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26. Oktober 2009, 15:15 Uhr

Merkel verteilt ersten Seitenhieb

Nach der FDP haben auch CDU und CSU den Koalitionsvertrag abgenickt. Auf einem kleinen CDU-Parteitag in Berlin gab es keine Gegenstimme bei zwei Enthaltungen. Bei der CSU in München fiel das Votum einstimmig aus. Vor der Abstimmung hatte Kanzlerin Angela Merkel die Pläne der neuen Regierung verteidigt. Dabei kassierte die FDP einen Ordnungsruf.

Koalition, Steuern, Steuerpläne, Schwarz-Gelb, Schäuble

"Bei Sparen, Sparen, Sparen, sehe ich keine Chance, dass wir es schaffen": CDU-Chefin Angela Merkel© Gero Breloer/AP

Die CDU hat auf einem kleinen Sonderparteitag den Koalitionsvertrag mit CSU und FDP gebilligt. Von den 91 Delegierten enthielten sich am Montag in Berlin nur zwei, es gab keine Gegenstimme. Zuvor hatte Parteichefin Angela Merkel das Regierungsprogramm gegen die breite Kritik aus Wirtschaft, Gewerkschaften und den eigenen Reihen in Schutz genommen und die neue schwarz-gelbe Koalition an den Ernst der wirtschaftlichen Lage erinnert. In einer Ansprache verwies die Kanzlerin auf die weiter trüben Wachstumsaussichten. "Das zeigt, dass diese Legislaturperiode, die Zeit von 2009 bis 2013, eine Legislaturperiode sein wird, die von uns eine unglaubliche Ernsthaftigkeit verlangt." Diese Notwendigkeit sei aber "vielleicht noch nicht überall angekommen".

Teilnehmer des Parteitages werteten dies als ersten Ordnungsruf an die Adresse der FDP. Vor allem FDP-Chef Guido Westerwelle hatte in den vergangenen Tagen die Punkte herausgestellt, die seine Partei in den Verhandlungen durchgesetzt habe. Merkel reklamierte für die Union die Führungsrolle in der neuen Koalition. Zusammen mit der CSU werde die CDU die Grundzüge der Politik "klar setzen", sagte die Kanzlerin. Sie bezeichnete die Koalitionsverhandlungen als nicht einfach. "Ich sage auch, es werden noch schwierige Auseinandersetzungen."

"Wir gehen einen Pfad, der voll auf Wachstum setzt"

Merkel rechtfertigte die enormen zusätzlichen Schulden, die Union und FDP zur Deckung der Defizite bei Arbeitslosen- und Krankenversicherung und für Steuerentlastungen aufnehmen wollen. Die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise werde nicht nur 2010 noch andauern, sondern auch noch das Jahr 2011 wesentlich prägen. "Deshalb haben wir uns entschlossen einen Pfad zu gehen, der voll auf Wachstum setzt", erklärte Merkel. "Bei Sparen, Sparen, Sparen, sehe ich keine Chance, dass wir es schaffen."

Der designierte Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte Irritationen ausgelöst, als er die für 2011 versprochenen Steuersenkungen von 24 Milliarden Euro infrage stellte. Schäuble wollte sich am Sonntagabend in der ARD nicht endgültig darauf festlegen, dass die Steuerentlastungen, die im Koalitionsvertrag angekündigt werden, auch tatsächlich kommen. Die schwarz-gelbe Koalition werde alles tun, damit das möglich sei, sagte der CDU-Politiker, wollte aber kein Versprechen abgeben. Die CSU versuchte am Montag, Zweifel zu zerstreuen. "Das sind Vereinbarungen, und die kommen!", sagte Parteichef Horst Seehofer. Erste Entlastungen gebe es 2010, "und der Rest kommt dann 2011". Er selbst relativierte den Kompromiss zur Gesundheitspolitik, was wiederum bei FDP und CDU auf Kritik stieß.

