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28. Oktober 2006, 10:19 Uhr

Schändeten auch die Fallschirmjäger?

Nach Medieninformationen sind auch deutsche Fallschirmjäger in die Totenschändungen in Afghanistan verwickelt. Kanzlerin Merkel befürchtet indessen offenbar Unruhen wegen der Vorfälle: Sie appellierte an das afghanische Volk, besonnen zu reagieren.

Neue Schändungsbilder legen nahe, dass auch Fallschirmjäger in den Skandal verwickelt sind© Michael Kappeler/DDP

In den Skandal um Totenschändungen in Afghanistan sind möglicherweise auch Fallschirmjäger der Bundeswehr verwickelt. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte am Samstag eine dritte Fotoserie, auf der nach Angaben des Blattes Fallschirmjäger zu sehen seien. Die Aufnahmen sollen Ende 2003 oder Anfang 2004 entstanden sein.

Das Verteidigungsministerium wollte zunächst keine genaueren Angaben zur Herkunft der Soldaten machen. "Wir ermitteln in diesem Fall wie in den anderen auch", sagte ein Sprecher. Auf den Bildern ist unter anderem zu sehen, wie ein Soldat einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett in der Art einer Hinrichtungsszene eine Pistole an den Totenschädel hält.

Auf einem anderen Foto wurde einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt. Auf einer weiteren Fotografie ist der Schriftzug "CSR-Team" aus Menschenknochen sichtbar. "CSR" ist laut "Bild" die bei den Soldaten benutzte militärische Abkürzung (englisch: campside reconnaissance, Deutsch: Gelände-Aufklärung rund um das deutsche Camp) für ihre Patrouillen. Dem Blatt liegen nach eigenen Angaben "dutzende neuer Bilder" vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zeigen.

Zwei Soldaten suspendiert

Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat bereits zwei der an den Vorfällen beteiligten Soldaten suspendiert und ihre Entlassung angekündigt. Der CDU-Politiker sagte am Freitag in Berlin, bei den Soldaten handele es sich um Bundeswehr-Angehörige, die 2003 an Totenschändungen beteiligt gewesen seien. In dieser Sache seien bislang insgesamt sechs Täter ermittelt worden, vier davon seien zwischenzeitlich aus dem aktiven Dienst ausgeschieden. In dem neu bekannt gewordenen Fall von Leichenschändung aus dem Jahr 2004 werde bislang gegen drei Tatverdächtige ermittelt.

Jung hat nach eigenen Angaben Kontakt mit der Regierung in Afghanistan aufgenommen. Er hoffe, dass es dort durch die Totenschändungen und die Veröffentlichung der Fotos jetzt nicht zu Gegenreaktionen komme. Die Regierung in Kabul hat die Aufklärung der Fälle und die Bestrafung der Täter gefordert.

Merkel appelliert an Afghanistan

Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte an das afghanische Volk, besonnen auf die mutmaßliche Totenschändung durch deutsche Soldaten zu reagieren. Dem "Focus" sagte Merkel laut Vorabbericht: "Es kommt darauf an, dass Afghanistan sieht: Solche Vergehen werden nicht geduldet, sondern schonungslos verfolgt und bestraft." Merkel kündigte eine drastische Bestrafung der Täter an. Wörtlich sagte die Kanzlerin: "Wer sich derart verhält, hat in der Bundeswehr nichts zu suchen." Die Bundesregierung werde alles in ihrer Macht Stehende tun, damit solche Vorfälle nicht mehr passierten.

Ex-Bundesverteidigungsminister Peter Struck forderte unterdessen eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge. Der "Bild am Sonntag" sagte der SPD-Fraktionschef laut Vorabbericht: "Und dann muss ein Exempel statuiert werden." Eine harte Bestrafung werde heilsame Wirkung auf alle haben, die im Ausland über die Stränge schlagen könnten.

Reuters/DPA
 
 
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