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6. Juni 2010, 20:29 Uhr

Regierung will bei Sozialausgaben sparen

Jetzt wird es ernst: 51 Milliarden Euro will die schwarz-gelbe Regierung bis 2016 im Haushalt einsparen. Subventionen sollen gestrichen, Beamtengehälter reduziert und Hartz-IV-Leistungen gekürzt werden. Gegen die Pläne regt sich bereits vehementer Widerstand.

Sparklausur, Merkel, Stellenabbau, Sozialabbau

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Jetzt wird die Handschrift der Koalition sichtbar"© Johannes Eisele/AFP

Vor allem mit Einschnitten im Sozialbereich will die schwarz-gelbe Bundesregierung einen radikalen Kurswechsel in der Haushaltspolitik einleiten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll der Bundesetat bis 2016 um rund 51 Milliarden Euro entlastet werden. Elf Milliarden Euro sollen es bereits im kommenden Jahr sein.

Am Sonntag kam dazu das Bundeskabinett zu einer zweitägigen Klausur im Bundeskanzleramt zusammen. Am 7. Juli - unmittelbar vor der parlamentarischen Sommerpause - will die Regierung den Entwurf für den Sparhaushalt 2011 und den Finanzplan bis 2014 verabschieden.

Abbau von 10.000 Stellen in Bundesbehörden

Geplant sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa Kürzungen bei Sozialhilfen und in der Familienförderung. Das Elterngeld soll gedeckelt werden. Zu dem Sparkatalog, der an diesem Montag endgültig verabschiedet und danach bekanntgegeben werden soll, gehört auch das Ziel, die Zahl der Beschäftigten in Bundesbehörden und Ministerien bis 2014 um mindestens 10.000 Stellen abzubauen. Steuererhöhungen zur Sanierung der Staatsfinanzen wurden vor der Kabinettsrunde nicht ausdrücklich ausgeschlossen. Mit dem größten Sparpaket in der bundesdeutschen Geschichte wollen Union und FDP die strenge Schuldenbremse erfüllen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte vor der Sparrunde: "Ich glaube, man übertreibt nicht, wenn man sagt: Diese Kabinettsklausur wird wichtige Weichen stellen für die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in den nächsten Jahren." Auf die Frage nach einem Neustart von Schwarz-Gelb sagte sie: "Jetzt wird die Handschrift der Koalition sichtbar." Vize-Kanzler Guido Westerwelle (FDP) betonte: "Jetzt ist eine Zeit des Sparens angesagt." Die Ausgaben müssten den Einnahmen folgen und nicht umgekehrt. Die Zeit, in der Deutschland über die Verhältnisse gelebt habe, müsse überwunden werden. "Ein neues Jahrzehnt beginnt."

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, kündigte Widerstand gegen die Sparpläne der Bundesregierung an. "Man merkt die Absicht: Man will bei den ganz Armen rein, um die Großen zu schonen. Das ist eine Geschichte, die nicht geht und die wir auch nicht mitmachen werden", sagte er in der ARD.

Nach bisherigen Plänen soll für Hartz-IV-Empfänger das Elterngeld gestrichen werden. Auch der Rentenversicherungsbeitragssatz für Hartz-IV-Empfänger soll entfallen. Die Bemessungsgrundlage zur Berechnung des Elterngeldes soll von derzeit 2700 auf 1800 Euro zurückgenommen werden. Wegfallen soll der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger, weil sich die Energiekosten wieder normalisiert hätten. Auch die Wohnungsbauprämie von 45 Euro bei Alleinstehenden und 90 Euro pro Jahr bei Ehegatten soll auslaufen. Die Bundesbeamten müssen mit einer Kürzung ihrer Bezüge um 2,5 Prozent rechnen. Dies soll durch den Verzicht auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes im Jahr 2011 erreicht werden.

Bildung und Altersbezüge bleiben unangetastet

Die Bundesregierung wird auch die Ausnahmeregelungen für die Ökosteuer überprüfen. Allgemein soll es keine neuen Subventionen mehr geben oder bestehende Subventionen sollen nicht erhöht werden. Auch die Bundeswehr soll ihre Ausgaben im Milliardenbereich reduzieren. Zusätzliche Einnahmen soll eine Bankenabgabe bringen sowie eine Brennelementesteuer für Energiekonzerne, um bei längeren Atomlaufzeiten einen Teil der Zusatzgewinne der Energiekonzerne in die Staatskassen umzuleiten. Die Kraftwerksbetreiber sollen mit jährlich 2,3 Milliarden Euro belastet werden.

