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17. September 2008, 13:58 Uhr

"Wir haben nie um Lösegeld gebettelt"

Die Bundesregierung sollte in Zukunft für entführte Bürger kein Lösegeld bezahlen. Dieser Meinung sind die beiden deutschen Segler, die 50 Tage in der Gewalt von somalischen Piraten gewesen sind. In einem Interview mit dem stern plädieren sie für einen konsequenten Kampf gegen Kidnapper - ohne Rücksicht auf das Leben der Geiseln.

Sabine Merz und Jürgen Kantner hätten ihre Entführer lieber "ausgeschaltet"© Maks Richter

Die Bundesregierung solle für entführte Bürger kein Lösegeld bezahlen, sondern die Kidnapper ohne Rücksicht auf die Geiseln bekämpfen, fordert der vor einem Monat freigekaufte Segler Jürgen Kantner. In einem Interview in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern sagte Kantner: "Ich habe nie um Lösegeld gebettelt."

"Wir wollten, dass diese Leute ausgeschaltet werden, damit nie wieder jemandem dieses Leid zugefügt wird. Dann wäre unser Tod wenigstens sinnvoll gewesen", bestätigte Kantners Partnerin Sabine Merz im stern. Das Paar war am 21. Juni von Piraten überfallen, nach Somalia entführt und 50 Tage lang gefangen gehalten worden.

"Es waren neun Mann, sie kamen mit zwei Booten, waren schwer bewaffnet", schildert Merz, 51, den Überfall. "Die waren ausgehungert, wollten was zu essen. Sie sagten, sie würden auf einen Frachter warten", ergänzt Kantner, 61. Erst am nächsten Tag, als größere Beute ausblieb, sei die Stimmung gekippt. Die Piraten hätten seine Partnerin ins Beiboot geworfen und ihm eine Schlinge um den Hals gelegt. Er habe einen Motorschaden vorgetäuscht, um auf der Schifffahrtsroute im Golf von Aden bleiben zu können, in dem auch die Bundesmarine operiert. Die Kidnapper hätten sie daraufhin zur Küste geschleppt.

Anders als in der Presse gemeldet, sei ihre Yacht nicht vor Somalia, sondern vor der Küste des Jemen gekapert worden, berichten die Segler in dem Interview. Ein Vertrauensmann aus dem Jemen habe ihnen diese Route empfohlen. Auf den Einwand, dass es im Golf von Aden in diesem Jahr schon 31 Attacken von Seeräubern gab, die derzeit zehn Schiffe mit 130 Seeleuten in ihrer Gewalt haben, sagte Kantner im stern: Segler seien nirgends sicher, auch vor Korsika und den Kanarischen Inseln seien vor kurzem Skipper von Piraten geschnappt worden.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 39/2008

