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3. Oktober 2007, 11:10 Uhr

Fast wie bei Königs

Mit einer feierlichen Serenade verabschiedete die Bundeswehr gestern Abend den bayerischen Ministerpräsidenten. Edmund Stoiber nahm die vielen warmen Worte bescheiden entgegen und gab noch einen letzten grandiosen Versprecher zum Besten. Von Sebastian Wieschowski

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (M.) genießt seinen Abschied zwischen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (r.) und dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan© Timm Schamberger/DDP

Seite an Seite mit seiner Frau Gemahlin schreitet der silberhaarige Bajuwaren-Goldjunge Edmund Stoiber auf dem roten Teppich die Kaisertreppe hinauf in die Beletage des bayerischen Freistaats, wo sonst unter Kronleuchtern "echte" Staatsgäste empfangen werden. Otto Wittelsbacher, Karl der Große und Ludwig der Bayer blicken als Marmorbüsten mit versteinertem Blick auf den großen Bayern-Übervater herab, für dessen Antlitz - zumindest in der Galerie der Kaisertreppe - kein Platz mehr ist. Die versammelte politische Entourage des Ministerpräsidenten ist gekommen: CSU-General Markus Söder, der sein Lächeln smart in jede Kamera schiebt, der Regierungsverantwortungsalleinerbe Günter Beckstein, die bajuwarische Stimme der Bundesregierung Ulrich Wilhelm.

Obwohl sich der Mann, bei dem der Ausdruck "Ministerpräsident des Freistaates Bayern" manchmal wie ein einziges Wort klang, eigentlich nicht mehr bundespolitisch äußern wollte, bekommen seine Lieblingsthemen im Kaisersaal die letzte Ölung. Die Wehrgerechtigkeit beispielsweise sei für ihn gegeben, schließlich würden derzeit 80 Prozent der Männer eingezogen. Das ist nicht ganz richtig - nach den Zahlen, die die Bundeswehr der Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer mitgeteilt hatte, wurden 46,2 Prozent im ersten Halbjahr 2007 ausgemustert - aber wer legt in dieser historischen Stunde auf harte politische Fakten Wert? Wenig später beweist Stoiber, dass er auch auf dem blitzblanken internationalen Parkett auch ohne Transrapid ins Schleudern geraten kann. Die nukleare Gefahr von Süd, äh, Nordkorea werde unterschätzt. Ob Stoiber sich diesen Versprecher zurecht gelegt hat, sozusagen als halsbrecherisches "Bonmot" auf dem Weg ins europäische Walhalla der Akten? Dieses Geheimnis wird er nach Brüssel mitnehmen.

Mystisch-sanfter Schleier aus grauem Historienmuff

Vor dem Hofgarten beginnt die Götterdämmerung: Fünfzig Matrosen halten Fackeln in den Himmel, das Gemäuer der Münchner Residenz wird von einem gerade zu mystisch-sanften Schleier aus grauem Historienmuff umhüllt, es kommt staatstragende Romantik auf, wie sie der bayerische Otto Normal-Freistaatler gerne genießt. In die wartende Menge hat sich auch so mancher Oktoberfest-Gast verirrt. Ministerpräsidenten-Gattin Karin nimmt - fast wie bei Königs - auf einem goldenen Stuhl mit rotem Samtbezug Platz, während ihr Gemahl auf dem Podest die Brust herausdrückt und seinen Kopf in eine ernste Denkerpose schiebt, als stehe er für seine eigene Marmorstatue Modell. Mit gleichbleibend erhabenem Blick mustert Stoiber die Militärkapelle, deren schwere Stiefel auf dem nassen Asphalt wie die Ballett-Schuhe einer feinen Ballerina klingen.

Der bayerische Ministerpräsident höchstpersönlich hat die Musi ausgesucht, zu deren Klängen er sich von der landespolitischen Bühne verabschieden will. Für jeden Geschmack ist was dabei: Ufftata pur mit "Des Großen Kurfürsten Reitermarsch" für den Militaristen, der wesentlich lieblichere "Larida Marsch" für Musikantenstadl-Freunde und - man mag es kaum glauben - der Beatles-Klassiker "Let it be", ein persönlicher Wunsch Stoibers. Das Volk findet die Songauswahl klasse und klatscht energisch Beifall. Auf der VIP-Tribüne schaut man erst peinlich berührt - ein paar Augenblicke ist unklar, ob Beifallklatschen in Anwesenheit der Bundeswehr erlaubt ist - und klatscht dann doch die Hände zusammen.

Zum Abschied bekommt Edmund noch einen Hauch des staatspolitischen Pomps, den sonst nur deutsche Bundespräsidenten genießen dürfen. Keine zwölf weißen Mäuse, wie die Motorradpolizisten in Berlin liebevoll genannt werden, sondern fünf graue Motorrad-Mäuse von den Feldjägern eskortieren die schwarze Oberklasse-Kutsche des Noch-Regierungschefs. Der dreht sich noch einmal zum Volk, tut ein paar Schritte zurück, winkt mit der flachen Hand. Dann verschwindet er im Auto. Ede gut, alles gut. Man sieht sich in Brüssel.

Von Sebastian Wieschowski
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
FredGrimm (04.10.2007, 17:20 Uhr)
Pauli for President
Lassen wir doch mal dahingestellt, ob der Artikel nun gut oder schlecht ist. Es geht doch eigentlich nur um den Stoiber. Froh bin ich, ihn nicht mehr auf bayrischer Buehne sehen zu muessen, weniger froh darueber, dass er sich nun auch noch in Bruessel versuchen will. Auch dort wird ihm sein machtgeiler Un-Charakter hoffentlich keine Hilfe sein. Haette er keine blinden Flecken in der Selbstwahrnehmung, wuerde ich ihm empfehlen, eine Imbissbude fuer 80-jaehrige Rentnerinnen in Muenchen zu eroeffnen. Vorher sollte er dann aber noch zum Frisoer gehen.
groenifan (04.10.2007, 16:57 Uhr)
Peinliche Pöbelei
"Vielleich sollte der Stern eine Fehlerquote einrichten" Haben Sie in diesem Text auch nur einen Faktenfehler entdeckt? Ich nicht.
Sie beleidigen hier den STERN und den Autor in einer Weise, die nur noch lächerlich ist.
Ich habe eher das Gefühl, dass sich hier ein paar CSU-Getreuen um Stoibers Ehrenrettung bemühen.
vonSelbenstein (04.10.2007, 15:08 Uhr)
Bye, bye Ede!
Nun mal sachte mit den ganzen Kommentaren zu dem Autoren des Artikels. Sicherlich kann man darüber streiten, ob der Beitrag sachgerecht und angemessen geschrieben ist. Ich denke aber mal, dass mindestens ein verantwortlicher Journalist "drübergeschaut" und den Artikel freigegeben hat. @ Livia008: Es gibt eine einfache Art diese "schnoddrig hingerotzten" Artikel zu vermeiden. Einfach die Zeitung nicht mehr kaufen oder diese Website nicht mehr aufrufen.
Was mich allerdings mehr verwundert ist, dass ein Politiker, der nicht Verteidigungsminister ist, mit militärischen Ehren verabschiedet wird. Aber dem Steuerzahler sollte es auch schon ein paar lumpige Euros wert sein einen so verdienten Bayern in den Ruhestand zu verabschieden. Ich jedenfalls glaube, dass sich "Ede" Stoiber erheblich um die Comedykultur unseres Landes verdient gemacht hat.
Mobilerhausmeister (04.10.2007, 12:32 Uhr)
Der Sekundenkanzler
Nun mußte unser armer Stotter-Ede mit seiner Landesmutter nicht nur nach ein paar Sekunden Kanzlersein wieder abtreten, sondern dann wollten sie ihn in Bayern auch nicht mehr haben; was soll er jetzt also in Brüssel bewegen?
Dass sich dann unsere vielen Leserbrief schreibenden Legasteniker und -innen mit ihm solidarisch erklären ist doch verständlich!
Vielleich sollte der Stern eine Fehlerquote einrichten nach deren Überschreitung ein Beitrag nicht erscheint; das würde uns viele Ergüsse ersparen!
Euridike (03.10.2007, 16:06 Uhr)
Der Kritik schließe ich mich an,
ich finde diesen oberflächlichen, platten "Kommentar", mit dem sich jemand politisch auskotzt (pardon) eine Frechheit. Wer gewohnt ist sachlich differnziert zu denken, der kann so eine Art von "Journalismus" nur verabscheuen.
vonWittenberg (03.10.2007, 15:38 Uhr)
@ heosenkurva
??????? Aeh, wie wäre es bei Ihnen mit lesen und denken?
Es geht um die Art und Weise. Es geht darum, nicht schnöselhaft und damit überheblich zu schreiben. Wenn ich überheblich schreibe, dann "über hebe" ich mich über denjenigen, über den ich schreibe. Dämmerts langsam, heosenkurva?
Selbstverständlich kann man Stoiber kritisieren, auch die Art seines Abganges, nur Livia hat völlig recht, enweder als Satire oder als Kommentar oder informierend-sachlich.
henrytt (03.10.2007, 14:59 Uhr)
Der Kommentator ist noch peinlicher!
Gerne schließe ich mich einigen Vorschreibern an. Es ist einfach nur billig, solche schnoddrigen Kommentare hinzusauen. Das kann jeder hergelaufene Bild-Zeitungs-Schreiber mindestens genauso schlecht.
hevosenkuva (03.10.2007, 14:56 Uhr)
ganz recht, ganzbaf
wenn journalisten, kommentatoren oder satiriker jetzt immer mehr geleistet haben müssen als derjenige, über den sie schreiben - na dann gute nacht. was sind denn das für absurde vorstellungen.
ganzbaf (03.10.2007, 13:27 Uhr)
Wie soll man denn so eine Knallchargengestalt wie Stoiper sonst kommentieren?
...Wenn nich, wie einen schlecht erzogenen Rotzlöffel...
Livia008 (03.10.2007, 12:36 Uhr)
Wenn das journalistische Können nicht....
...zur Satire langt wird man eben sarkastisch.
Ich sympathisiere weder mit der CSU, noch mit Bayern. Aber diese immer häufiger schnottrig hingerotzten Kommentare gehen einen auf den Keks!
Ich denke die wenigsten interessieren sich für diese pubertäre Art von Journalismus.
Was soll das, dieser Artikel ist weder Info noch (meinungsbildender)Kommentar?!
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