Merkel und Westerwelle betonten die Bedeutung von Zukunftsfeldern wie Bildung und Forschung. Den 20 Millionen Rentnern sicherte Merkel zu, an den Altersbezügen nicht rütteln zu wollen. Mit dem Sparpaket sollen die Vorgaben der neuen Schuldenbremse bis zum Jahr 2016 erfüllt und die Lücke zwischen laufenden Einnahmen und dauerhaften Ausgaben schrittweise geschlossen werden. Nach dpa- Informationen soll 2011 mit etwa 11 Milliarden Euro der größte Beitrag über Kürzungen oder Mehreinnahmen erbracht werden. In den Folgejahren wird ein Volumen von jeweils 8 Milliarden angepeilt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 71)
 
Annemarie2 (08.06.2010, 13:36 Uhr)
Monströser Sozialstaat

Endlich fangen die an den monströsen Sozialstaat zu kürzen, der aus allen Nähten platzt. Ein guter Anfang! Es geht noch mehr.
joll (07.06.2010, 18:00 Uhr)
Schluss
Ich rufe euch alle auf im Rahmen der Demokratischen Grundordnung gegen diese
ungerechtfertigte unsoziale Frechheit zu protestieren.Brüder zur Sonne,Schwestern auch
jps-mm (07.06.2010, 12:33 Uhr)
Koehler macht uns zum Horst
Der Bundespräsident rächt sich an Merkel für erlittene Demütigungen. Den Schaden haben die Koalition, das Land und seine Institutionen

Die schwarz-gelbe Republik bröckelt. Das Tempo, mit dem sich Christdemokraten und Liberale selbst zerlegen, ist verblüffend. Das Maß an handwerklichen Fehlern erschreckend. An den tolpatschigen Außenminister und die zaudernde Kanzlerin mussten wir uns in den Monaten seit der Wahl schon gewöhnen. Nun kommen noch lauter lustlose Christdemokraten hinzu. Erst kündigte Roland Koch seinen Rückzug an, jetzt erklärt Horst Köhler seinen Rücktritt. Merkel verliert ihre Männer, die Koalition dreht sich um sich selbst, derweil schwelt die Krise des Euros und Europas, und die Finanz­akrobaten toben weiter ihren wilden Tanz um den Planeten. Man steht staunend vor den Trümmern einer politischen Landschaft, deren Zerfall man beiwohnt und nicht wahrhaben will.

http://www.freitag.de/politik/1022-k-hler-macht-uns-zum-horst
jps-mm (07.06.2010, 12:32 Uhr)
Merkel in der Krise
Um die Tiefe der schwarz-gelben Krise zu ermessen, reicht ein Blick in die vergangene Woche. Der Gesundheitsminister macht am Wochenanfang Vorschläge für eine Reform, die er später korrigiert und noch etwas später kassiert. Der Verteidigungsminister erwägt, die Wehrpflicht auszusetzen, zu deren Erhalt er just im Kabinett einem Gesetzentwurf zugestimmt hat. Der Kanzleramtsminister, der Umwelt- und der Wirtschaftsminister sowie einige Länderchefs zoffen sich über Restlaufzeiten von Atomkraftwerken und beschließen am Ende, nichts zu beschließen. Und dann ist auch noch der Bundespräsident verschwunden.

