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9. Juli 2009, 10:24 Uhr

Zoff am Ring

Die Formel 1 startet am Sonntag auf dem runderneuerten Nürburgring. Der Umbau zum Erlebnispark sollte mit privatem Geld gestemmt werden. Doch die Finanzierung des Projekts ist dubios, wie stern.de im Februar aufdeckte. Rheinland-Pfalz verliert Millionen Euro - und der Finanzminister seinen Job. Von Bertram Job und Jens Tartler

Nürburgring, Ring, Deubel, Erlebnispark, Formel 1

Ein Baustellenschild am Nürburgring verweist auf den größten Finanzier des Projekts: die landeseigene Nürburgring GmbH© Juergen Schwarz/DDP

Der Gesang der Baumaschinen ist zum Dauerhit geworden zwischen den grünen Hügeln in der Eifel, die an Motorenlärm gewöhnt sind. Pünktlich zum ersten Training des Formel-1-Laufs am Donnerstagvormittag wird an den Baustellen am Nürburgring nochmals Vollgas gegeben. Es soll ein fulminantes Wochenende werden. Der junge Pilot Sebastian Vettel will vor deutscher Kulisse "in die Punkte fahren". Felix Sturm, Boxchampion aus Leverkusen, tritt am Samstag in der nagelneuen Indoor-Arena an, um seinen WM-Titel im Mittelgewicht zu verteidigen. Und als Highlight wird schon am Donnerstag die 250 Millionen Euro teure Erlebniswelt direkt neben der Rennstrecke offiziell eröffnet. Die Werbung verspricht "einen 15.000 Quadratmeter großen Freizeitpark rund um Mythos, Motorsport und Mobilität". Doch die Euphorie hat diese Woche einen kräftigen Dämpfer bekommen: Jetzt gibt es Crime statt Kirmes.

Windige Finanzierungspartner

Unter den 1200 Ehrengästen, die am Donnerstag zur Einweihung des nagelneuen Event-Centers erwartet werden, wird einer fehlen: Ingolf Deubel. Zwei Tage nach seinem Rücktritt als rheinland-pfälzischer Finanzminister hat er sich von der Laudatorenliste streichen lassen. Statt zu feiern, muss Deubel sich nun seiner Rolle in der "Nürburgring-Affäre" stellen. Seine Aufgabe war es, für das Projekt private Investoren zu finden, um den Landeshaushalt zu entlasten. Deubel ließ sich auf windige Geldgeber ein und einen Schweizer Makler, über den der SPD-Politiker sagt, er könne nicht ausschließen, dass dieser "strafrechtlich relevant gehandelt" habe. Jetzt ist die Privatisierung geplatzt, Steuergeld in Millionenhöhe futsch und Deubel seinen Posten los. Der gibt sich zerknirscht. "Natürlich war das ein politischer Fehler. Wahrscheinlich habe ich auch unterschätzt, welche Bedeutung das hier in Mainz bekommen würde."

Ausgangspunkt des ganzen Unheils ist die Bekanntschaft Deubels mit zwei Männern aus Wiesbaden vor gut einem Jahr. Die betreiben die Firma Pinebeck mit Sitz in Luxemburg. "Sie hatten ein Modell zur Immobilienfinanzierung. Das war zwar erklärungsbedürftig, aber ich habe es verstanden", sagt der Ex-Minister. Nach diesem Modell ist das Projekt "Nürburgring 2009" um 50 Millionen Euro günstiger zu realisieren als mit einer reinen Staatsfinanzierung. Finanzexperte Deubel ist fasziniert von dieser Perspektive.

Der Schurke aus der Schweiz

"Die taten dann Barandun auf." Urs Barandun - das ist der Schurke in dem ganzen Stück. Der 49-jährige Schweizer nennt sich Kreditvermittler. Er soll für Deubel die Investoren beschaffen. "Die Banken haben den geprüft", sagt der Politiker heute. "Mehr als internationale Banken kann auch ein kleines Bundesland nicht tun." Später allerdings sitzt Barandun angeblich drei Wochen in Dubai in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wird ihm, er habe in dem Emirat am Persischen Golf mit einem ungedeckten Scheck in Höhe von 1,4 Millionen Schweizer Franken bezahlen wollen.

