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28. August 2006, 20:11 Uhr

Leipzig will Hartz-IV-Empfänger in Bussen einsetzen

Hartz-IV-Empfänger sollen für mehr Sicherheit in Zügen und Nahverkehr sorgen, hat Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee gefordert und damit für Diskussionen gesorgt. Leipzig will den Vorschlag als erstes umsetzen.

Langzeitarbeitslose sollen in Leipzigs Straßenbahnen und Bussen für mehr Sicherheit sorgen© Jens Schlueter/DDP

Hartz-IV-Empfänger als Begleitpersonal im öffentlichen Nahverkehr sollen schon bald in Leipzig erprobt werden. Das teilte der Sprecher des Bundesverkehrs- und Aufbau-Ost-Ministeriums, Dirk Inger, am Montag mit. Das Projekt soll am Donnerstag in Leipzig vorgestellt werden. Der Vorschlag von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Arbeitslose in Bussen und Straßenbahnen auch für die innere Sicherheit einzusetzen, war auf heftige Kritik und beißenden Spott in Politik und Verbänden gestoßen.

Mehr Sicherheit und Hilfe für Fahrgäste, weniger Vandalismus

Tiefensee - früher Oberbürgermeister von Leipzig - wies Berichte als "Unsinn" zurück, er wolle mit Hartz-IV-Empfängern "den Terrorismus und El Kaida bekämpfen". Vielmehr gehe es um den Fahrservice im Nahverkehr. Das bedeute, "dass Langzeitarbeitslose in Bussen und Straßenbahnen einer Großstadt zum Beispiel den Menschen, die dort ein- und aussteigen, behilflich sind, und Auskünfte zu Fahrplänen geben". Auch sollte ihre Anwesenheit - wie früher Schaffner - dazu beitragen, dass es weniger Vandalismus und Graffiti gebe. Inger ergänzte, an dieser Stelle gehe es auch um die Sicherheit für Fahrgäste: zum Beispiel in Randzeiten am frühen Morgen oder späten Abend. Im Konfliktfall sollten die Kräfte nicht selbst eingreifen, sondern die Polizei benachrichtigen.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil empfahl, Tiefensees Vorschlag genau zu lesen. "Er hat nicht an die Wand gemalt, dass irgendwelche Menschen, die langzeitarbeitslos sind, nun als Terrorismusjäger in der Bahn rumspringen sollen." Es gehe darum, zu diskutieren, welche Möglichkeiten es gibt im Bereich der gemeinnützigen Arbeit, zum Beispiel im Nahverkehr.

"Bei dem Projekt geht es in keinster Weise um Terrorismusbekämpfung"

In Leipzig sorgten die Aussagen zunächst für Verwirrung. Der Stadt war ein derartiges Projekt nicht bekannt. Nach Angaben der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) soll ein entsprechendes Projekt jedoch bei der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen an diesem Donnerstag von der Arbeitsgemeinschaft ARGE vorgestellt werden. "Wir wollen Langzeitarbeitslosen die Chance zur Integration in den Arbeitsmarkt mit sinnvollen Beschäftigungsfeldern geben", sagte LVB-Sprecher Reinhard Bohse.

Überlegungen dazu gebe es seit einigen Monaten auch bei der LVB. Angaben zur Anzahl der eingebundenen Menschen oder auf welcher Basis sie beschäftigt werden sollen, konnte Bohse nicht machen. Es sollte Vandalismus verhindert oder älteren Menschen geholfen werden. "Bei dem Projekt geht es in keinster Weise um Terrorismusbekämpfung oder die Verbesserung der Sicherheit", sagte er.

