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12. Mai 2011, 11:30 Uhr

Cum laude!

Und wieder ist eine schillernde Politikerfassade in sich zusammengefallen: Silvana Koch-Mehrin, FDP, geht. Gelobt werden muss sie trotzdem. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Dissertation, Doktorarbeit, FDP, FDP-Politikerin, FDP-Präsidium, Plagiatsaffäre,   Plagiatsverdacht,   Plagiatsvorwürfen,   Präsidiumsmitglied, Silvana Koch-Mehrin, Universität Heidelberg, Vizepräsidentin

Das Doktorkrönchen war aus Pappmachè: Europapolitikern Silvana Koch-Mehrin, FDP© Andreas Rentz/Getty Images

Und wieder ist eine weg. Eine jener aufgeblasenen politischen Plastikpuppen, die seit längerem vermuten lassen, ihre Substanz bestehe vorwiegend aus heißer Luft. Tschüss Silvana! In gewisser Weise ist der Fall Silvana Koch-Mehrin (FDP) mit dem Fall Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) vergleichbar. Auch sie hat eine glänzende Karriere gemacht, medial jedwede Chance der Selbstdarstellung nutzend, selbst das Babybäuchlein hat sie noch profilschärfend in die Kamera gehalten.

Mutter wollte sie sein, Unternehmerin, Spitzenpolitikerin, Doktorin. Kein Wunder, dass der Freidemokratin kaum noch Zeit blieb, ihren Arbeitspflichten im Europaparlament nachzugehen - wofür sie sich streng tadeln lassen musste. Auch bei zu Guttenberg wird allmählich immer deutlicher, dass er seine politischen Pflichten schleifen ließ. Er rief im Alleingang die Abschaffung der Wehrpflicht aus, ohne ein Konzept zu haben, wie es dann weitergehen soll mit der Bundeswehr.

Es ist einfach so: Wer sich wie Koch-Mehrin und Guttenberg pausenlos selbstverliebt vor dem Spiegel bewundert, dem bleibt wenig Zeit für das mühselige Tagesgeschäft. Und noch weniger für die Wissenschaft. Der Doktortitel, das Krönchen, das beide so gerne vor dem Spiegel trugen - es war aus Pappmaché.

Fall Guttenberg

Worin sich Koch-Mehrin indes sehr positiv von zu Guttenberg unterscheidet: Sie tischte uns nicht laufend neue Ausreden auf wie der Ex-Verteidigungsminister, sie versuchte nicht, das EU-Parlament mit abgefeimten Formulierungen an der Nase herumzuführen wie der CSU-Mann den Bundestag.

Koch-Mehrin hat eingesehen, dass man einen erschwindelten Doktortitel nicht einfach wegschwindeln kann. Sie schwieg eisern - und ist dann plötzlich von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Gerade noch rechtzeitig, um ihrer FDP und ihrem Chefförderer Guido Westerwelle eine blamable Personaldebatte auf dem FDP-Parteitag in Rostock zu ersparen.

Frauen in Führungspositionen sind auch bei der FDP Mangelware, der designierte Parteichef Philipp Rösler sucht händeringend nach repräsentablen Politikerinnen - aber mit Koch-Mehrin war kein Staat mehr zu machen. Soviel stand schon fest.

Lektion gelernt

Angela Merkel hat ihren Politstar Guttenberg mit dem Argument verteidigt, sie habe einen Verteidigungsminister berufen und keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter. Was die Kanzlerin schmerzlich lernen musste: Das bedeutet noch lange nicht, dass die Öffentlichkeit Betrüger als politische Repräsentanten dulden muss.

Koch-Mehrin scheint wenigstens diese Lektion gelernt zu haben und hat sich aus eigener Initiative verabschiedet. Dass sie ihr Mandat im Europaparlament weiterhin behält, sollten wir ihr nachsehen. Sie muss schließlich auch künftig Mann und drei Kinder ernähren. Familienpflege muss sein, eine zweite Chance auch, vor allem deshalb, weil Koch-Mehrin eben nicht versucht hat, sich mit absurden Schutzbehauptungen und Lügen zu retten.

Die FDP ist geschwächt, aber es ist ihr auch eine neue Zerreißprobe erspart geblieben. Wir wollen Frau Koch-Mehrin für ihren stillen Abgang kein "summa cum laude" verleihen. Aber ein "cum laude" hat sie schon verdient.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
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