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Beweg dich, Mann!

Frauen sind es leid, belächelt, begafft, betatscht zu werden. Anstatt sich zu verteidigen, sollten Männer den Frauen zuhören - und dazulernen. Das ist unangenehm, aber überfällig.

Von Christian Bartlau

  Demonstrantin auf dem "Slutwalk" im August 2011 in Berlin

Demonstrantin auf dem "Slutwalk" im August 2011 in Berlin

  • Christian Bartlau

Vor einigen Monaten ging ich im Morgengrauen die Straße zu meiner Wohnung entlang. Einige Meter vor mir lief eine Frau. Ich beachtete sie nicht weiter, ich hatte genug damit zu tun, geradeaus zu laufen. Mir fiel nicht auf, dass sie immer schneller wurde. Erst als sie die Haustür öffnete, durch die auch ich gehen musste, und sie mir vor der Nase zuschlug, begriff ich, was los war. Durch die Glasscheibe sah ich ihren gehetzten Blick und erschrak: Diese Frau hatte Angst vor mir. Sie wusste nicht, dass wir im selben Haus leben.

Zuallererst: Ich will nicht, dass eine Frau Angst vor mir haben muss. Ich will nicht, dass es für eine Frau unbehaglich ist, wenn sie mit mir allein in einem Aufzug steht oder in einem Zugabteil sitzt. Ich will nicht, dass sich eine Praktikantin, die in zehn Jahren zu einer Besprechung in mein Redakteurs-Büro kommt, unwohl fühlt.

Ich will auch nicht, dass sich meine Freundinnen Gedanken darüber machen, wo und wann sie joggen gehen. Ich will nicht, dass sie sich überlegen müssen, ob sie einen Rock anziehen und wie lang er sein darf. Ich will nicht, dass sie sich in einer Runde mit Männern miese Chauvi-Witze anhören müssen. Ich will nicht, dass sie nie zu Wort kommen, nie Ernst genommen werden, immer still halten müssen, weil sie "ja nur die kleinen Püppchen" sind.

Aber sie müssen es, weil unsere Gesellschaft sexistisch ist. Das ist die traurige Wahrheit. Männer glotzen, starren, pfeifen, tatschen, greifen, grabschen. Sie witzeln, belächeln, verhöhnen, werten ab. Natürlich nicht alle, aber darum geht es in dieser Debatte nicht. Sondern darum, dass kein Mann hinnehmen darf, dass Frauen sich ständig bedrängt fühlen.

Wir haben ein Problem

Wer die Diskussionen um Laura Himmelreichs und Anett Meiritz' Artikel verfolgt, wer die Erlebnisse von Frauen liest, die unter dem Hashtag #aufschrei bei Twitter zu Tausenden dokumentiert werden, kann nur zu einem Schluss kommen: Das muss aufhören, sofort.

Es ist schwer, sich als Mann richtig zu verhalten, beklagen viele Stimmen im Netz und in den Kommentatorenspalten. "Durch #aufschrei bin ich verunsichert. Was ist okay, was geht zu weit. "Er brauche eine Art "Manual", schreibt User @stoikr auf Twitter. Vielleicht geht es aber auch ohne Handbuch.

Am Anfang steht das Eingeständnis, dass wir ein Problem haben, dass wir in einer sexistischen Gesellschaft leben. An diesem Punkt muss die Diskussion beginnen. Es ist kontraproduktiv, wenn Männer als Abwehrreflex den Blick auf andere Probleme lenken. Ja, wir müssen darüber reden, ob Jungs in unserem Bildungssystem benachteiligt werden. Aber nicht jetzt, nicht hier.

Er sei froh über die Debatte, schreibt Blogger Alf Frommer, "weil ich darin in erster Linie eine Aufforderung sehe, mich selbst zu überprüfen." Und er ist nicht allein: Unter dem Hashtag #scham berichten Männer auf Twitter über ihre Fehler - aber auch über ihre Unsicherheit.

Hört zu!

Wie ein Mann sich richtig verhält? Die roten Linien sind dick und sichtbar. Berührungen ohne Einwilligung gehen gar nicht. Und übrigens: Nein heißt nein heißt nein.

Für alles andere gilt: Es braucht Einfühlungsvermögen, auch gegenüber Fremden. Wenn eine Frau an einer Bushaltestelle von einem Mann belästigt wird, muss man einschreiten. Wenn eine Frau in einem Club bedrängt wird, ist es legitim, sie zu fragen, ob das für sie okay ist. Nicht weil alle Frauen einen starken Beschützer bräuchten - sondern damit sie darauf vertrauen können, dass sie Hilfe bekommen, wenn sie aufdringliche Männer nicht allein abwimmeln können. Und wenn der Chef Zoten über eine Kollegin reißt, darf der Applaus auch mal ausbleiben.

Das sollen keine Regeln sein, nur Vorschläge. Fühlt euch nicht angegriffen, Männer. Hört euren Freundinnen, Partnerinnen, Müttern, Schwestern zu. Und zieht eure Schlüsse daraus.

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