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5. Juni 2007, 12:15 Uhr

Die Steinewerfer haben schon gewonnen

Die Gewalt am Rande des G8-Gipfels hat eine hektische Sicherheitsdebatte ausgelöst. Sie hilft niemandem, schon gar nicht der Polizei. Wer jetzt nach Sündenböcken sucht, besorgt lediglich das Geschäft des Schwarzen Blocks. Von Hans Peter Schütz

Steine, Randale, Gewalt: Der Schwarze Block macht Krawall, die Politik Schuldzuweisungen© Danny Gohlke/DDP

Wer ist schuld am Schwarzen Block? Ganz klar, sagt die CDU aus dem Mund ihres Generalsekretärs Ronald Pofalla, die SPD. Sie müsse endlich entschiedener als bisher gegen linksradikale Gewalt auftreten. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagt, ganz klar: Die Linkspartei ist schuld. Sie müsse sich endlich klarer von Gewalttätern distanzieren. Linksparteichef Lothar Bisky sagt, ganz klar: Innenminister Wolfgang Schäuble ist schuld. Der mit seiner "Sicherheitshysterie" ein Klima der Gewalt provoziert habe. Ein Ringelreihen der Schuldzuweisung ist in Gang gekommen.

Bayerns CSU-Innenminister Günter Beckstein, nennt die Polizeiführung in Rostock unfähig. Berlins SPD-Innensenator Ehrhart Körting ruft nach einem Verbot von schwarzer Kleidung bei Demonstrationen und beschimpft die Bundesregierung, weil sie die Einreise gewalttätiger Ausländer nicht verhindert habe. Die Polizeigewerkschaft denkt über den Einsatz von Schusswaffen bei Demos nach und nennt Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier einen völligen Versager. Kanzleramtsminister Thomas de Maiziere fordert die unverzügliche Einstellung des entbrannten Wortkriegs, weil das Deutschlandbild im Ausland sowie das Ansehen der Kanzlerin Schaden nehme.

Wie bei der "Reise nach Jerusalem"

Nach den Krawallen von Rostock geht es bei den politisch Beteiligten zu, wie wenn Kinder die "Reise nach Jerusalem" spielen. Wer sich nicht schnell genug einen Platz auf dem gepolsterten Stuhl der Unschuld ergattert, dem bleibt am Ende die Rolle des Sündenbocks. Und wie in der Politik üblich, wird die Schuldzuweisung an die Anderen unverzüglich mit dem forschen Ruf verknüpft, jetzt müsse aber mal gründlich aufgeräumt werden. Also her mit noch schärferen Gesetzen, her mit noch höheren Schutzzäunen, her mit noch stärkeren Wasserwerfen. Jetzt müsse der Knüppel aber mal richtig aus dem Sack. Und überhaupt: Die lasche Polizei soll endlich mal richtig reinhauen.

Der Schwarze Block kann sich freuen: Er hat gewonnen, er ist Sieger. Wen interessiert denn noch der G8-Gipfel in Heiligendamm? Was soll denn noch das Gerede über Aids in Afrika oder Klimakatastrophe?

Recht auf Demonstration ist unverzichtbar

Es ist eine absurde Debatte, die von der Politik jetzt losgetreten wird. Das Recht auf Demonstration ist unverzichtbar für eine Demokratie. Und die überwiegende Zahl der Demonstranten geht mit diesem Instrument des Kampfs um politische Inhalte auch vor Heiligendamm verantwortungsvoll um. Ihre Themen sind ernst zu nehmen. Sollen sie darauf verzichten, weil autonome Randalierer die Gelegenheit missbrauchen, sich hirnlose Straßenschlachten mit der Polizei zu liefern? Nein. Die friedlichen Demonstranten haben ein Recht auf Protest.

Es gibt nun einmal keine Patentrezepte gegen die Krawalltouristen aus aller Herren Länder. Wie die Hooligans in den Fußballstadien interessiert sie das Spiel nicht. Sie sind keine Globalisierungsgegner, sie suchen nur Gewalt als Nervenkitzel. Die Politik sollte jetzt aber nicht mit fixen Schuldzuweisungen der Polizei in den Rücken fallen. Es gibt keine Patentrezepte, auch der Ruf nach mehr Härte ist keines.

