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27. April 2008, 17:24 Uhr

Grüne stimmen für Koalition mit CDU

Die Grünen haben den Weg für ein erstes Schwarz-Grünes Bündnis auf Länderebene freigemacht. Auf einer Mitgliederversammlung in Hamburg gab es eine große Mehrheit für das Bündnis unter der Führung des CDU-Politikers Ole von Beust.

Die Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der GAL, Christa Goetsch© Marcus Brandt/dpa

Deutschlands erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene ist fast perfekt. Hamburgs Grüne (GAL) entschieden sich am Sonntag auf einer Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit für den mit der CDU ausgehandelten Koalitionsvertrag. Nur wenige der 440 stimmberechtigten Grünen sprachen sich gegen den Vertrag aus oder enthielten sich. An diesem Montag muss noch ein kleiner Parteitag der CDU über das 65 Seiten starke Werk abstimmen, damit er politisch bindend werden kann. Eine Zustimmung gilt als sicher.

Den bisherigen Planungen zufolge will sich Bürgermeister Ole von Beust (CDU) am 7. Mai in der Bürgerschaft - dann mit den Stimmen seiner Partei und der Grünen - im Amt bestätigen lassen. Am Sonntag sagte Beust: "Ich freue mich, wenn jetzt Normalität einkehrt, wenn die Arbeit jetzt losgeht."

Die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung der Grünen verlief überraschend sachlich und emotionslos. Es gab zwar in der rund viereinhalbstündigen Debatte etliche Kritiker, die ein Bündnis mit dem früheren "Erzfeind" CDU strikt ablehnten. Gleichwohl zeichnete sich bereits am Nachmittag eine Zustimmung unter den fast 400 anwesenden Grünen ab. Einen Antrag auf Nachverhandlungen mit der CDU zu den Themen Schulreform, Studiengebühren, Kohlekraftwerk Moorburg und Volksentscheide lehnten die Grünen ab.

Grünen-Chefin Anja Hajduk hatte auf der Versammlung für eine "ehrliche Betrachtung" des Vertrags geworben: "Es stehen grüne Ziele da drin, es stehen aber auch Risiken da drin." Auch gebe es Dinge, "die wir nicht durchsetzen konnten". Die GAL-Fraktionsvorsitzende und designierte Schulsenatorin Christa Goetsch sagte: "Das ist ein Koalitionsvertrag, das ist ein Arbeitsprogramm. Das ist keine Heirat und das ist auch keine Hamburger Ehe." Die geplante Schulreform bezeichnete sie als wichtigen Einstieg in eine gerechteres Bildungssystem. Kritikern aus der Partei rief sie entgegen: "Wir geben unser Gewissen nicht an der Garderobe ab."

Die GAL-Abgeordnete Christiane Blömeke sagte, sie stimme dem Vertrag zu, auch weil bei einem GAL-Wahlergebnis von 9,6 Prozent nicht mehr drin sei. Die CDU hatte bei der Bürgerschaftswahl am 24. Februar zwar ihre absolute Mehrheit verloren, aber immer noch 42,6 Prozent erzielt.

Dass die Grünen die von ihnen abgelehnte neuerliche Elbvertiefung hinnehmen müssen, nannte Hajduk einen "schweren Kompromiss". Es seien jedoch wichtige Ausgleichsmaßnahmen wie eine mit 40 Millionen Euro ausgestattete Stiftung zur Verbesserung der ökologischen Situation vereinbart worden, an der sich auch die Hafenwirtschaft beteilige. "Das hat es in Hamburg vorher noch nicht gegeben und ich bin mir nicht sicher, dass wir das mit der SPD hätten durchsetzen können."

