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25. September 2007, 09:21 Uhr

Stoiber bekommt den Transrapid

Es ist wie ein Abschiedsgeschenk für den scheidenden Regierungschef Edmund Stoiber: Die bayerische Staatsregierung hat sich mit der Bahn und dem Industriekonsortium auf den Bau des Transrapid geeinigt. In Zukunft soll die Magnetschwebebahn zwischen Münchner Innenstadt und Flughafen pendeln.

Der bayersiche Wirtschaftsminister Erwin Huber, CSU, lehnt in München mit einem Modell der Magnetschwebebahn Transrapid© Lennart Preiss/DDP

Der Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen wird gebaut. Der Freistaat Bayern, die Deutsche Bahn und die Industrie haben sich auf die Schließung der zuletzt noch bestehenden Finanzlücke bei dem 1,85 Milliarden Euro teuren Projekt geeinigt, teilte die bayerische Staatskanzlei mit. Dazu hatten sich Ministerpräsident Edmund Stoiber und die Führungen von ThyssenKrupp, Siemens und des Baukonsortiums zu einem Spitzengespräch getroffen. Die Magnetschwebebahn soll künftig auf dem Weg vom Münchner Flughafen zur Innenstadt eingesetzt werden.

Bund Naturschutz will Rechnungshof einschalten

Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern fordert nun die Einschaltung des Bundesrechnungshofs. Der Transrapid sei ein milliardenteures Abschiedsgeschenk auf Kosten von Steuerzahlern und Bahnkunden für den scheidenden Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger am Dienstag. Der Bundesrechnungshof müsse das noch vor Abschluss der endgültigen Verträge in einem Gutachten bewerten, damit die Abgeordneten in Bundestag und Landtag sich ein objektives Bild machen könnten.

Die veranschlagten Kosten von 1,85 Milliarden Euro beruhten auf vier Jahre alten Schätzungen, sagte Weiger. Inzwischen seien die Kosten deutlich gestiegen. "Die Finanzierungslücke liegt mindestens in einer Größenordnung von 300 bis 500 Millionen Euro", sagte Weiger. "Wir werden im ganzen Land die Steuerzahler und die Bahnkunden mobilisieren. Es ist himmelschreiend, wie hier das Geld zum Fenster hinausgeschmissen wird." Der BN kündigte an, nach dem Planfeststellungsbeschluss werde er eine Klage gegen das Projekt anstreben.

Andere Strecken wurden verworfen

Die Magnetschwebebahn Transrapid gilt seit vielen Jahren als Verkehrsmittel der Zukunft. Bisher gibt es jedoch nur eine gut 30 Kilometer lange kommerzielle Strecke zum Flughafen von Shanghai in China. In Deutschland waren in der Vergangenheit mehrere Trassen im Gespräch, darunter eine Strecke durchs Ruhrgebiet und eine Verbindung Hamburg-Berlin. Alle wurden verworfen.

Seit dem Unfall von Lathen ruht der Betrieb

Die Magnetschwebebahn hat keine Räder, Achsen und Oberleitungen. Ein Transrapid schwebt dank seines elektromagnetischen Trage-, Führ- und Antriebssystems. Das Prinzip des elektromagnetischen Schwebens beruht auf den anziehenden Kräften zwischen den im Fahrzeug angeordneten Elektromagneten und den so genannten Reaktionsschienen, die beidseitig unter dem Fahrweg angebracht sind. Magnete halten das Fahrzeug auch in der Spur.

Seit Anfang der 1980er Jahre wird der von einem deutschen Konsortium entwickelte Transrapid in Niedersachsen auf einer Versuchsstrecke im emsländischen Lathen getestet. Dort ereignete sich vor einem Jahr ein verheerender Unfall, bei dem 23 Menschen ums Leben kamen. Seither ruht der Betrieb. Für das Nachfolgemodell des verunglückten Zugs gibt es bislang keine Betriebsgenehmigung.