Ihre Meinung

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DPA
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
viotto (29.08.2006, 12:15 Uhr)
SCHANDE!
Wie können die HARTZIV- Empfänger ein Service in Bussen und Bahnen anbieten, wenn sie nie vielleicht in diesen Dienstleitungsbereich gearbeitet haben? Diesen unfreudlichen und unkompetenten Service erlebe ich auch immer wieder in Geschäften, in denen meistens billige unqualifizierte Arbeitskräfte arbeiten. Die Leute brauchen keine Beschäftigungstherapien, sondern Arbeiten die ich gerne mache und die sich löhnen. Wenn ich in so einem Buss für Service eingesetzt werde, dann werde ich bestimmt die ganze Wut und Agression auf die "armen" Kunden loslasse. Ist auch verständlich warum!?
Wer sich diese Beschäftigungsprogramme ausdenkt ist doch weit entfernt von der Realität?
endbenutzer (29.08.2006, 08:09 Uhr)
Bundesarbeitsdienst
Wieder eine tolle Idee, Langzeitarbeitslose von der Straße zu bekommen. Gerade im Osten stelle ich mir die ganze Sache sehr interessant vor, wenn Arbeitslose Neo-Nazis in der Straßenbahn für Ordnung sorgen sollen..
Dewerth (29.08.2006, 07:07 Uhr)
Linien der Vernunft
Die Ratlosigkeit der Politiker treibt weitere Blüten. Was auch sonst? Jeden Tag eine gute Tat, genau das Richtige für Hartz-IV-Empfänger, die ansonsten dreist faul zuhause abhängen und die schwer arbeitende Bevölkerung verhöhnen, während sie in ihren TUI-Katalogen blättern, wann es wieder ein paar Wochen in die Karibik geht. Was kommt als Nächstes? Der Wald könnte mal wieder gekehrt werden.
novemberkind (28.08.2006, 23:49 Uhr)
Bus&Bahn Sklaven
Es ist wirklich deprimierend zu sehen, wie Menschen solche Vorschläge ernst nehmen können und auch noch darüber diskutieren...es hat doch alles mal ganz anders angefangen: 1€ Jobs nur zu Zwecken, in der kein Fest Angestellter Mitarbeiter benötigt wird oder es der Allgemeinheit dient.
Nun wird bereits darüber nachgedacht, Stellen, die eigentlich von Zug- und Bahnbegleitern (die ja auch Steuern zahlen, konsumieren und so dem Staat wohl viel mehr "dienen" würden) mit solch armen Seelen zu besetzen und Ihnen immer mehr die Hoffnung auf eine Ende Ihres Elends zu nehmen.
Man fragt sich wirklich, wo dies noch hinführen soll...wo soll das Geld herkommen, wenn so viele am Existenzminimum leben? Wer soll konsumieren und für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen, wenn jede Möglichkeit ausgenutzt wird, die zu untergraben? Je mehr solche Leute, die einfach nur noch weltfremd denken, solche Vorschläge bringen werden, je mehr wird es den Berg abwärts gehen. Der Staat dient ja nur noch den Wirtschaftsvertretern und schon lange nicht mehr dem Volk. Ihnen geht es um Ihr eigenes Ego viel mehr, als um denen, die Sie gewählt und in Amt und Würden gebracht haben. Diese Menschen sind nur noch “Material“ das man verwalten muss. Leider wird das einfach wieder akzeptiert werden, weil keiner "Lust" hat, sich darüber aufzuregen...Man kann ja eh nichts ändern...es ist immer das gleiche Spiel...
---exi--- (28.08.2006, 20:57 Uhr)
auch genötigte Arbeitslose bleiben Arbeitslose
wenn Tiefensee meint, daß die Bahn- und Buslinien mehr Service brauchen, besser bewacht sein sollen und eine regelmäßige Fahrkartenkontrolle erfordern, dann sollen die Menschen fest eingestellt werden. Als Servicefachkräfte, als Bahnpolizisten, als Fahrscheinkontrolleure und Ticketverkäufer. Damit würde er die Arbeitslosenzahl senken.
Aber mit seiner Schnapsidee zementiert er die Arbeitslosigkeit, beledigt er die Kundschaft und schadet er den Unternehmen.
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