Beim umstrittenen Thema Steinkohlekraftwerk Moorburg verteidigte Hajduk die Vereinbarung zur Fortsetzung des Genehmigungsverfahrens. "Dass das nach Recht und Gesetz geschehen muss, wird kein Mitglied der Grünen bestreiten", sagte die designierte Umweltsenatorin. Die Grünen hatten im Wahlkampf massiv gegen das von Vattenfall geplante Großkraftwerk Front gemacht. Grünen-Vize Jens Kerstan betonte, das Fehlen eines politischen Neins zum Kohlekraftwerk Moorburg im Koalitionsvertrag habe ausschließlich mit rechtlichen Gründen zu tun.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Krista Sager aus Hamburg, betonte, die CDU habe erkannt, dass vieles, wofür die Grünen über Jahre gekämpft hätten, in der Gesellschaft inzwischen mehrheitsfähig sei in dieser Gesellschaft. Vieles finde sich in dem Vertrag wieder. Sager fügte hinzu, die Grünen könnten die Frage, wie sie ihre Inhalte umsetzen wollten, nicht mehr "davon abhängig machen, wie es gerade der SPD geht, die im Zweifel mit jedem koalieren würde". Der designierte Justizsenator Till Steffen sagte: "Ich finde diese neue Situation schon gewöhnungsbedürftig." Gleichwohl plädierte er für den Vertrag. "Soweit man das zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen kann, kann man sich darauf einlassen."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
ganzbaf (28.04.2008, 07:59 Uhr)
Was "Neues" in der Politik...

wäre die Volksabstimmungs-Demokratie!... (-;
babylon (28.04.2008, 07:46 Uhr)
Armes Hamburg
Die Grünen werden Hamburg total zugrunde richten. Ihre Wahlaussage war ein Versprechen und versprechen kann sich jeder mal.
Countryjoe (28.04.2008, 07:25 Uhr)
Macht und Geld
Die Macht machts und am Ende wartet eine fette Pension. Was zählen da noch Inhalte und Wahlversprechen wenn es heißt: ab an die Fleischtöpfe und "enrichissez-vous"
phalancs (28.04.2008, 01:18 Uhr)
Sehr gut
Endlich mal etwas neues in der Politik und ein deutliches Zeichen, dass das Denken der ewig gestrigen überholt ist. Wir sind in der Gegenwart angekommen und da haben jetzt auch die Grünen verstanden dass man mit blinden Parolen dem Volk nichts gutes tut.
Taten sind jetzt möglich und dank dieser Konstellation verheissen sie auch endlich mal wieder ein bischen Zukunft und Innovation.
Bravo.
manesse (27.04.2008, 23:36 Uhr)
Hihi,
die Sozis und die Linken schäumen: Es gibt eben in diesem Lande keine linke Mehrheit ohne Mitte.
HansK (27.04.2008, 23:21 Uhr)
Grüne?
Die "Grünen" sind auf dem Weg durch die Instanzen beim Luxuskonsum angekommen - die Koalition mit der CDU ist dann nur noch "bürgerlich-konsequent"
JoDo (27.04.2008, 22:42 Uhr)
400 Kohle von Beust Anhänger
zwingen die Hansestadt noch eine Beust und Freytag Periode auf, der Bürger ist völlig egal, hauptsache die Leute sind Senatoren. Hey Duck, Goetsch, Gedaschko, Freytag alles Lame Ducks mit großen Taschen für HHs Steuergelder.
ganzbaf (27.04.2008, 22:06 Uhr)
Nicht mit einem wie Beust!...
Grün steht hier in Nachfolge der Schill-Partei als Machtbeschaffer für einen machtversessenen Wirtschaftskriecher.
Die Zustimmung ist ein Fehler und wird wohl noch ein paar Wählerstimmen kosten.
Honigstaub (27.04.2008, 18:41 Uhr)
Vom Geld der vielen Posten gelockt
verwerfen die Grünen ihre Grundsätze UND ihre Wähler
saulus (27.04.2008, 18:19 Uhr)
Wie war das; alles zum Wohle des Volkes...
Da stürzen sich die (Hamburger) grünen ins Unglück, und das nur zum Wohle des Volkes! Bravo, was für Helden. Naja und die Posten auf denen die Grünen dann hocken werden ja auch ganz gut bezahlt.
Aber seid die Merkel dran ist, ist ja nichts mehr unmöglich.
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