Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

CDU-Politiker Heibel will nicht zurücktreten

"Menschenverachtend", "peinlich": CDU-Politiker Heibel provozierte einen Shitstorm, weil er öffentlich bedauerte, dass Schwulsein nicht mehr strafbar ist. Trotzdem will er seine Ämter behalten.

Von Oliver Fuchs

  So präsentierte Sven Heibel seine Ausgabe des Strafgesetzbuches auf Facebook: mit eingeklebtem Unzuchtsparagrafen aus den 70er-Jahren gegen schwule Männer. Inzwischen hat Heibel das Foto gelöscht.

So präsentierte Sven Heibel seine Ausgabe des Strafgesetzbuches auf Facebook: mit eingeklebtem Unzuchtsparagrafen aus den 70er-Jahren gegen schwule Männer. Inzwischen hat Heibel das Foto gelöscht.

Sven wer? Sven Heibel aus Herschbach in Rheinland-Pfalz. Bis zu diesem Donnerstagmorgen kannte so gut wie niemand den 32-jährigen CDU-Politiker, dessen auffälligstes Merkmal seine ständig wechselnden Brillenmodelle zu sein schienen. Doch dann beging er auf seiner Facebook-Seite auf sehr spezielle Weise ein Jubiläum: Vor 20 Jahren wurde in Deutschland der Paragraph 175 abgeschafft, welcher Homosexualität unter Strafe stellte.

Jurist Heibel schrieb: "Ich weiß nicht, ob das ein Grund zum Feiern ist." Dazu postete er ein Bild, das seine Ausgabe des Strafgesetzbuches zeigt. Darin eingeklebt: der längst abgeschaffte Paragraph 175 über "Unzucht zwischen Männern". Stolz kommentierte Heibel: "In meinem StGB immer noch vorhanden … und es bleibt es auch." Ach so: Schwule wieder in den Knast?

"Es fehlt nur die Mordrohung"

Nachdem sich deswegen in rasender Geschwindigkeit sowohl auf Facebook als auch auf Twitter ein Shitstorm gegen Heibel entwickelt hatte ("menschenverachtend", "hinterwäldlerisch", "peinlich"), ist der Lokalpolitiker vorsichtiger geworden. Er löschte den Post, und veröffentlichte den Versuch einer Klarstellung. Auf eine Anfrage der Onlineausgabe des stern schreibt Heibel in einer Mail: "Dieser Poste war über das Ziel hinausgeschossen, und ich würde dies so nicht wieder tun." Zu seiner aktuellen Situation bemerkt er: "Mir geht es gut, allerdings bin ich von einigen Reaktionen nicht nur überrascht, sondern schockiert. Es fehlt nur noch eine Morddrohung, sonst habe ich alles erhalten. Wenn ich geahnt hätte, welche Reaktionen dies auslöst, hätte ich dies nicht getan."

Heibel schreibt, er habe mit seinem Posting nicht für die Wiedereinführung der Strafbarkeit von Homosexualität werben wollen. "Meine Intention war eine andere." Welche das war, lässt er offen. "Spiegel-Online" hatte er kurz zuvor noch gesagt, es gäbe gewisse Tendenzen in der Gesellschaft, die zu tolerieren, aber nicht unbedingt gutzuheißen seien. Es fände eine "Glorifizierung von Homosexualität" statt. "Es kann doch nicht unser Leitbild sein, dass möglichst viele Kinder schwul werden." Eine klare inhaltliche Distanzierung sieht anders aus.

"Sehe keinen Grund zurückzutreten"

Unterdessen lösen sich die politischen Netzwerke rund um Heibel auf. Der etwas beleibte FC-Bayern-Fan wird auf der Homepage der Verbandsgemeinde Wallmerod noch als Ortsbürgermeister des 900-Seelen-Örtchens Herschbach ausgegeben, ist aber bei den Kommunalwahlen am 25. Mai durchgefallen. Gleichwohl amtiert er als Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands und Beisitzer des Landesvorstandes der Jungen Union Rheinland-Pfalz. Und dabei soll es auch bleiben - meint Heibel; "Ich sehe keinen Grund von meinen Ämtern zurückzutreten", schreibt er stern-Online.

Viele sehen das anders. Selbst die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner schaltete sich ein. Auf Twitter schrieb sie zu Heibels Tiraden gegen Schwule:

"Klar machen, wofür ich stehe"

Auch der Bundesvorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union schüttelt den Kopf. "Die Lebenswirklichkeit in Deutschland ist scheinbar noch nicht im letzten Westerwald-Dorf angekommen", sagte Alexander Vogt stern-Online. Vogt forderte, die CDU und die Junge Union in Rheinland-Pfalz müssten klarstellen, dass Homosexualität und Strafrecht in unserer heutigen Gesellschaft nichts miteinander zu tun hätten. Gabi Wieland, die Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Westerwald, dem Wallmerod angehört, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ihr direkter politischer Konkurrent, der SPD-Kreisvorsitzende Hendrik Hering, nannte den Facebook-Post im Gespräch mit stern Online "menschenverachtend". Jemand mit einer solchen Grundeinstellung habe in einer Volkspartei nichts verloren. Auf ihrer Facebook-Seite fordert die SPD Westerwald Heibels unverzüglichen Rücktritt. Auf Heibels eigener Facebook-Seite kündigt ein Parteifreund aus der Jungen Union an, Heibels Abwahl aus dem JU-Landesvorstand zu beantragen.

Vor gut einem Monat sah für Heibel die Welt noch anders aus. Im Wahlkampf-Endspurt um das Amt des Herschbacher Bürgermeisters gab er der #link; pic.twitter.com/x0dvcjgO1x; "Westerwälder Zeitung"# ein Interview. O-Ton Heibel: "Ich halte nichts von Blockaden und Rückwärtsgewandtheit, sondern möchte nach vorne schauen und klar machen, wofür ich stehe und vor allem zudem stehen, was ich sage."

Mitarbeit: Lutz Kinkel
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools