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19. November 2008, 14:40 Uhr

Regierung sagt Piraten den Kampf an

Im Kampf gegen die ausufernde Piraterie vor der Küste von Somalia will die Bundesregierung stärker eingreifen. Deutschland soll sich nach dem Willen des Verteidigungsministeriums mit einer Fregatte an der geplanten EU-Militäraktion beteiligen. Der Bundestag soll noch im Dezember darüber abstimmen.

Piraten, Golf von Aden, Horn von Afrika, Seeräuber, Afrika

Dies Bundeswehr soll gegen Piraten schneller vorgehen können© Johannes Eisele/DDP

Die Bundesregierung will den Bundestag möglichst bis Ende des Jahres über die deutsche Beteiligung an der EU-Mission zur Piratenbekämpfung entscheiden lassen. Man hoffe auf eine Befassung des Parlaments noch im Dezember, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" hat die Regierung ihren internen Streit über die Befugnisse der deutschen Soldaten beigelegt und will ihrerseits im Kabinett am 3. Dezember entscheiden. Der Ministeriumssprecher äußerte sich dazu nicht. Er könne zu Inhalten nichts sagen, da der Abstimmungsprozess noch laufe.

Nach einem Beschluss der Außenminister der Europäischen Union (EU) sollen die Marine-Einheiten am Horn von Afrika bis Ende Dezember einsatzbereit sein. Geplant ist die Entsendung von mindestens fünf Schiffen sowie mehreren Aufklärungsflugzeugen. Deutschland will sich mit einer Fregatte beteiligen. Bislang liefen die Vorbereitungen zur Operation "Atalanta" eher schleppend.

Schnelleres eingreifen ermöglichen

Bislang dürfen deutsche Marineschiffe - wie die Fregatte Karlsruhe, die am Horn von Afrika kreuzt - nur im Wege der Nothilfe die Piraten auf Entfernung abschrecken und sie so zum Rückzug zwingen. Da die Piraten aber immer dreister werden, will die Bundesregierung den rechtlichen Rahmen erweitern.

Die Bundespolizei soll künftig nur zum Einsatz kommen, wenn "hochrangige deutsche Interessen" berührt sind, berichtete "Die Welt" unter Berufung auf Regierungskreise - die Marine könnte also eigenständig bei Piratenüberfällen eingreifen. Die ursprüngliche Überlegung, wonach zur Sicherstellung der Aufgabenteilung von Polizei und Bundeswehr die Marineschiffe von Bundespolizisten begleitet werden müssten, sei damit überholt.

Auch von Seiten des Militärs werden Forderungen nach einem stärkeren Eingreifen laut: "Die internationale Staatengemeinschaft muss jetzt handeln. Wir müssen Flottenpräsenz zeigen", teilte der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS) mit. VDKS-Geschäftsführer Kapitän Karlheinz Follert sprach im Sender N24 von Versäumnissen der deutschen Regierung und forderte: "Marineschiffe müssen vor Ort sein. Sie müssen Handelsschiffe, wenn es nicht anders geht, im Konvoi durch dieses Seegebiet leiten, durch den Golf von Aden, die Hochstraße des Ostasienverkehrs."

Piraten, Golf von Aden, Horn von Afrika, Seeräuber, Afrika

Gefährliche Seegebiete

"Deutsche schauen weg"

Der Verband Deutscher Reeder beklagte ebenfalls Versäumnisse Deutschlands bei der Bekämpfung der Piraterie. "Da gibt es ein Verfassungsverständnis, das wir so nicht teilen, also dass nur in einer Notwehrsituation eingegriffen werden kann", kritisierte Hauptgeschäftsführer Hans-Heinrich Nöll in den "Stuttgarter Nachrichten". Es sei nicht richtig, dass die Mandate der internationalen Seestreitkräfte - auch das der Bundeswehr - primär auf die Terrorismus-Bekämpfung beschränkt seien: "Wir haben uns schon vor Monaten an die Fraktionen des Bundestags mit der Bitte gewandt, das Mandat der deutschen Marine entsprechend auszuweiten, haben aber bis heute keine klare Antwort erhalten", sagte Nöll.

Innerhalb von zwölf Tagen haben Piraten vor Somalia sieben Schiffe in ihre Gewalt gebracht. Die 330 Meter lange "Sirius Star" ist das größte Schiff, das jemals von somalischen Piraten entführt wurde. An Bord des Tankers: 25 Besatzungsmitglieder und zwei Millionen Barrel Öl im Wert von rund 100 Millionen Dollar.

msg/Reuters/AP/dpa
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
sedanon (20.11.2008, 16:25 Uhr)
Sollen sich Ölfirmen
doch gefälligst selbst um den Schutz ihrer Tanker kümmern.
Die Tanker verschiffen einen Netto-Warenwert von ~200 Millionen $ . Da ist nicht einzusehen, weshalb hier nicht ein paar hunderttausend Dollar für bewaffneten Begleitschutz übrig sein sollen.
n8g8 (19.11.2008, 19:03 Uhr)
Fischer und Fritzen
Die abgetakelte Fregatte KOLONIALISMUS soll also - am besten per Eilgesetz - wieder zum Leben erweckt werden, damit das "humane" EUROPA der Bevölkerung Afrikas weiter und noch mehr die Lebensgrundlage entziehen kann. Zitat eines Piraten, Tagesschau: "Die großen Schiffe haben unser Meer leergefischt, deshalb um leben zu können, kapern wir sie".-
Bei den Fischstäbchen ist Europa nicht stehen geblieben, es gibt bereits die Tomatendosen aus Italien etc. Und wie ich die Gier der europäischen Kapitalisten hierzulande erfahren habe, wird das total global ungehemmt so weiter gehen - mit Gewalt. Dabei finanziert die Welt-Bevölkerung ihre eigene Entmachtung zugunsten einiger wenigen, nimmersatten Ausbeuter.
Wen wundert es, wenn einigen Ausgebeuteten die Hutschnur reißt?!?
Sternobyl (19.11.2008, 18:44 Uhr)
Die Geschichte der Piraten ...
... ist traurig und schnell erzählt. Die Piraten waren vor ein paar Jahren noch Fischer. Als dann ausländische Fischflotten die Gewässer vor dem durch Bürgerkrieg zerrütteten Somalien stark leergefangen hatten, reichte den einheimischen Fischern ihr Fang nicht mehr zum überleben. Sie begannen die Ausländer vor ihrer Küste zu verjagen, immer vehementer, bis die ersten dann anfingen das Problem der Finanzierung offensiv anzugehen. Heute sind die Fischer nun Piraten, und wie immer werden die anständigen™ Staaten die Piraten so lange jagen, bis sie vernichtet sind. Dann sind ganz nebenbei unsere
Fischstäbchen für die nächsten Jahre auch wieder gesichert.
Wild_at_Heart (19.11.2008, 18:13 Uhr)
Piraten
Die Bekämpfung dieser Bedrohung kann man nicht "Krieg" nennen. In der Welt, in der die "Piraten" leben, versteht man leider nur Gewalt als Antwort.
@ Malt : Würd mich nicht wundern !!!!
Malt (19.11.2008, 16:30 Uhr)
EILMELDUNG!
Wie die DPA eben verlautbaren lies, wurde die deutsche Fregatte Karlsruhe vor der Küste Somalias von einem 5 Piraten, die sich per Schlauchboot annäherten, geentert. Die Lösegeldforderung....
jackiki (19.11.2008, 16:20 Uhr)
wie kriegsgeil...
...manche menschen doch sind.
mariahellwig (19.11.2008, 16:20 Uhr)
kann doch nicht so schwierig sein
Es kann doch nicht so schwierig sein, mit einer Horde Piraten fertig zu werden. Mit einigen Fregatten, Schnellbooten und Flugzeugen sollte man das Problem eindämmen können. Es fehlt wahrscheinlich nur an Entschlossenheit und Abstimmung.
picatd95 (19.11.2008, 16:03 Uhr)
Die Amis..
..sollten ihr beiden alten Schlachtschiffe der Iowa-Klasse dorthin schicken. DAS wäre eine Abschreckung. Es ist jedenfalls schon seltsam, dass die Piraten jetzt sogar schon (indische) Kriegsschiffe angreifen. Noch sind sie unterlegen, aber mit dem Lösegeld für den Supertanker sind bestimmt ein paar Torpedokäufe drin für die Piraten und dann geht es richtig los.
Schnaafpaaf (19.11.2008, 16:01 Uhr)
Die deutsche Bundesmarine hätte die
richtigen Mittel zur wirksamen Bekämpfung dieses Piratenungeziefers: Schnellboote mit einem klaren, ROBUSTEN KAMPFAUFTRAG! Keine Fregatten, viel zu unflexibel und schwerfällig gegen diese Form der Bedrohung, aber gut "zum Flagge zeigen" - wir sind da, aber machen uns die Hände nicht schmutzig! Das überlassen wir der "Super-Seemacht" Indien, die können das!
Albimonte (19.11.2008, 15:52 Uhr)
Die Regierung
sagt also den Kampf an. Die Bundeswehr wird also Piraten abwehren, Schiffen zu hilfe eilen und Piratenboote beschießen? Wer´s glaubt wird selig. Wir werden mit der Fregatte schön im Kreis herumfahren, nichts unternehmen und bei allerkleinsten Problemen die Verbündeten anfunken - warum sollte es anders sein als in Afghanistan?
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