Lesen Sie das ganze Interview im neuen stern

Lesen Sie das ganze Interview im neuen stern

 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
tripex (19.09.2008, 00:58 Uhr)
große Fische
Unabhängig der privaten Schicksale. Wenn das Bezahlen von Lösegeld so wie jetzt weitergeht dann werden Importwaren noch teurer. Entweder durch Bezahlen von Schutzgeldern oder erhöhter Security. Die Piraten sind ja wie im Bericht erwähnt eher auf Superfrachter aus statt auf kleine Privatjachten. Da steckt wesentlich mehr Lösegeld dahinter. An und für sich finde ich die Entwicklung ja erfreulich, denn Importwaren sind eh viel zu billig.
LisaT (18.09.2008, 09:54 Uhr)
Rot markierte Gebiete
Wer nicht hören kann, soll fühlen: Die Bundesregierung sollte in Gebieten, die sie als besonders gefährlich eingestuft hat, keine Rettungseinsätze mehr für leichtsinnige Bürger tätigen. Wir Steuerzahler werden dankbar sein.
RichardRoe (17.09.2008, 18:38 Uhr)
Weder a noch b
zu a: Die deutschen Eliteeinheiten zählen weltweit zu den Besten.
zu b: Die GSG9 und die KSK sind beide gegründet worden nachdem das Ausland moniert hat das der deutsche Staat seine Bürger nicht selbst schützen kann...
.
Kein Lösegeld zahlen ist politischer Selbstmord. Wenn keines gezahlt wird, kommt sofort das Geschrei das der Staat sich nicht um seine Bürger kümmert.
Und, wie schon angemerkt, militärische Aktionen sind kospspielig. Wahrscheinlch teurer als das Lösegeld.
Trotzdem bin ich der Meinung das es Zeit wird für ein Exempel. Denn wenn es so weitergeht werden die Schiffahrtsrouten weltweit zu unsicher. Dann wird es zu einem noch kospspieligerem wirtschaftlichen Problem wenn die Superfrachter überfallen werden. Ausserdem rüsten sich die Piraten mit jedem Lösegeld weiter auf. Dann würden militärische Aktionen noch teurer als sie es ohnehin schon sind.
MMSterling (17.09.2008, 18:20 Uhr)
Andere Sorgen
Vielleicht haben die Industriestaaten auch ganz andere Sorgen (Afghanistan, Irak, Georgien etc., Flutkatastrophen, Wirbelstürme Erdbeben) als mit der halben Bundesmarine 10 Traumtänzer pro Jahr zu eskortieren und ggf. aus einer heiklen Situation zu retten. Da ist das Lösegeld im Zweifel preiswerter.
Franzoesin (17.09.2008, 17:38 Uhr)
Lösegeld
Gestern haben französische Elite-Einheiten zwei Franzosen vor Somalia auf hoher See befreit : 1 toter und 6 gefangene somalische Geiselnehmer waren das Ergebnis - nix Lösegeld-Zahlung. Man fragt sich warum die Deutschen, die Elite-Einheiten, wie die SG 9 und SEK besitzen, diese nicht in Somalia einsetzen ?! Es gibt wahrscheinlich 2 Gründe: die Eliten sind gar nicht so Elite oder b) um das Ausland nicht zu erschrecken - man weiß ja : böse deutsche Vergangenheit und so - und dann könnten die somalischen Täter ( dann Opfer der Deutschen )von den Deutschen, mit Unterstützung der Grünen und allen anderen Tieffliegern" Wiedergutmachung einklagen.
barbaros68 (17.09.2008, 17:37 Uhr)
So einfach ist es nicht
Das vielleicht vor den kanarischen Inseln oder vor Korsika sogar vor einigen griechischen Inseln es zu Piaretkaperungen gekommen ist und kommen kann wissen viele Skipper auch. Nur der Golf von Aden ist nun wirklich ein heisses Pflaster. Die ganze See vor Jemen und Somalia und weiter nach Sudan ist hochgefaehrlich. Mann kann auch nicht auf diesen Seeweg verzichten, ausser mann will um ganz Afrika herumfahren was auch nicht ganz ungefaehrlich ist. Nichtzahlen von Lösegeldern halte ich für nichtlegitim aber eine globale militaerische Kooperation waere eine Lösung. Alle Staaten sind hier betroffen, ob ein chinesischer, russicher, amerikanische Yacht, Segelschiff oder Frachter überfallen wird ist völlig egal. Die Piraten erkundigen sich ja nicht nach der Nationalitaet der Überfallenen. Würde man wirklich eine starke Praesenz von Kriegsschiffen haben plus Luftunterstützung durch Awacs Flugzeuge könnte man schon eheblich das Risiko vermindern. Dazu könnte man es dann auch wie die Franzosen machen, wenn schon Geiseln da sind, zuerst zahlen und dann mit Spezialeinheiten den Entführern nachsetzten und sie dingfest machen oder sogar töten. Wenn die Piraten wissen das ihre Aktionen mit einem erheblichen Risiko verbunden ist werden sicher einige Clans auf andere "Erwerbsgebiete" ausweichen. Völlige Sicherheit wird es nicht geben aber mann kann Staerke und Haerte in einem gröseren Mass zeigen wie es heute ist.
Kiezzabel (17.09.2008, 17:34 Uhr)
wie war das noch
Wurde damals den Wallerts nicht eine saftige Rechnung nach der Befreiung präsentiert??
Wie dem auch sei. So einfach, wie die beiden sich das vorstellen, ist das nunmal nicht.-
exiled (17.09.2008, 16:49 Uhr)
Schwätzer!
...na klar! Ihr habt ja gut reden, ihr Spinner. Ihr seid ja nun auch frei, NACHDEM Vater Staat Unmengen an Lösgeld gezahlt hat!
Ätzendes Pack!
Xyr2 (17.09.2008, 16:37 Uhr)
...
Im Nachhinein lässt sich das ja gut behaupten...
bR4iNST0RM (17.09.2008, 16:16 Uhr)
Einziger Weg!
Sehr gute Einstellung!
Die Vorredner hier haben zwar im ersten Moment schon recht, wenn sie los schreien wie unmenschlich das ist, kein Lösegeld zu bezahlen und damit den Tod der Entführungsopfer zu riskieren, aber es ist nicht nachhaltig genug Nachgedacht worden!
Die Aussage von Sabine Merz und Jürgen Kantner ist das Einzige, was wirklich gegen den Terror hilft! Wenn der Staat (egal welcher) ständig für entführte Bürger Lösegeld abdrückt, wird es die folgenden Entführungen anfachen! Denn die Spacken von Entführer wissen dann, dass ja bezahlt wird. Das kann in deren Denkweise zu einem sehr lukrativen Geschäft werden!
Wenn sich immer gebückt wird, und diesen Bauern das Geld in den Rachen geworfen wird, werden die Entführungen zunehmen!
Das hat hier auch herzlich wenig mit „Heldentum“ oder so etwas zu tun. Wenn diese Hinterwäldler aber merken, dass mit Entführungen nichts erreicht wird, außer dass sie im Ernstfall einen Mord an der Backe haben, wird sich das von selbst erledigen!
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