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Nützlicher Idiot

Horst Seehofers Reise nach Moskau spielt Wladimir Putin in die Karten. Dass der CSU-Chef trotzdem fliegt, zeigt vor allem eines: seine grenzenlose Abneigung gegenüber der Kanzlerin.

Ein Kommentar von Axel Vornbäumen

CSU-Chef Horst Seehofer

Er wird sagen können: Ich war gerade bei Putin. Horst Seehofer, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident

Reisen bildet. Es hat noch niemandem geschadet, mal ein paar Stunden in eine Richtung geflogen zu sein. Wer offen ist und wach, neugierig und aufnahmebereit, der wird noch immer mit einem erweiterten Horizont zurückkehren können.

Es kann also per se nichts Schlechtes daran sein, wenn jemand wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (den CSU-Altvorderen Edmund Stoiber im Handgepäck) in dieser Woche für knappe zwei Tage gen Moskau fliegt. Das Weltbild des CSU-Chefs ist in diesen Tagen ziemlich fest gezimmert. Ein paar bewusstseinserweiternde Denkanstöße von einem lupenreinen Autokraten, wie Russlands Präsident Wladimir Putin einer ist, können da nicht verkehrt sein. Oder sind wir jetzt zu zynisch, weil das Propagandainteresse beider Politiker – Seehofer wie Putin – zu klar auf der Hand liegt?

Horst Seehofer bei Putin - verzichtbarer Ego-Trip

Klar ist: Interessierte sich Horst Seehofer auch nur ein Jota für die Befindlichkeit der Kanzlerin in diesen schwierigen Zeiten – er hätte auf diesen Egotrip verzichtet. Es ist ja nicht so, dass der CSU-Chef als Naivling dem Kreml-Chef auf den Leim geht. Es ist noch weit perfider. Seehofer nimmt die Rolle des nützlichen Idioten Putins zumindest billigend in Kauf. Wahrscheinlich stört er sich nicht mal daran, dass er einem Mann die Hand drückt, dessen strategisches Interesse vornehmlich darin besteht, Europa zu spalten. Die über Merkels Flüchtlingspolitik tief zerstrittene EU ist da im Augenblick aus russischer Sicht ein dankbares Objekt. Um es anders auszudrücken: Seehofer kommt in Moskau nicht als Player an, sondern als Spielball. Er fällt Merkel in den Rücken.

Da muss schon die Eitelkeit groß oder die Abneigung gegenüber der Kanzlerin riesig sein, um sich als bayerischer Ministerpräsident auf solch eine Rolle einzulassen. Wahrscheinlich ist es beides.  

Nachhaltiger Kollateralschaden

Und der Kollateralschaden wird nachhaltig sein. Man darf ja auch nicht unterschätzen, dass die Wahrnehmung der eigenen Bedeutung nach solchen Stippvisiten auf der Weltbühne kräftige Ausschläge nach oben erfährt. Seehofers Reisebegleiter Edmund Stoiber beispielsweise ging mal bei einem Besuch bei US-Präsident George W. Bush extra noch mal im Weißen Haus auf die Toilette, um seinen Aufenthalt noch ein paar Minuten hinauszögern und nachher vor der Presse sagen zu können, wie lange man miteinander geredet hat. Wer um solche Begebenheiten bei derartigen Anlässen weiß, der bekommt eine Ahnung davon, wie Politiker bisweilen ticken.

Horst Seehofer? Wird schon nächste Woche ein Horst Seehofer sein, der sagen kann, er sei kürzlich bei Putin gewesen. Das stellt auf außenpolitischer Bühne noch keine Augenhöhe mit Merkel her, verringert aber die Distanz zur Kanzlerin in dieser Disziplin doch erheblich. So kann sich der Kreml-Fahrer sonnen im schrägen Glanz eines Wladimir Putin, der eben noch seinen Außenminister in eine absurde Propaganda-Klamotte um ein vermeintlich von Migranten in Berlin vergewaltigtes deutsch-russisches Mädchen getrieben hat.

Hoffentlich nur Blödsinn

Alles Blödsinn, wie sich im Nachhinein heraus stellte. Alles Blödsinn?  Wenn man das nach der Seehofer-Visite in Moskau wird sagen können, dann ist es noch glimpflich abgegangen.   

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