügner als solche zu deklarieren. Also wo bleibt das medial transportierte Wort Wahllüge für die FDP????
rynaldo (20.10.2009, 10:39 Uhr)
Wie beteiligt man
eigentlich endlich mal die mittlerweile gut situierte Beamtenschaft an unseren sozialen Problemen und an ihrem eigenen noch vollkommen ungeklärten Problem, der horrenden Pensions -Zahlungen, die noch auf uns (Arbeiter/Angestellte) zukommen werden ?
Zur Untermauerung, wie Menschen, die die in die unsere Sozialkassen zahlen, verschaukelt werden:
Zitat:
Beamtenpension doppelt so hoch wie Rente
Das haben Beamtenrechts-Experten der Gewerkschaft Ver.di bei einer Anhörung im Innenausschuss des Bundestages aufgezeigt. An vier Beispielen verglichen sie die Pensionsansprüche eines Beamten für eine bestimmte Dienstzeit mit den Rentenansprüchen, die der Beamte im gleichen Zeitraum bei gleichem Gehalt erarbeitet hätte.
x-cube (20.10.2009, 06:42 Uhr)
Text und Überschrift??
Überschrift: "Arbeitslosenbeitrag soll nur bis drei Prozent steigen"

Text: "Die schwarz-gelbe Koalition will offenbar nicht den Arbeitslosenbeitrag erhöhen. "

Ja WAS DENN jetzt???? Mann o mann
Mariosa (20.10.2009, 00:13 Uhr)
Sollen mal Sparen anfangen!
Ein Harz4ler bekommt so umgerechnet 400 Euro/Monat und wird auf immer wiederkehrende Selbstfindungseminare geschickt, wo der Dienstleister mehrer 1000er erhält für Cards Spielchen auf dem Windows PC. Fordern und Fördern nennt mand das!
esopherah (19.10.2009, 17:49 Uhr)
ähhm
was ist aus dem überschuss der letzten jahre geworden, erst letztes jahr war doch von einem riesigen überschuss die rede? Die kohle hat sich die elite gespendet oder was?
hayabusa-treiber (19.10.2009, 17:00 Uhr)
Tippfehler
Da muss sich ein Fehler eingeschlichen haben.... "Erhöhung" ist falsch. Das muss "Entlastung" oder "Absenkung" heißen. So hieß es doch - vor der Wahl, oder?
kabelmann (19.10.2009, 16:56 Uhr)
Vielleicht...
....kapiert die neoliberale Ideologie das irgendwann. An den Sozialkassen lässt sich prima erkennen, dass Arbeitsplatz != Arbeitsplatz. Es geht um faire Löhne Herrgottsackzement.
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