http://www.sueddeutsche.de/politik/die-kanzlerin-und-ihr-kabinett-angela-merkel-die-alleinunterhalterin-1.954172
knilch_59 (07.06.2010, 10:04 Uhr)
No pasaran - sie werden nicht durchkommen
Weil es so einfach ist, ist die Lösung unmöglich. Mit CSU und FDP ist kein Staat zu machen. Flankiert von zwei Parteien, die lediglich für ihre intellektuellen Geisterfahrten berühmt / berüchtigt sind, haben natürlich auch die paar wenigen vernunftbegabten Wesen in der CDU keine Chance, zumal an der dortigen Spitze mit Frau Dr. Merkel jemand sitzt, der Politik nur auf die Kunst der Intrige reduziert hat (das allerdings perfekt).
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Gerhard Schröder wurde wenigstens noch von Putin genommen, Joschka Fischer war Harvard eine Gastprofessur wert. Aber, sind wir doch mal ehrlich: wer will Merkel, Westerwelle, Brüderle, Rösler, Aigner, Christina Schröder oder von der Leyen? Denen müsste man mittlerweile ein Kotelett um den Hals binden, damit wenigstens noch der Hund mit ihnen spielt. Die wissen schon genau, warum sie sich im Bundeskanzleramt einigeln: Jeder Kontakt mit der Bevölkerung ist strikt zu vermeiden.
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Das Beste, was wir machen könnten, wäre die bis Ende der Legislaturperiode im Kanzleramt einsperren: Zaun drum, Schild ?Vorsicht Politiker? und abwarten. Noch 3 1/2 Jahre, und die werden auch irgendwie rumgehen. Und mittlerweile bin ich mir sicher, dass es besser ist, wenn die weiter nichts machen. Aber sobald die etwas anfassen, geht es kaputt.
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Die logische Lösung wäre das Aufkündigen des Koalitionsvertrags und das Auflösen der Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU, konstruktives Misstrauensvotum aus den Reihen der CDU gegen Frau Dr. Merkel, Schäuble als Kanzler einer CDU+SPD+Grüne-Koalition unter striktem Ausschluss von CSU, FDP und Linkspartei.
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Sind wir doch mal ehrlich: Mit Typen wie Westerwelle und Lindner, Seehofer und Söder ist einfach kein Staat zu machen. Also sollten wir es auch lassen!
Mikeorganizer (07.06.2010, 06:22 Uhr)
Es grenzt durchaus an Perversion....
das nachdem das Volk für die Banken- und Geldspekulanten für Ihre Fehler aber auch noch die Stabilisierungsaktionen wie Griechenland, nun an diesem, an der schwächsten Stelle gespart werden soll.

Wieder einmal zeigt sich, dass gerade der Teil der Bevölkerung, der bereits von der Hand in den Mund und im Dreck leben muss, man bevorzug versucht den finanziellen Gar auszumachen.

Wie lange wollen sich die Bürger dieses Landes dieses asoziale Verhalten noch gefallen lassen ?
paladin09 (07.06.2010, 05:58 Uhr)
Schröder wurde wegen seiner
unsozialen Agenda 2010 und HartzIV vom Wählervolk abgewählt und in die Wüste geschickt. Nun sitzt er in Russland! Neben Schröder mußten auch einige weitere SPD Spitzenpolitiker ihren Hut nehmen.
Das gleiche steht Merkel und ihre CDU bevor. Sollte es Merkel wagen sich mit ihren Sparpaket an Sozialleistungen zu vergreifen und die Bürger weiter zusätzlich belastend abzocken, wie das Geld aus der Tasche ziehen wird es Merkel mit ihrer CDU, wie Schröder ergehen. Das Wahlvolk wird Merkel abstrafend in die Wüste und die CDU in die Bedeutungslosigkeit schicken.
Die Wähler haben längst begriffen, das sie der Macht haben zu entscheiden wer das Volk regieren soll und wer nicht. Wir sind das Volk und Alle Macht geht vom Volk aus. Nutzt eure Macht!!!!
JRx1 (07.06.2010, 05:26 Uhr)
@ Onzapintada (07.06.2010, 00:54 Uhr)
Folge 4: in Kürze, wenn die naechste Blase platzt, z.B. am US-ewerbeimmobilienmarkt, aber der Anlass ist zweitrangig.
_____
Gut informiert> Amerika hat fuer die naechsten 7 jahre Gewerbe auf halde gebaut - investoren schieben sich die gruendstuecke zur zeit fuer die abschreibung hin - Banken grausst es - und diese wollen die immobilien nicht haben. Ja die naechste Welle in den USA kommt! Und die Private schuldenwelle kommt auch noch weil Millionen in den USA vom Staat leben ohne Arbeit und diese Unterstuetzung irgendwann aufhoert! Die Amis haben tatsaechlich keine langfristige strategy - alles hueh und hopp und der kleine verliert seinen job. Unglaublich - wie Geld verbrannt wird!! Banken sind ein werk des Teufels. Und auch D wird wieder runtergezogen - weil gerade die DB in den USA die wildesten spekulanten sind!
JRx1 (07.06.2010, 05:11 Uhr)
Gute Sparvorschlaege
nur die Beamten - da werden wir alle verarscht!
Wahrhyde (07.06.2010, 02:44 Uhr)
Hymne (reformiert)
Mein Hymnenvorschlag, inspiriert durch Skillets Anregung und Onzapintadas treffliche Feder:

Zinseszins und Macht und Einfluss
für das deutsche Kapital!
Danach lasst uns alle streben
bis zum Arge-Tribunal!
Zinseszins und Macht und Einfluss
sind der Herren Ideal!
Blüh im Glanze dieser Lehre
blühe, deutsches Kapital!
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