Merkel verteidigt private Zusatzpflegeversicherung

Die Kanzlerin ging am Montag auch auf die Kritik an den Plänen zur Reform bei Pflege- und Krankenversicherung ein. Es führe kein Weg daran vorbei, bei der Pflegeversicherung eine private Zusatzversicherung einzuführen. Ansonsten lasse sich die Pflege der Älteren nicht mehr finanzieren. Ebenso dürfe man bei der Entwicklung der Gesundheitskosten nicht die Augen vor der Realität verschließen. Die neue Regierung wolle aber die Menschen nicht in Angst versetzen, versicherte die Regierungschefin. "Bei der Gesundheitsreform wird es bei mir keine Wege geben zu sozialer Ungewissheit."

Die von Union und FDP im Koalitionsvertrag beschlossenen Umbaupläne haben vor allem in der CDU große Unruhe ausgelöst. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte, ein reine vom Einkommen unabhängige "Kopfpauschale" als Kassenbeitrag werde es nicht geben.

Am Nachmittag hat auch die CSU den schwarz-gelben Koalitionsvertrag ohne Gegenstimme gebilligt. Kurz vor der geplanten Unterzeichnung segneten der kleine Parteitag der CSU in München das Vertragswerk einstimmig ab. Die rund 190 Delegierten folgten damit dem einstimmigen Votum von Vorstand und Landesgruppe. Parteichef Horst Seehofer sagte, mit diesem Koalitionsvertrag halte die CSU alle Wahlversprechen. "Die CSU ist stark, und die CSU ist auch glaubwürdig", sagte Seehofer und wies seine Kritiker in die Schranken: "Ich brauche von niemandem Nachhilfeunterricht in Sachen Glaubwürdigkeit."

Reuters/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 21)
 
Knuffiman (26.10.2009, 19:18 Uhr)
ganzbaf
viel schlimmer ist, das die banken die erhaltenen hilfen nicht wie geplant zum invest in die firmen verwenden, sondern dieses unseres geld wieder zum zocken einsetzen. so lang der mittelstand keine kredite erhält um in die zukunft zu inverstieren, wird es für die arbeitende bevölkerung eine solche nicht geben. mindestlohn schon gar nicht, wovon auch. und die politik schaut zu - ob rot, grün, schwarz oder gelb. die hoffen nur darauf das sich durch das weiterzocken die werte der schlechten papiere erholen um diese dann schnell abzustossen. obs aufgeht ? schaun mer mal...
Benkku (26.10.2009, 19:05 Uhr)
Was soll man denn von der Positives erwarten können?
Wenn 'Kohls Mädchen' doch wenigstens die Macht in Bezug auf die Erwartungen nutzen würde und auch könnte, die den Wähler trotzdem bewogen haben mag, ihr samt der von Hause aus eher als unfähig anzusehenden Auswahl an Postenbekleidern einen Auftrag zu geben. Der instinktiv agierenden Dame fehlt dafür wohl einfach der nötige Wille. Bisher haben wir sie in Bezug auf die ihr zugesicherte Richtlinienkompetenz nur als kopfloses Huhn erlebt. Was macht es schon aus, wenn sie sich mal mit dem Papst anlegt oder von Kontrolle der Banken schwadroniert. An irgendwelche positive Taten von ihr, die ein spürbares Ergebnis nach sich zogen, kann ich mich nicht erinnern. Bleibt noch zu erwähnen, daß die instinktlose Person aber zu allem Hohn einem Abzocker Ackermann erlaubt hatte, seinen Geburtstag im Kanzleramt zu feiern.
x-cube (26.10.2009, 18:57 Uhr)
100.000 DM
Die hat der Herr Schäuble damals halt einfach so vergessen. Da ist doch nun wirklich nichts dran. Wenn ich jedes mal einen Euro bekommen hätte wenn mir das passiert währe .. pha
Medienbeobachter (26.10.2009, 18:42 Uhr)
Das Märchen von kritischen Medien
Koalitionsverhandlungen: Was haben Union und FDP vereinbart? Das wird man sicherlich nicht in den Mainstream-Medien erfahren. Ob DDR-Medien oder Bildzeitung, Welt, Stern, Spiegel, Focus, ARD, ZDF, .... es wird im Sinne der Regierung und bestimme Kreise berichtet. Kritik? Nur solange es dazu dient, denn Anschein von Meinungsvielfalt zu erhalten.
x-cube (26.10.2009, 18:26 Uhr)
@ ganzbaf
Guter Kommentar. Hoffentlich schnallens die Leute bis zur nächsten Wahl. Aber ich bin da eher pessimistisch bei dieser Medienmaschinerie....
laeppe (26.10.2009, 17:41 Uhr)
Ich hoffe das jetzt auch dem letzten klar wird
das in Zukunft Wahlenthaltung kein
geeignetes Mittel ist um hier etwas zu verändern.
Sononja (26.10.2009, 16:35 Uhr)
@brancia
Natürlich geht es den Politikern nur um die Macht. Das sieht man ja auch bei den lezten Landtagswahlen. Die Parteien haben sich um den Wählerwillen gar nicht geschert. Hauptsache an der Macht bleiben, dass ist hier das Motto.