Wenn in diesem Zusammenhang etwas falsch gelaufen ist, dann die Sturheit, mit der die G8-Staaten an dieser überflüssigen Form eines Polit-Gipfels festhalten. Konkrete Ergebnisse werden kaum am Ende stehen, zumindest dürften sie in keinem Verhältnis zum finanziellen und personellen Gigantismus dieses Gipfels stehen. Der Rechtsstaat wird mit dieser Form der Mammutkonferenzen lediglich in eine Kraftprobe geschickt, bei der er nur verlieren kann.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
sachsenwini (06.06.2007, 09:28 Uhr)
zur übelsten Verbrecherform
Sehr geehrter Herr KRUEGER,
bevor Sie mit Ihrer Menschenvernichtungsaktion und der Ausrottung aller maskierten menschenähnlichen Gestalten beginnen, möchte ich Ihnen zu Bedenken geben, dass es da in der Karnevalszeit zu einem unvorstellbaren Blutbad kommen würde und dass auch Einsatzkommandos der Polizei vermummt operieren.
kruegerh (06.06.2007, 00:32 Uhr)
Übelste Verbrecherform...
Egal wo und wann, maskierte, menschenähnliche Gestalten in der Öffentlichkeit, sollte auf der Stelle erschlagen oder am nächsten Baum aufgehängt werden.Dieses Gesindel ist der übelste Virus, von dem die Menschheit jemals angefallen wurde. Und bitte nicht vergessen die Ordnungshüter (???) und verantwortlichen (???) Politiker, die da tatenlos mitschuldig werden, ebenso vernichten.
Für diesen Schweinestall sind Abermillionen unserer Väter und Mütter umgekommen.
Mit einem Kopfschütteln...
Horst Fritz KRUEGER
sachsenwini (05.06.2007, 17:00 Uhr)
Na, das scheint ja geklappt zu haben.

