7. August 2007, 16:36 Uhr

Auf den Spuren der Sekte

Bilden sie lediglich eine Religionsgemeinschaft? Oder doch eine finstere, gemeingefährliche Psychosekte, die man verbieten muss? Die Hamburger Scientology-Expertin Ursula Caberta hat jetzt ihr neues Buch über die Sekte vorgelegt. Sie warnt vor den Folgen einer Scientology-Mitgliedschaft. Von Inga Niermann

Ursula Caberta stellte in Hamburg ihr "Schwarzbuch Scientology" vor©

In dem Buch "Schwarzbuch Scientology" beschreibt die Leiterin der Arbeitsgruppe Scientology der Stadt Hamburg, Ursula Caberta, auf rund 200 Seiten die Praktiken der "Gehirnwäsche" und die Folgen einer jahrelangen Scientology-Mitgliedschaft für die Betroffenen und ihre Familien. "Das Buch dokumentiert, dass bezüglich Scientology in den letzten zehn Jahren keine Ruhe eingekehrt ist", sagte Caberta am Dienstag bei der Buch-Präsentation in Hamburg. Zwar habe sich Scientology in der Öffentlichkeit etwas zurückhaltender gezeigt. Die Aktivitäten seien aber unvermindert fortgesetzt worden, so Caberta.

Hamburgs Innensenator Udo Nagel warnte vor einer Verharmlosung von Scientology. Die Organisation sei keine Religionsgemeinschaft, sondern sie verbreite eine menschenverachtende Psycho-Ideologie. Die Praktiken der Organisation verstießen gegen die Demokratie, die pluralistische Gesellschaft und die Menschenwürde. "Menschenrechte werden außer Kraft gesetzt", sagte Nagel. Seit 2006 versuche die Organisation verstärkt, Einfluss auf die Regierung und die Gesellschaft zu nehmen.

Caberta berichtete, die "Gehirnwäsche" beginne bereits bei der Rekrutierung des "raw materials" – so nennen Scientologen neue Mitglieder. Später würden sie zum Rädchen im System der Organisation gemacht. "Es gibt viele Opfer der Organisation", sagte Caberta. "Betroffen sind nicht nur die Mitglieder selbst, sondern auch ihre Familien, Kollegen und Freunde."

Besonderes Augenmerk auf Kinder

Das Buch befasst sich auch speziell mit der Situation von Kindern in der Scientology. Für sie hat die Sekte spezielle Bildungseinrichtungen. "Da müssen wir ein besonderes Augenmerk draufrichten", sagte Caberta. Für viel Aufsehen hatte erst vor wenigen Tagen die Flucht der 14-jährigen Stieftochter einer hochrangigen Berliner Scientologin und ihres elf Jahre älteren Stiefbruders in die Obhut der Hamburger Jugendbehörde gesorgt. Das Mädchen hatte beim Jugendamt angegeben, dass sie gegen ihren Willen auf ein Scientology-Internat in Dänemark geschickt werden sollte.

Einen Eilantrag der Eltern des Mädchens mit dem Ziel, Caberta künftige Äußerungen über sie und ihre Tochter sowie über die Motive und Umstände der Flucht zu untersagen, hat das Verwaltungsgericht abgelehnt. Auch gegen das Schwarzbuch macht die Organisation mobil: In einer Erklärung bezeichnet es Scientology als "Schmutzbuch einer korrumpierten Angestellten". Um das Buch zu stoppen, strengte Scientology vor der Veröffentlichung Unterlassungsklagen gegen Caberta und gegen das Gütersloher Verlagshaus an.

Verbot von Scientology gefordert

Caberta forderte erneut, Scientology in Deutschland zu verbieten. Es lägen genügend Hinweise für die Verfassungsfeindlichkeit der Vereinigung vor. Zudem gebe es eine Reihe von Straftaten von Scientology-Mitgliedern, zu denen auch eine Morddrohung gegen sie zähle. Caberta mahnte außerdem die Umsetzung von Handlungsanleitungen an, die die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages vor rund zehn Jahren empfohlen hatte.

Innensenator Nagel sprach sich wie Bayerns Innenminister Günther Beckstein, der das Vorwort des Buches schrieb, ebenfalls für ein Verbot aus. Das werde derzeit geprüft und soll auf der nächsten Innenministerkonferenz im Herbst beraten werden. Der Verfassungsschutz, der Scientology in mehreren Bundesländern beobachtet, schätzt die Zahl der Anhänger in Deutschland auf rund 6000.