Tatsache ist, dass das Volk unter Konrad Adenauer noch wußte, dass es bergauf ging. Das tat es ja auch.

Erst später hat man uns runtergewirtschaftet. Bei Helmut Kohl angefangen und bei der lieben Angi und ihrem Schwesterwelle aufgehört.
Es ging uns schon die ganzen letzten Jahre nicht gut.
Die Schere zwischen Arm und Reich ist immer weiter auseinander gegangen.
(Auch Schröder sei Dank)
Aber Schwarz Rot dürfte gegen das, was wir jetzt beschert bekommen, noch Gold gewesen sein. Zwar wurde einem auch bei dieser Gesundheitsreform ganz schlecht, aber jetzt?
Jetzt geht es nur noch um das Kapital. Wir bleiben auf der Strecke. Krankenkassenbeiträge erhöhen, Pflegezusatzversicherung usw.
Wie wäre es denn, erstmal mit mehr Brutto, dann mit Steuerentlastungen und dann erst mit Beitragserhöhungen anzufangen?
Im Koalitionsvertrag wurde das Pferd von hinten aufgezäumt.
Aber auch das ist wieder Absicht. Nein, es soll dem kleinen Mann nicht gut gehen. Dem nimmt man das letzte weg. Es wird eine Umverteilung von unten nach oben geben.

Das wird noch sehr schlimm werden. Die nächsten 4 Jahre bedeuten für den kleinen Mann nichts gutes. Das Schlimme ist, dass auch wenn nach 4 Jahren eine andere, hoffentlich bessere Regierung dran kommt, sie nichts mehr zurückdrehen kann.

Wir erleiden jetzt die soziale Kälte. Hilfe, wir sind kleine Leute, wer holt uns da raus?
bR4iNST0RM (26.10.2009, 16:09 Uhr)
@branchia
Bingo. Aber ein kleiner Zusatz fehlt: langfristig geht es auch um eine schöne Position in genau den unterstützten Wirtschaftszweigen. Siehe Schröder als kleines Beispiel. Die Merkel hat sicher auch schon "ihre Schäfchen im trockenen". Könnte mir bei ihr eine Vorstands- oder Aufsichtsratposition in der Pharmalobby vorstellen...
brainuser (26.10.2009, 16:06 Uhr)
Kann mir jemand erklären...
wohin die Kommentare zu diesem Artikel entschwunden sind?

http://www.stern.de/politik/deutschland/schwarz-gelbe-koalition-die-verlierer-des-postenpokers-1517041-standard.html

Hoffentlich nur temporär nicht mehr vorhanden, oder?
auwei (26.10.2009, 16:05 Uhr)
@branchia
Machterhalt - sicher nicht falsch, aber der Grund sind m.E. nicht in erster Linie Gier und Ignoranz, sondern der Deal mit dem Teufel - Macht bekommt in einer Gesellschaft wie der unseren (dto. in Frankreich, USA usw.) nur, wer den mächtigsten unter den Lobbyisten gefällig ist. Macht gibt's nur gegen Unterordnung unter die wirklich Mächtigen. Verschwörungsparanoia? Weder zu beweisen noch zu widerlegen.
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