Da unser Polizeiapparat nach deutscher Tradition eher rechtslastig ausgerichtet ist, fällt es ihm natürlich nicht schwer, in jedem Gegner automatisch einen Linksradikalen zu erkennen. Hat man das in den Medien erst einmal oft genug wiederholt, wird es auch vom Durchschnittsbürger als bewiesen empfunden.
Nun braucht man nur noch die so sorgsam konstruierten linksradikalen Chaoten mit der Linkspartei in eine logisch erscheinende Verbindung bringen und so wird auch diese kriminalisiert. Damit macht man so ganz nebenbei die scheinbar ganz unschuldigen Neonazis wieder salonfähig ohne sie überhaupt zu erwähnen.
Das alles hatte ja nach dem Reichstagsbrand schon einmal ganz gut geklappt.
inselkarl (05.06.2007, 15:11 Uhr)
Black power
mich erinnern die martialisch gestikulierenden Steine- und Flaschen werfenden pubertierenden Machos ganz stark an Mussolinis faschistische Sturmtrupps, aber auch ein Vergleich mit SA Horden oder Rot-Front-kämpfern drängt sich auf. Nach 75 Jahren wiederholt sich zwar Geschichte nicht eins zu eins aber es ist schon erstaunlich wie viele Antifaschisten, Gutmenschen und Defätisten die Gewalt dieser hirnlosen Bande verniedlichen ,erklären und die Schuld immer wieder der Polizei zuschieben. Und es ist keine Frage ob links oder rechtsextremes Gedankengut sich hinter den Kaputzen versteckt: Sie wollen den Kapitalismus, und damit die Lebensgrundlage unserer Gesellschaft mit der 95 % ganz gut leben können, zerstören. Die intellektuelle Schützenhilfe auch anderer Demonstanten wie des PDS Organisators Schädel und die grimmigen Klassenkampfparolen des Oskar Lafontaine aus Bad Doberan giessen Öl ins Feuer. Die Parolen der Schwarzjacken sind linksradikal, ihre Vorgehensweise faschistsich, deshalb bleibe ich auch bei der Bezeichnung: Linksfaschisten!
Malt (05.06.2007, 14:48 Uhr)
@Frei_Talk
Da kann man nur hoffen, dass bei Ihnen in der Nähe mal so eine Großaktion der Polizei stattfindet und Sie auf dem Nachhauseweg zwischen die Fronten geraten.
Dann werden Sie vielleicht auch mal Zeuge davon, dass die, die von der Polizei vermöbelt werden, in den seltensten Fällen die sind, die Steine geworfen haben, sondern die, die so blauäugig sind, nicht schnellstmöglich die Beine in die Hand zu nehmen. Denn wer da denkt, "ich habe ja nichts gemacht und muss mich deshalb auch nicht vor der Polizei fürchten" findet sich schnell unter 4 mit Ihren Knüppeln auf einen einschlagenden Polizisten wieder. Vielleicht würde Ihnen das helfen, solche unsagbar dummen Aussagen nicht noch einmal zu machen.
iovialis (05.06.2007, 14:45 Uhr)
Wer ist der "Schwarze Block"
Tja, wer hat denn behauptet, daß der "Schwarze Block" Linke sind? Vielleicht sind's ja auch rechte, die den Linken etwas "anlasten" wollen? Der "Schwarze Block" ist eine "Black-Box", wie der internationale Terrorismus - ein Phantom, dem man alles negative anlasten kann. Wer weiß denn, wer in dieser "Black-Box" steckt? Vielleicht paßt sie manchem sogar gut ins Bild?
Die Geschichte lehrt uns, daß es schon lange die Taktik gibt, jemandem anderen etwas in die Schuhe zu schieben, um ihn dann zu verfolgen. Und die Medien machen kräftig mit - alle fallen auf den gleichen, alten Trick herein.
thebender (05.06.2007, 14:32 Uhr)
tz
Wer Steine werfen will, soll Steine klopfen gehen. Und diese dämlichen Argumente immer "gegen Globalisierung... gegen dies und das.. gegen das und das...". Wie soll die Marktwirtschaft bitte ohne Globalisierung auskommen? Die Deutschen sind da ja Spitzenreiter mit Geiz-Ist-Geil-Geschrei. Wehe der Pfirsich kostet mal 20 cent mehr, oder es gibt kein Schnäppchenangebot bei Fernseher.
Die Zeiten in der sich eine Region selbst versorgen kann ist schon lange vorbei.
arasnu (05.06.2007, 13:39 Uhr)
Polizeiblättchen
"Die Politik sollte (...) nicht (...) der Polizei in den Rücken fallen." Dies ist meine erste und letzte Eintragung, ich habe Sie schon seit den Hitler-Tagebüchern nicht mehr ernst genommen, jetzt aber werde ich Sie noch nicht einmal mehr zur Kenntnis nehmen.
Frei_Talk (05.06.2007, 13:13 Uhr)
Die Steinewerfer haben schon gewonnen
So ein Quatsch, immer diese abschließenden Analysen am Anfang. Solche blöden Texte lasen die gewinnen. Die haben noch nie gewonnen im Leben und werden nie gewinnen. Das Problem welches die Politik hat, ist das sie nicht das tun, was zu tun wäre.
Es wird sich nicht getraut durchzugreifen. Aber diese Feiglingsmentalität ist halt deutsch. Gebt der Polizei die Ausrüstung die sie braucht, auch Gummigeschosse und hört auf mit dieser irren Deeskalationssch...Autonome aufspüren, stellen und sie es spüren lassen. In dem Moment und überall.
Malt (05.06.2007, 13:11 Uhr)
So sieht's aus!
Wie schon beschrieben, bleiben von dem G8 Gipfel am Ende nur die Bilder von Straßenschlachten und eine gigantische Rechnung hängen. Wenn man dann auch noch die Aussage der Kanzlerin von heute Morgen, es dürften keine konkreten Ergebnisse erwartet werden, liest, fragt man sich schon, was dieser ganze Unsinn dann überhaupt soll. Warum treffen sich die Damen und Herren denn überhaupt, wenn schon im Vorfeld klar ist, das nichts dabei rauskommt? Irgendwie bekommt man den Eindruck, dass es sich hierbei lediglich um das teuerste Kaffeekränzchen aller Zeiten handelt, dass sich diese profilierungssüchtigen Möchtegerndemokraten vom deutschen Steuerzahler finanzieren lassen.
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