Deubel hat zunächst einen guten Eindruck von dem Mann, der sehr eloquent auftritt. Weil aber die Konditionen des geplanten Sale-and-Leaseback-Geschäfts am Nürburgring auffallend günstig sind, gehen auch bei Deubel "alle Alarmglocken an". Deshalb beauftragt er die renommierten Anwaltskanzleien Redeker und Clifford Chance, die das Modell prüfen sollen. Ergebnis nach Deubels Aussage: "Keinerlei Risiko für die landeseigene Nürburgring GmbH."

Zum politischen Sprengsatz wird aber, dass Barandun vom Land fordert, 95 Millionen Euro auf ein Bardepot in der Schweiz zu überweisen. Das Geld brauche er, um die Geschäfte abwickeln zu können. Das Konto läuft zwar auf die Nürburgring GmbH, und Barandun kann allein nicht darüber verfügen, doch im Mainzer Landtag kommt das Konstrukt ganz schlecht an. Nicht nur CDU und FDP jagen Deubel jede Woche im Haushaltsausschuss. Auch die Sozialdemokraten fürchten ein Risiko für das Land.

Vertrauen in Deubel verloren

Hinzu kommt: Die Investorensuche läuft schleppend. Immer wieder überschreitet Barandun Fristen. Dann heißt es plötzlich, er habe einen ganz dicken Fisch an der Angel: Pierre S. DuPont V. ("der Fünfte") soll der Geldgeber sein, ein Nachkomme der amerikanischen Chemiedynastie. "Die Identität des Geldgebers konnte aber nie zweifelsfrei festgestellt werden", gibt Deubel zu. Da passt es ganz gut, dass auch Barandun abstreitet, Barandun zu sein, als er einmal in Zürich von einem deutschen Fernsehteam gestellt wird. Auch das versprochene Geld aus den USA kommt nie. Bis zur letzten Frist am Montagabend gibt es zwar Schecks. Aber es lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen, ob diese "werthaltig" sind, wie Deubel sagt.

In diesem Moment wird ihm und Ministerpräsident Kurt Beck "klar, dass wir die Reißleine ziehen müssen". Die Entscheidung für den Rücktritt fällt in der Nacht von Montag auf Dienstag. Deubel sagt, es wäre ihm unmöglich gewesen, in seinem Job weiterzumachen wie bisher: "Wenn ich mal wieder eine Idee gehabt hätte, hätten sich alle angeschaut und gedacht: Ja, ja, wieder so was wie beim Nürburgring."

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KOMMENTARE (10 von 11)
 