Transrapid-Rhetorik: Stoibers legendäre Rede
AP/DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
Roy05441 (27.09.2007, 13:48 Uhr)
Ganz Europa, wenn nicht die ganze Welt,...
will wissen, wie hoch sein christlich, soziales Entgelt?
Jedoch in Bayern ist jedem bewusst, dass als Nachfolge alle Staatsbegräbnisse zahlen du musst!
Du kannst in Bayern an Holzschraubenköpfen nicht drehn, wenn ein Linksgewinde du niemals gesehn!
llechwedd (26.09.2007, 19:47 Uhr)
Der TranRapid ist per se ein HOCHGESCHWINDIGKEITS-System.
Deswegen ist es ja auch so attraktiv, ihn als FJS-Flughafen-Zubringer einzusetzen, denn auf diesen 37 Kilometern kann er sein ganzes Potential in die Waagschale werfen. Schließlich beschleunigt er in ca. 200 Sekunden von Null auf 500 km/h. Dieselbe Zeit ist fürs Abbremsen bis zum Stillstand zu veranschlagen (es sei denn irgendwer läßt einen Wartungszug auf dem Fahrweg stehen ...).
Zum Beschleunigen und zum Abbremsen braucht der TranRapid folglich jeweils 14 Kilometer.
Bleiben 9 Kilometer für den eigentlichen Daseinszweck dieses Monsters: die Schnellfahrt mit 500 km/h – allerdings ist’s mit dieser Herrlichkeit in etwas mehr als einer Minute vorbei, denn die 9 km sind mit 500 „Sachen“ in runden 65 Sekunden durchrauscht.
Tolle Energiebilanz, übrigens: Die energieintensivsten Betriebsphasen sind das Beschleunigen und das Abbremsen – sie machen allerdings bei der Fernreise vom Hauptbahnhof zum Fluch-Hafen nur schlappe 86 Prozent aus. Der Stolze Rest von 14 Prozent steht für die weniger energieaufwendige Schnellfahrt zur Verfügung, während derer im Grunde „nur noch“ der Luftwiderstand zu überwinden ist.
Nur gut, dass elektrischer Strom immer billiger wird.
Noch was: diese ganze dämliche Magnetschweberei ist eine uralte Technik (das Patent wurde glaube ich, 1937 erteilt, erste Forschungen datieren in die 1920er Jahre), die es in nunmehr rund 90 Jahren nicht geschafft hat, sich – anders als im Maschinenbau und Förderwesen – im Verkehrs-Alltag vernünftig und wirtschaftlich durchzusetzen. Noch nicht einmal mit seit dreißig Jahren ununterbrochen sprudelnden Milliardensubventionen, die schon verloren sind. Da wäre es doch töricht, noch weitere Milliarden hinterherzuwerfen - für eine Technologie, die sich selbst überlebt hat. Friede ihren Langstatoren!
DEBullshit (25.09.2007, 14:01 Uhr)
Oh super,
da verdienen sich wieder ein paar ganz Schlaue ne goldnene Nase.
Und für den Mehrverbrauch an Strom und so, bauen wir noch ganz umweltbewusst ein paar zukunftsweisende Kohlekraftwerke.
Bullshit!
rapido (25.09.2007, 13:53 Uhr)
Weitsicht und Zukunftsorientierung
Dank Edmund Stoiber bekommt München das größte Geschenk, das man sich vorstellen kann auch wenn die Wertschätzung auf Seiten der SPD-Stadtspitze eher gering ausfällt. Das Geld dafür ist als Investition in die Zukunft sicher gut angelegt. Im Vergleich mit verpulverten Milliarden in sozialen Projekten dürfen die 1,85 Millarden eher als Peanuts durchgehen.
tricky_dude (25.09.2007, 13:07 Uhr)
@kaisergarten
DANKE! Vor allem ist beim Punkt "sauberer" noch eines zu beachten: der Transrapid hat weniger Verschleißteile als ein herkömmlicher Zug. Dioe Kritiker sollten sich doch mal erkundigen wieviel Chemikalien und sonstige Schadstoffe beim Betrieb der herkömmlichen Eisenbahn anfallen. Ernsthaft!
Aber da drücken die Umweltverbände beide Augen zu.
kaisergarten (25.09.2007, 12:36 Uhr)
Unrentabel?
Warum planen seit einiger Zeit Staaten wie die USA, China, Japan und Russland Strecken mit Magnetbahntechnologie zu bauen? Weil die Technolgie sehr viel schneller, sauberer und leiser ist als die herkömmliche Bahntechnologie. Warum baut China bereits an einer eigenen Magnetschwebebahn, wenn das alles soo unrentabel ist?
tricky_dude (25.09.2007, 12:35 Uhr)
Ich könnte abkotzen!
Allerdings über die üblichen, debilen Kommentare dagegen!
@airstrikeBS: Volle Zustimmung!
Der blöde Flughafen existiert nunmal und er liegt weitab von der nächsten ICE-Strecke im Umkreis. Einen Fernbahnhof zu bauen, mit direkter Anbindung an die Hauptstrecken würde einiges mehr kosten. Die angedachte Express-S-Bahn ist auch humbug, da sie nur was bringen würde wenn man eine neue Strecke baut, genau wie beim Transrapid. Und wer einen "flächendeckenden Nahverkehr" fordert sollte mal überlegen wieviel Natur dadurch noch zerstört wird. Wenn der Transrapid nur 20% des Autoverkehrs zum Flughafen verhindert, dann hat er sich schon rentiert und es ist eine Tatsache daß viele in München lieber mit dem Auto hinfahren, anstatt sich in die lahme S-Bahn zu quetschen. Der existierende Flughafenbus ist auch keine alternative, da er auf die Staustrecken im Umland angewiesen ist.
romeodelta (25.09.2007, 12:32 Uhr)
@Silbador
was heißt "wir" - ich lebe nicht über meinen Verhältnissen und hab's nie gemacht - wie denn? - ich kann nicht einfach mein Einkommen per Beschluss erhöhen! - zum Transrapid - bekommt die Bahn das, nachdem der Steuerzahler alles bezahlt hat?
SirDidimus (25.09.2007, 12:20 Uhr)
Transrapid
Da wird mal was zukunftsweisendes arbeitsplatzsicherndes gemacht, und trotzdem meinen einige kleingeister, dass es nur schlecht ist. würden politiker so denken, wie die meißten hier reden, würden wir wahrscheinlich immer noch mit kutschen durch die gegend fahren.
Facti (25.09.2007, 12:17 Uhr)
Saubär Stoibär
Der Eurofighter kostet 616 Millionen € mehr als geplant. Der Transrapid soll 1,85 Milliarden kosten. Mal sehen was der Steuerzahler noch zuzahlen darf (muß). Und alles für 14 Jahre Äh, Äh, Ähdmund, der in 10 Minuten in den Hauptbahnhof einsteigen will. Ich weiß nicht ob ich heulen oder kotzen soll.
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