 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
organhandel (29.08.2009, 04:29 Uhr)
Terroristische Vereinigung

Scientology sollte auf den für die BRD immer noch rechtsgültigen Grundlagen der Nürnberger Prozesse zur Kriminellen Organisation erklärt werden und eine einfache Mitgliedschaft bereits den Tatbestand der Mitgliedschaft in einer Terrroristischen Vereinigung erfüllen, also mit mindestens 10 Jahren Haftstrafe belegt werden.

Hitler hat mit 800 Spinnern der Thule- und Ostarasekte angefangen.
Derzeit soll es bereits 8000 Scientologen in der BRD geben.

Wann wehrt sich die Bevölkerung gegen eine Vergewaltigung durch die Terroraktionen dieser selbst ernannten Übermenschen, die zur Vernichtung unserer abendländischen Kultur ein heimtückisches Ausrottungsprogramm
an Demokraten, Behinderten, Schwulen,
Verfassungstreuen Menschen, usw. in die Wege geleitet haben.

Die Republik Griechenland hat Scientlogy bereits verboten.

Von welchen Politikern wird diese Verbrecherorgansation in der BRD gefördert und bei schwerstkriminellen Handlungen gedeckt ?
Tucek (08.08.2007, 14:02 Uhr)
Verbotsdebatte
Fraglich ist nicht, wieviel Sinn es machet SC zu verbieten, sondern wer es wie womit versucht. Und da stelle ich soeben fest, dass nur Leserbrief von mir zum Thema SC im Hamburg-net nicht veröffentlicht wurde. Da schau her!
matthy (08.08.2007, 13:03 Uhr)
Operation Clambake
(http://www.xenu.net)
ist der Versuch, all die Aktivitaeten der Scientology-Sekte zu beleuchten. Auch dort werden viele Versuche der Sekte dokumentiert, Berichte in der Presse oder TV (z.B. BBC) zu behindern. SC ist alles andere als eine Religion, deshalb ist es nur allzu bedauerlich, dass diese Organisation in manchen Laendern als solche anerkannt ist. Das ist nur auf die massive Verschleierungstaktik und beeinflussung durch hochrangige SC-Mitglieder zu erklaeren. Daraus aber abzuleiten, dass es keinen Sinn mache, die SC zu verbieten, ist geradezu Hubbard-maessig absurd....
Tucek (08.08.2007, 11:37 Uhr)
Bevormundung
Zusammen mit versuchtem Maulkorb für die Presse, droht es 'mal wieder eng zu werden in dieser Republik. Ob deutsche Beamte objektiv Scientology beobachten, denen im Ausland der Ruf unwiderstehlichen Hanges - um nicht zu sagen: Dranges - zur Hierarchie anhängt, ist fraglich.
sportartmakler (08.08.2007, 08:34 Uhr)
@kohler
bei ihnen hat anscheinend die gehirnwäsche schon stattgefunden. dass die aussteiger ein verzerrtes bild wiedergeben sehe ich absolut nicht so. die wissen wenigstens warum. ein mitglied welcher sekte auch immer wird sich wohl kaum negativ über seinen glauben oder was ihm glauben gemacht wurde äußern. soviel zur gegenseite.
HKohler (08.08.2007, 00:25 Uhr)
Einseitige Berichterstattung
Auf den ersten Blick scheint es, als hätte Frau Caberta mit angemessenen Mitteln Scientology untersucht. Allerdings konzentriert sie sich bei ihren Informationsquellen voll und ganz auf die Aussteiger - man bekommt sogar den Eindruck, als gäbe es nur Aussteiger - ausser vielleicht ein paar Mitgliedern der Kirchenleitungen. Dies funktioniert aber so nicht, diejenigen, die austreten, zeichnen ja wohl immer ein verzerrtes Bild. Was aber erzählen die anderen? Darüber schreiben die Medien nichts - obwohl sie doch sicher auch zu Wort kommen wollen. Und wie stehts mit der Prmärliteratur von Hubbard? Wurde die auch mal utnersucht? Diese Berichterstattung ist zu einseitig. Auch die Forderung nach einem Verbot macht doch keinen Sinn, wenn woanders Scientology-Kirchen als Religionsgemeinschaften anerkannt sind. Die arbeiten da doch auch nicht anders.
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