Cat.Amuser (10.07.2009, 09:32 Uhr)
Typisch Deutsch?
Hallo!
Also wenn hier schon "typisch Deutsch" bemüht werden muss, dann ist es doch eher der gerne gewählte Weg aberwitzige Projekte "nur durch private Mittel" zu finanzieren und wenn die Sache auf der Nase liegt, zahlt der Steuerzahler.
Nichts gegen Nürburgring 2009 und möge die Sache ein Erfolg werden. Ich gönne dem Ring und denen, die von ihm leben von Herzen ihre Erträge. Aber ob die Verwandlung in ein Disneyland mit angeschlossener Rennstrecke und prognostizierten Besucherzahlen in den Hunderttausenden so aufgeht wie geplant, das wird sich erst noch zeigen. Ich glaube nicht so richtig fest daran.
Von mir aus kann dort oben gebaut werden, was auch immer jemandem in den Sinn kommt. Aber wenn Projekte schon vor dem ersten Spatenstich äusserst wacklig wirkend daherkommen und am Schluss, wenn dann die Allgemeinheit zahlen darf, von den Verantwotlichen schulterzuckend gesagt wird "das konnte man nicht voraussehen" dann stinkt mir das schon gewaltig!
Viper2024 (09.07.2009, 17:57 Uhr)
Typisch Deutsch
Man weiß bisher nicht, ob das Ganze nicht doch noch ein Erfolg wird, aber Sicherheitshalber hauen schon mal alle drauf. Stattdessen wäre es natürlich sinnvoller gewesen das investierte Geld in die Sozialsysteme zu pumpen, damit die Leute die eh nicht arbeiten wollen, noch besser gestellt werden, gegenüber Geringverdienern. Typisch Deutsch!
Cat.Amuser (09.07.2009, 16:21 Uhr)
Wer hat's rausgefunden?
Soso, der Stern hat's also rausgefunden. Die Geschichte mit den dubiosen Finanzierungen.
Da frage ich mich doch, wieso das ganze Thema fein säuberlich recherchiert, schon seit über einem Jahr bei Wilhelm Hahne www.motor-kritik.de nachzulesen ist. Man kann sich dort auch noch zu weiteren Rendthemen rund um Nürburgring 2009 informieren.
Davon mal abgesehen bin ich ja mal gespannt, wie sich denn das Thema "runderneuerter Nürburgring" weiterentwickelt. Die prognostizierten Besucherzahlen, die ab sofort rund ums Jahr in die Eifel stürmen werden, sind jedenfalls abenteuerlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Projektentwickler derselbe ist, der Bremen den (wegen Nichtrentabilität und fehlender Besucher geschlossenen) Space Park beschert hat...
Lustig auch, dass Herr Deubel all' die Einsichten über seinen Geschäftspartner erst jetzt erhalten hat, obwohl ihm die Informationen, in Form von Anfragen, bereits länger zur Verfügung stehen? Aber macht ja nix: Zum Glück gibt's Ruhestandsbezüge...
Munter bleiben ;-)
C.A.
janus55 (09.07.2009, 16:19 Uhr)
Millionengrab in der Eifel eingeweiht
In das Millionengrab Nürburgring werden noch zig Millionen Euro Steuergelder fließen, die anderweitig dringend benötigt werden. Der Nürburgring liegt in einer landschaftlich wunderbaren Gegend - bei schönem Wetter. Aber was passiert in dieser abgelegenen Ecke im Herbst und Winter? Da sagen sich dann nur noch die Füchse gute Nacht.
Vielleicht wäre Kurt Beck als Nachtwächter oder Grüßaugust am Nürburgring gut aufgehoben. Aber leider hat er diese Chance vorerst vertan. Denn der Genosse Beck hätte zusammen mit Herrn Deubel den Hut nehmen müssen. Hätte Herr Beck den gesunden Menschenverstand eines Minister Guttenberg, hätte er sich längst gefragt, warum kein seriöser Investor in diese Projekt eingestiegen ist. Weil es sich nicht rechnet, lieber Kurt!
acenes (09.07.2009, 16:05 Uhr)
Die SPD macht aus Rheinland-Pfalz die zweite DDR
Dem Land Rheinland-Pfalz gehört der Flughafen Hahn. Dem Land Rheinland-Pfalz gehören einige große Fußballstadien. Dem Land Rheinland-Pfalz gehören neuerdings auch einige Freizeitparks. etc. etc. etc. Bald haben die linke Nahles und ihr Vollstrecker Beck eine zweite DDR aus Rheinland-Pfalz gemacht. So wie sie sich das schon immer gewünscht haben. Danke, SPD/PDS!
galonero (09.07.2009, 15:43 Uhr)
Zoff am Ring
vor allem wenn man immer rechtsrum fährt!!!!!!!!!
galonero (09.07.2009, 15:40 Uhr)
Zoff am Ring
Im Kreis fahren macht die Birne hohl, siehe Ekelstone...gggg
goofy4 (09.07.2009, 15:32 Uhr)
Na Toll
Für so einen Sch... hat Rheinland-Pfalz Geld. Aber den Landesbeamten das Weihnachtsgeld zusammenkürzen und Jahre lang keine Gehaltserhöhung zahlen (außer für den Landtag versteht sich) weil angeblich kein Geld da ist. Vielen Dank auch an den "Landesvater"
marihuhna (09.07.2009, 15:19 Uhr)
GeldausdemFensterwerfer
Na haben die Sozis wieder euer Steuergeld verballert? Das scheint wirklich das Einzige zu sein wo Beck, Steinmayer, Steinbrück und Konsorten wirklich richtig gut sind. Steuern rauf und dann das Geld mit vollen Händen raus zum Fenster. Die können ja leider nichts dafür da sie ja keine Ahnung von ihrem Job haben.
bernie-abg (09.07.2009, 14:59 Uhr)
Eloquentes Auftreten...
...und die richtigen Beziehungen, schon strömen die Steuermillionen nur so in die Taschen. Und das blöde Volk mault über die "ach so teueren H4'ler".
Einfach lächerlich, was in einem BILD-Gebildeten Land passiert.
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